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Montag, 20. November 2017
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Hirnhautentzündung (Meningitis)

Hirnhautentzündung (Meningitis)
Kopfschmerzen und Fieber können Symptome einer Hirnhautentzündung sein
(c) iStockphoto/fotostorm

Hirnhautentzündung (Meningitis) ist eine Entzündung der Hirnhäute und der Häute des Rückenmarks (Meningen). Die Erkrankung kann akut oder chronisch verlaufen. Bei der akuten Hirnhautentzündung handelt es sich um eine ernsthafte Erkrankung, die sich innerhalb kurzer Zeit entwickeln kann. Schwere Folgeschäden oder ein tödliches Ende der Erkrankung sind nicht ausgeschlossen.

Sowohl Viren als auch Bakterien und Pilze können eine Hirnhautentzündung auslösen. Meist erkranken Kinder oder Jugendliche. Eine Hirnhautentzündung kann jedoch auch Erwachsene betreffen. In Deutschland treten jedes Jahr etwa 5.000 bis 10.000 Meningitis-Erkrankungen auf. Eine Hirnhautentzündung, die durch Meningokokken ausgelöst wurde, ist meldepflichtig.

Die Hirnhäute umgeben Gehirn und Rückenmark in drei Schichten. Die innere Schicht (weiche Hirnhaut) ist dünn und liegt direkt an Gehirn und Rückenmark an. Bei der mittleren Schicht handelt es sich um die feine Spinnwebhaut. Zwischen ihr und der weichen Hirnhaut zirkuliert die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit. Die äußerste Schicht ist die harte Hirnhaut, die direkt am Schädel liegt.

Ursachen einer Hirnhautentzündung: Bakterien, Viren, Pilze, Vorerkrankungen

Eine Hirnhautentzündung kann von Bakterien, Pilzen und Viren oder durch eine bestehende Vorerkrankung ohne Infektion ausgelöst werden.

In der warmen Jahreszeit kann mit einem Zeckenbiss die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) durch Viren übertragen werden. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann der Pilz Cryptococcus Auslöser einer Hirnhautentzündung sein. Nichtinfektiöse Ursachen für eine Hirnhautentzündung können beispielsweise ein Hirntumor, Multiple Sklerose, Leukämie oder bestimmte Arzneimittel sein.

Bakterielle Meningitis: Ursachen und Ansteckung

Zu den häufigsten Erregern einer bakteriellen Meningitis zählen Meningokokken, Hämophilus Hib, Pneumokokken, Streptokokken und Listerien. Die bakterielle Meningitis kommt wesentlich seltener vor als eine Meningitis durch Viren, sollte aber ernst genommen werden, da sie schwerer verläuft.

Die Ansteckung erfolgt bei der bakteriellen Meningitis durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel über Speichel, Husten, Niesen). Die Inkubationszeit - also die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden der bakteriellen Meningitis - beträgt etwa drei bis vier Tage, kann aber auch zwischen zwei und zehn Tagen liegen. In akuten Fällen können sich die Symptome innerhalb weniger Stunden entwickeln.

Ansteckung und Inkubationszeit allgemein

Eine Ansteckung geschieht meist über eine Tröpfcheninfektion, bei der die Erreger durch die Luft gehustet, geniest oder beim Küssen weiter gegeben werden. Bakterien siedeln sich in den feuchten Sekreten der Nasenschleimhaut und im Rachen an. Bei einigen Menschen sind sie hier bereits vorhanden, ohne dass sie zu einer Erkrankung führen. Das Blut kann die Erreger von hier aus bis zu den Hirnhäuten und dem Gehirn (Meningo-Enzephalitis) transportieren. Auch bei einer bereits bestehenden Erkrankung, wie beispielsweise einer Mittelohrentzündung, einer chronischen Ohren- oder Naseninfektion, nach Windpocken, Masern oder Röteln kann sich später eine Hirnhautentzündung entwickeln. Außerdem kann sich die Hirnhaut nach einem Unfall mit Schädelbruch oder nach einer Rückenmarksoperation entzünden.

Innerhalb der ersten drei Lebensjahre ist das Risiko für Kinder besonders hoch, an einer bakteriellen Hirnhautentzündung zu erkranken.

Die Inkubationszeit der Hirnhautentzündung (Meningitis) beträgt etwa drei bis zehn Tage. Das bedeutet: So lange dauert es, bis sich nach der Ansteckung erste Symptome zeigen. In dieser Zeit kann der Betroffene bereits andere Menschen mit Meningitis anstecken, auch wenn sich noch keine Symptome gezeigt haben. Die Länge der Inkubationszeit hängt auch von der Ursache ab.

Unterschied zwischen viraler und bakterieller Meningitis

Die bakterielle Meningitis kommt wesentlich seltener vor als die virale, dafür sind ihre Symptome aber erheblich schwerer. Liegt die Ursache der Hirnhautentzündung bei Viren, liegt der Schwerpunkt der Behandlung auf der Linderung der Symptome und Stärkung des Körpers, weil die Viren selbst nicht therapiert werden können. Die bakterielle Meningitis wird mit Antibiotikum behandelt.

Beide Formen der Meningitis müssen streng ärztlich überwacht werden. Während die bakterielle Meningitis Folgeschäden hinterlassen kann, heilt die virale Meningitis in der Regel vollständig aus.

Symptome einer Hirnhautentzündung

Typische Symptome einer Meningitis sind:

  • Kopf- und Nackenschmerzen
  • Nackensteifheit, wobei der Kopf nicht zum angewinkelten Knie bewegt werden kann
  • Fieber
  • Reizüberempfindlichkeit (Lichtscheu)
  • Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verwirrtheit und Bewusstseinstrübungen
  • Benommenheit bis hin zu Koma
  • Hautausschlag mit roten oder violetten Flecken
  • Schwellung des Gehirngewebes mit Druckgefühl im Kopf

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann sich die Erkrankung durch weniger deutliche Anzeichen bemerkbar machen. Bei ihnen ist der Nacken auch nicht unbedingt steif. Mögliche Symptome einer bakteriellen Meningitis bei ihnen sind:

  • Bauchschmerzen
  • Nahrungsverweigerung
  • Empfindliche Reaktionen auf Berührungen
  • Krampfanfälle
  • Schläfrigkeit, Schlaffheit
  • Schrilles Geschrei

Wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind eine Hirnhautentzündung haben könnte oder wenn das Kind Fieber ohne erkennbare Ursache hat, sollten sie umgehend einen Arzt aufsuchen, damit dieser sofort mit der Behandlung beginnen kann. Erwachsene sollten sich ebenso rasch in ärztliche Behandlung begeben, wenn die genannten Symptome und vor allem Nackensteifheit bei ihnen auftritt. Eine Hirnhautentzündung ist ein medizinischer Notfall.

Die Symptome einer chronischen Hirnhautentzündung und die einer Virusinfektion sind denen einer akuten Erkrankung ähnlich. Allerdings sind die Beschwerden weniger stark ausgeprägt und treten bei einer chronischen Hirnhautentzündung nicht plötzlich, sondern über Wochen hinweg auf.

Diagnose einer Hirnhautentzündung

Bei der Untersuchung achtet der Arzt auf die Anzeichen einer Hirnhautentzündung. Neben den oben genannten Symptomen sind dies auch die Zeichen nach Brudzinski und Kernig:

  • Der Betroffene beugt Hüfte und Knie an, wenn sein Kopf in Richtung Brust gedrückt wird (Brudzinski-Zeichen).
  • Wenn der Betroffene das Bein anhebt, kann der Arzt es nicht strecken (Kernig-Zeichen).

Wenn aufgrund der Symptome des Betroffenen ein Verdacht auf eine Hirnhautentzündung besteht, führt der Arzt eine Lumbalpunktion durch, um den Erreger der Erkrankung festzustellen. Dabei wird Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entnommen und untersucht.

Ganz entscheidend ist die Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Meningitis, um rasch die notwendige Behandlung einleiten zu können. Da die bakterielle Meningitis innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden kann, ist der rasche Einsatz von Antibiotika unbedingt notwendig.

Wenn die Hirnhautentzündung nicht von Bakterien ausgelöst wurde, können Blut- und Urinuntersuchungen sowie Abstriche aus Hals, Nase oder von eitrigen Hautinfektionen Hinweise auf Pilze oder Viren geben.

Therapie einer Hirnhautentzündung

Die Therapie einer Hirnhautentzündung richtet sich nach der allgemeinen Verfassung des Betroffenen und nach der Art der Erreger. Erscheint der Betroffene schwach und krank beim Arzt, kann dieser sofort mit einer Antibiotikabehandlung beginnen, ohne den Erreger zu kennen. Sobald der Erreger feststeht, kann die Behandlung angepasst und möglicherweise auch ein besser wirksames Antibiotikum eingesetzt werden. Bei Krampfanfällen werden zusätzlich krampflösende Mittel verabreicht. Der Wasserverlust durch Erbrechen, Fieber und Schwitzen wird ebenfalls ausgeglichen.

Bei Verdacht auf eine Infektion mit Meningokokken wird der Betroffene sofort ins Krankenhaus eingewiesen. Dort gelten spezielle Hygienevorschriften, die dafür sorgen sollen, dass sich die Erkrankung nicht weiter ausbreiten soll.

Babys und kleine Kinder werden bei einer bakteriellen Meningitis mit Meningokokken intensivmedizinisch betreut und erhalten ebenfalls Antibiotika. Bei ihnen kann auch Kortison gegeben werden, was die Entzündungsreaktion und den Druck im Kopf vermindert.

Als Teil der Therapie bei einer Infektion mit Meningokokken werden auch enge Kontaktpersonen des Betroffenen vorbeugend mit Medikamenten behandelt. Sie werden über frühe Symptome der Hirnhautentzündung informiert, damit sie sich sofort in ärztliche Behandlung geben können, sobald sie Frühsymptome an sich entdecken. Neben dem Partner oder den Eltern des Betroffenen, können dies auch enge (Spiel-)Freunde, Banknachbarn in der Schule oder andere Kontaktpersonen in Internaten, Schulen, Wohnheimen oder Kindergärten sein.

Chronische Hirnhautentzündungen ohne Infektionen als Ursache werden mit Kortison behandelt. Gegen Pilze kommen Pilzmittel zum Einsatz. Eine Virus-Hirnhautentzündung verheilt meist ohne Medikamente.

Ab etwa 24 Stunden nach Beginn der Antibiotika-Behandlung ist die bakterielle Meningitis in der Regel nicht mehr ansteckend.

Verlauf einer Hirnhautentzündung

In schweren Fällen kann eine bakterielle Meningitis bleibende Schäden beim Betroffenen hinterlassen. Dazu zählen unter anderem Schädigungen des Gehörs bis hin zur Taubheit, Bewegungs- und Entwicklungsstörungen, Lernschwierigkeiten sowie Hirnödeme und -abszesse. Die Entzündung kann sich von den Hirnhäuten auf das Gehirn ausweiten. Dann handelt es sich um eine Meningoenzephalitis.

Hirnhautentzündungen, die durch Meningokokken ausgelöst wurden, verlaufen in ungefähr drei von 100 Fällen tödlich.  Daher ist es unbedingt notwendig, so schnell wie möglich einen Arzt aufzusuchen und mit der Antibiotika-Behandlung zu beginnen, wenn der Verdacht auf eine Meningokokken-Meningitis besteht.

Hirnhautentzündungen, die durch Viren ausgelöst wurden, nehmen in der Regel keinen sehr schweren Verlauf.

Vorbeugen durch Impfung

Gegen einige Erreger der Hirnhautentzündung gibt es einen Impfstoff. Bei Kindern erfolgt die erste Impfung gegen den Meningitis-auslösenden Erreger Meningokokken C in der Regel ab dem zwölften Lebensmonat bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres im Rahmen der Vorsorge-Untersuchungen. Die Impfung ist einmalig und braucht daher nicht aufgefrischt zu werden. Wurde eine frühzeitige Impfung zur Vorbeugung gegen Meningitis versäumt, kann diese bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden.

Die Impfung wird von der von der Ständigen Impfkomission des Robert Koch-Instituts (STIKO) für alle Kinder empfohlen.

Besonders gefährdeten Personengruppen empfiehlt die STIKO eine Vierfach-Impfung gegen weitere Meningokokken-Stämme (Serogruppen A, W135 und Y). Dieser Meningokokken-ACWY-Konjugatimpfstoff ist für die nachstehenden Personengruppen geeignet:

  • Menschen mit einem schwachen Immunsystem
  • Menschen, die in Gebiete reisen, in denen die Infektion häufig vorkommt
  • Laborpersonal

Auch Kinder können mit dieser Vierfach-Impfung gegen Meningitis geimpft werden - je nach verwendetem Präparat ab dem ersten beziehungsweise zweiten Lebensjahr.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Mai 2017
Durch: Miriam Funk / Karin Wunder
Quellen: Online-Informationen des Robert Koch-Instituts, Berlin: http://www.rki.de (Stand: April 2016); Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte e.V.: http://www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: Juni 2009); Online-Informationen des Nationales Referenzzentrum für Meningokokken am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg: http://www.meningococcus/uni-wuerzburg.de (Stand: Juni 2009)

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