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Mittwoch, 22. November 2017
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Soor bei Säuglingen und Kleinkindern

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Meist harmlos und gut behandelbar: Soor im Mund bei Babys
(c) iStockphoto/ArtisticCaptures

Die Pilzerkrankung Soor (Candidose) tritt häufig bei Babys im Säuglingsalter während der ersten sechs Lebensmonate im Mundraum oder Windelbereich auf. Bei Kleinkindern ist der Haut- und Schleimhautbefall seltener und entsteht dann meist infolge einer Behandlung mit Kortison oder Antibiotika sowie bei Kindern mit einer geschwächten Immunabwehr.

Was sind die Symptome von Soor beim Baby?

Am häufigsten haben Babys Soor im Mund oder im Windelbereich. Die Symptome von Soor im Mund sind die typischen weißen, leicht erhabenen kleinen Flecken auf den Innenseiten der Wangen, die an Krümel von Hüttenkäse erinnern. Auch auf der Zunge oder am Gaumen kann Soor auftreten. Der weiße Belag lässt sich nicht mehr wegwischen. Häufig trinken Babys bei Soor auch weniger, weil Soor auch Schmerzen verursacht.

Die Symptome von Soor im Windelbereich sind Rötungen und Wundsein. Im Gegensatz zum normalen Wundsein bei Babys treten beim Soor Pusteln auf und die Haut wird schuppig. Das Baby hat Schmerzen.

Wie entsteht Soor bei Säuglingen und Kleinkindern?

Soor wird durch den Hefepilz Candida albicans verursacht, der sich natürlicherweise auf der Haut und im Verdauungstrakt der meisten gesunden Menschen befindet. So kann er leicht durch direkten Kontakt, beispielsweise beim Stillen, übertragen werden. Wie auch andere Pilze gedeiht Candida albicans gut in einer feuchten und warmen Umgebung, beispielsweise unter unzureichend getrockneten Stilleinlagen oder nassen Windeln.

Bei intaktem Haut- und Schleimhautmilieu ruft der Pilz in der Regel keine Beschwerden hervor. Das junge und noch nicht voll ausgereifte Immunsystem von Säuglingen ist jedoch oft noch nicht in der Lage, die Erreger in Schach zu halten. Zudem kann sich der Pilz auf entzündeten Brustwarzen gut ansiedeln und dadurch leicht im Mundraum des Babys ausbreiten. Über den Verdauungstrakt gelangt der Erreger bei ausbleibender oder fehlgeschlagener Behandlung in den Windelbereich.

Bei Kleinkindern entsteht Soor meistens dann, wenn das Milieu der Haut und der Schleimhäute durch Antibiotika oder Kortison aus dem Gleichgewicht gebracht wurde. Aber auch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Krebs oder ein geschwächtes Immunsystem können dazu beitragen, dass sich der Pilz zu stark vermehrt.

Wie äußert sich Soor bei Säuglingen und Kleinkindern?

Soor äußert sich durch Veränderungen der Haut und der Schleimhäute. Je nachdem welcher Ort befallen ist, zeigt sich die Erkrankung auch auf unterschiedliche Weise.

Mundsoor

Mundsoor zeigt sich meistens innerhalb der ersten beiden Lebensmonate durch einen weißen Belag auf der Zunge und der Mundschleimhaut, der sich im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr abwischen lässt. Zusätzlich können Mundgeruch und Trinkschwierigkeiten auf eine Candidose im Mund hinweisen.

Windelsoor

Windelsoor ähnelt durch die auftretende Rötung einer Windeldermatitis, macht sich aber zusätzlich durch Ausschlag (rote Pusteln mit feinem weißem Kranz), Schuppungen und offene Hautstellen bemerkbar. Der Ausschlag kann sich sehr schnell im gesamten Windelbereich ausbreiten und tritt häufig im ersten Lebenshalbjahr auf.

Vaginalsoor

Vaginalsoor äußert sich durch Jucken und Brennen der Scheide sowie Ausfluss. Er ist bei Säuglingen und Kleinkindern jedoch sehr selten.

Wie wird Soor bei Säuglingen und Kleinkindern diagnostiziert?

In den meisten Fällen können Ärzte Soor bei Säuglingen und Kleinkindern bereits durch eine äußerliche Untersuchung erkennen. Im Zweifelsfall wird ein Schleimhautabstrich genommen und unter dem Mikroskop oder im Labor untersucht.

Wie wird Soor bei Säuglingen und Kleinkindern behandelt?

Die Behandlung von Soor erfolgt in der Regel mit Medikamenten, die Pilze abtöten oder im Wachstum hemmen (Antimykotika). Gebräuchliche Wirkstoffe sind hier Nystatin oder Clotrimazol. Meistens verordnen Ärzte Tropfen oder Salben, die im Mund- oder Windelbereich verteilt werden. Bei wiederkehrendem Windelsoor werden die Tropfen zusätzlich geschluckt, um den Pilz im Magen-Darm-Trakt zu bekämpfen. Damit eine Wiederansteckung vermieden werden kann, ist es außerdem wichtig, dass auch die Mutter behandelt wird, selbst wenn sie keine entzündeten Brustwarzen oder Anzeichen von Soor hat.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Alternativen aus der Naturheilkunde zur Behandlung von Soor sind verdünnte Myrrhe- oder Ratanhia-Tinkturen. Als geeignete homöopathische Mittel gelten Acidum hydrochloridum, Kalium chloratum und Mercurius solubilis, jeweils in der Potenz D6.

Wie ist der Verlauf von Soor bei Säuglingen und Kleinkindern?

In den meisten Fällen sind Mund- und Windelsoor harmlos und lassen sich bei konsequenter Behandlung von Mutter und Kind gut therapieren. Starker Mundsoor kann bei Säuglingen entzündungsbedingte Schmerzen verursachen und dazu führen, dass sie nicht mehr richtig trinken. Dies kann im Extremfall Mangelernährung und Wachstumsstörungen mit sich bringen.

Bei Kindern mit geschwächtem Immunsystem, beispielsweise nach einer Chemotherapie, kann sich infolge der Pilzerkrankung die Speiseröhre entzünden, was sich durch Schluckbeschwerden und Schmerzen hinter dem Brustbein äußert. Sehr selten kommt es bei schwerstkranken Kindern vor, dass sich der Pilz im Blut ausbreitet. Mögliche Konsequenzen sind Entzündungen von Leber, Lunge und Hirnhaut.

Wie kann man Soor bei Säuglingen und Kleinkindern vorbeugen?

Um Soor bei Babys vorzubeugen, müssen verschiedene Dinge beachtet werden.

Das Risiko für die Pilzinfektion lässt sich minimieren indem Mütter eine Entzündung der Brustwarzen verhindern. Dazu sollten möglichst nur trockene Einwegstilleinlagen verwendet werden und die Brustwarzen viel Luft abbekommen. Wichtig ist dafür außerdem eine günstige Stillposition, in der das Baby nicht übermäßig stark saugen muss.

Eine gründliche und altersgerechte Körperpflege des Kindes sorgt für ein gesundes Haut- und Schleimhautmilieu. Windeln sollten regelmäßig und möglichst schnell nach "Befüllung" gewechselt werden, damit der Po des Kindes trocken bleibt. Auch hierbei hilft viel Zeit an der Luft.

Bei ersten Anzeichen von Soor oder auch bei entzündeten Brustwarzen sollten sich Mutter und Kind zeitnah untersuchen lassen und gegebenenfalls behandelt werden. Je schneller eine Therapie erfolgt, desto leichter lässt sich eine weitere Ausbreitung oder erneute Ansteckung verhindern.

Stillende Mütter sollten trotz Soor ihr Baby weiter stillen, wenn beide behandelt werden. Da die Pilzinfektion sonst zwischen Mutter und Baby weiter ausgetauscht wird, müssen beide Medikamente erhalten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Juni 2016
Quellen: Renz-Polster, Dr. H. et al.: Gesundheit für Kinder. Kösel, München 2007 Lothrop, H., Weigert, V.: Das Stillbuch. Kösel, München 2007 Stadelmann, Ingeborg.: Der Hebammen-Expertenrat. Stadelmann, Wiggensbach 2007

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