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Mittwoch, 26. Juli 2017
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Leihmutter

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Zwar kann eine Leihmutter Paaren zu einem Wunschkind verhelfen, doch ist das in Deutschland verboten
(c) iStockphotos/FotoShocK

Leihmutterschaft ist in Deutschland nicht zugelassen. Eine Leihmutter trägt das Kind nach künstlicher Befruchtung für ein anderes Elternpaar aus.

Paare, die ungewollt kinderlos sind und ihre eigenen Möglichkeiten in der Reproduktionsmedizin ausgeschöpft haben, denken immer häufiger über die Option einer Leihmutter nach. Doch ist das die Lösung?

Was bedeutet Leihmutter?

Wenn eine Frau oder ein homosexuelles Paar kein eigenes Kind austragen und gebären kann, ist es theoretisch möglich, dass eine andere Frau als Leihmutter für sie ein Kind austrägt. Das Neugeborene verbleibt nach der Geburt nicht bei der Frau, die es ausgetragen hat, sondern wird in die Familie der Wunscheltern aufgenommen. Es gibt verschiedene Arten von Leihmüttern.

Eine partielle Leihmutter trägt das Kind eines fremden Paares in ihrer Gebärmutter aus. Hierzu wird zunächst eine Eizelle der Frau, die keine Kinder bekommen kann, in einem Reagenzglas mit dem Sperma ihres Partners befruchtet. Anschließend wird der Embryo in die Gebärmutter der Leihmutter eingebracht.

Eine volle Leihmutter wird entweder durch eine Samenübertragung oder durch Geschlechtsverkehr mit dem Samen des Mannes befruchtet, dessen Frau keine Kinder zur Welt bringen kann. Sie ist in diesem Fall die leibliche Mutter des Kindes. Die Frau des Mannes ist nach der Geburt des Kindes die soziale Mutter.

Leihmutter und Recht im In- und Ausland

Verträge über eine Leihmutter sind in Deutschland sittenwidrig, da kein Mensch Bestandteil eines Kaufvertrags sein darf. Leihmutterschaft ist aus ethischen und moralischen Gründen in Deutschland nicht erlaubt. Geregelt wird dies durch das Embryonenschutzgesetz. Daneben darf nach einer Leihmutter auch nicht öffentlich, beispielsweise in Anzeigen, gesucht werden. Zudem ist in Deutschland auch die Leihmutterschaftsvermittlung nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz unter Strafe gestellt. Ebenso verboten ist die Leihmutterschaft in unseren Nachbarländern Österreich, Schweiz und Dänemark. Erlaubt ist das Prinzip Leihmutter in EU-Ländern wie Belgien, die Niederlande und Griechenland.

In Deutschland gilt außerdem die Frau als Mutter eines Kindes, die das Kind geboren hat - unabhängig davon, welche Eizellen/Embryonen ihr eingesetzt wurden. Damit ist die Leihmutter aus der Sicht deutschen Rechts die Mutter des Kindes. da diese im Ausland sitzt, hat das Kind auch keine deutsche Staatsbürgerschaft. Der Bundesgerichtshof hat am 10.12.2014 zu einem ausländischen Fall einer Leihmutterschaft entschieden, dass ausländische Gerichtsentscheidungen, die den Wunscheltern die rechtliche Elternschaft zuweisen, in Deutschland anerkannt werden können - aber nur dann, wenn ein Wunschelternteil mit dem Kind genetisch verwandt ist, die Leihmutter aber nicht. Das bedeutet, dass zumindest die Keimzellen eines Elternteils (Eizelle oder Spermien) zur künstlichen Befruchtung der Leihmutter vorliegen müssen, damit das Kind einen Anspruch auf einen deutschen Reisepass hat. Ohne diesen Reisepass ist die Ausreise des Kindes einer Leihmutter aus dem Ausland nach Deutschland nicht möglich.

Ethische Aspekte der Leihmutterschaft

Kritiker des Prinzips Leihmutter führen mehrere einleuchtende Argumente an. Zum einen sollte nicht die Armut eines Menschen für eigene Bedürfnisse ausgenutzt werden, was jedoch häufig naheliegt, dass eine Frau aus diesem Aspekt eine Leihmutter sein möchte.

Der Verein "Spenderkinder" macht zudem auf die Problematik aufmerksam, dass bei dem Prinzip der Leihmutter ebenso wie bei der Eizellspende oder Embryonenspende, die Sicht der Kinder vernachlässigt wird und nur der extreme Wunsch der Eltern nach einem Kind zählt. Eine bekannte Problematik ist, dass Kinder sich "entwurzelt" fühlen können und Probleme aufgrund fehlenden Wissens über ihre Herkunft. Die Spenderkinder legen Paaren, die unter anderem über eine Leihmutter nachdenken, nahe, sich mit diesem Thema konkret auseinaderzusetzen.

Andere Institutionen kritisieren, dass die Würde sowohl des Kindes als auch der Leihmutter verletzt wird, da beide zu "Waren" gemacht werden.

Letztendlich sollten Paare, die mit dem Gedanken spielen, eine Leihmutter zu beauftragen, sich im Klaren sein, was dies an möglichen Konsequenzen haben kann - vor allem für das zukünftige Kind.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. April 2017
Quellen: Online-Informationen des Auswärtigen Amts: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/FAQ/GeburtAusland/06-Leihmutterschaft.html?nn=383016 (Abruf: Juni 2016); Breckwoldt,M. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Thieme, Stuttgart 2008; Online-Informationen der Spenderkinder: http://www.spenderkinder.de (Abruf: Juni 2016); Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Walter de Gruyter GmbH u. Co. KG, Berlin 2015

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