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Penicilline und Cephalosporine gelten als sicher

Antibiotika in der Schwangerschaft

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 20. August 2019

Antibiotika sind auch in der Schwangerschaft manchmal unverzichtbar, denn unbehandelte bakterielle Infektionen können teils schwere Komplikationen verursachen. Doch nicht alle Wirkstoffe sind gut geeignet.

Antibiotika in der Schwangerschaft
Antibiotika sind unverzichtbar bei der Behandlung bakterieller Infektionen, die besonders in der Schwangerschaft zu Komplikationen führen können.
© iStock.com/gpointstudio

Nicht selten reagieren Schwangere erst einmal ablehnend, wenn ihnen Antibiotika verordnet werden. Doch zahlreiche bakterielle Infektionen können die Schwangerschaft und das Baby im Bauch gefährden oder zu Früh- oder Fehlgeburten führen. Hohes Fieber, eine häufige Begleiterscheinung bakterieller Infektionen, steht außerdem unter Verdacht, das Risiko für Fehlbildungen beim Baby zu erhöhen.

In diesem Artikel lesen Sie:

Was sind Antibiotika?

Antibiotika sind Medikamente, die gegen Bakterien eingesetzt werden. Entgegen einer immer noch verbreiteten Fehlannahme helfen sie nicht gegen von Viren verursachte Infektionen. Antibiotika töten Bakterien ab oder hemmen sie in ihrem Wachstum – sie wirken also giftig (toxisch) auf die Erreger. Viele Erkrankungen, die vor der Entwicklung des Penicillins im Jahr 1929 tödlich endeten, können heute durch die Einnahme eines Antibiotikums vollständig geheilt werden. Heute gibt es zahlreiche verschiedene Wirkstoffe, die antibiotisch wirken. Sie werden aus Stoffwechselprodukten von Bakterien oder Pilzen hergestellt. Wichtig ist, sie genau nach Anordnung des Arztes einzunehmen, da sonst die Gefahr von Resistenzen steigt.

Aber Antibiotika haben auch Nebenwirkungen. So wirken sie auch auf nützliche Bakterien, wie sie zum Beispiel in der Darmflora vorkommen. Zudem können sie zahlreiche Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen verursachen. In der Schwangerschaft sollen Antibiotika nur sehr bedacht eingesetzt werden, da sie sich auf die Entwicklung des Babys und die Schwangerschaft auswirken können.

Wann sind Antibiotika in der Schwangerschaft sinnvoll?

Die kurze Antwort: Immer dann, wenn Ihr Arzt sie Ihnen verordnet. Vertrauen Sie bitte darauf, dass Ihr Arzt etwas von dem versteht, was er tut und dabei Ihre Gesundheit und die Ihres Babys im Blick hat. Sollten Sie noch nicht sichtbar schwanger sein, etwa in der Frühschwangerschaft, teilen Sie das Ihrem Arzt bitte unbedingt mit, wenn er Ihnen ein Antibiotikum verordnen möchte.

Antibiotika gegen bakterielle Infektionen

Antibioka wirken gegen bakterielle Erreger. Die Bandbreite der bakteriellen Infektionen ist groß. In der Schwangerschaft kommen noch weitere Erkrankungen hinzu, die unbedingt medikamentös behandelt werden müssen, zum Beispiel die Listeriose: Listerien-Bakterien sind meist harmlos, können aber bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem, Vorerkrankungen oder eben Schwangeren schwere Komplikationen verursachen. In der Schwangerschaft wird diese Infektion mit dem Antibiotikum Ampicillin behandelt. Ampicillin gehört zur Gruppe der Penicilline, die in der Schwangerschaft als gut verträglich gelten – vorausgesetzt natürlich, es besteht keine Allergie gegen Penicilline.

Bakterielle Infektionen, gegen die Antibiotika auch in der Schwangerschaft verordnen werden können:

Dürfen Antibiotika in der Frühschwangerschaft eingenommen werden?

Nicht alle Antibiotika sind für die Schwangerschaft geeignet. Manche können Fehlbildungen verursachen (sie sind "teratogen"), andere sind giftig für das Baby ("zytotoxisch"). Der Einsatz eines Antibiotikums hängt auch vom Schwangerschaftsstadium ab. Besonders in der Frühschwangerschaft, also in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten, ist das Baby noch sehr empfindlich. In dieser Zeit bilden sich die Organe aus, äußere Einflüsse wie Alkohol und Nikotin, aber auch Stress und Medikamente wie Antibiotika können in dieser sensiblen Phase möglicherweise eher zu Schädigungen führen. Andererseits können schwere bakterielle Infektionen, die womöglich noch mit hohem Fieber einhergehen, ebenfalls zu Schädigungen des Babys oder sogar zum frühzeitigen Ende der Schwangerschaft durch eine Fehlgeburt führen – auch hier ist also wieder die Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt entscheidend.

Mittel der Wahl in der Schwangerschaft

Grundsätzlich gilt: Als Mittel der Wahl für die gesamte Schwangerschaft gelten laut Embryotox, dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Antibiotika aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika. Dazu gehören Penicilline und Cephalosporine. Für die Anwendung dieser Wirkstoffe in der Schwangerschaft gibt es einen hohen Erfahrungsumfang. Das ist für die Einschätzung enorm wichtig, denn mit Schwangeren dürfen keine Studien zur Wirkung von Medikamenten durchgeführt werden. Bei einer Allergie oder aus anderen Gründen können alternativ Makrolide verordnet werden.

Übersicht über häufig verordnete Antibiotika und ihre Wirkung in der Schwangerschaft

Wirkstoff Anmerkungen
Amoxicillin Mittel der Wahl, gehört zu den Penicillinen, hoher Erfahrungsumfang, aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Amoxicillin und Clavulansäure hoher Erfahrungsumfang, kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Ampicillin Mittel der Wahl, gehört zu den Penicillinen, hoher Erfahrungsumfang, aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Cefalexin Mittel der Wahl, gehört zu den Cephalosporinen, hoher Erfahrungsumfang, aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Cefaclor Mittel der Wahl, gehört zu den Cephalosporinen, hoher Erfahrungsumfang, aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Cefuroxim Mittel der Wahl, gehört zu den Cephalosporinen, hoher Erfahrungsumfang, aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Cefadroxil gehört zu den Cephalosporinen, hoher Erfahrungsumfang, aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko im ersten Trimester, bislang keine Hinweise auf erhöhtes Risiko im zweiten und dritten Trimester
Clindamycin Reservemittel, mittlerer Erfahrungsumfang, kann sich im Knochen anreichern, keine Studien zur Wirkung in der Frühschwangerschaft, im zweiten und dritten Trimester keine Hinweise auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Erythromycin Alternative zum Mittel der Wahl, gehört zu den Makroliden, hoher Erfahrungsumfang, nur vereinzelt Hinweise auf erhöhte Fehlbildungsrate bei Verwendung in der Frühschwangerschaft, möglicherweise erhöhtes Risiko für Pyorusstenose bei Anwendung im dritten Trimester, bislang aber noch nicht bestätigt
Ethambutol Mittel zur Behandlung der Tuberkulose in der Schwangerschaft, hoher Erfahrungsumfang
Fluconazol nur wenn absolut notwendig, sehr hoher Erfahrungsumfang, möglichst keine Anwendung im ersten Trimester, Risiko für Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sowie Herzfehlbildungen erhöht, bei Langzeitanwendung erhöhtes Fehlbildungsrisiko, ab dem zweiten Trimester keine Hinweise auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Isoniazid Mittel zur Behandlung der Tuberkulose in der Schwangerschaft, hoher Erfahrungsumfang
Metronidazol Gabe nur nach kritischer Prüfung, hoher Erfahrungsumfang
Nitrofurantoin Reservemittel, hoher Erfahrungsumfang, gegen resistente Harnwegsinfektionen, möglicherweise erhöhtes Fehlbildungsrisiko bei Anwendung in der Frühschwangerschaft, leicht erhöhtes Risiko für Neugeborenengelbsucht bei Anwendung im letzten Schwangerschaftsmonat
Penicilline Mittel der Wahl, hoher Erfahrungsumfang, aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, kein Hinweis auf erhöhtes Fehlbildungsrisiko
Rifampicin hoher Erfahrungsumfang, kein erhöhtes Risiko von Fehlbildungen in der Frühschwangerschaft, ab dem zweiten Trimester bei Langzeitanwendung kann sich die Blutungsneigung beim Neugeborenen erhöhen
Sulbactam hoher Erfahrungsumfang, keine Hinweise auf Fehlbildungsrisiko
Sulfonamide im ersten Schwangerschaftsdrittel werden eine Reihe von Entwicklungsstörungen wie Neuralrohrdefekte, Fehlbildungen des Herzens oder Gaumenspalten diskutiert, für den zur Gruppe gehörenden Wirkstoff Sulfadiazin gibt es für die Frühschwangerschaft keine Studien, ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel gelten Sulfonamide als Antibiotika der 2. Wahl
Tetracycline für die Anwendung im ersten Trimester ist kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen bekannt, ab der 16. SSW problematisch, da sie eine Verfärbung und Verformung der Milchzähne verursachen können, daher nur bis zur 16. SSW geeignet als Antibiotikum der 2. Wahl. Häufige Vertreter von Tetracylinen sind Doxycylin und Minocylin.
Co-trimethoprim als Folsäureantagonist kann Trimethoprim im Tierversuch teratogen wirken, was besonders das erste Trimester betrifft, Antibiotikum der 2. Wahl
Vancomycin Antibiotikum der 2. Wahl, geringer Erfahrungsumfang

Als Quelle diente die Datenbank von Embryotox auf www.embryotox.de.

Weitere Informationen über Medikamente und Schmerzmittel in der Schwangerschaft erhalten Sie bei Embryotox.

Alarmzeichen in der Schwangerschaft: Bei diesen Symptomen zum Arzt
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 20. August 2019
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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