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Samstag, 18. November 2017
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Pilzinfektionen bei Kindern

Pilzinfektionen bei Kindern
Pilzinfektionen bei Kindern sind keine Seltenheit, gibt es doch vielfältige Übertragungswege, vor allem von Mensch zu Mensch
iStock/alejandrophotography

Pilzinfektionen bei Kindern kommen relativ häufig vor. Sie zeigen sich meist auf der Haut, bei Babys oft im Windelbereich oder im Mund. Bei Kleinkindern treten Pilze auch oft am Kopf, an den Füßen oder am Rumpf auf.

Bei Kindern sind Pilzinfektionen (Mykosen) häufiger als bei Erwachsenen zu beobachten. Das liegt zum einen an der bei Kindern noch nicht vollständig herausgebildeten Barrierefunktion der Haut, zum anderen muss sich das Immunsystem von Babys und Kindern erst noch aufbauen - es kann häufiger zu einer Pilzinfektion kommen.

Babys und Kinder verfügen über eine schwächere Abwehr als Erwachsene. Manche Kinder leiden häufiger unter Pilzinfektionen als andere. Man vermutet eine angeborene Disposition, die Zusammenhänge sind aber noch unklar.

Unterschiedliche Pilze verursachen unterschiedliche Pilzinfektionen, auch bei Kindern:

  • Hefepilze (Candida albicans, verursacht zum Beispiel Soor)
  • Dermatophyten (Tinea, verursacht vor allem stark juckenden, schuppenden Hautausschlag)
  • Schimmelpilze (Aspergillose, verursacht Atemwegsprobleme, eher selten)
Pilzinfektionen bei Kindern: Das müssen Sie wissen!

Pilzinfektionen bei Kindern und ihre häufigste Ursache: Candida albicans

Der wohl häufigste Verursacher von Pilzinfektionen bei Kindern und Babys ist der Hefepilz Candida albicans (kurz: Candida). Er kommt bei bis zu 50 Prozent aller Menschen natürlicherweise auf Haut und Schleimhäuten vor und verursacht erst Probleme, wenn er sich unkontrolliert vermehrt. Meist erfolgt die Übertragung mit Candida während der vaginalen Geburt von der Mutter auf das Kind. Auch beim Stillen kann der Pilz übertragen werden. Er zeigt sich besonders häufig als Soor beim Baby.

Da sich Pilze in einer feucht-warmen Umgebung besonders wohlfühlen, vermehrt sich der Candida-Pilz bei Babys oft im Windelbereich. Windelsoor zeigt sich durch eine intensive, großflächige Rötung mit Schuppen an den Rändern im Windelbereich. Mundsoor, fest anhaftende, grau-weißliche Beläge vor allem im Wangen und Rachenbereich, gehört ebenfalls zu den häufigen Pilzinfektionen bei Kindern und wird durch Candida verursacht.

Behandelt wird Soor mit Antipilzmitteln (Antimyotika), die entweder als Salbe aufgetragen oder in den Mundraum geträufelt werden. Diese werden vom Arzt verordnet.

Scheidenpilz bei Kindern?

Scheidenpilz (Genitalcandidose oder Genitalmykose) kommt auch bei Kindern vor, wenngleich er bei ihnen eher selten auftritt. Betroffen können Babys in den ersten Lebenswochen sein, deren Mutter Candida bei der Geburt auf sie übertragen hat. Im Organismus der Babys befinden sich noch weibliche Geschlechtshormone der Mutter (Östrogene). Östrogene scheinen die Regenerationsfähigkeit der Schleimhäute zu hemmen, was wiederum Pilzinfektionen begünstigt. Auch kurz vor Beginn der Pubertät können Mädchen eher einen Scheidenpilz entwickeln, da die Östrogenproduktion in ihrem Körper anläuft. Herrschen für Pilzinfektionen "günstige" Verhältnisse, wie etwa nach der Einnahme eines Antiobiotikums, durch häufige Schwimmbadbesuche, vermehrtes Schwitzen und/oder ein abwehrschwaches Immunsystem, kann es zum Scheidenpilz kommen.

Berichten Mädchen über Jucken und Brennen im Intimbereich und zeigt sich ein weißlicher Belag an den Schleimhäuten, kann es sich um eine Pilzinfektion handeln. Bei Scheidenpilz zeigt sich der ganze Intimbereich zudem gerötet und geschwollen. Babys können über ihre Beschwerden zwar nicht berichten, beim Wickeln zeigen sich aber die charakteristischen Symptome.

Wichtig ist, bei Verdacht auf Scheidenpilz mit dem Kind immer einen Hautarzt aufzusuchen, um die Diagnose zu sichern. Handelt es sich wirklich um eine Pilzinfektion, wird sie mit einer entsprechenden Antipilz-Salbe (Antimyotikum) behandelt. Diese sollte bei Kindern allerdings immer vom Arzt verordnet werden.

Während der Behandlung und auch darüber hinaus empfiehlt es sich, den betroffenen Bereich möglichst trocken zu halten, zum Beispiel durch häufiges Wechseln der Unterwäsche oder Windel. Nach dem Duschen und Baden ist es ratsam, den Intimbereich gut abzutrocknen, am besten mit einem eigenen Handtuch, das dann auch gleich in die Wäsche gelegt werden sollte, um eine Wiederansteckung zu vermeiden. Verwendete Handtücher und Unterwäsche sind ab einer Waschtemperatur von 60 Grad Celsius pilzfrei. Übertriebene Hygiene und die Verwendung von Intimwaschlotions trocknet Haut und Schleimhäute noch mehr aus und reizt sie zusätzlich.

Pilzinfektionen bei Kindern durch Haustiere

Ein nicht zu unterschätzender Verursacher von Pilzinfektionen bei Kindern sind durch Haustiere übertragene Fadenpilze (Dermatophyten). Betroffen sind Kopfhaut und Rumpf der Kinder. Hauptwirte sind Katzen, aber auch Meerschweinchen und Kaninchen. Beim Schmusen und Streicheln mit den Tieren übertragen sich die Erreger und führen zu Pilzinfektionen. Fadenpilze äußern sich durch heftiges Jucken an den betroffenen Stellen.

Am Kopf (Tinea capitis oder Microsporie) zeigen sich ringförmig ausbreitende, scharf begrenzte, rote Stellen, auf denen das Haar entweder abbricht oder ausfällt. Manchmal nässt die Kopfhaut im betroffenen Bereich. Manchmal treten kleine, rote Pusteln auf. Diese Pilzinfektionen kommt fast ausschließlich bei Kindern vor.

Am Körperstamm, hauptsächlich am Oberkörper und an den Armen, tritt Tinea corporis auf, die sich eher blassrot mit randbetonter Schuppung zeigt. Auch diese Pilzinfektion juckt stark. Wichtig ist deshalb, dass sie möglichst zügig behandelt wird, um ein Ausbreiten der Infektion auf andere Körperstellen oder eine Infektion durch Aufkratzen zu vermeiden. Die Behandlung erfolgt durch lokal aufzutragende Salben mit Antimykotika wie Imidazolderivaten, Terbinafin oder Cyclopiroxolamin. Außerdem kann unter Umständen eine medikamentöse Therapie mit dem Wirkstoff Griseofulvin infrage kommen.

Wie bei allen Pilzen empfiehlt es sich auch bei Pilzinfektionen bei Kindern, durch das Waschen der Kleidung und Bettbezüge über 60 Grad Celsius eine Ausbreitung zu verhindern. Präventiv gegen durch Tiere übertragene Pilzinfektionen sollte man sich nach dem Streicheln fremder Tiere bzw. streunender Katzen und Hunden unbedingt die Hände gründlich mit Seife waschen und am besten ein Handdesinfektionsmittel verwenden.

Pilzinfektionen werden auch von Mensch zu Mensch übertragen

Überall dort, wo viele Menschen zusammen kommen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit einer Pilzübertragung - ob beim Sport, in Umkleidekabinen, im Schwimmbad oder im Kindergarten. Am häufigsten anzutreffen ist der Nagelpilz (Tinea pedis), der früher eher ein Problem von Erwachsenen war, aber bei Kindern auf dem Vormarsch ist.

Auch der Nagelpilz ist ein Fadenpilz, der Zehen- oder Fingernägel befällt und ihnen die charakteristische gelbliche Färbung verleiht. Die betroffenen Nägel werden dicker und brüchiger, ihre Struktur zeigt sich "bröckelig". Bis auf die optische Veränderung zeigen sich keine Symptome wie Jucken, weshalb ein Nagelpilz auch bei Kindern eher spät erkannt wird.

Wichtig ist auch hier, bei einem Hautarzt vorstellig zu werden, denn Pilzinfektionen bei Kindern sollten nicht auf eigene Faust behandelt werden. Da die Behandlung lange dauert, empfiehlt es sich, nach Möglichkeit vorzubeugen und eine Ansteckung zu verhindern:

  • Nicht zu enge und am besten luftige Schuhe tragen, um ein "feuchtes" Klima im Schuh zu vermeiden. Bei Kindern sollte regelmäßig geprüft werden, ob die Schuhe noch passen.
  • Nach dem Duschen und Baden die Füße immer gut abtrocknen, vor allem zwischen den Zehen.
  • Im Schwimmbad, in Umkleidekabinen und Hotelzimmern Schuhe bzw. Badeschuhe tragen.
  • Instrumente zur Fußpflege entweder nach jeder Nutzung desinfizieren (Nagelschere, Nagelknipser) oder grundsätzlich nur durch eine Person nutzen (Hornhautfeile, Bimsstein).
  • Schuhe von infizierten Personen entweder entsorgen oder gründlich desinfizieren (spezielles Desinfektionsspray aus der Apotheke oder Drogerie nutzen) und nicht gemeinsam nutzen.
  • Die Socken häufig wechseln und bei mindestens 60 Grad Celsius waschen.

Hausmittel gegen Pilzinfektionen bei Kindern

In der Naturheilkunde und Volksmedizin werden diverse Behandlungsmethoden gegen Pilzinfektionen empfohlen, von denen sich einige auch für Kinder eignen:

Kamille wirkt antimykotisch. Kamillentee lange ziehen lassen und kalt und mehrmals am Tag auf die betroffenen Stellen auftupfen. Auch eine Kamillensalbe, idealerweise mit Beimischungen von Thymianöl, wird gegen Pilzinfektionen empfohlen.

Blutwurz wirkt keimhemmend und austrocknend. Ein Tee aus Blutwurz kann ebenfalls mehrmals täglich als Tinktur oder Tee auf die betroffenen Stellen aufgetupft werden.

Kräuterfußbäder bei Nagelpilz können mit verschiedenen, keimhemmenden Kräutern aufgesetzt werden. Gegen Pilzinfektionen eignen sich Kamille, Myrrhe, Thymian, Rosmarin oder Schöllkraut.

Gegen Candida-Pilzinfektionen werden in der Naturheilkunde vor allem Ernährungsgewohnheiten auf den Prüfstand gestellt. So wird von Zucker und Süßigkeiten aller Art (auch stark zuckerhaltiges Obst) abgeraten, um dem Pilz keine "Nahrung" zur Verfügung zu stellen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen liegt ein Schwerpunkt auf der Darmgesundheit, die mithilfe von Fermenten, Joghurt und ballaststoffreicher, pflanzlicher Kost unterstützt wird. Geraten wird eine Kombination der Mahlzeiten mit Bitterstoffen, wie sie in Radicchio, Endivie, Beifuß oder Ingwer enthalten sind. Kurmäßig empfiehlt sich dazu noch drei Mal täglich eine Tasse Ackerschachtelhalmtee.

Pilzinfektionen bei Kindern: Immer erst zum Arzt

Es empfiehlt sich, bei Verdacht auf eine Pilzinfektion bei einem Kind immer zuerst den Arzt/Hautarzt aufzusuchen. Hier kann die Pilzart bestimmt und eine adäquate Behandlung eingeleitet werden. Baby- und Kinderhaut ist empfindlich und bedarf deshalb einer anderen Behandlungsstrategie als die Erwachsener. Zwar werden gegen Pilzinfektionen bei Kindern auch Antimykotika (Antipilzmittel) verordnet, aber in einer anderen Dosierung und ggf. auch mit anderen Wirkstoffen. Auch wenn oberflächlich betrachtet nichts gegen die Anwendung von Hausmitteln spricht, ist es ratsam, auch diese mit dem Arzt zu besprechen, bevor man sie anwendet.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. Oktober 2017
Quellen: Bald, M., u.a.: Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012; Bühring, U.: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde. Haug, Stuttgart 2014; Höger, P. H.: Kinderdermatologie. Schattauer, Stuttgart 2011

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