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Ursachen und Behandlung der Autoimmunerkrankung

Hashimoto kann dem Kinderwunsch im Wege stehen

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der eine chronische Schilddrüsenentzündung vorliegt. Sie kann die Ursache für unerfüllten Kinderwunsch oder wiederholte Fehlgeburten sein.

Ultraschall der Schilddrüse
© GettyImages/Zinkevych

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis (kurz: Hashimoto) handelt es sich um eine chronische Schilddrüsenentzündung, bei der das Organ zunehmend zerstört wird und deshalb zu wenige Hormone herstellt. Ursache der Erkrankung ist eine Autoimmunreaktion: Dieser liegt eine Störung im Immunsystem zugrunde, welche dazu führt, dass körpereigenes Gewebe als fremd erkannt, von Antikörpern attackiert und zerstört wird. Von der Autoimmunerkrankung betroffen sind schätzungsweise 0,4 Prozent der Frauen (vier von tausend) und 0,1 Prozent der Männer (einer von tausend).

Artikel-Inhalte im Überblick:

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So verläuft Hashimoto

Während sich bei manchen Patient*innen die Schilddrüse durch Hashimoto vergrößert, schrumpft das Organ bei anderen. Auch im Laufe der verschiedenen Phasen kommt es durch die Erkrankung zu unterschiedlichen Auswirkungen:

  • die fortschreitende Zerstörung des Drüsengewebes kann zu einer klinischen Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führen, da im Blut vermehrt Schilddrüsenhormone freigesetzt werden
  • durch die Angriffe auf das Schilddrüsengewebe kommt es immer wieder zu Entzündungen, die unterschiedlich stark sein können; im akuten Entzündungszustand liegt eher eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vor
  • im Laufe der Zeit entwickelt sich meist eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)und die Schilddrüse ist mit der Zeit immer weniger in der Lage, ausreichend Hormone zu produzieren

Symptome bei Hashimoto-Thyreoiditis

Die Symptome Hashimoto-Thyreoiditis können sehr stark variieren, je nachdem ob die Frau gerade in einer Über- oder Unterfunktion steckt. Die entzündlichen Prozesse sowie die Zerstörung des Schilddrüsengewebes führen je nach Krankheitsphase zu diesen unterschiedlichen Stadien. Außerdem sind die Symptome bei Schilddrüsenproblemen oft diffus und nicht eindeutig zuzuordnen.

Typische Symptome in der Unterfunktion können sein:

  • Antriebslosigkeit, Müdigkeit (auch bei ausreichend Schlaf), unerklärliche Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Angstgefühle, Zyklusprobleme (schwankende Zyklen, PCO, Gelbkörperschwäche, PMS, Anovulation (fehlender Eisprung), hoher Prolaktinspiegel, Endometriose, Östrogenmangel) Wassereinlagerungen, Verstopfung, trockene Haut, Haarausfall, zu hohes Cholesterin ohne Erklärung hierfür, verminderte Libido

Typische Symptome in der Überfunktion können sein:

  • Herzrasen, Nervosität/innere Unruhe, Zittern jund/oder Muskelzuckungen, Angstgefühle, ebenfalls Stimmungsschwankungen, unerklärliche Gewichtsabnahme trotz häufigem Hunger und vielem Essen, wenig Erholung durch Schlaf, Durchschlafprobleme, Zyklusprobleme (PMS, Zysten, verlängerter Zyklus oder Anovulation, Schwitzen, Hitzegefühl, Durchfall, starke Libido

Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis

Eine Hashimoto-Thyreoiditis festzustellen, kann sehr schwierig sein. Blutwerte und Symptome widersprechen sich häufig, weshalb es manchmal lange dauert, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Man weiß inzwischen, wie wichtig die Schilddrüse und ihre Funktion bei Kinderwunsch ist. Dennoch ist die Überprüfung der Schilddrüsenblutwerte durch Gynäkolog*innen bisher nicht im Regelfall vorgesehen und kann deshalb meist nur als IGeL-Leistung durchgeführt werden, muss also von der Patientin selbst bezahlt werden.

Idealerweise sollte eine Frau mit Kinderwunsch, bei der es Hinweise auf Schilddrüsenprobleme gibt, in einer endokrinologischen Praxis vorstellig werden. Wichtig sind neben dem TSH bei Kinderwunsch auch die freien Werte fT3 (freies Trijodthyronin) und fT4 (freies Thyroxin) sowie die Antikörper, die man per Blutuntersuchung feststellen kann. fT3 und fT4 sollten im mittleren bis oberen Normbereich des jeweiligen Labors liegen, jedoch nicht direkt an der oberen Grenze (Gefahr der Überfunktion). Zusätzlich sind die Schilddrüsen-Antikörper Anti-TG (TAK) und Anti-TPO (MAK) im Blut erhöht. Im Ultraschall können häufig Entzündungen im Gewebe erkannt werden.

Bei Verdacht auf Hashimoto und Kinderwunsch sollte eine enge Zusammenarbeit von Gynäkolog*in und Endokrinolog*in erfolgen. Seitens der frauenärztlichen Praxis sollten folgende Hormonwerte überprüft werden:

Manche Frauen zeigen auch ein PCO-Syndrom, dessen Ursache in der veränderten Hormonlage durch die Hashimoto-Thyreoiditis liegt.

Therapie von Hashimoto bei Kinderwunsch

Leider gibt es bisher noch keine anerkannten Leitlinien, die Behandlung von Frauen mit Kinderwunsch regeln. Störungen im weiblichen Hormonhaushalt sollen kombiniert mit Autoimmunkrankheiten wie der Hashimoto-Thyreoiditis betrachtet und behandelt werden.

Ziel der Therapie bei Hashimoto-Thyreoiditis ist eine ausgeglichene Stoffwechsellage. In der Unterfunktion bedeutet dies die Gabe von Schilddrüsenhormonen. Wichtig für eine optimale Wirkungsweise ist zu beachten, dass Schilddrüsenhormone morgens nüchtern mit Wasser mindestens 30 Minuten vor Kaffee und Frühstück eingenommen werden müssen. In der Überfunktion kommen manchmal Schilddrüsenhormon-Hemmer zum Einsatz.

Zusätzlich müssen die Schübe, also die Autoimmunattacken gegen die Schilddrüse, eingedämmt werden. Leider gibt es dafür noch keine nebenwirkungsarmen Medikamente, da die sonst bei Autoimmunerkrankungen eingesetzen Wirkstoffe nicht bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft eingenommen werden können.

Bei Kinderwunsch ist das Ziel der Behandlung von Hashimoto die Wiederherstellung normaler Hormonverhältnisse an Schilddrüse und Eierstöcken, damit die Frau schwanger werden kann. Bei unerfülltem Kinderwunsch trotz normalisierter Hormonlage kann eine gezielte hormonelle Auslösung des Eisprungs versucht werden. Die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis bei Kinderwunsch sollte nur in enger Zusammenarbeit zwischen Gynäkologen und Endokrinologen erfolgen.

Welche Ernährung bei Hashimoto nützt

Es wird zu gesunder Lebensführung geraten, sodass die Ausschüttung von Stresshormonen gedrosselt wird. Entzündungen im Körper können bei Hashimoto Schübe auslösen. Manche Ärzt*innen empfehlen Selen und Zink, da sich diese sich positiv auf das Immunsystem auswirken, Entzündungen auch im Bereich der Schilddrüse lindern und zudem Einfluss auf die Aufnahme und Wirkung der Schilddrüsenhormone haben.

Unter Lebensmittel, die reich an diesen lebenswichtigen Spurenelementen sind, fallen zum Beispiel Lachs, Paranüsse, Pilze, Kohl, Fisch und andere Meerestiere.  

Hashimoto und Schwangerschaft

Für eine beschwerdefreie Schwangerschaft sind normale Schilddrüsenwerte unbedingt notwendig. Andernfalls ist das Risiko einer Fehlgeburt und vorzeitiger Wehen erhöht. In der Schwangerschaft müssen die Schilddrüsenhormone unbedingt weiter eingenommen werden und es sollte eine regelmäßige Kontrolle der Werte TSH, fT3 und fT4 in regelmäßigen Abständen von einigen Wochen überprüft werden.

Hashimoto nach der Geburt

Nach der Geburt eines Kindes können Frauen auch erstmals mit den Symptomen einer Hashimoto-Thyreoiditis konfrontiert sein. Dies trifft nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie auf etwa sieben Prozent der frischen Mütter zu. Hier ist die Diagnose der Erkrankung zusätzlich erschwert, weil typische Hashimoto-Symptome eher auf die Erschöpfung im Wochenbett und Babyjahr zurückgeführt werden als auf eine Schilddrüsenerkrankung.

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