Ein Angebot von Lifeline
Freitag, 21. September 2018
Menu
Schwermetalle und Chemikalien können unfruchtbar machen

Umweltgifte und Fruchtbarkeit

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 16. August 2018

Zahlreiche Umweltgifte stehen im Verdacht, die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern zu schädigen. Vor allem Schwermetalle wie Blei und Quecksilber sowie Chemikalien wie Bisphenol A (BPA) sind in den letzten Jahren in den Blickpunkt der Ursachenforschung von Sterilität gerückt. Obwohl zahlreiche Studie deutliche Hinweise auf Zusammenhänge liefern, sind offizielle Empfehlungen immer noch rar.

Umweltgifte und Fruchtbarkeit
Umweltgifte wie Quecksilber aus Amalgam können sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken, es empfiehlt sich daher, amalgamhaltige Zahnfüllungen spätestens bei Kinderwunsch entfernen zu lassen.
© iStock/Squaredpixels

Besorgniserregend ist die Tatsache, dass sich die Spermienqualität in den letzten 15 Jahren ständig verschlechtert hat und viele Paare ungewollt kinderlos bleiben, ohne dass zunächst medizinische Ursachen hierfür gefunden werden.

Ärzte raten Paaren mit Kinderwunsch immer häufiger dazu, Schadstofftests durchführen zu lassen, Wohnungen und Häuser zu entgiften oder sogar die Arbeitsstelle beziehungsweise den Beruf zu wechseln. Meist lässt sich keine Aussage darüber treffen, welche Schadstoffe in welcher Konzentration sterilisierend wirken, da Menschen unterschiedlich empfindlich auf Umweltgifte reagieren. Ein Nachweis der Unfruchtbarkeit durch Umweltgifte ist nicht einfach, denn diese umgeben uns überall.

In diesem Artikel lesen Sie:

Tipps, um die Fruchtbarkeit zu steigern

Diese Schwermetalle schaden der Fruchtbarkeit

Die Fehlbildungsraten von Kindern bleibelasteter Mütter sind deutlich erhöht. Blei wird für Hormonstörungen und Zyklusunregelmäßigkeiten verantwortlich gemacht. Frauen, die Früh-, Fehl- und Totgeburten hatten, weisen oft eine erhöhte Bleikonzentration im Blut auf. Gerade in den neuen Bundesländern werden immer noch viele Altbauhäuser über Bleirohre mit Trinkwasser versorgt. Blei ist außerdem in vielen Farben enthalten sowie in Nahrungsmitteln, die in Ballungsgebieten angebaut wurden.

Studien haben außerdem ergeben, dass sich Blei sowohl auf die Funktionsfähigkeit als auch auf die Zahl und Beweglichkeit der Spermien negativ auswirkt.

Tierversuche haben gezeigt, dass Kadmium die Fruchtbarkeit senkt. Bei schwangeren Frauen reichert es sich im Fruchtwasser und im Fötus an, stören das Wachstum des Kindes und führen mitunter zu Fehlbildungen. Durch Schellfisch, Säugetierleber und Reis gelangt das Schwermetall in den Körper. Phosphatdünger enthält ebenfalls Kadmium. Der Kadmiumspiegel bei Raucherinnen ist höher als bei Nichtraucherinnen.

Quecksilber ausleiten bei Kinderwunsch

Die Schädlichkeit von Quecksilber ist schon seit langem bekannt. Der Nachweis, dass das Schwermetall einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat, konnte aber bisher nicht erbracht werden. Man weiß allerdings, dass hohe Mengen den Hormonhaushalt verändern und bei Ungeborenen und Kindern schwerste Hirnschädigungen hervorrufen. In den letzten Jahren entbrannte eine heftige Diskussion über die Schädlichkeit von amalgamhaltigen Zahnfüllungen (einer Mischung aus Quecksilber und anderen Metallen), als Frauenärztinnen ihren Sterilitätspatientinnen empfahlen, ihre Amalgamfüllungen entfernen zu lassen. Bei Frauen mit mehr als zehn Amalgamfüllungen können Zyklusstörungen auftreten, die auch durch Hormontherapie nicht zu behandeln sind.

Wenn eine Zahnsanierung gemacht wird und die Amalgamplomben entfernt werden, steigt zunächst der Anteil von Quecksilber im Blut an. Daher sollten Sie nicht unmittelbar, bevor Sie ein Kind zeugen möchten, eine Zahnsanierung anstreben und nach einer Zahnsanierung in jedem Fall eine sogenannte Ausleitungstherapie machen. Diese trägt dazu bei, dass das Quecksilber vermehrt ausgeschieden wird.

Wer Quecksilber oder andere Schwermetalle ausleiten möchte, sollte unbedingt zunächst einen Arzt zu Rate ziehen und von ihm die Belastung des Körpers mit Schwermetallen messen lassen. Neben naturheilkundlichen Maßnahmen können bei einer Schwermetallvergiftung vom Arzt Chelatbildner verschrieben werden. Sie sind rezeptpflichtig. Selen und Vitamin C können die Ausscheidung von Quecksilber aus dem Körper unterstützen. Auch zahlreiche Pflanzen und Kräuter wie Bärlauch, Brennessel oder Artischocke werden in der Naturheilkunde empfohlen. Ob sie die Ausleitung wirklich unterstützen, konnte bislang nicht eindeutig bewiesen werden. Suchen Sie, wenn Sie sich für das Thema interessieren, einen mit Ausleitungen und Naturheilkunde vertrauten Arzt auf, bevor sie selbst experimentieren, denn auch pflanzliche Medikamente können Nebenwirkungen verursachen.

Durch die Umweltbelastung gelangt Quecksilber auch zunehmend in die Nahrungskette. Besonders in Raubfischen wie Thunfisch, Schwertfisch oder Hai ist das für den Menschen schädliche organische Quecksilber zu finden. Schwangeren und Stillenden empfehlen Bundesamt für Risikobewertung und Umweltbundesamt, vorsorglich auf diese Fische zu verzichten. Da sich Quecksilber im Körper anreichert und die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen kann und außerdem nur sehr langsam abgebaut und/oder ausgeleitet werden kann, empfiehlt es sich also, vor einer geplanten Schwangerschaft möglichst mindestens ein Jahr auf diese Fische zu verzichten.

Lesen Sie hier mehr über die Einflüsse der Ernährung auf die Fruchtbarkeit.

Bisphenol A & Co.: Alltagschemikalien stören die Spermienfunktion

Verschiedene Alltagschemikalien stehen schon lange im Verdacht, die Fruchtbarkeit von Männern zu beeinträchtigen, weil sie in das Hormonsystem eingreifen. Vor allem Bisphenol A (BPA), ein sogenannter Weichmacher und Bestandteil vieler Kunststoffe, steht als eine der am häufigsten eingesetzten Chemikalien weltweit in der Kritik. BPA wird vor allem in Lebensmittelverpackungen, Trinkflaschen, Kunststoffboxen oder auch als Papierbeschichtung (Kassenbons, Quittungen) verwendet. Seit 2011 ist in der EU die Verwendung von BPA-haltigem Polycarbonat für Babyfläschchen verboten.

In Tierversuchen wurden höhere Dosierungen von BPA mit später Geschlechtsreife und sogar Unfruchtbarkeit in Zusammenhang gebracht. Zwar gilt die Chemikalie für Menschen als "sicher", sie wirkt aber im menschlichen Körper wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen und wird deshalb für die zunehmenden Störungen der Spermienfunktion bei Männern verantwortlich gemacht. Am Center of Advanced European Studies and Research (Forschungszentrum caesar) in Bonn und des Rigshospitalet in Kopenhagen wurde 2014 erstmals konkret die Beeinträchtigung menschlicher Spermien durch hormonell wirksame Chemikalien (endokrine Diskuptoren; "Störer des Hormonsystems") bewiesen.

Plastikflaschen, Kosmetika & Co. enthalten hormonell wirksame Chemikalien   

Endokrine Diskuptoren sind allgegenwärtig in Lebensmitteln, Plastikflaschen, Textilien, Haushaltsprodukten, Kosmetika und Spielzeug. Bisher konnte man die schädliche Wirkung der Substanzen auf den Menschen schwer nachweisen, da keine geeigneten Testsysteme existierten. Die Wissenschaftler entwickelten ein Verfahren, mit dem die Wirkung auf menschliche Spermien zuverlässig und schnell untersucht werden kann. In der Studie wurden rund 100 endocrine disrupting chemicals getestet. Etwa 30 davon stören den Kalzium-Haushalt der Spermien, darunter Bestandteile von Sonnenschutzmitteln wie 4-Methylbenzylidencampher (4-MBC), der Kunststoff-Weichmacher Di-n-butylphthalat (DnBP) sowie das antibakteriell wirkende Triclosan, das in Zahnpasta und Kosmetika enthalten ist.

Die Wissenschaftler untersuchten die Wechselwirkung zwischen den Substanzen und einem Ionenkanal (cation channel of sperm; CatSper), der die Kalzium-Konzentration in Spermien kontrolliert. Bei Konzentrationen, die man auch im menschlichen Körper findet, öffnen die Substanzen den CatSper-Kanal und Kalzium strömt in die Zelle. Dieser Eingriff in den Kalzium-Haushalt ändert das Schwimmverhalten der Spermien und führt dazu, dass Enzyme freigesetzt werden, die Spermien normalerweise helfen, die schützende Hülle der Eizelle zu durchdringen.

Chemikalien beeinflussen Spermien bei Befruchtung

Das Schwimmverhalten und die Enzym-Freisetzung werden durch die Hormone Progesteron und Prostaglandine gesteuert. Alltagschemikalien imitieren die Wirkung von Progesteron und Prostaglandinen und führen dazu, dass Spermien weniger empfindlich auf sie reagieren. Die Ergebnisse der deutsch-dänischen Studie deuten darauf hin, dass die endocrine disrupting chemicals den Befruchtungsvorgang durcheinander bringen: Die Substanzen könnten die Bewegung der Spermien hin zur Eizelle stören oder die Spermien daran hindern, die Eihülle zu durchdringen.

Die Wissenschaftler untersuchten auch die Wirkung von Endokrinen-Diskuptoren-Cocktails, die verschiedene Substanzen in geringer, kaum wirksamer Konzentration enthalten; ähnliche Cocktails lassen sich im Blut nachweisen. Dabei beobachteten sie, dass die Endokrine-Diskuptoren-Cocktails – trotz der kaum wirksamen Konzentrationen der einzelnen Komponenten – große Kalzium-Antworten in Spermien auslösten.

Kinderwunsch-Checkliste: 14 Dinge, die Sie jetzt erledigen sollten

Pestizide können möglicherweise die Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Die in der konventionellen Landwirtschaft und im Obst- und Gemüseanbau verwendeten Pestizide können möglicherweise sowohl die Fruchtbarkeit von Frauen als auch die von Männern negativ beeinflussen. Darauf weisen zahlreiche Studien hin. In zwei ganz aktuellen amerikanischen Untersuchungen wurden 325 Frauen sowie 155 Männer, die sich zwecks In-vitro-Fertilisation (IVF) in Kinderwunschkliniken behandeln ließen, über ihre Verzehrsgewohnheiten bei Obst und Gemüse befragt. Die Forscher teilten daraufhin die Teilnehmer in drei Gruppen ein: diejenigen, die eher wenig belastete Früchte und Gemüse verzehren, eher mittelmäßig belastete und eher stark belastete (wie zum Beispiel Erdbeeren).

Im Ergebnis wurden die Frauen, die häufig stark mit Pestiziden belastetes Obst und Gemüse verzehrt hatten, seltener schwanger und hatten etwa ein Viertel weniger Lebendgeburten. Die Männer, die eher stärker belastete Gemüse und Früchte gegessen hatten, verfügten über knapp 50 Prozent weniger Spermien als die Gruppe der am wenigsten durch Pestizide belasteten Männer. Auch die Qualität der Spermien war bei den am wenigsten belasteten Männern höher.

Beide Studien geben wichtige Hinweise darauf, dass Pestizide die Fruchtbarkeit möglicherweise beeinträchtigen. Allerdings wurden für die Messungen der Pestizidbelastungen nur statistische Messdaten erhoben, es fanden keine Blut- oder Urinkontrollen statt.

Die Methoden der künstlichen Befruchtung im Überblick

Chemische Gifte

Lösungsmittel gehören zu den Industriechemikalien, die Hormonstörungen und Unfruchtbarkeit verursachen können. Bei starker Belastung mit Lösungsmitteln ist auch die Fehlgeburtenrate erhöht. Bei Männern mindern Lösungsmittel die Qualität der Spermien. Lösungsmittel findet man in Farben, Lacken, Holzschutzmitteln und als Weichmacher bei der Zellophan-, Papier- und Desinfektionsmittelherstellung. Klebstoffe, Filzstifte, Seifen, Polituren und Konservierungsmittel enthalten ebenfalls Lösungsmittel.

Auch die polychlorierten Biphenyle (PCB) und das bei unsachgemäßer Müllverbrennung entstehende Dioxin haben eine sterilisierende Wirkung. Dioxin verhält sich im Körper ähnlich wie weibliche Sexualhormone. Durch Dioxine sinkt bei Männern die Fruchtbarkeit, bei Frauen kann der Hormonhaushalt gestört werden. PCB beeinträchtigen die Spermienbeweglichkeit. Obgleich die Herstellung von PCB in den USA seit 1978 und in Deutschland seit 1983 verboten ist, tragen sie noch immer zu einer schleichenden Verseuchung bei. In Fischmehl und küstennah lebenden Fischarten sind die PCB-Konzentrationen am höchsten. Der Mensch nimmt die meisten PCB und Dioxine über tierische Fette auf, während Lebensmittel pflanzlicher Herkunft kaum belastet sind.

Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel werden in großen Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt. Sie werden nicht nur über die Nahrung, sondern hauptsächlich über die Haut aufgenommen. Auch in der eigenen Wohnung ist man vor den giftigen Mitteln nicht geschützt. Viele Teppiche werden vom Hersteller gegen Mottenfraß mit einem Pestizid (PCB) behandelt, im Ausland gekaufte Teppiche sind häufig mit Lindan (Insektenschutzmittel) imprägniert. Holzmöbel werden oft schon vor der Verarbeitung mit Holzschutzmittel behandelt. Fensterrahmen und Deckenverkleidungen aus Holz bekommen einen Feuchtigkeitsschutz aus pestizidhaltigen Lacken. Selbst Kleidung ist oft mit derartigen Giften belastet. Lederjacken, Baumwoll- oder Seidenblusen werden im Ursprungsland mit Pestiziden behandelt und wegen des Tragekomforts unter anderem mit formaldehydhaltigen Mitteln imprägniert.

Umweltgifte während der Schwangerschaft gefährden in hohem Maß die Gesundheit der Schwangeren und die Entwicklung des Fötus.

Gesunde Ernährung: Tipps für eine gesündere Lebensweise

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 16. August 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Diskussionsforum"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Beziehung & Sexualität

Die Billingsmethode ist eine Methode der Natürlichen Familienplanung (NFP). Dabei wird der Zervixschleim im Zyklus untersucht, um Aussagen über die fruchtbaren Tage treffen zu können. Mehr...

Kinderwunsch

Fruchtbare Tage erkennen und schnell schwanger werden: Lesen Sie hier, wie Sie die fruchtbaren Tage in Ihrem Zyklus berechnen und welche Anzeichen dafür sprechen. Mehr...

Natürliche Verhütung

Kombination aus Basaltemperatur messen und Zervixschleim beobachten: So funktioniert die symptothermale Methode zur Bestimmung der fruchtbaren Tage. Mehr...

Nutze unsere Zyklus-App inklusive Eisprungkalender und Temperaturkurve (Android & iOS) bei Kinderwunsch.

Mehr zur App > Alle Tools & Services
Weitere interessante Themen
  • Akupunktur bei Kinderwunsch

    Akupunktur bei Kinderwunsch wird immer häufiger bei der Behandlung in Kinderwunschkliniken eingesetzt. Mithilfe der Akupunktur soll die Fruchtbarkeit von Frau und Mann gefördert... Mehr...

Zum Seitenanfang