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Dienstag, 19. Juni 2018
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Schwangerschaftsdemenz: Vergesslichkeit in der Schwangerschaft

Ewigkeiten nach dem Schlüssel suchen, Verabredungen verschwitzen und Wörter vergessen – angeblich sind das typische Symptome einer Schwangerschaftsdemenz. Aber ist die Vergesslichkeit in der Schwangerschaft tatsächlich real oder nur ein Mythos?

Schwangerschaftsdemenz: Vergesslichkeit in der Schwangerschaft
Da war doch noch was - oder? Viele Frauen kennen das Problem der Vergesslichkeit in der Schwangerschaft - nachgewiesen werden konnte das Phänomen bisher nicht
iStock/SIphotography

Das Gerücht, Frauen würden im Laufe ihrer Schwangerschaft an Vergesslichkeit leiden, ist weltweit verbreitet: Was wir hierzulande als „Schwangerschaftsdemenz“ bezeichnen, wird im Englischen „Baby Brain“ genannt.

Welche Symptome treten bei einer Schwangerschaftsdemenz auf?

Frauen mit Babybauch klagen häufig darüber, dass sie plötzlich verwirrter und vergesslicher sind als sonst. Mangelnde Aufmerksamkeit, Konzentrationsschwäche und Wortfindungsstörungen stempeln die meisten unter einer Schwangerschaftsdemenz ab. Schließlich soll die verminderte Gedächtnisleistung zu den klassischen Beschwerden in der Schwangerschaft gehören. Einige Frauen nehmen ihre neu erworbene Schusseligkeit mit Humor, anderen machen die Symptome der Schwangerschaftsdemenz ganz schön zu schaffen und sie leiden sehr darunter.

Welche Ursachen hat eine Schwangerschaftsdemenz?

Über die Ursachen der Schwangerschaftsdemenz wird in Expertenkreisen viel diskutiert. Ob der veränderte Hormonhaushalt Auswirkungen auf das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten hat, ist umstritten. Es gibt Vermutungen, dass die Schwangerschaftsdemenz mit der Ausschüttung von Prolaktin – einem Hormon, das schon während der Schwangerschaft für die Milchbildung produziert wird – in Verbindung stehe. Der erhöhte Oxytocin- und Prolaktin-Spiegel führt bei Müttern nach der Geburt angeblich nämlich auch zu der so genannten Stilldemenz.

Im Jahr 2005 kamen Forscher an der kanadischen Simon Fraser University in Burnaby sogar zu dem Ergebnis, der Grad der Schwangerschaftsdemenz hänge vom Geschlecht des Babys ab: Ist das Kind ein Mädchen sei der HCG-Spiegel bei der Mutter höher und dies habe Einfluss auf das Gedächtnis. Schwangere, die einen Jungen erwarten, seien demnach weniger vergesslich.

2010 lieferte eine australische Studie den Gegenbeweis: 1.200 Frauen wurden vor, während und nach ihrer Schwangerschaft auf ihre kognitiven Leistungen überprüft. Bei Gedächtnistests und Konzentrationsübungen konnten keine Unterschiede festgestellt werden. Im Gegensatz zu anderen Schwangerschaftsbeschwerden wie Müdigkeit, Gelüste und Stimmungsschwankungen sind die Hormone an dem Phänomen der Vergesslichkeit in der Schwangerschaft demnach nicht schuld.

Schwangerschaftsdemenz – nur Einbildung?

Ist die Schwangerschaftsdemenz also doch nur ein Mythos? Auch, wenn die Vergesslichkeit vielleicht nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, bestätigen schwangere Frauen, ihre Partner, Familien und Bekannte, dass es sie gibt. Doch was sind nun die wahren Ursachen für die Schwangerschaftsdemenz? Die australischen Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Aufmerksamkeit der Schwangeren jetzt einfach auf einen anderen Lebensbereich richtet. Werdende Mütter sind mit den Veränderungen ihres Körpers und den nahenden Herausforderungen beschäftigt – daneben können andere Themen schon einmal verblassen. Außerdem machen ihnen Müdigkeit, Schlaflosigkeit und andere körperliche Beschwerden zu schaffen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Konzentration manchmal nachlässt.

Tipps: Was tun bei Schwangerschaftsdemenz?

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn sich bei Ihnen die Symptome einer Schwangerschaftsdemenz bemerkbar machen. Die Vergesslichkeit ist nicht gefährlich und wird spätestens nach der Stillzeit wieder verschwinden. Auch, wenn das Wort „Demenz“ möglicherweise irreführend ist, entsteht durch die Vergesslichkeit kein bleibender Schaden.

Achten Sie während der Schwangerschaft aber darauf, dass Sie sich ausreichend ausruhen, damit keine Erschöpfungszustände auftreten. Ihr Körper tut alles dafür, Ihr Baby optimal zu versorgen – das ist ein Kraftakt und zehrt an Ihnen. Hören Sie auf die Warnzeichen Ihres Körpers und gönnen Sie sich Pausen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2016
Quellen: Höfer, S. und Szász, N.: Hebammen Gesundheitswissen. Gräfe und Unzer, München 2015; Online-Informationen der Ärzte Zeitung Verlags-GmbH: www.aerztezeitung.de, (Stand: 12.05.2005; Abruf: 05.08.2015); Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.familienplanung.de, (Abruf: 05.08.2015)

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