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Mittwoch, 22. November 2017
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Nabelschnurpunktion (Chordozentese, Cordozentese)

Nabelschnurpunktion (Chordozentese, Cordozentese)
Im Rahmen einer Nabelschnurpunktion können dem Ungeborenen beispielsweise Medikamente verabreicht werden
LifeART

Die Nabelschnurpunktion (auch Chordozentese oder Cordozentese) ist ein Untersuchungs-Verfahren der pränatalen Diagnostik. Nach einem Einstich in die Bauchdecke der Frau wird eine kleine Menge Blut aus einer Vene der Nabelschnur des ungeborenen Kinds entnommen und untersucht.

Bei einigen Erkrankungen des Ungeborenen werden über die Nabelschnur auch Blut oder Medikamente in den Kreislauf des Kinds gebracht. Die Nabelschnurpunktion wird mit Ultraschall überwacht.

Vorbereitung und Ablauf einer Nabelschnurpunktion

Zunächst bestimmt der Arzt im Rahmen einer Ultraschall-Untersuchung die Lage des Ungeborenen und des Mutterkuchens (Plazenta). Dann legt er eine geeignete Stelle für den Einstich fest und desinfiziert die Bauchdecke. Eine örtliche Betäubung ist für den Eingriff, der nur wenige Minuten dauert, normalerweise nicht notwendig. Unter Ultraschallkontrolle durchsticht der Arzt anschließend die Bauchdecke und schiebt die dünne Nadel zum Ansatz der Nabelschnur weiter. Er sticht die Nabelvene an und entnimmt aus ihr etwa zwei Milliliter kindliches Blut. Die Untersuchungsergebnisse liegen bereits nach ein bis drei Tagen vor.

Nach der Nabelschnurpunktion sollten Frauen sich noch etwa 30 Minuten liegend ausruhen und auch den restlichen Tag schonen. Am besten ist es, auch noch am Folgetag schwere körperliche Arbeit oder sportliche Aktivitäten zu vermeiden oder sich für die Arbeit krankschreiben zu lassen. Am Tag nach der Nabelschnurpunktion wird ein Termin zur Kontrolluntersuchung angesetzt. Wenn nach der Untersuchung keine Komplikationen auftreten, so sind eine Woche später in der Regel wieder Sport oder auch Flugreisen erlaubt.

Wann wird eine Nabelschnurpunktion durchgeführt?

Eine Nabelschnurpunktion wird etwa ab der 17. Schwangerschaftswoche durchgeführt, wenn genauere Untersuchungen zum Schwangerschaftsverlauf gewünscht sind oder das Ungeborene bei einer bestehenden Erkrankung behandelt werden muss.

Die Nabelschnurpunktion wird angewendet

  • wenn es bei der Organdiagnostik zu einem auffälligen Ergebnis bei der Ultraschalluntersuchung kam.
  • wenn Chromosomenstörungen erkannt werden sollen.
  • wenn das Kind an einer Infektion erkrankt ist und Erreger oder Antikörper nachgewiesen werden sollen.
  • wenn ein Verdacht auf Blutgruppenunverträglichkeit des Ungeborenen besteht.
  • wenn ein Verdacht auf Blutarmut (Anämie) des Kinds vorliegt.
  • zur Kontrolle nach einer Fruchtwasserpunktion (Amniozentese), bei der die Untersuchungsergebnisse nur schwer gedeutet werden können.

Außerdem können Ärzte dem Kind über die Nabelschnur Medikamente, beispielsweise bei einer Herzerkrankung, verabreichen. Über die Nabelschnur sind auch Bluttransfusionen zur Behandlung einer Blutarmut möglich.

Komplikationen und Risiken: Fehl- und Frühgeburten, Blutungen, Blutergüsse

Das Risiko einer Nabelschnurpunktion ist unter anderem davon abhängig, wie erfahren der behandelnde Arzt ist und welcher Grund zur Untersuchung vorliegt. Nach einer Nabelschnurpunktion kommt es bei etwa fünf bis sieben von 1.000 Schwangeren wegen Blutungen, Wehen oder Fruchtwasserabgang zu einer unerwünschten Fehl- oder Frühgeburt. In sehr seltenen Fällen kann es zu Blutergüssen an der Nabelschnur oder zu Blutungen kommen.

Es kann vorkommen, dass die Blutprobe nicht mit dem ersten Einstich entnommen werden kann. In diesem Fall muss der Arzt eine zweite Punktion durchführen. Soll eine Erkrankung des Kinds durch die Gabe von Medikamenten oder mittels Bluttransfusionen geheilt werden, sind möglicherweise auch mehr als eine Nabelschnurpunktion notwendig.

Alternativen

Neben einer Nabelschnurpunktion können zur Erkennung von Chromosomenabweichungen beim Ungeborenen auch die Fruchtwasserpunktion (Amniozentese) oder Chorionzotten-Biopsie durchgeführt werden. Muss das Ungeborene wegen einer Erkrankung mit Medikamenten versorgt werden, ist es unter Umständen auch möglich, Medikamente über die Mutter zu verabreichen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. März 2017
Quellen: Bundesärztekammer (Hrsg.): Richtlinien zur pränatalen Diagnostik von Krankheiten und Krankheitsdispositionen. (Stand: Februar 2013); Online-Informationen: Pränatal Medizin und Genetik: www.praenatal.de (Stand: Juni 2008)

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