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Mittwoch, 01. Oktober 2014

Der weibliche Zyklus

Der weibliche Zyklus
Der weibliche Zyklus wird durch ein Zusammenspiel verschiedener Hormone geregelt
Getty Images/iStockphoto

Der weibliche Zyklus wird durch Hormone gesteuert, aber auch noch durch weitere Faktoren beeinflusst. Der Eisprung und damit die fruchtbare Phase der Frau liegt in der Zyklusmitte.

Der weibliche Zyklus beginnt am ersten Tag der Menstruation und dauert durchschnittlich 28 Tage an. Der Zyklus wird in verschiedene Phasen unterteilt, in denen eine befruchtungsfähige Eizelle heranreift und sich nach der Befruchtung in die Gebärmutterschleimhaut einnisten kann. Der Menstruationszyklus wird durch das Alter, den Körperbau, die Psyche, den Stoffwechsel und durch die Produktion verschiedener Hormone im Körper beeinflusst.

Der Zyklus wird in folgende Phasen unterteilt:

  • 1. Zyklushälfte: Reifungsphase der Eibläschen (Follikelphase)
  • Zyklusmitte: Eisprung (Ovulation)
  • 2. Zyklushälfte: Gelbkörperphase (Lutealphase)

Die Phasen des weiblichen Zyklus

In den einzelnen Zyklusphasen spielen sich verschiedene Vorgänge innerhalb des Körpers ab.

Reifungsphase der Eibläschen (Follikelphase)

Der erste Zyklustag ist der erste Tag der Menstruation. Es beginnt die Reifungsphase der Eibläschen (Follikelphase). Der Hypothalamus, ein Teil des Zwischenhirns, schüttet das Hormon GnRH aus, woraufhin die Bildung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) in der Hirnanhangdrüse stimuliert wird. Im Eierstock reifen nun unter dem Einfluss des FSH etwa 40 bis 100 Eibläschen (Follikel) heran. Sie produzieren Östrogene - die weiblichen Geschlechtshormone.

Nur eins der Eibläschen entwickelt sich in der Regel zum sprungbereiten Leitfollikel. Geschieht es doch einmal, dass sich mehrere Eibläschen weiter entwickeln und auch mehrere befruchtet werden, entstehen Mehrlinge.

Gegen Mitte des Zyklus führt der Östrogenanstieg dazu, dass sich der Gebärmutterhalskanal (Zervixkanal) weitet und der Zervixschleim wässrig, klar und gut spinnbar wird. Der Schleim lässt sich nun zwischen zwei Fingern in etwa zehn bis zwölf Zentimeter lange Fäden ziehen. Für Spermien ist er jetzt besonders gut durchlässig.

Die Dauer der Follikelphase ist variabel und endet immer zum Zeitpunkt des Eisprungs. Bei einem Zyklus von 28 Tagen ist sie etwa 14 Tage lang. Bei einem Zyklus von 35 Tagen dauert sie etwa 21 Tage.

Eisprung (Ovulation)

Kurz vor dem Eisprung wird durch die Östrogenausschüttung ein rapider Anstieg des Hormons LH ausgelöst. Gemeinsam mit dem bereits angestiegenen Progesteron löst das LH dann zehn bis zwölf Stunden später den Eisprung aus. Das bedeutet, dass eine reife Eizelle aus dem Leitfollikel im Eierstock ausgestoßen wird und in den Eileiter wandert. Ohne diesen "LH-Peak" kann der Eisprung nicht stattfinden.

Der Eisprung ist die Voraussetzung dafür, dass eine weibliche Eizelle von einer männlichen Samenzelle befruchtet werden kann. Eine Eizelle ist nach dem Eisprung noch etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig.

Gelbkörperphase (Lutealphase)

Die zweite Zyklushälfte beginnt mit dem Eisprung und dauert immer 14 Tage.

Aus den Resten des Follikels, die im Eierstock verbleiben, entwickelt sich der Gelbkörper (Corpus luteum). Diese kleine Drüse produziert für kurze Zeit das Gelbkörperhormon Progesteron. Es sorgt dafür, dass nach dem Eisprung innerhalb von zwei Tagen die Körpertemperatur einer Frau um mindestens 0,3 Grad Celsius ansteigt. Während der Gelbkörperphase bleibt die Temperatur stets erhöht.

Progesteron und Östrogene sorgen in der zweiten Zyklushälfte dafür, dass die Schleimhaut der Gebärmutter aufgebaut und für die Aufnahme einer befruchteten Eizelle vorbereitet wird. Die Schleimhaut wird dann zunehmend dicker. Nistet sich eine befruchtete Eizelle ein, bleibt die nachfolgende Menstruationsblutung aus.

Wenn jedoch während der fruchtbaren Tage die Eizelle nicht befruchtet wurde, bildet sich der Gelbkörper gegen Ende des Zyklus wieder zurück. Der Rückgang des Progesterons löst die Menstruationsblutung aus, bei der die Gebärmutterschleimhaut zerfällt und ausgestoßen wird.

Gleichzeitig mit der eingetretenen Blutung steigen im Blut der Frau die Werte der Östrogene und die der Hormone LH und FSH wieder an und ein neuer Zyklus beginnt.

Wie lange dauern die Zyklusphasen an?

Der weibliche Zyklus dauert durchschnittlich 28 Tage, wobei Schwankungen zwischen 21 und 35 Tagen als normal angesehen werden.

Da die zweite Zyklushälfte (Gelbkörperphase) bei jeder Frau 12 bis 14 Tage lang dauert und nur die erste Zyklushälfte unterschiedlich lang ist, kann der Zeitpunkt des Eisprungs in der Zyklusmitte einfach berechnet werden, sofern die Dauer des eigenen Zyklus bekannt ist.

Die folgende Tabelle zeigt auf, wie lange die beiden Phasen des Zyklus andauern und an welchen Tagen in der Zyklusmitte mit einem Eisprung zu rechnen ist.


Zykluslänge 26 Tage 27 Tage 28 Tage 29 Tage 30 Tage 31 Tage
1. Zyklushälfte 1. bis 10. Tag 1. bis 11. Tag 1. bis 12. Tag 1. bis 13. Tag 1. bis 14. Tag 1. bis 15. Tag
Zyklusmitte (Eisprung) 11. bis 12. Tag 12. bis 13. Tag 13. bis 14. Tag 14. bis 15. Tag 15. bis 16. Tag 16. bis 17. Tag
2. Zyklushälfte 13. bis 26. Tag 14. bis 27. Tag 15. bis 28. Tag 16. bis 29. Tag 17. bis 30. Tag 18. bis 31. Tag

Möglich Befindlichkeitsstörungen im Verlauf des Zyklus

Die hormonellen Veränderungen während des Zyklus können sich auf die Befindlichkeit einer Frau ganz individuell auswirken. Häufig werden die Einflüsse nicht einmal bewusst wahrgenommen.

So kann die gesteigerte Östrogenproduktion in der ersten Zyklusphase die Stimmung anheben, während sich die vermehrte Produktion von Progesteron in der zweiten Zyklusphase eher beruhigend auswirkt. Die Brustdrüsen nehmen aufgrund der hormonellen Veränderungen in der zweiten Zyklusphase an Umfang zu. Die Brüste sind dann besser durchblutet und das Gewebe neigt dazu, Wasser einzulagern.

Manche Frauen fühlen um den Eisprung den so genannten Mittelschmerz. Dieser wird vermutlich durch das Heranreifen und Platzen des Follikels beim Eisprung verursacht.

Unter dem Begriff "Prämenstruelles Syndrom" (PMS) werden Befindlichkeitsstörungen wie seelische Unausgeglichenheit oder Spannungsgefühle in den Brüsten zusammengefasst. Das PMS tritt nur bei manchen Frauen und dann gegen Ende eines Zyklus auf. Die erste Zyklusphase ist beschwerdefrei. Die genauen Ursachen des PMS sind bislang nicht eindeutig geklärt.

Einflüsse auf den Zyklus

Der weibliche Zyklus kann von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst werden. Unregelmäßigkeiten des Zyklus sind an Menstruationsstörungen zu erkennen. Ursachen hierfür können beispielsweise ein hormonelles oder psychisches Ungleichgewicht, Stoffwechselstörungen oder Fehlbildungen im Genitalbereich sein.

Zyklusstörungen

Zyklusstörungen führen nicht zwangsweise zur Unfruchtbarkeit. Sie können der Erfüllung eines Kinderwunschs jedoch im Wege stehen, wenn die Menstruation ganz ausbleibt, in den Zyklen kein Eisprung stattfindet oder die weiblichen Geschlechtsorgane nicht richtig funktionieren. Es ist immer sinnvoll, die Ursachen von Zyklusstörungen mit einem Arzt abzuklären.

Hormonelle Verhütungsmittel

Hormonelle Verhütungsmethoden, wie beispielsweise die Pille, enthalten entweder Kombinationen aus Gestagenen und Östrogenen oder nur Gestagene. Sie greifen in den Verlauf des Zyklus ein, da sie im Körper Hormone freisetzen und so eine Schwangerschaft verhindern. Dabei wird unterschieden zwischen Verhütungsmitteln, die den Eisprung unterdrücken und Präparaten, die das Einnisten der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut unterdrücken.

Frauen mit unregelmäßigen Zyklen oder Beschwerden während der Menstruationsblutung, kann die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel zu einer Verminderung der Beschwerden und gleichmäßigen Zyklen verhelfen. Ein Arzt kann im individuellen Fall weiterhelfen.

Bildergalerie: Wie bestimmen unsere Nutzerinnen ihren Eisprung bei Kinderwunsch?

Wie bestimmen unsere Nutzerinnen ihren Eisprung bei Kinderwunsch?

Autor: Jessica Schmid/Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 14. Mai 2014
Quellen: Breckwoldt, M. et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Stuttgart, Thieme 2008; Diedrich, K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Heidelberg, Springer 2007; Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin 2007

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