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Montag, 20. November 2017
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Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Schmerzmittel in der Schwangerschaft
Schmerzmittel werden manchmal auch in der Schwangerschaft notwendig
(c) iStock

In der Schwangerschaft sollten Sie nur dann zu Schmerzmitteln greifen, wenn es wirklich nötig ist, und die Einnahme immer mit dem Arzt abstimmen. Denn die einzelnen Wirkstoffe, auch in frei verkäuflichen Medikamenten, könnten das Ungeborene schädigen.

Schmerzmittel in der Schwangerschaft sind ein besonderes Thema: Viele Frauen haben Angst, dass deren Einnahme zu Komplikationen führt. Diese Annahme ist nicht ganz unberechtigt, lässt sich jedoch immer nur im Einzelfall verneinen oder bestätigen. Es ist grundsätzlich empfehlenswert, die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft immer mit dem Arzt abzusprechen - das gilt auch für frei verkäufliche Medikamente.

Frei verkäufliche Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Auch frei verkäufliche Schmerzmittel, die in der Schwangerschaft eingenommen werden, können Auswirkungen auf das ungeborene Kind und die Schwangerschaft haben. Deshalb ist es immer ratsam, sich vor der Einnahme mit dem Arzt und Apotheker abzustimmen und Schmerzmittel in der Schwangerschaft nur einzunehmen, wenn es bei Beschwerden unbedingt nötig ist.

Acetylsalicylsäure

Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure ist eines der bekanntesten frei verkäuflichen Schmerzmittel. Er wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern auch fiebersenkend. Außerdem hemmt Acetylsalicylsäure die Blutgerinnung. Deshalb kann es Blutungen auslösen. Zudem sind Fehlbildungen des ungeborenen Kindes möglich. Im letzten Drittel der Schwangerschaft eingenommen, wirkt Acetylsalicylsäure wehenhemmend.

Die Einnahme des Schmerzmittels Acetylsalicylsäure in der Schwangerschaft ist nur bedingt empfehlenswert. Vieles spricht dafür, dass eine gelegentliche Dosis von maximal 300 Milligramm pro Tag in der Schwangerschaft unbedenklich ist. Vor der Einnahme sollte dies trotzdem mit dem Arzt besprochen werden.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zählen eine Reihe von Wirkstoffen. Die bekanntesten sind Ibuprofen, Dexketoprofen, Naproxen und Diclofenac. NSAR werden vor allem bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen angewendet, da sie Entzündungsreaktionen im Körper hemmen. Außerdem wirken sie fiebersenkend.

Bislang ist nicht eindeutig geklärt, ob und wie Wirkstoffe aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinflussen. Trotzdem ist es ratsam, diese Schmerzmittel immer nur nach Absprache mit dem Arzt einzunehmen.

Da NSAR zu Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) führen können, ist es nicht empfehlenswert, sie im letzten Schwangerschaftsdrittel einzunehmen. Die Gefahr, dass das Kind einen Herzfehler (Ventrikelseptumdefekt (VSD), Persistierendes Foramen ovale (PFO), TGA, Fallot-Tetralogie, Aortenisthmusstenose (ISTA)) entwickelt, ist bei Einnahme im letzten Drittel der Schwangerschaft zusätzlich erhöht. NSAR wirken wie Acetylsalicylsäure wehenhemmend.

Paracetamol in der Schwangerschaft?

Paracetamol wirkt gegen Schmerzen und Fieber. Es eignet sich jedoch nicht zur Hemmung von Entzündungen. Paracetamol kann in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn Fiebersenkung oder Schmerzlinderung nötig sind. Es ist jedoch ratsam, dieses Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt einzunehmen. Die maximale Tagesdosis von 2.000 bis 3.000 Milligramm pro Tag sollte nicht überschritten werden.

Verschreibungspflichtige Schmerzmittel in der Schwangerschaft: Opioide

Bei opioiden Schmerzmitteln handelt es sich um starke Schmerzmittel, die bei starken und lang anhaltenden Schmerzen eingenommen werden. Alle Opioide sind verschreibungspflichtig.

Grundsätzlich empfiehlt sich die Einnahme opioider Schmerzmittel in der Schwangerschaft nicht. Einige Wirkstoffe stehen in Verdacht, schädigende Auswirkungen auf das ungeborene Kind zu haben, während bei anderen eine fruchtschädigende Wirkung nicht erwiesen ist, aber vermutet wird.

Ist aus zwingenden Gründen eine Therapie mit Opioiden in der Schwangerschaft nötig, kann diese Behandlung vorübergehend erfolgen. Normalerweise hat eine vorübergehende Anwendung von Opioiden keine nennenswerten Auswirkungen. Das gilt besonders für Kodein. Das schwache Opioid Kodein kann zusammen mit Paracetamol angewendet werden, um die Wirkung des Paracetamols zu verstärken.

Längerfristige Anwendung von Opioiden führt zur Abhängigkeit des Kindes

Vor allem die längerfristige Einnahme von starken Schmerzmitteln führt zu einer körperlichen Abhängigkeit. Das gilt auch in der Schwangerschaft. Zudem überträgt sich die Abhängigkeit auch auf das ungeborene Kind. Es ist deshalb mit Entzugssymptomen beim Neugeborenen zu rechnen.

Was ist bei der Einnahme von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft zu beachten?

Schmerzmittel in der Schwangerschaft sollten immer nur nach Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden. Gemeinsam mit dem Arzt kann dann die genaue Dosis ermittelt werden. Es ist ratsam, sich an die vorgegebene Maximaldosis zu halten, um unerwünschte Nebenwirkungen für sich selbst und das ungeborene Kind zu vermeiden.

Zu Informationen zu Antibiotika in der Schwangerschaft gelangen Sie hier.

Weitere Informationen über Medikamente und Schmerzmittel in der Schwangerschaft erhalten Sie bei Embryotox. Unter der Infonummer 030/30308-111 oder unter www.embryotox.de können Sie sich persönlich informieren.

Stellungnahme von Experten zu Paracetamol (11/2014)

Zwei Studien über Paracetamol wurden in der Vergangenheit heiß diskutiert. Wissenschaftliche Erkenntnisse wollen dem traditionsreichen Wirkstoff einen Zusammenhang mit ADHS nach Einnahme in der Schwangerschaft unterstellen. Doch die Ergebnisse sind nicht nur vielfach diskutiert – sondern auch umstritten. Das Berliner Zentrum für Embyronaltoxikologie (Embryotox), ein unabhängiges Institut, das Empfehlungen zum Einsatz von Medikamenten bei Schwangeren und Stillen und Medikamente abgibt, weist jedoch darauf hin, dass die unkritische Wiedergabe der Studieninhalte viele Schwangere unnötig verunsichere.

Dass Schmerzmittel in der Schwangerschaftkeine Lifestyle-Medikamente sind, die unbedenklich eingenommen werden dürfen, gilt für alle Patientengruppen gleichermaßen. Und es ist auch kein Geheimnis, dass gerade Schwangere nicht leichtfertig mit Medikamenten jeglicher Art umgehen sollten. Dennoch kann es Situationen geben, in denen die Einnahme eines schmerzstillenden oder fiebersenkenden Medikaments auch in der Schwangerschaft notwendig wird. Zwei skandinavische Studien (Brandlistuen 2013, Liew 2014), die Daten aus amtlichen Gesundheitsregistern der Jahre 1996-2002 und 1998-2008 auswerten, sorgen derzeit für Verunsicherung.

Die Experten des deutschen Zentrums für Embryonaltoxikologie der Charité in Berlin haben die Ergebnisse der beiden skandinavischen Studien schon im März 2014 unter die Lupe genommen. Sie betonen: „Die Ergebnisse reichen keineswegs aus, um die Empfehlung von Paracetamol als Schmerzmittel der Wahl in der Schwangerschaft aufzuheben oder einzuschränken.“ Dies wird auch im Editorial der Fachzeitschrift „JAMA“ unterstrichen, in der eine der Studien erschien. Insbesondere im dritten Schwangerschaftsdrittel gäbe es keine Alternative zu Paracetamol. „Eine unkritische Wiedergabe der Studienergebnisse zu Paracetamol […] hat zu einer teilweise völlig überzogenen Risikowahrnehmung geführt, die Schwangere nach bereits erfolgter Einnahme erheblich verunsichern - und zu Fehlentscheidungen bei Behandlungsbedürftigen Schmerzen führen kann.“

Autor:
Letzte Aktualisierung: 13. März 2017
Quellen: Beubler, E.: Nicht-opioide Analgetika. Uni-Med, Bremen 2007; Freye, E.: Opioide in der Medizin. Springer, Berlin Heidelberg 2004; Friese, K., Mörike, K. et al.: Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2006;Stiftung Warentest: Handbuch Medikamente. Berlin 2004

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