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Dienstag, 26. September 2017
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Sitzende Geburt

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Die liegende Geburt gehört in vielen Kreißsälen noch zum Standard, obwohl es auch anders geht und manche Frauen die Geburt in sitzender Position bevorzugen
(c) iStockphoto/RealCreation

Die hockende, sitzende, kauernde oder kniende Gebärhaltung ist schon seit dem Altertum bekannt. Bis vor etwa 200 Jahren war auch in Europa die halbsitzende Stellung im Bett sowie die sitzende Position im Schoß des Mannes oder einer Helferin üblich.

Die aktive Geburtshaltung wurde abgelöst von der passiven Position, bei der die Frauen liegend im Bett entbinden. Die heute übliche Rückenlage im Bett ist für den natürlichen Geburtsablauf ungünstig. Bei einer Gebärposition in aufrechter Haltung drückt das Gewicht von Baby, Fruchtwasser und Gebärmutter nach unten und trägt dazu bei, den Muttermund zu öffnen. Im Hocken, Sitzen, Knien oder Stehen hat die Schwangere mehr Kraft zum Mitpressen. Der Druck der Uterusmuskulatur wirkt sich stärker aus, die Wehen sind effektiver und schieben das Baby schneller voran.

Vorteile der sitzenden Geburt

Die Schwangere hat im Hocken, Sitzen, Knien oder Stehen mehr Kraft zum Mitpressen. Der Druck der Uterusmuskulatur wirkt sich stärker aus, die Wehen sind effektiver und schieben das Baby schneller voran. Die aufrechte Gebärhaltung verbessert nicht nur die Atmung, sondern auch die Gebärmutter- und Plazentadurchblutung.

Werdende Mütter bevorzugen wieder zunehmend die Geburt im Hocken, Stehen, Knien oder Vierfüßlerstand, bei der sie aktiv mitwirken können. Die übliche Rückenlage im Bett ist für den natürlichen Geburtsablauf ungünstig. Hebammen und Krankenhäuser bieten verschiedene Gebärmöglichkeiten in aufrechter Position an; mit Hilfsmitteln wie dem Gebärhocker, dem Gebärstuhl, dem Partoball, dem Geburtsseil oder dem Geburtsrad.

Die aufrechte Gebärposition unterstützt die Psychologie und die Physiologie des Gebärens. Bei einer Gebärposition in aufrechter Haltung drückt das Gewicht von Baby, Fruchtwasser und Gebärmutter nach unten und trägt dazu bei, den  Muttermund zu öffnen und den Geburtskanal zu erweitern. In der Hocke sind das Becken und die Lendenwirbelsäule besser beweglich. Durch die größere Kraft der Bauchpresse, die bessere Atmung und einen ökonomischen Einsatz der Skelettmuskulatur verspürt die Gebärende ein geringeres Unbehagen und Schmerzempfinden.

Eine geburtshilfliche Neuerung in einigen Krankenhäusern ist ein spezielles Gebärbett. Dieses Bett erlaubt sowohl die horizontalen wie auch die vertikalen natürlichen Gebärhaltungen, z.B. auf dem Gebärhocker, stehend mit gebeugtem Rumpf, bequem in zwei Ebenen sitzend, stehend über die Lehne gebeugt, in Knie-Ellenbogen-Lage (bzw. Vierfüßlerstand) und in Rückenlage.

Durch elektrische Höhenverstellung von Mittelteil, Rückenlehne und Beckenhub über Fernbedienung kann die Gebärende die bequemste Position einnehmen. Das Bett bietet verschiedene Sitzflächen, um den Partner in beruhigender Körpernähe zur Gebärenden bei der Geburt mit einbeziehen zu können.

Hilfen für die aufrechte Geburtsposition

Verschiedene Hilfen unterstützen die Geburt in aufrechter Position. Diese Hilfen werden von den Frauen mehr und mehr akzeptiert. Hierzu gehören:

Da sich viele Frauen sowohl in der frühen als auch in der späten Eröffnungsperiode auf Gymnastikbällen wohl fühlen und da sie hierauf verschiedene Bewegungen ausführen konnten, lag der Gedanke nahe, die Vorteile der aufrechten Geburtsposition mit denen des Balles zu verbinden.

Sitzende Haltung auf dem Partoball

Partoball
Das Sitzen auf dem Partoball soll die Geburt erleichtern

Auf dem Partoball kann die Kreißende eine sitzende Gebärhaltung einnehmen, wobei beide Füße auf dem Boden stehen. Aufgrund des Wechsels von Dehnung und Entspannung des Beckenbodens kommt es zu einer besseren Durchblutung und einer ständigen Gewebsmassage. Dies bewirkt eine leichtere Eröffnung der Geburtswege und eine größere Schmerzlinderung.

Weiterhin erlaubt der Partoball eine aktive Kontrolle der Beckenbodenmuskulatur. Insbesondere werden immer wieder die Möglichkeit der freien Bewegung und die positive Wirkung auf den Damm hervorgehoben

In vielen Geburtshäusern oder Kliniken wird der Partoball inzwischen als Unterstützung zur Geburt angeboten.

Geburtsrad

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Anfang der neunziger Jahre wurde in der Schweiz das Geburtsrad (Roma-Rad) entwickelt. Es ähnelt einer Wiege für Mutter und Kind. Die aufrechte Körperhaltung bei der Geburt im Geburtsrad unterstützt die aufrechte Gebärposition. Durch das Schweben und Wippen können die Frauen ihre Kraft ableiten und die bequemste Position für sich finden. Der Sitzteil gibt der Frau die gewünschte Bewegungsfreiheit (Beckenkreisen, Wippen, Schaukeln, Rückwärtslehnen etc.).

 Das Geburtsrad hilft den gebärenden Frauen, sich während der Wehen zu entspannen. Sie können selbst bestimmen, wann sie stehen, sitzen oder kauern wollen. Das alles ist auf dem Geburtsrad möglich.

Dank einer Fernsteuerung können sowohl die Frauen selbst wie auch die Hebammen das Rad in die bequemste Position bringen. Der Beckenboden ist zugänglich, die Sitzbeinhöcker sind gut abgestützt und die Oberschenkel liegen bequem auf. Die Lendenwirbelsäule und das Becken bilden einen beinahe geraden Geburtskanal, was das Zusammenspiel der Bauch- und Beckenmuskulatur begünstigt.

Die Position der Gebärenden erlaubt geburtshilfliche Tätigkeiten, wie vaginale Untersuchungen, Kardiotokographie, das Massieren des Dammes, den Dammschutz, den eventuell nötigen Dammschnitt und das nachträgliche Nähen. Auch operative Geburtsbeendingungen können problemlos durchgeführt werden.

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Letzte Aktualisierung: 13. Juli 2017

Beiträge im Forum "Geburtstermin September/Oktober 2017"
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