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Übertrainingssyndrom

Autor: 9monate.de
Letzte Aktualisierung: 21. Juli 2013

Das Übertrainingssyndrom kann nicht nur Leistungssportler, sondern auch ambitionierte Hobbyathleten oder Freizeitsportler betreffen. Manch einer hat es schon mal erlebt, wenn trotz intensiven Trainings, gesunder Lebensweise und obwohl man sich eigentlich fit fühlt, die eigene körperliche Leistungsfähigkeit sich nicht verbessert, sondern eher abnimmt. Hinter diesem Leistungsabfall kann das so genannte Übertrainingssyndrom stecken.

Übertrainingssyndrom
Ausgleichssport hilft gegen das Übertrainingssyndrom
(c) iStockphoto/dolgachov

Zwei verschiedene Arten vom Übertraining

Man kann grundsätzlich zwei Arten von Übertraining unterscheiden, die von dem Sportwissenschaftler Israel schon Mitte der 70iger Jahre beschrieben wurden. Als Übertraining bezeichnet Israel so eine Verschlechterung oder auch Stagnation der körperlichen Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum bei gleichbleibendem oder sogar gesteigertem Training. Das vegetative Nervensystem wird im Wesentlichen über zwei verschiedene Player beeinflusst und gesteuert, den Sympathikus und den Parasympathikus.

Der Sympathikus spielt bei körperlichen Aktivitäten, Angriff und Fluchtverhalten eine bedeutende Rolle. In Gefahrensituationen oder unter Stress wird zum Beispiel der Sympathikus aktiviert und führt unter anderem zur Beschleunigung der Herzfrequenz, Weitung der Pupillen und Erhöhung des Blutdrucks.

Der Parasympathikus ist in der Ruhephase aktiv, über ihn wird vor allem die Verdauung und die Regeneration gesteuert, die Pupillen verengen sich, der Blutdruck und die Herzfrequenz werden abgesenkt.

Das sympathikotone Übertrainingssyndrom geht so häufig mit einer Störung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit einher, man fühlt sich müde, schlapp, der Appetit geht zurück, man ist reizbarer und leidet unter Konzentrationsmangel. Der Ruhepuls und der Grundumsatz ist oft erhöht, so dass es zu einem Gewichtsverlust kommt. Es betrifft vor allem junge Sportler, die intensiv, häufig kurze Distanzen und auf Leistung trainieren.

Das parasympathikotone Übertrainingssyndrom findet man eher bei älteren Sportlern, die Ausdauersportarten bevorzugen, zum Beispiel auch bei Marathonläufern. Aufgrund des stimulierten Parasympathikus klagen die Betroffenen häufig nur über einen Leistungsverlust bei intensiver Belastung, jedoch nicht bei der Ausdauer. Der Pulsanstieg beim Sport ist geringer und außer einer eher müden und antriebsgeschwächten Stimmungslage kommt es zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung des Appetits, Gewichtes oder des Schlafes. Beide Formen können jedoch zu gehäuften Verletzungen und zu Überlastungsschäden führen.

Wie kann ich ein Übertrainingssyndrom feststellen?

Wenn es bei intensivem Training und gesunder Ernährung trotzdem zu einem Leistungsverlust kommt, sollten als erstes in einer ärztlichen Untersuchung mögliche Ursachen wie Blutarmut, Mineralstoffmangel, Virus- oder bakterielle Infektionen, Schilddrüsen-, Herz-Kreislauferkrankungen oder eine Allergie ausgeschlossen werden.

Bei weiterem Verdacht auf ein Übertrainingssyndrom können neben der genauen Anamnese weiterführende Blutuntersuchungen wie zum Beispiel die Bestimmung der Cortison- und Testosteronwerte, Adrenalin und Noradrenalin in Ruhe und unter Belastung, Harnstoff, Kalium, Magnesium sowie Kreatininkinase einen Hinweis auf ein Übertrainingssyndrom geben. Dabei ist die zeitliche Beziehung zwischen den Symptomen und der Art und Dauer des Training wichtig, um den Zusammenhang nachvollziehen zu können.

Neben der reinen sportlichen Überlastung, einer überzogenen Erwartungshaltung an sich selbst und falschem Ehrgeiz können auch andere Faktoren bei der Entstehung des Übertrainingssyndroms eine Rolle spielen. So raubt der berufliche oder private Stress zusätzlich Energie, nicht ausgeheilte oder ignorierte Infekte schwächen das Immunsystem und ungenügende Regenerationsphasen sowie ein ungesunder Lebensstil mit Ernährungsfehlern, wenig Schlaf, hohem Medikamenten- und Genussmittelkonsum schwächen den Körper zusätzlich.

Trainingspause als wichtiger Therapiebaustein

Die Therapie richtet sich nach der Art und Dauer des jeweiligen Übertrainingssyndroms. Grundsätzlich ist eine vorübergehende Wettkampfpause von zwei bis zwölf Wochen (je nach Schwere der Symptomatik) empfehlenswert.

Die Dauer des Übertrainingssyndroms (gemessen ab dem ersten Auftreten der Symptome) wird dabei mit drei multipliziert, um die empfohlene Dauer der Pause zu berechen. In dieser Zeit sollte kein intensives Training betrieben werden, sondern eher ausgleichende Sportarten wie Schwimmen, Spielsportarten oder leichtes Joggen, um den Körper zu regenerieren. Krankengymnastik, Massagen, Saunagänge und Güsse können eine schnellere Regeneration unterstützen. Sprechen Sie diesbezüglich mit Ihrem Arzt, welche Maßnahmen für Sie am besten geeignet sind.

Weitere wichtige Punkte sind eine ausgewogene Ernährung, ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt und die Zufuhr von wichtigen Mineralstoffen und Vitaminen. Ferner sollte die Trainingspause genutzt werden, um begleitende Ursachen für das Übertrainingssyndrom zu erkennen und das zukünftige Trainingskonzept zu überdenken.

Arten und Symptome

Es gibt zwei verschiedene Arten des Übertrainingssyndroms, die mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen und von dem Sportwissenschaftler Israel als das sympathikotone und das parasympathikotone Übertrainingssyndrom beschrieben wurden :

Sympathikotones Übertrainingssyndrom Parasympathikotones Übertrainingssyndrom
Schnelle Ermüdbarkeit Ermüdbarkeit insbesondere bei intensiver Belastung, nicht aber bei Ausdauerbelastung
Schnelle Reizbarkeit Erhöhtes Ruhebedürfnis, Antriebsschwäche
Konzentrationsmangel Normale Konzentrationsfähigkeit
Verminderte Trainingslust Häufig wird noch mehr trainiert
Schlafstörungen, innere Unruhe Keine Schlafstörungen
Appetitmangel Normaler Appetit
Erhöhung des Ruhepulses Nach Belastung normaler Rückgang der Herzfrequenz, ansonsten eher langsamer Ruhepuls
Kopfschmerzen --
Nachtschweiß --
Erhöhter Grundumsatz Normaler Grundumsatz
Gewichtsverlust Kein Gewichtsverlust
Erhöhte Atemfrequenz bei Belastung Atmung normal
Verzögerte Erholung Normale Erholung
Gehäufte Verletzungen Häufig Überlastungsschäden
Betrifft vor allem junge Sportler Betrifft vor allem ältere Ausdauersportler

Autor: 9monate.de
Letzte Aktualisierung: 21. Juli 2013

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