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Nahrungsmittelintoleranz

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 23. November 2018

Nahrungsmittelunverträglichkeit lässt sich in Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmitteltoleranz aufteilen. Die Symptome ähneln sich, die Ursachen von Unverträglichkeiten sind aber sehr unterschiedlich. Als beste Therapie gilt das Vermeiden der unverträglichen Lebensmittel.

Nahrungsmittelunverträglichkeit
Milch und Früchte gehören zu den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten
iStock/evgenyatamanenko

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelintoleranz?

Die Nahrungsmittelunverträglichkeit wird unterteilt in

  • Nahrungsmittelintoleranz (NMI) und
  • Nahrungsmittelallergie (NMA).
Nahrungsmittelunverträglichkeit: Die häufigsten Auslöser von Allergien

 

Ursachen für den Anstieg von Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Nahrungsmittelunverträglichkeiten nehmen in Europa zu. Die Ursache für diesen Anstieg ist unklar. Man geht davon aus, dass bei Nahrungsmittelallergien vor allem der veränderte Lebensstil eine Rolle spielt. Die sogenannte Hygiene-Hypothese, also unsere zunehmend hygienische Lebensumgebung, in der wir mit immer weniger "Dreck" in Berührung kommen, wird häufig als Grund für die Zunahme von Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufgeführt.

Auch in der Diskussion, (Mit-)Auslöser von Nahrungsmittelunverträglichkeiten, vor allem von Nahrungsmittelintoleranzen, zu sein, stehen Umweltgifte, schlechte Ernährungsgewohnheiten, Durchblutungsstörungen in den Schleimhäuten sowie Störungen der Darmflora. Eine angeborene Neigung zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten wird vermutet, weil sie familiär gehäuft vorkommen.

Am häufigsten treten die Nahrungsmittelintoleranzen Fruktoseunverträglichkeit und Laktoseintoleranz auf, seltener Histaminintoleranz und eine Unverträglichkeit gegen Gluten (Zöliakie). Daneben gibt es außerdem die krankheitsbedingte unspezifische Nahrungsmittelunverträglichkeit, bei der nicht klar festgestellt werden kann, welche Stoffe unverträglich sind.

Nahrungsmittelallergie: besonders Kinder sind betroffen

Bei der Nahrungsmittelallergie handelt es sich um eine ursächlich im Immunsystem zu findende Unverträglichkeit. Dabei kommt es nach dem Verzehr bestimmter Speisen und Getränke zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems, die zu Beschwerden wie Haut- und Schleimhautausschlägen, Atemproblemen, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen oder Durchfall führt. Manchmal treten einige dieser Symptome auch zeitgleich auf.

Von Nahrungsmittelallergien sind häufig Kinder betroffen. Kuhmilch, Fisch und Meeresfrüchte, Erdnüsse, Ei und Sojaprodukte gehören zu den Nahrungsmitteln, auf die Kinder besonders oft allergisch reagieren.

Es kommt häufig vor, dass sich eine Nahrungsmittelallergie im frühen Kindesalter spontan entwickelt und mit zunehmendem Alter des Kindes von ganz allein wieder verschwindet - oft sogar schon bis zum Einschulungsalter. Manchmal werden diese NMA von anderen Allergien abgelöst, zum Beispiel einer Pollen-, Milben- oder Tierhaarallergie.

Gleichzeitig können Menschen auch erst im Erwachsenenalter eine Nahrungsmittelunverträglichkeit in Form einer Allergie entwickeln, ohne vorher jemals allergisch reagiert zu haben. Erwachsene reagieren häufiger auf Nüsse und bestimmte Gemüse- und Obstsorten allergisch. Vor allem Obstallergien treten gehäuft mit Pollenallergien auf. Sie werden daher Kreuzallergien oder pollenassoziierte Lebensmittelallergien genannt.

Kreuzallergie/pollenassoziierte Lebensmittelallergie

Kreuzallergien sind die häufigsten Lebensmittelallergien im Erwachsenenalter. Dabei handelt es sich nicht allein um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit: Man kann davon ausgehen, dass etwa die Hälfte aller Nahrungsmittelallergiker auch eine Pollenallergie haben.

Laut Deutschem Allergien- und Asthmabund lassen sich mitunter sogar konkrete Zusammenhänge zwischen konkreten Arten finden:

  • Pollenallergie auf Birke, Hasel und Erle: erhöhte Wahrscheinlichkeit für Nussallergie und Obst aus der Reihe der Rosengewächse, also Apfel, Birne, Pfirsich, Pflaume, Kirsche, Mandel
  • Pollenallergie auf Beifuß: erhöhte Wahrscheinlichkeit für Kräuter- und Gewürzallergien sowie Pfeffer, Chili, Tomaten, Sellerie und Paprika, Gemüse und Gewürze aus der Familie der Doldenblütler wie Karotte und Fenchel

Nahrungsmittelintoleranz: Kuhmilch wird am häufigsten nicht vertragen

Die Ursachen der Nahrungsmittelintoleranz sind anders als bei der Nahrungsmittelallergie nicht im Immunsystem zu finden. Vielmehr werden bei ihr bestimmte Bestandteile eines Nahrungsmittels vom Körper "nicht vertragen" bzw. können nicht verwertet und verdaut werden.

Generell sind Unverträglichkeitsreaktionen auf Störungen von Enzymen zurückzuführen, die für die Spaltung oder Aufnahme bestimmter Nahrungsmittelbestandteile zuständig sind. Häufig sind diese Defekte angeboren, zum Teil können sie aber auch durch Krankheiten entstehen oder ernährungsbedingt sein. Die genauen Gründe für nicht-erbliche Formen der Nahrungsmittelintoleranz sind in vielen Fällen bis heute noch nicht geklärt.

Das führt zu verschiedenen Problemen, hauptsächlich im Verdauungstrakt. Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, aber auch Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall und Hautrötungen können nach dem Verzehr von unverträglichen Nahrungsmitteln auftreten.

Fruktoseintoleranz: Hier kann der in Früchten enthaltene Fruchtzucker nicht verdaut werden, weil das dafür entscheidende Enzym im Dünndarm nur eingeschränkt oder gar nicht funktionsfähig ist.  Der Zucker "gärt" im Dickdarm. Die Folge sind Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.

Laktoseintoleranz: Die Aufspaltung des in Milchprodukten enthaltenen Milchzuckers ist bei der Laktoseintoleranz nicht oder nur teilweise möglich, da auch hier das entscheidende Enzym teilweise oder ganz funktionsunfähig ist. Es kommt zu Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Laktoseintoleranz ist in den meisten Fällen angeboren. Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung hat diese Nahrungsmittelunverträglichkeit. Vor allem in Asien ist sie weit verbreitet. Dort gehören Milchprodukte aber nicht zum täglichen Speiseplan wie bei uns.

Histaminintoleranz: Nach dem Verzehr bestimmter, vor allem "gereifter" Speisen, die Histamin enthalten, kommt es aus noch ungeklärten Ursachen zu allergieähnlichen Symptomen wie Hautrötungen und -ausschlägen, Hitzewallungen, Juckreiz, Atemnot, Herz-Kreislauf-Störungen, Übelkeit und Erbrechen oder auch angeschwollenen Augen und Lippen. Die Histaminintoleranz wird deshalb auch Pseudoallergie genannt. Sie gehört jedoch zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit

Je nach Art der Unverträglichkeit kommen verschiedene Untersuchungen zur Diagnose in Frage. Zunächst ist es entscheidend, herauszufinden, bei welchen Nahrungsmitteln eine Nahrungsmittelunverträglichkeit besteht.

Die Nahrungsmittelallergie lässt sich nur schwer bestimmen, da kein Test eine hundertprozentig sichere Bestätigung des Verdachts liefert. Hier ist die Auschlussdiagnose besonders wichtig.

Tests zur Feststellung einer Nahrungsmittelallergie sind:

  • offene Provokation (Verzehr des verdächtigen Lebensmittels)
  • kontrollierte Provokation (man weiß nicht, welches Lebensmittel verzehrt oder zugeführt wird/Placebo-Kontrolle)
  • Hauttests
  • Messung von Entzündungswerten im Blut
  • Release-Tests (Messung von Abwehrzellen/Leukozyten im Blut oder auf Haut und Schleimhäuten)
  • Messung der Mastzellenreaktion.

Nahrungsmittelintoleranzen lassen sich leichter feststellen:

Beispielsweise lassen sich Fruktose- und Laktoseintoleranz relativ einfach anhand eines Wasserstoffatemtests feststellen. Die Diagnose einer Histaminintoleranz kann mithilfe einer histaminfreien Diät oder durch einen Provokationstest erfolgen. Das Vorliegen einer Zöliakie lässt sich mittels Gewebeentnahme (Biopsie) aus dem Dünndarm diagnostizieren. Zusätzlich können in bestimmten Fällen außerdem Stuhlproben sowie Blut- oder Gentests bei der Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit hilfreich sein.

IgG-Antikörpertests werden seit langer Zeit durchgeführt und müssen oft auch von Betroffenen selbst bezahlt werden. In aktuellen Studien konnte jedoch nachgewiesen werden, dass diese Tests nicht für die zuverlässige Diagnose einer Nahrungsmittelintoleranz oder -allergie geeignet sind.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: So sieht die Therapie aus

Sowohl Allergien als auch Intoleranzen lassen sich am besten durch eine Eliminationsdiät therapieren. Das bedeutet, dass die unverträglichen Nahrungsmittel gemieden werden müssen. Hier ist anfangs oft ein wenig Übung und Schulung notwendig, am besten im Rahmen einer speziellen Ernährungsberatung. Je nach Unverträglichkeit sind vor allem Fertignahrungsmittel kritisch zu sehen, da hier nicht immer so leicht ersichtlich ist, welche Inhaltsstoffe sie beinhalten.

Medikamente können ergänzend zur Eliminationsdiät eingenommen werden. Art und Einnahmedauer richten sich nach der jeweiligen Nahrungsmittelunverträglichkeit und der Stärke der Beschwerden.

Da bei Nahrungsmittelallergien die Reaktionen teils heftig bis lebensbedrohlich ausfallen können, empfiehlt es sich, ein Notfallset an schnell wirksamen Medikamenten immer dabei zu haben. Hierüber gibt der Arzt Auskunft.

Immunisierung

Eine Immuntherapie ist grundsätzlich bei Nahrungsmittelallergien möglich, wenngleich die Erfolgsaussichten recht unterschiedlich sind. Vor allem die Ernussallergie spricht gut auf eine orale Immuntherapie an. Teilweise konnte die Toleranz damit um das fünf- bis zehnfache erhöht werden.

Verlauf einer Nahrungsmittelunverträglichkeit

Sofern eine Nahrungsmittelunverträglichkeit rechtzeitig erkannt wird, lässt sich durch eine entsprechende Diät in den meisten Fällen ein weitgehend beschwerdefreier Verlauf erreichen. Wenn eine Nahrungsmittelintoleranz allerdings zu spät erkannt wird, können Betroffene - insbesondere Kinder - dauerhafte Schäden davontragen.

Vorbeugen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Da eine Nahrungsmittelintoleranz oft angeboren ist und andere Ursachen bislang unklar sind, lässt sich einer Nahrungsmittelintoleranz nicht vorbeugen.

Anders sieht es bei Nahrungsmittelallergien aus. Dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit lässt sich unter bestimmten Umständen vorbeugen. Empfehlungen zur Prävention von Allergien sind:

  • Bis zum 4. Lebensmonat sollten Babys ausschließlich gestillt werden, wenn dies möglich ist.
  • Wenn eine genetische Veranlagung besteht (mind. ein Elternteil ist Nahrungsmittelallergiker) und Stillen nicht oder nicht vollständig möglich ist, ist die Verwendung von spezieller hypoallergener Säuglingsnahrung empfehlenswert.
  • Verzichten Sie grundsätzlich auf Sojaprodukte bei der Säuglingsernährung.

Es gibt Hinweise darauf, dass der enge Kontakt mit vielen anderen Kindern, wie er z.B. im oder in Spielgruppen vorkommt, eine Stimulation es Immunsystems bewirken und damit einem Überschießen des Immunsystems vorgebeugt werden kann. Auch die "Bauernhofluft" soll helfen, Allergien vorzubeugen. Streng wissenschaftliche, eindeutige Beweise gibt es dazu aber bislang nicht.

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 23. November 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Diäten und Abnehmen"
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