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Sonntag, 24. Juni 2018
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Fieberkrampf beim Baby oder Kleinkind: Was kann man tun?

Der Fieberkrampf ist eine gefürchtete Komplikation bei kranken Babys und Kleinkindern. Plötzlich beginnen sie heftig zu zucken wie bei einem epileptischen Anfall. Das sieht schrecklich aus, ist aber normalerweise nicht gefährlich und in wenigen Minuten wieder vorbei. Was den Anfall verursacht und wie Sie sich verhalten sollten.

Fiebermessen bei kleinem Mädchen
Schnell ansteigendes Fieber kann bei Babys und Kleinkindern einen Fieberkrampf auslösen.
(c) iStockphoto

Ein Fieberkrampf ist ein vom Gehirn ausgehender Krampfanfall, der typischer Weise bei Kindern zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr auftritt, wenn sie hohes Fieber bekommen. Er äußert sich wie ein epileptischer Anfall mit Bewusstseinsverlust, Zuckungen und Krämpfen.

Besonders häufig sind Kleinkinder im Alter von anderthalb bis zwei Jahren betroffen. Ein Fieberkrampf sieht zwar wirklich fürchterlich aus und versetzt die Eltern verständlicher Weise in große Angst, doch er ist aus medizinischer Sicht harmlos und im Normalfall nach spätestens fünf Minuten vorbei.

Fieberkrämpfe sind eine relativ häufige Begleiterscheinung bei fiebrigen Infekten bei Kleinkindern – etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder sind betroffen. Nachdem man eine familiäre Häufung der Anfälle beobachtet hat, wird eine erbliche Veranlagung vermutet. Warum aber manche Kinder einen Fieberkrampf bekommen und andere nicht, ist bisher nicht abschließend geklärt. In jedem Fall sollte unbedingt eine andere Ursache für die Krämpfe wie beispielsweise eine Hirnhautentzündung oder eine tatsächliche Epilepsie ausgeschlossen werden, insofern muss das Kind nach dem Anfall unbedingt gründlich untersucht werden.

Kinderkrankheiten und ihre typischen Beschwerden

Auslöser sind meist fieberhafte Infekte und Kinderkrankheiten

Von Fieber spricht man bei Kindern ab 38 Grad Celsius im Po gemessen, von hohem Fieber ab 39 Grad. Ein Fieberkrampf entsteht jedoch nicht notwendiger Weise, wenn das Fieber sehr hoch ist, sondern wenn es besonders schnell ansteigt. Aus diesem Grund krampfen die Kinder häufig, wenn der Infekt gerade beginnt, und die Eltern vielleicht noch gar nicht richtig realisiert haben, dass ihr Kind krank ist.

Ausgelöst werden kann der Anfall von grippalen Infekten und allen Infektionskrankheiten, die mit Fieber einhergehen. Eine besonders häufige Ursache ist das Drei-Tage-Fieber. Dies ist typischerweise die erste Kinderkrankheit, die kleine Kinder durchmachen, meist so im Alter von ein bis zwei Jahren.

Das Drei-Tage-Fieber ist sehr ansteckend, aber ansonsten weitgehend harmlos. Allerdings kommt es wegen des rasch ansteigenden Fiebers eben oft zu den gefürchteten Fieberkrämpfen. Weitere häufige Auslöser von Fieberkrämpfen sind Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln.

Symptome: So erkennt man einen Fieberkrampf

Ein Fieberkrampf wird vom ansteigenden Fieber ausgelöst und zwar typischer Weise dann, wenn die Körpertemperatur besonders schnell in die Höhe geht und über 39 Grad Celsius ansteigt. Das Kind verliert plötzlich das Bewusstsein, dann versteift es sich am ganzen Körper. Kurz darauf treten heftige Zuckungen und Krämpfe am ganzen Körper auf. Die Lippen können sich blau färben (Zyanose) aufgrund der verlangsamten Atmung, manchmal muss das Kind auch erbrechen. Statt der Verkrampfung kann es auch zu Schlaffheit kommen, insbesondere bei Säuglingen.

Der Anfall ebbt meist ebenso schnell ab, wie er gekommen ist. In der Regel dauert er nur zwei bis drei Minuten, selten länger als fünf Minuten. Man spricht dann von einem einfachen oder unkomplizierten Fieberkrampf. Normalerweise erholt sich das Kind hinterher schnell, es ist aber meist müde und geschwächt, eventuell auch noch eine Zeit lang benommen.

Die typischen Symptome bei einfachem Fieberkrampf auf einen Blick:

  • Schnell ansteigendes Fieber
  • Bewusstseinsverlust
  • Muskelverspannung
  • Muskelzuckung
  • Blaufärbung der Lippen (Zyanose)
  • Benommenheit
  • Dauer nicht länger als fünf Minuten

In seltenen Fällen hört der Fieberkrampf von alleine nicht wieder auf und kann 15 Minuten und länger andauern. In diesem Fall spricht man von einem komplizierten Fieberkrampf. Hier kommen meist noch andere Auffälligkeiten hinzu. Oft liegt eine Grunderkrankung oder Störung im Gehirn zugrunde, insofern steht zu befürchten, dass sich die Anfälle wiederholen. Ein Alarmzeichen ist auch, wenn die Anfälle bei größeren Kindern nach dem fünften Lebensjahr auftreten.

Fieberkrampf beim Baby

Bei Säuglingen unter fünf Monaten treten Fieberkrämpfe eher selten auf. Bei sehr kleinen Babys liegt meist eine andere Ursache zugrunde wie beispielsweise nicht erkannte Meningitis. Auch sind bei ihnen selten die typischen Symptome wie Krampfen und Zucken zu sehen, sie werden eher schlaff und apathisch. Wenn Sie bei Ihrem Baby einen Fieberkrampf vermuten, sollten Sie umgehend den Notarzt verständigen.

Husten beim Baby: Das können Sie selbst tun

Sonderfall Affektkrampf – wenn sich das Kind in einen Krampfanfall hineinschreit

Manche Kinder steigern sich so sehr in Schmerzen oder in einen Wutanfall hinein, dass sie sich regelrecht "wegschreien", also in eine Bewusstlosigkeit hineinschreien. Kinderärzte sprechen dann von einem Affektanfall. Hier hilft es, dem Kind mit einem kalten Waschlappen übers Gesicht zu fahren. Dramatisieren sie den Vorfall nicht, sondern reagieren Sie ruhig und mit "kontrollierter Vernachlässigung", da sonst aufgrund der erhöhten Zuwendung und Aufmerksamkeit eher die Gefahr einer Wiederholung besteht.

Was tun bei Fieberkrampf – die besten Notfallmaßnahmen

Wenn ein Kind das erste Mal einen Fieberkrampf hat, reagieren die Eltern verständlicher Weise vollkommen panisch. Deshalb ist es gut, sich vorher darüber zu informieren, was ein Fieberkrampf ist und wie man am besten reagieren sollte. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen:

  • Versuchen Sie ruhig zu bleiben!
  • Legen Sie das Kind auf dem Boden auf eine Decke oder den Teppich oder halten Sie es locker auf dem Arm.
  • Entfernen Sie alle harten, spitzen oder gefährlichen Gegenstände aus seinem Radius, damit es sich nicht verletzen kann.
  • Lockern Sie gegebenenfalls einengende Kleidung, damit es ausreichend Luft bekommt.
  • Sehen Sie auf die Uhr, damit Sie ungefähr einschätzen können, wie lange der Fieberkrampf dauert.
  • Falls das Kind erbricht, drehen Sie es vorsichtig auf die Seite möglichst mit dem Kopf nach unten, damit das Erbrochene nicht in die Atemwege gelangt.
  • Verständigen Sie den Kinderarzt oder den Notarzt, insbesondere beim ersten Fieberkrampf.

Was Sie bei einem Fieberkrampf nicht tun sollten:

  • Versuchen Sie nicht, das Kind am Zucken zu hindern.
  • Halten Sie es nicht zu fest und drücken Sie es nicht an sich.
  • Schütteln Sie es auf keinen Fall!
  • Geben Sie ihm nichts zu essen oder zu trinken – hier droht Erstickungsgefahr
  • Geben Sie ihm kein kaltes Wasser ins Gesicht

Nach dem Fieberkrampf sollten Sie Fieber messen und das Fieber eventuell durch geeignete Maßnahmen wie ein Fieberzäpfchen oder Wadenwickel senken.

Falls noch nicht geschehen, sollten Sie nun den Kinderarzt verständigen, der Ihr Kind in jedem Fall ausführlich untersuchen und zur Beobachtung in ein Krankenhaus einweisen wird. Dort werden sicherheitshalber einige Untersuchungen durchgeführt wie beispielsweise ein EEG (Hirnstromkurve), die ausschließen sollen, dass der Krampfanfall von einer Hirnhautentzündung oder einer anderen Erkrankung des Gehirns verursacht wurde.

Gute Prognose: Ein Fieberkrampf hat meist keine Spätfolgen

Die meisten Kinder haben in ihrem Leben einmal einen Fieberkrampf und nie wieder. Nur etwa ein Drittel der betroffenen Kinder bekommt die Fieberkrämpfe noch ein zweites Mal oder auch häufiger. Die Neigung zu Fieberkrämpfen lässt jedoch mit zunehmendem Alter deutlich nach und hat sich spätestens im Schulalter "verwachsen".

Wichtig zu wissen: Ein Fieberkrampf verursacht keine Schäden am Gehirn und es gibt bei unkomplizierten Verläufen auch keinen Zusammenhang mit Epilepsie. Das Kind hat also kein erhöhtes Risiko, im späteren Leben epileptische Anfälle oder andere Anfallserkrankungen zu bekommen. Nach einem Fieberkrampf entwickelt sich das Kind genauso gesund und normal weiter wie vorher. Es gibt auch keinerlei Anzeichen dafür, dass die Gefahr des Plötzlichen Kindstodes (SIDS) steigen würde.

Lediglich bei komplizierten und wiederholten Fieberkrämpfen, bei Anfällen, die nach dem fünften Geburtstag auftreten, und bei einer familiären Veranlagung zu epileptischen Anfällen, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später an Epilepsie erkranken wird.

Kann man Fieberkrämpfen vorbeugen?

Einem Fieberkrampf kann man nicht wirklich vorbeugen. Meist tritt der Anfall "aus heiterem Himmel" auf. Wenn Sie als Eltern aber vorab über die Möglichkeit eines Fieberkrampfes Bescheid wissen, gelingt es Ihnen vielleicht eher, ruhig und überlegt zu reagieren.

Nachdem Fieberkrämpfe zumeist harmlos sind, ist es nicht sinnvoll, bereits im Vorfeld fiebersenkende Maßnahmen zu ergreifen, wie beispielsweise vorsorglich bei einem nahenden Infekt ein Fieberzäpfchen zu geben. Falls Ihr Kind zu wiederholten oder zu komplizierten Fieberkrämpfen neigt, kann der Kinderarzt aber ein krampflösendes Mittel verschreiben, dass Sie dann für den Fall der Fälle zu Hause haben und gleich verabreichen können. Das krampflösende Mittel wird als Rektiole in den Po (rektal) wie ein Zäpfchen gegeben und wirkt sehr schnell und zuverlässig. Es sollte aber wirklich nur bei einem tatsächlichen Anfall und nicht vorbeugend gegeben werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2018
Quellen: DGKJ: Mein Kind hatte einen Fieberkrampf. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V., Berlin 2008; Online-Informationen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendmediziner: Fieberkrämpfe - Meist keine vorbeugenden Medikamente erforderlich. (Abgerufen 11.2.2018); Online-Informationen des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendmediziner: Krampfanfall. (Stand 21.1.2015); Pschyrembel (Hrsg.): Klinisches Wörterbruch. Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2013;

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