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Samstag, 25. Oktober 2014

Unfruchtbarkeit der Frau

Unfruchtbarkeit der Frau
Unfruchtbarkeit belastet häufig auch die Psyche der Frau
(c) Getty Images/iStockphoto

Unfruchtbarkeit bezeichnet die Sterilität und Infertilität der Frau. Von Sterilität oder Infertilität spricht man, wenn ein Paar innerhalb von zwei Jahren ungewollt kinderlos bleibt.

Bei der Sterilität des Mannes handelt es sich um Zeugungsunfähigkeit. Die Begriffe Sterilität und Infertilität werden häufig synonym verwendet.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland zwischen fünf und zehn Prozent aller Paare ungewollt kinderlos. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen etwa zur Hälfte beim Mann und zur Hälfte bei der Frau. In etwa 15 Prozent dieser Fälle sind die Ursachen ungeklärt.

Ursachen von Unfruchtbarkeit: Sterilität und Infertilität

Stellt sich trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr in einem Zeitraum von zwei Jahren keine Schwangerschaft ein, ist Sterilität die Ursache dafür. Bei Infertilität kommt es zwar zu einer Schwangerschaft, sie kann jedoch nicht zu einem lebensfähigen Kind ausgetragen werden. Häufig kommt es zum Beispiel zu Fehlgeburten.

Für die Entstehung einer Schwangerschaft und deren positiven Verlauf sind viele verschiedene Faktoren verantwortlich. Bereits die Störung eines einzelnen Faktors kann der Grund für Unfruchtbarkeit sein. Häufige Ursachen sind hormonelle und organische Störungen sowie psychische Belastungen. Auch die Lebensweise hat Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Die häufigsten Ursachen sind:

Woran erkennt man Unfruchtbarkeit?

Stellt sich eine Schwangerschaft durch ungeschützten Geschlechtsverkehr innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren nicht ein, ist dies ein Anzeichen für Unfruchtbarkeit, beziehungsweise Sterilität. Kommt es zwar zu einer Schwangerschaft, wird diese aber nicht ausgetragen, entwickelt sich also kein lebensfähiges Kind, weist alles auf Infertilität hin.

Je nach zugrunde liegender Ursache für die Unfruchtbarkeit können starke Zyklusschwankungen oder ausbleibende Menstruation, Schmerzen im Genitalbereich oder beim Geschlechtsverkehr oder Blutungen Symptome einer Unfruchtbarkeit sein.

Wie diagnostiziert man Unfruchtbarkeit?

Zunächst findet ein ausführliches Gespräch über die Krankheitsgeschichte mit dem Gynäkologen statt (Anamnese). Besonders im Mittelpunkt stehen dabei Fragen zur Menstruation, vor allem im Hinblick auf Regelmäßigkeit und Beschwerden. Eventuelle vorangegangene Schwangerschaften oder Schwangerschaftsabbrüche sowie gynäkologische Erkrankungen sind ebenfalls von Bedeutung bei der Diagnose von Unfruchtbarkeit. Es ist ratsam, sich auf das Gespräch vorzubereiten und vorangegangene Krankheiten zu notieren, auch wenn sie auf den ersten Blick nichts mit Unfruchtbarkeit zu tun haben. Denn auch Stoffwechselstörungen oder andere Krankheiten wie beispielsweise PCO können zu Störungen der Fruchtbarkeit führen.

Der Lebensstil spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Anamnese: Stress, psychische Belastungen und eine ungesunde Lebensweise können ebenfalls zu Unfruchtbarkeit führen.

Fruchtbarkeitsuntersuchungen

Ziel der Fruchtbarkeitsuntersuchung, ist es, Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit und Möglichkeiten der Behandlung zu ermitteln. Für das Paar kann es hilfreich sein, sich vor dem Gespräch mit dem Arzt bereits über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und alle Fragen für das Arztgespräch zu notieren, damit man gut auf das Gespräch vorbereitet ist.

Untersuchung der Frau

Am Beginn der Untersuchungen steht ein ausführliches Gespräch über die Krankengeschichte (Anamnese). Dabei stellt der Gynäkologe nicht nur Fragen beispielsweise zu Zyklus und Regelblutung, Kinder- und Erbkrankheiten, sondern er erkundigt sich auch über sehr persönliche Belange, beispielsweise über das Sexualleben oder die Paarbeziehung.

Nach der Anamnese folgen verschiedene Fruchtbarkeitsuntersuchungen. Die gynäkologische Untersuchung beinhaltet die Abtastung der Fortpflanzungsorgane. Fehlbildungen und Veränderungen in Gebärmutter, Eileitern und Eierstock lassen sich mithilfe der schmerzfreien Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) erkennen. Der zytologische Abstrich (Pap-Test) gibt Hinweise auf Bakterien, Pilze oder Zellveränderungen, die Unfruchtbarkeit bedingen können.

Weitere Untersuchungen, mit denen sich speziell die Fruchtbarkeit untersuchen lässt, sind:

  • Messung der Basaltemperaturkurve
  • Bestimmung der Scheidenflora
  • Hormonuntersuchungen
  • Urinuntersuchung
  • Untersuchung nach dem Geschlechtsverkehr (Postkoitaltest)
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie)
  • Bauchspiegelung (Laparoskopie)

Die Untersuchungen richten sich nach der vermuteten Störung und werden individuell durchgeführt. Oft liegen die Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit in Störungen des Zyklusablaufs begründet. Das Eibläschen wächst nicht oder der Eisprung findet nicht statt (Anovulation). Gleichzeitig werden auch Fruchtbarkeitsuntersuchungen beim Mann vorgenommen, um festzustellen, ob die Ursache für die Kinderlosigkeit die Zeugungsunfähigkeit des Mannes ist.

Untersuchung des Mannes

In einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) ermittelt der Urologe Vorerkrankungen des Mannes, beispielsweise Hodenhochstand, Diabetes mellitus oder Mumps. Er erkundigt sich auch nach den Lebensgewohnheiten und Problemen in der Paarbeziehung oder beim Geschlechtsverkehr. Es können verschiedene Untersuchungen folgen. Dazu zählen:

  • Körperliche Untersuchungen:
    Hierzu gehören das Abtasten der äußeren Geschlechtsorgane, eine Ultraschall-Untersuchung sowie eine körperliche Untersuchung auf Auffälligkeiten, die Hinweise auf eine Chromosomenstörung liefern kann.
  • Untersuchung des Ejakulats/Spermiogramm
  • Hormonanalysen:
    Treten bei der körperlichen Untersuchung oder beim Spermiogramm Auffälligkeiten auf, können die Blutspiegel der Hormone LH, FSH, Testosteron, Östradiol oder Estradiol, Prolaktin oder DHEA Aufschluss über körperliche Störungen geben.
  • Postkoitaltest:
    Mehrere Sunden nach dem Geschlechtsverkehr wird Schleim aus dem Gebärmutterhals entnommen und unter dem Mikroskop betrachtet. Lassen sich nur unbewegliche oder überhaupt keine Spermien nachweisen, gilt dies als Hinweis auf Infertilität des Mannes.
  • Hodenbiopsie:
    Um unterscheiden zu können, ob die Prostata verschlossen ist oder eine gestörte Samenproduktion vorliegt, wird aus einem Hoden eine etwa reiskorngroße Gewebeprobe entnommen. Der Eingriff geschieht unter Narkose und wird im Krankenhaus vorgenommen. Mit der Untersuchung des Gewebes klärt sich, ob im Hoden überhaupt Spermien produziert werden.
  • Untersuchung der Samenleiter:
    Der Arzt kann auch die Durchgängigkeit der Samenleiter prüfen. Hierzu spritzt er Kontrastmittel in die Samenleiter und macht diese mittels Röntgendiagnostik sichtbar. Wenn er einen Verschluss findet, kann er ihn operativ öffnen.

Kann Unfruchtbarkeit behandelt werden?

Die Therapie von Unfruchtbarkeit richtet sich nach der Ursache. Auch die Erfolgsaussichten einer Behandlung spielen dabei eine Rolle.

Liegen die Ursachen für die Unfruchtbarkeit in seelischen Belastungen oder Stress, ist eine Psychotherapie ratsam. Während der Therapie können auch Entspannungstechniken erlernt werden, um mit Stress und der Belastung durch die ungewollte Kinderlosigkeit besser umzugehen. Wenn Geschlechtsorgane angeborene oder durch eine Krankheit entstandene Fehlbildungen aufweisen, lassen sich diese oft in einer Operation korrigieren. Verklebte oder verwachsene Eileiter werden bei Frauen besonders häufig behandelt. Männer werden hingegen oft operiert, um eine Sterilisation rückgängig zu machen.

Hormonstörungen lassen sich in der Regel durch die Gabe von Hormonen gut therapieren. Mögliche Nebenwirkungen einer Hormonbehandlung sind Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen und Störungen der Blutgerinnung. Hormone spielen auch eine Rolle, wenn die Unfruchtbarkeit nicht ausreichend behandelt werden kann. Dann kann eine so genannte künstliche Befruchtung durchgeführt werden. Je nachdem, ob die Ursachen des unerfüllten Kinderwunschs bei der Frau oder beim Mann liegen, kommen unterschiedliche Techniken der assistierten Reproduktion in Frage. So kann beispielsweise im Rahmen einer Insemination ein Kind mittels Samenspende gezeugt werden. Um die Bildung von Eizellen anzuregen, werden bei der künstlichen Befruchtung häufig Hormone gegeben. Bei Unfruchtbarkeit eignen sich verschiedene Verfahren der künstlichen Befruchtung.

Welchen Verlauf hat Unfruchtbarkeit?

Die Prognose von Unfruchtbarkeit ist sehr unterschiedlich und abhängig von ihren Ursachen. Wurde ein Verfahren der Reproduktionsmedizin angewendet, kommt es überdurchschnittlich häufig zu Mehrlingsschwangerschaften. Die Aussicht auf Erfolg einer künstlichen Befruchtung liegt bei etwa 15 Prozent. Konkret bedeutet das: 15 Prozent aller Befruchtungsversuche verlaufen positiv und es kommt zur Geburt eines lebensfähigen Kindes. Mit zunehmendem Alter sinken die Erfolgschancen.

Durch die Gabe von Hormonen kann es langfristig zu Komplikationen wie Blutgerinnungsstörungen oder Zystenbildung kommen.

Wie kann man Unfruchtbarkeit vorbeugen?

Vor allem die Lebensweise hat Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Es empfiehlt sich deshalb eine ausgewogene Ernährung, maßvoller Genuss von Alkohol, Kaffee und schwarzem Tee und Nichtrauchen. Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training helfen bei der Bewältigung von Stress und psychischer Anspannung.

Autor: Karin Wunder/Jessica Schmid
Letzte Aktualisierung: 11. April 2014
Quellen: Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: www.schwanger-info.de (Stand: August 2008), Robert Koch-Institut (Hrsg.): Ungewollte Kinderlosigkeit. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 20. Berlin 2004, Schirren, C. (Hrsg.): Unerfüllter Kinderwunsch. Leitfaden Reproduktionsmedizin für die Praxis. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2003, Schnaps, K.P., Kessler, O., Fetzner, U. (Hrsg.): Gynäkologie/Pädiatrie. Springer, Heidelberg 2007, Federspiel, K.: Kinderlos - was tun? Hirzel, Stuttgart 2000

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