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Montag, 24. September 2018
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Fluoride - wichtig oder giftig?

Autor: Dr. Jessica Männel / Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 26. April 2017

Fluor ist ein Gas aus der Gruppe der Halogene, das in der Natur überwiegend als Flussspat (Kalziumfluorid) vorkommt. Fluor gehört zur Gruppe der Spurenelemente und wird vom Menschen in Form von Fluoriden aufgenommen. Fluoride sind wichtig für die Härtung des Zahnschmelzes, zur Prophylaxe von Karies und für das Knochenwachstum.

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Kinder sollten spezielle Kinderzahnpasta verwenden, da der Fluoridgehalt an ihren Bedarf angepasst ist
(c) iStockphoto/bowdenimages

Was sind Fluoride?

Fluoride sind Fluor-Verbindungen: Fluor (ein Gas) ist ein natürlicher chemischer Grundstoff wie Eisen oder Stickstoff. Gebunden an eine organische oder anorganische Substanz heißt Fluor Fluorid. Da sich Fluor sehr schnell mit anderen Elementen verbindet, kommt dieser Stoff in der Natur nicht frei vor. Wenn Fluor mit einem anderen Stoff fest verbunden ist, spricht man von Fluorid - in Verbindung mit dem jeweiligen Namen des Partner-Stoffes, z.B. Natrium-Fluorid.

Im Lebensmittelhandel findet man seit einigen Jahren auf manchen Salzpaketen den Hinweis "enthält Fluor". In diesem Fall ist das Speisesalz mit Fluoriden angereichert, bei manchen Salzsorten zusätzlich auch mit Jod. Das Fluorid im Speisesalz wird dann beim Verzehr an den Zahnschmelz abgegeben.

Gebundenes Fluor, also Fluorid, findet sich zum Beispiel in Zahnpasta. In der Zahnmedizin spielen vor allem drei Fluoride eine wichtige Rolle: Natriummonofluorphosphat, Aminfluorid und Zinnfluorid. Fluoride sind für den Mund keine Fremdstoffe: Sie sind natürlicher Bestandteil der Zähne - und auch der Knochen.

Ist Fluor giftig?

Gebunden an eine organische oder anorganische Substanz, verliert Fluor seine akute Giftigkeit und heißt Fluorid.

Aufgaben von Fluorid

Der menschliche Körper enthält mehrere Gramm Fluoride, über 95 Prozent sind davon in den Zähnen und Knochen, der Rest in der Haut, den Haaren sowie den Fuß- und Fingernägeln. Fluorid hat im Körper zwei wesentliche Funktionen:

  • Durch die Härtung des Zahnschmelzes erhöht es die Widerstandsfähigkeit der Zähne gegen Umwelteinflüsse. Fluorid schützt vor Säuren, die von Kariesbakterien gebildet werden und wirkt damit präventiv vor Karies.
  • Durch einen Einfluss auf die Knochenneubildung unterstützt Fluor den Erhalt und Festigung der Knochenstruktur.

Ursachen für einen Fluoridmangel

Viele Regionen Deutschlands zählen zu den Fluoridmangelgebieten. Das Trinkwasser enthält im Durchschnitt nur 0,3 mg Fluorid pro Liter Wasser und reicht nicht zur Deckung des täglichen Fluorbedarfs von durchschnittlich 3,1 mg  bis 3,8 mg. Nur wenige Nahrungsmittel wie Seefisch und schwarzer Tee enthalten Fluorid. Deswegen ist in Deutschland fluoridiertes Speisesalz, Zahnpasta und Mineralwasser erhältlich. In manchen Ländern, wie beispielsweise den USA, wird das Trinkwasser mit Fluorid angereichert, was zur besseren Versorgung beitragen soll.

Bedarf an Flurorid für Babys, Kinder und Erwachsene

Neugeborene Babys im Alter bis zu vier Monaten haben einen Bedarf von Fluorid von 0,25 mg täglich. Dieser sollte laut der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung über Fluortabletten gedeckt werden. Ab dem Alter von fünf Monaten bis zu einem Jahr steigt der Bedarf auf 0,5 mg Fluorid pro Tag. Diese Vorgehensweise ist jedoch umstritten, da aktuelle Studien darauf hinweisen, dass Fluorid erst nach dem Zahndurchbruch sinnvoll sei. Außerdem meinem einige Fachleute, dass die über Zahnpaste und Salz aufgenommene Menge an Fluorid auch bei Kindern schon ausreichend ist. Den Bedarf an Fluorid für Kinder ab einem Jahr (laut DGE) sehen Sie in der Tabelle:

Bedarf an Fluorid bei Kindern mg
1 bis unter 4 Jahre 0,7
4 bis unter 7 Jahre 1,1
7 bis unter 10 Jahre 1,1
10 bis unter 13 Jahre 2,0
13 bis unter 15 Jahre 3,2 (Jungen)/2,9 (Mädchen)

Bekommen Kinder bei einer Fluorid-Überdosierung Flecken auf den Zähnen?

In USA ist dies in der Vergangenheit gehäuft vorgekommen. In weiten Teilen von Amerika wird das Trinkwasser mit Fluorid angereichert und darüber hinaus enthalten viele der dort angebotenen Lebensmittel und viele Zahncremes zusätzlich Fluorid. So konnte es gehäuft vorkommen, dass mit einer zusätzlichen Gabe von Fluorid über Tabletten in den USA eine Überdosierung auftrat.

Die Verabreichung von Fluoridtabletten erfolgt dort nur nach einer individuellen Erhebung der Fluoridaufnahme des einzelnen Menschen. In Deutschland ist eine Trinkwasserfluoridierung gesetzlich verboten und auch die Anreicherung von Lebensmitteln mit Ausnahme von Speisesalz fast ausgeschlossen.

Fluorid in Zahnpasta, Salz und im Trinkwasser?

Bei der Einnahme von Fluoridtabletten im Jugend und Erwachsenenalter sollte neben dem Trinkwassergehalt und der Verwendung von Fluoridsalz auch der Fluoridgehalt in der Zahnpasta berücksichtigt werden, um eine Überdosis zu vermeiden. Kinder sollten spezielle Kinderzahnpasta zur Zahnpflege verwenden, da der Fluoridgehalt in den Erwachsenenzahncremes für sie zu hoch ist und sie häufiger als Erwachsene Zahnpasta verschlucken.

In manchen Ländern, wie beispielsweise den USA, wird das Trinkwasser mit Fluorid angereichert, was zur besseren Versorgung beitragen soll. In Deutschland ist eine Anreichung des Trinkwassers mit Fluorid verboten.

Der tägliche Fluoridbedarf richtet sich vor allem nach dem Alter und Geschlecht. Kleinkinder benötigen 0,5 bis ein 1 mg Fluorid täglich, Schulkinder 1 bis 2 mg und Jugendliche 2 bis 3 mg. Der tägliche Bedarf bei erwachsenen Männern liegt bei 3,8 mg und bei Frauen 3,1 mg Fluorid. Da die tägliche Fluoridaufnahme über das Trinkwasser und die Nahrung den Bedarf oft nicht deckt, wird empfohlen, zusätzlich Fluorid aufzunehmen. Als günstige Ergänzung eignet sich dafür fluoridiertes Speisesalz, das im Handel in Kombination mit Jod als "Jodsalz mit Fluorid" angeboten wird. Der Fluoridgehalt von fluoridiertem Speisesalz beträgt in Deutschland 250 mg/kg.

Fluoridtabletten für Babys

Die Zufuhr von Speisesalz im Säuglings- und Kleinkindalter ist sehr gering, sodass für Babys und Kleinkinder als Ergänzung Fluoridtabletten empfohlen werden. Das über die Tabletten in die Blutbahn gelangte Fluorid wird über den Speichel ausgeschieden und schützt ebenso wie die mit Fluor angereicherte Zahncreme die Zähne von außen.

Fluorid ist sehr wichtig für den menschlichen Körper, kann aber in einer Überdosis auch schädlich sein - die Dosis macht das Gift.

Sind Fluoridtabletten fürs Baby wirklich notwendig?

Die Gabe von Fluoridtabletten ist in Deutschland mittlerweile nicht unumstritten. Während immer noch viele Ärzte und Zahnärzte Fluoridtabletten zur Vorbeugung von Karies verordnen, halten andere diese mitunter für schädlich. Empfohlen wird - wenn überhaupt - die Gabe von Fluoridtabletten frühestens ab dem sechsten Lebensmonat beziehungsweise erst nach dem Durchbruch der Milchzähne. Diese sollten außerdem wenn möglich gelutscht werden. Wenn über die Lebensmittel (zum Beispiel fluorhaltiges Speisesalz) oder über die Zahnpasta schon Fluorid zugeführt wird, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), die Einnahme von Fluoridtabletten eventuell zu beenden.

Besteht ein besonders großes Kariesrisiko - etwa, weil die Milchzähne bereits durch Karies geschädigt sind -, kann das Lutschen von Fluoridtabletten durchaus sinnvoll sein, um den Zahnschmelz äußerlich zu stärken. Von größerer Bedeutung für die Prävention von Karies ist allerdings eine regelmäßige Mundhygiene und die Anpassung der Ernährung (wenig Süßes).

Wenn ich für mein Kind eine Fluorid haltige Zahncreme verwenden möchte, worauf muss ich achten?

Zahnpasta für Kleinkinder sollte einen Flouridgehalt von 0,05 Prozent nicht überschreiten. Zahncreme für Schulkinder kann einen Fluoridgehalt von 0,1 bis 0,15 Prozent aufweisen.

Symptome eines Fluoridmangels

Ein Fluoridmangel führt zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Karies, was sich besonders bei Kindern oder Jugendlichen zeigt. In einigen Studien konnte ein Zusammenhang zwischen einem Fluormangel und Osteoporose festgestellt werden. Fluoride werden schon seit langer Zeit in der Therapie der Osteoporose eingesetzt, weil sie einen positiven Effekt auf den Knochenaufbau haben. Dazu müssen aber Fluoride auch immer mit Kalzium und Vitamin D kombiniert und die Dosierungen genau aufeinander abgestimmt werden.

Fluoridreiche Nahrungsmittel

Lebensmittel reich an Fluorid sind insbesondere Seefische, schwarzer Tee, Nüsse, Meeresfrüchte und Sojaprodukte. Einige Mineralwasser sind fluoridhaltig, Mineralwasser mit einem Fluoridgehalt von mehr als 1,5 mg je Liter muss mit dem Warnhinweis "fluoridhaltig" versehen werden.

Überdosierung von Fluorid

Die tägliche Aufnahme von bis zu 5 mg Fluorid pro Tag ist für Erwachsenen nicht schädlich. Bei einer höheren Aufnahme, zum Beispiel bei einer Überdosierung von Fluortabletten kann eine so genannte Fluorose auftreten. Diese führt zu einer fleckigen Entfärbung des Zahnschmelzes, der auch weicher werden kann, sowie zu einem erhöhten Osteoporoserisiko. Die Zahnfleckungen ("mottled teeth") können in verschiedenen Ländern auch durch den erhöhten Fluoridgehalt des Trinkwassers verursacht werden. Sie treten vor allem bei erhöhter Fluorexposition während der Zahnentwicklung in den ersten acht Lebensjahren auf. Fluoride und die gefährliche Flusssäure sind gelegentlich Ursache von Berufskrankheiten wie Skelettfluorose, Lungenschäden, Reizung des Magen-Darm-Trakts oder Verätzungen. Bei einer chronischen Vergiftung werden Fluoride in Knochen und Zähnen eingelagert, wodurch das Knochengewebe zum weiteren Wachstum stimuliert wird und es zu Knochenverdickungen und Versteifung der Gelenke und der Wirbelsäule kommen kann.

Autor: Dr. Jessica Männel / Miriam Funk
Letzte Aktualisierung: 26. April 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Babyernährung"
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