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Cytotec nach missed abortion Erfahrungsbericht

Erfahrungsbericht Cytotec

Mein Erfahrungsbericht ist sehr lang und umfangreich, weil ich mir selbst viel mehr Information gewünscht hätte, aber wenig gefunden habe. Ich hoffe ich kann der ein oder anderen weiterhelfen, egal ob bei Fehlgeburt oder Abbruch.

Ich hatte in der 9. SSW meine erste richtige Ultraschalluntersuchung, bei der festgestellt wurde, dass die Schwangerschaft sonographisch wie eine 7. SSW aussieht. Daraufhin sollte ich eine Woche später noch einmal kommen, um zu sehen, ob die Entwicklung normal verläuft. Ich wusste aber schon, dass ich mich nicht verrechnet hatte und dass da etwas ganz und gar nicht stimmen kann. Trotzdem hatte ich weiterhin Schwangerschaftssymptome wie schmerzende Brüste, ständigen Harndrang und Schwindel beim Aufstehen. Auch das HCG war wohl weiterhin sehr hoch, trotzdem wurde beim nächsten Ultraschall keine Veränderung festgestellt, der Arzt stellte die Diagnose missed abortion und empfahl mir eine baldige Ausschabung. Ich ging am nächsten Morgen in die Frauenklinik, dort konnte man mich aber nicht mehr aufnehmen und schickte mich in ein anderes Krankenhaus. Hier wurde ich untersucht und die Ärztin teilte mir mit, dass eine leichte Blutung begonnen hatte (Ich war mittlerweile in der 10. SSW, sonographisch immer noch 7. SSW). Sie riet mir eindringlich von einer Ausschabung ab (Verletzungsrisiko an der Gebärmutter) und empfahl mir, die Fehlgeburt medikamentös einzuleiten. Hierfür gab sie mir 4 Tabletten Cytotec mit nachhause, ich musste einen Zettel unterschreiben (wegen off-label use) und sie sagte mir, ich könne Ibuprofen 600mg dazu nehmen und mich bei zu starken Blutungen oder Schmerzen in die Notaufnahme begeben.

Ich fühlte mich sehr unwohl dabei, die Tabletten einzunehmen, und hatte große Bedenken wegen der Schmerzen. Ich wusste, dass Ibuprofen wahrscheinlich witzlos ist, wenn man stundenlang wehenartige Krämpfe hat und hatte Anflüge von Panik, so ganz ohne ärztliche Aufsicht diese große Menge an Cytotec einzunehmen. Um 22 Uhr nahm ich sie dann zusammen mit einer 600er Ibuprofen ein, ich wollte es einfach hinter mich bringen. Mein Freund war bei mir und versprach mir, mich sofort ins Krankenhaus zu bringen, wenn ich die Schmerzen nicht mehr aushalten konnte.

Nach ca. 45 Minuten begann ich unkontrollierte Zuckungen zu bekommen, zuerst nur Arme und Beine, dann am ganzen Körper. Ich las nach, dass das eine Erscheinung der Überdosierung von Cytotec sein kann und war froh, dass es nach weiteren 20 Minuten besser wurde. Ich zuckte die Stunden darauf nur noch gelegentlich. Mein Unterbauch war zu der Zeit schon sehr angespannt und hart, es fühlte sich unangenehm an, aber ich hatte noch keine Krämpfe.

Ab ca. 1:30 Uhr (ich dachte schon es passiert nichts mehr) begannen dann die Krämpfe und eine leichte Blutung setzte ein. Die Krämpfe wurden von da an stetig stärker, und damit einhergehend auch die Blutungen. Ab 2:30 Uhr kamen so im 10 Minuten Takt sehr starke Schmerzen, ich konnte mich kaum noch bewegen und wimmerte immer, wenn wieder eine Wehe kam. Mein Freund tat mir allerdings auch leid, er war extrem besorgt, wusste gar nicht was er tun sollte und hätte mich am liebsten direkt ins Krankenhaus gefahren um ein ordentliches Schmerzmittel zu bekommen. Ich hätte zu einem gescheiten Schmerzmittel auch definitiv nicht nein gesagt, es waren wirklich quälende Stunden. Aber sich in dem Zustand in ein Taxi zu setzen und in der Notaufnahme Wartezeiten im Sitzen zu verbringen war absolut unvorstellbar, ich konnte kaum sitzen und blutete enorm, es lief mir zeitweise trotz mega Binden aus dem Krankenhaus die Beine herunter. Ich empfehle jeder Frau, die 4 Cytotec nehmen muss, den Arzt von Vornherein nach einem Rezept für Novalgin oder Codein oder Ähnlichem zu fragen, denn Ibu kann man sich wirklich sparen, wenn man die ganze Nacht in den Wehen liegt. Ich musste jedenfalls mit Wärmflaschen vorlieb nehmen.

Kurz nachdem die richtig starken Krämpfe eingesetzt hatten, und ich es auf die Toilette schaffte, kam mit viel Blut etwas sehr Großes aus mir herausgeflutscht. Ich konnte mich in dem Moment mit gar nichts befassen außer mit Schmerzen, aber jetzt weiß ich, dass es wohl die Fruchthöhle war. Als sie draußen war, fühlte sich der Unterleib für kurze Zeit sehr erleichtert und gelöst an. Die Schmerzen kamen aber schnell wieder. Ungefähr eine Stunde später kam noch einmal ein großes Teil, vermutlich die Plazenta. So gegen 4 Uhr war ich unendlich erschöpft und wollte nur noch schlafen, hatte aber Sorge, die Blutung im Schlaf nicht kontrollieren zu können. Die Schmerzen waren außerdem immer noch recht stark, also stellten wir Wecker, um alle halbe Stunde nochmal auf die Toilette zu gehen und alles rauszulassen. Das tat mir gut, denn im Liegen ging das nicht so richtig. Um 5 Uhr schliefen wir dann trotzdem ein, wir waren beide enorm fertig und ich hatte das Gefühl, dass der größte Teil geschafft war.

Am nächsten Tag konnte ich mich kaum bewegen, alles fühlte sich wund an und ich hatte den ganzen Tag Krämpfe und Blutungen. Gehen konnte ich nur sehr langsam und aufstehen war jedes Mal eine Qual. Am zweiten Tag (heute) relativ unverändert dasselbe, habe immer wieder Krämpfe, einen stechenden Schmerz, vor allem auf der rechten Seite und kann mich nur sehr eingeschränkt bewegen. Die Blutung variiert zwischen mittlerer und schwacher Periode, aber die Schmerzen sind deutlich intensiver, nicht so dumpf wie Periodenschmerzen. Auch gestern und heute habe ich noch Ibuprofen genommen, da Wochenende ist und ich nichts anderes habe, aber wie gesagt, sehr viel hilft das nicht, ich würde sogar sagen gar nicht.

Alles in allem war die Erfahrung mit Cytotec okay, es war anstrengend und schmerzhaft, aber ich bin froh, dass ich es geschafft habe und dass ich um die OP herumgekommen bin. Allerdings finde ich es unverantwortlich, das Ganze ohne Anleitung und ohne Ansprechpartner alleine zuhause durchzuführen und keine Schmerzmittel mitzubekommen. Das ist schon sehr grausam und ich habe meinen Freund unglaublich viel googeln lassen um mich zu beruhigen und nachzuvollziehen, was mir da eigentlich gerade passiert.

Mir wurde zwar gesagt, dass ich jederzeit im Krankenhaus anrufen kann, aber am Telefon wird man direkt abgewimmelt wenn man kein Notfall ist, und zum hinfahren war ich wie gesagt ganz und gar nicht im Stande. Das sollte eigentlich auch den Ärzten klar sein, wer setzt sich unter Wehen und sturzbachartigen Blutungen in einen Warteraum?

Dass ich die Fehlgeburt so bewusst mitbekommen habe, war okay für mich, aber ich habe da auch einen eher rationalen Umgang gewählt. Der Embryo war für mich noch nicht mein Kind und ich wusste von Anfang an, dass sehr viele Frauen Fehlgeburten haben, dass damit zu rechnen sein muss und dass es nichts Ungewöhnliches ist, sondern ganz natürlich.

Ich hätte aber gerne vorher gewusst, dass die Fruchthöhle plötzlich einfach so in einem Teil herauskommt, und mir vielleicht vorher überlegt, ob ich sie einfach runterspülen will, aber ich wusste es nicht und konnte mich nur darauf konzentrieren die Wehen vorbeigehen zu lassen.

Genaue Aufklärung und Betreuung durch den Arzt sollte auf alle Fälle das Mindeste sein, obwohl, nein, gute Schmerzmittel wären das Mindeste gewesen! Bitte fragt vorher schon danach, auch wenn alle Ärzte furchtbar wenig Zeit haben und man oft angepflaumt wird, mir hätte es sehr viel Sicherheit gegeben, wenn ich etwas zuhause gehabt hätte, selbst wenn ich es dann nicht gebraucht hätte.

Wenn du gerade diesen Bericht liest, weil du auch Cytotec nehmen musst, ganz egal ob wegen einer missed abortion oder einem Abbruch, dann möchte ich noch sagen, dass man keine allzu große Angst haben braucht, die Schmerzen sind schlimm, aber mehr weil sie so lange und zermürbend sind, und es war für mich auch ohne Opiate einigermaßen erträglich, also ich hab nicht gedacht, dass ich sterben muss oder sowas.

Außerdem sollte man sich ganz im Allgemeinen nicht von schlechter Beratung von Ärzten entmutigen lassen, ich habe da schon einiges erlebt und finde das vor allem bei so etwas Sensiblem wie der Schwangerschaft unmöglich. Es ist okay, wenn einem so ein Abort schwer fällt, egal ob man eine Fehlgeburt hat oder ob man sich gegen eine Schwangerschaft entschieden hat, man sollte offen darüber reden können und sich nicht stigmatisieren lassen. Ich habe am Tag nach der Fehlgeburt sehr geweint, ohne genau zu wissen warum. Aber ich denke jeder Frau fällt so etwas schwer, egal ob es die eigene Entscheidung war oder nicht, und jeder sollte das gleiche Mitgefühl und die gleiche Offenheit entgegengebracht werden. In dem Moment, in dem wir blutend auf der Schüssel sitzen und uns in Krämpfen winden, sind wir alle gleich, und keine sollte sich davor, dabei, danach schämen müssen oder sich allein gelassen fühlen.

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