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Samstag, 27. Mai 2017
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Utrogest

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Utrogest wird vom Frauenarzt verordnet, wenn bei Kinderwunsch eine Gelbkörperschwäche vorliegt
(c) iStock.com/ValuaVitaly

Utrogest ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, dessen Wirkstoff Progesteron zu den sogenannten Gestagenen gehört. Progesteron ist identisch mit dem körpereigenen Gelbkörperhormon. Utrogest kann zu verschiedenen Zwecken verordnet werden. Nicht immer wird es von der Krankenkasse übernommen.

Utrogest bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft

Die in Utrogest enthaltene Substanz Progesteron hat im Körper mehrere Aufgaben. Es hat wechselseitige Wirkung mit beispielsweise Östrogenen oder Cortisol. Mithilfe von Progesteron kann die Körpertemperatur in der zweiten Zyklushälfte erhöht werden. Dies wirkt sich auf die Basaltemperatur aus. Wird bei Kinderwunsch eine Gelbkörperschwäche diagnostiziert, wird häufig Utrogest verschrieben, welches oral oder vaginal angewendet werden kann. Vaginal wird es besser vom Körper aufgenommen und hat gleichzeitig weniger Nebenwirklungen, da es den Magen-Darm-Trakt nicht passieren muss. Deshalb ist die vaginale Gabe besser verträglich. Da Utrogest hierfür jedoch nicht offiziell zugelassen ist, spricht man vom sogenannten Off-Label-Use. Viele Kinderwunschkliniken geben bei künstlicher Befruchtung standardmäßig zur Unterstützung der Schwangerschaft Utrogest bis zur 12. Schwangerschaftswoche.

Zusammen mit Östrogenen reguliert Progesteron auch den Menstruationszyklus oder die Milchdrüsenentwicklung. Auch die Follikelreifung kann mit dem in Utrogest enthaltenen Progesteron gesteuert werden.

Utrogest in den Wechseljahren und nach Operationen

Utrogest kann sich bezüglich der Wechseljahre positiv auf die Gebärmutterschleimhaut auswirken. Hier wird ein übermäßiges Gebärmutterschleimhautwachstum reguliert. Auch nach operativer Entfernung der Eierstöcke wird Utrogest oftmals zusätzlich zu einer Östrogenbehandlung verordnet. Der Beipackzettel bei Utrogest bezieht sich immer auf diese Indikation.

Wann darf Utrogest nicht eingenommen werden?

Vor einer Verordnung von Utrogest sollten, wie bei jedem Medikament, die Risikofaktoren abgeklärt werden. Bei einigen akuten oder chronischen Lebererkrankungen darf Utrogest nicht angewendet werden. Auch bei Tumorerkrankungen von Brust oder Unterleib oder bei einigen Gefäßerkrankungen ist eine Gabe von Utrogest nicht angezeigt. Ebenso ist eine Therapie mit Utrogest nicht möglich bei Allergien auf einen oder mehrere Inhaltsstoffe des Medikaments. Bei manchen Stoffwechselerkrankungen, bei Hirnblutungen oder Herpes gestationis ist eine Behandlung mit Utrogest nicht möglich. Es besteht auch die Gefahr von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Der behandelnde Arzt wird außerdem noch andere Faktoren berücksichtigen, bei denen besondere Vorsicht im Bezug auf eine Gabe von Utrogest geboten ist.

Nebenwirkungen durch die Einnahme von Utrogest

  • Müdigkeit, Schwindelgefühl oder migräneartigen Kopfschmerzen
  • depressive Verstimmungen (kann unter Umständen zur Verkehrsuntüchtigkeit im Straßenverkehr führen)
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Brustspannen
  • eher selten sind Hauterkrankungen oder Störungen des Immunsystems

Bei der Einnahme von Utrogest in Verbindung mit Östrogen und Gestagen können ebenfalls verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Wie bei allen Medikamenten sollte der Arzt oder Apotheker über die Wirkung und Nebenwirkung von Utrogest beraten.

Beeinflusst die Einnahme von Utrogest einen Schwangerschaftstest?

Nein, Utrogest beeinflusst das Ergebnis eines Schwangerschaftstest nicht. Schwangerschaftstests messen das Schwangerschaftshormon HCG, welches durch Utrogest nicht verfälscht wird. Allerding hält Utrogest die Temperatur der Basaltemperatukurve künstlich oben und die Kurve hat so keine Aussagekraft in der zweiten Zyklushälfte.

Wird Utrogest von der Krankenkasse übernommen?

Utrogest ist für Anwendungsgebiete zugelassen, die im Zusammenhang mit den Wechseljahren oder nach Operationen stehen. Hierzu zählen die Endometriumprotektion bei Frauen, die aufgrund peri- oder postmenopausalen Östrogenmangelbeschwerden oder nach chirurgisch induzierter Menopause eine Östrogenbehandlung bedürfen. Andernfalls besteht die Möglichkeit einer sogenannten Off-Label-Use-Anwendung. Diese beschreibt die Möglichkeit, ein Präparat auch für andere Indikationen einzusetzen, für die das Mittel jedoch nicht zugelassen ist.

Drei Kriterien zur Kostenübernahme für Utrogest oder Off-Label-Use

Für beispielsweise die AOK gilt hier die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts, die für eine Anwendung außerhalb der Zulassung drei Kriterien voraussetzt. Diese sind gegeben, wenn eine lebensbedrohliche oder meist tödlich verlaufende Krankheit besteht und für diese keine alternative, anerkannte Behandlung zur Verfügung steht. Auch wenn aufgrund der Datenlage die begründete Aussicht besteht, dass mit dem Mittel ein Behandlungserfolg erzielt werden kann. Hierzu müssen allerdings so genannte Phase III-Studien vorliegen, damit die Kosten für Utrogest übernommen werden. Dies ist bei der Verordnung bei Kinderwunsch und in der Frühschwangerschaft in der Regel nicht der Fall, sodass die Kosten für das Utrogest von der Frau privat bezahlt werden müssen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. August 2016
Quellen: De Gruyter, Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2013, de Gruyter Verlag, Berlin 2012; Göretzlehner, G. Lauritzen, Ch. Göretzlehner, U. Praktische Hormontherapie in der Gynäkologie, de Gruyter Verlag, Berlin 2007

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