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Stoffwindeln: Wickeln nach dem Mehrwegprinzip

Sie sollen Babys zarte Haut, den Geldbeutel und gleichzeitig auch noch die Umwelt schonen. Doch eignen sich Stoffwindeln für den Familienalltag? Was Sie über moderne Windelsysteme und ihre Handhabung wissen sollten.

Stoffwindeln: Wickeln nach dem Mehrwegprinzip
Stoffwindeln können gewaschen und somit wiederverwendet werden.
© GettyImages/Orbon Alija

Von der traditionellen Falttechnik mit Mullwindeln bis zu modernen Komplettsystemen: Stoffwindeln gibt es heute in zahlreichen Varianten. Ob ihre Verwendung infrage kommt, richtet sich nach den persönlichen Vorlieben, denn Stoffwindeln bieten Vor- und Nachteile.

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Wie funktioniert das Wickeln mit Stoffwindeln?

Ob Strickwindeln zum Binden, Höschenwindeln zum Überziehen oder Mulltücher zum Falten – wer nach Stoffwindeln sucht, hat die Qual der Wahl. In der Regel verbirgt sich hinter ihrer Anwendung aber immer das gleiche System. Die innere Schicht besteht aus einem Saugkern, der die Flüssigkeit aufsaugen und den Stuhl auffangen soll. Dies kann zum Beispiel eine waschbare Einlage aus Baumwolle, Hanf oder Mikrofasern oder auch kompostierbares Windelvlies aus Zellulose sein.

Weitere Schichten können aus diversen Materialien bestehen und auf unterschiedliche Weise einen Nässe- und Kälteschutz darstellen. Beliebt sind zum Beispiel Überhosen aus PUL (wasserdichte Beschichtung durch Polyurethanlaminat) – ein Material, das auch für funktionale Outdoorwäsche verwendet wird. Die Stoffwindeln können je nach Modell mit Druckknöpfen, Klettverschlüssen oder einer speziellen Falttechnik verschlossen werden oder Schlupfhosen zum Überziehen sein.

Wer sich für Faltsysteme mit Mulltüchern entscheidet, lässt sich die Anwendung am besten von der Hebamme zeigen. Moderne Stoffwindelsysteme machen die Handhabung besonders leicht, da die benötigten Schichten hier schon clever miteinander kombiniert sind. Auch hier ist die Auswahl groß – es gibt zum Beispiel:

  • All-In-One: Bei diesem Komplettsystem sind Einlage und Außenhülle schon miteinander vernäht. Die Stoffwindeln können daher wie Einmalwindeln angelegt werden.

  • All-in-Two: Hier lässt sich die Überhose mit verschiedenen Einlagen bestücken. Bei Pocketwindeln wird die Einlage in einer eingebauten Tasche festgehalten.

  • All-in-Three: Dieses Stoffwindel-System besteht aus drei Teilen, die nicht miteinander vernäht sind: Einlage, wasserdichte Innenwindel und Außenwindel. Auch ein Vlies kann zusätzlich nötig sein.

Der Vorteil von Windeln mit mehreren Komponenten besteht darin, dass die Überhose nicht zwingend nach jeder Benutzung gewaschen werden muss; es kann dann auch nur das Innenleben in die Wäsche wandern.

Wie viele Stoffwindeln werden benötigt?

Empfehlenswert ist eine Anschaffung von etwa 20 Stoffwindeln plus Einlagen. Wer nicht so häufig waschen möchte, sollte sich einen etwas größeren Vorrat anlegen, denn gerade bei Neugeborenen können innerhalb von 24 Stunden schon einmal etwa zehn Windeln anfallen. Ob mit Einweg- oder Mehrwegwindeln – für das Wickeln gilt grundsätzlich: Nasse Windeln sollten regelmäßig gewechselt werden und nach jedem Stuhlgang gehört eine neue Windel angelegt.

Wie viel kosten Stoffwindeln?

Die Anschaffungskosten für Stoffwindelsysteme sind hoch: Je nach Größe des Pakets und abhängig vom Hersteller können sie mehrere Hundert Euro betragen. Es empfiehlt sich daher, eine Stoffwindelberatung in Anspruch zu nehmen oder aber erst einmal sogenannte Starterpakete zu erwerben und auszuprobieren, welche Lösung für die individuelle Situation die beste ist. Dies ist ebenfalls sinnvoll, um die richtige Größe ausfindig zu machen. Denn wie bei Wegwerfwindeln passt auch bei Mehrwegwindeln nicht jedes Modell zu jedem Kind.

Wichtig ist: Die Windeln dürfen nicht zu fest, aber auch nicht zu locker anliegen. Dabei sitzen die meisten Modelle im Gegensatz zu Wegwerfwindeln auf der Hüfte, nicht in der Taille und machen einen etwas dickeren Po, der das Baby aber in aller Regel nicht stört.

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Wie werden Stoffwindeln gewaschen?

Die Herstellerfirmen von Stoffwindeln halten detaillierte Anleitungen zur Reinigung ihrer Produkte bereit. Am besten werden diese Hinweise Schritt für Schritt befolgt. Im Allgemeinen gilt für die Reinigung von Stoffwindeln folgende Vorgehensweise:

  • Inhalt entsorgen: Nach dem Wickeln können Sie den Stuhlgang gegebenenfalls in die Toilette schütten und herunterspülen. Einweg-Windelvlies können Sie über die Toilette oder den Hausmüll entsorgen, es gibt aber auch wiederverwendbares Vlies.

  • Schmutzige Windeln lagern: Wenn die Waschmaschine nicht sofort eingeschaltet wird, können die Windeln in einer Windeltonne oder Wetbag zwischengelagert werden. Länger als drei Tage sollten die Windeln dort nicht liegen.

  • Windeln ausspülen: Dazu den Vorspülgang der Waschmaschine einschalten.

  • Kochwaschgang: Die Windeln werden in der Waschmaschine bei hohen Temperaturen und mit einem geeigneten Waschmittel gereinigt. Je nach Hersteller können zum Beispiel Temperaturen von 60 Grad erforderlich sein.

  • Keine Desinfektion: Es ist nicht nötig, desinfizierende Mittel zur Wäsche zu geben.

  • Saubere Bestandteile extra waschen: Komponenten der Stoffwindeln wie Überhosen, die nicht schmutzig werden, können mit der normalen Wäsche gewaschen werden. Hier richten sich der Waschgang und die Temperatur nach dem Material.

  • Trocknen: Nach der Wäsche sollten die Stoffwindeln zügig getrocknet werden. Ob sie in den Trockner dürfen, muss den Herstellerhinweisen entnommen werden. Wer die Umwelt schonen möchte, sollte die Stoffwindeln an der Luft trocknen.

Windeldienst: Wem das Waschen der Stoffwindeln zu aufwändig ist, kann sich an einen sogenannten Windeldienst wenden. Bei diesem Wäscheservice werden die schmutzigen Stoffwindeln abgeholt und gegen saubere ausgetauscht.

Welche Vor- und Nachteile haben Stoffwindeln?

Es gibt Eltern, die sind von Stoffwindeln gänzlich überzeugt. Anderen graut es eher davor, weil sie den Schmutz oder Aufwand fürchten. Da beide Varianten Vor- und Nachteile bieten, sollte nach den persönlichen Vorlieben entschieden werden. Im Zweifelsfall gilt: einfach ausprobieren!

  • Umwelt: Wie belastend die beiden Wickel-Varianten für die Umwelt sind, wird häufig kontrovers diskutiert. Einmalwindeln verursachen viel Müll, Stoffwindeln belasten die Umwelt durch die häufigen Waschgänge. Wer Stoffwindeln verwendet, hat zumindest die Möglichkeit – zum Beispiel durch weniger Wäschen bei verhältnismäßig niedrigeren Temperaturen –, die Ökobilanz zu verbessern. Ausreichend wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt es bisher nicht.

  • Kosten: Wenn alle Faktoren – wie zum Beispiel das häufige Waschen – berücksichtigt werden, sind die Kosten für Einweg- und Stoffwindeln etwa gleich hoch. Wenn die Stoffwindeln für ein weiteres Baby wiederverwendet werden können, lohnen sich die hohen Anschaffungskosten jedoch umso mehr.

  • Aufwand: Werden Komplettsysteme verwendet, ist der Aufwand beim Wickeln etwa identisch. Aber: Stoffwindeln erfordern durch das Waschen und Trocknen einen höheren Arbeitsaufwand, dafür fällt die regelmäßige Anschaffung von Einwegwindeln weg.

  • Hautverträglichkeit: Atmungsaktive Stoffwindeln werden häufig als hautfreundlicher für die empfindliche Babyhaut betrachtet. Wie gut ein Baby das Material verträgt und wie schnell es einen wunden Po bekommt, ist individuell unterschiedlich.

  • Saugfähigkeit: Wegwerfwindeln sind dicht und saugfähig. Bei richtiger Handhabung verhindern auch Stoffwindeln das Auslaufen zuverlässig. Nachts müssen gegebenenfalls besonders saugfähige Einlagen zum Einsatz kommen.

  • Trocken werden: Kinder, die Stoffwindeln tragen, nehmen das unangenehme Nässegefühl möglicherweise eher wahr. Dies muss aber nicht generell dazu führen, dass diese Kinder früher trocken werden.

  • Kita: Nicht jede Kinderbetreuungseinrichtung ist Stoffwindeln gegenüber aufgeschlossen. Ob sie verwendet werden können, sollte daher im individuellen Fall geklärt werden. Möglicherweise stellen All-in-Ones einen Kompromiss dar, weil sie wie Wegwerfwindeln angelegt werden können. Allerdings ist auch dann zu vereinbaren, was mit den schmutzigen Windeln passieren soll.

  • Unterwegs: Wegwerfwindeln sind fürs Reisen mit Baby praktisch. Wer im Alltag Stoffwindeln verwendet, kann für solche besonderen Ereignisse ebenfalls auf die Einmal-Lösung umsteigen. Scheut man den zusätzlichen Aufwand unterwegs nicht, kann das Baby auch mit Stoffwindeln verreisen. Hier sollte an einen geeigneten Aufbewahrungsort für die gebrauchten Windeln gedacht werden – zum Beispiel ein Wetbag.

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