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Erkrankung der Vulva

Vulvitis: Wenn es im Intimbereich juckt und schmerzt

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 21. August 2019

Bei einer Vulvitis handelt es sich um eine entzündliche Veränderung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane. Sie macht sich vor allem durch Juckreiz und brennende Schmerzen bemerkbar. Was Sie zur Vorbeugung und Behandlung tun können.

Frau mit Händen im Intimbereich
Cremes und Salben helfen, die Symptome einer Vulvitis zu lindern
© iStock.com/Doucefleur

Artikelinhalte auf einen Blick:

Was ist eine Vulvitis?

Als Vulva wird eine funktionelle, anatomische Einheit bezeichnet, die den Bereich des äußeren weiblichen Genitals umfasst. Zur Vulva gehören die kleinen und die großen Schamlippen, der Scheidenvorhof, die Klitoris sowie die Bartholindrüsen und dessen Ausführungsgänge. Letztere dienen der Befeuchtung des Scheidenvorhofs.

Bei einer Vulvitis kommt es in diesem Bereich zu einer flächenhaften, entzündlichen Veränderung der Haut. Es gibt zwei unterschiedliche Arten der Vulvitis:

  • Primäre Vulvitis: die Entzündung ist auf die Vulva beschränkt

  • Sekundäre Vulvitis: entwickelt sich erst als Folge einer Infektion im Analbereich oder im Urogenitaltrakt oder infolge einer Allgemeinerkrankung

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Vulvitis: Vorkommen und Häufigkeit

Frauen jeden Alters können von einer Vulvitis betroffen sein – meist tritt sie jedoch nicht isoliert, sondern als Teil einer anderen Entzündung im Genitalbereich auf. Vulvitis und Vulvovaginitis können auch im Kindesalter entstehen. Um eine Vulvovaginitis handelt es sich dann, wenn sowohl Vulva als auch Vagina (Scheide) entzündet sind. Entzündungen der Scheide werden Vaginitis genannt.

Ursachen einer Vulvitis

Bereits durch die anatomische Lage der Vulva ganz in der Nähe von Vagina und Anus ist diese Hautregion besonders anfällig für schädigende Einflüsse wie Bakterien, Pilze oder Viren. Als Auslöser der Vulvitis kommen daher verschiedene Ursachen infrage.

Ursachen einer primären Vulvitis

Die Ursache einer primären Vulvitis liegt in einer exogenen Schädigung. Das heißt: Einflüsse außerhalb des Organismus führen zu einer entzündlichen Hautveränderung der Vulva. Folgende Auslöser können dafür verantwortlich sein:

  • Allergische Reaktionen: Der Körper reagiert überempfindlich zum Beispiel auf Pflegeprodukte wie Seifen, Waschmittel oder Intimsprays, auf synthetische Fasern in der Kleidung oder auf bestimmte Arzneimittel wie Antibiotika.

  • Bakterielle Infektionen: Es kommt zu einer Infektion mit Bakterien – zum Beispiel Staphylococcus aureus, Streptokokken, Kolibakterium (Escherichia coli), Gonokokken (Verursacher des Trippers), Treponema Pallidum (Erreger der Syphilis) oder Chlamydien.

  • Virale Infektionen: Die Vulvitis wird durch eine Infektion mit Herpes genitalis oder Papillomaviren (humane Papillomaviren, HPV) ausgelöst.

Ursachen einer sekundären Vulvitis

Infektionen, die von anderen Genitalabschnitten ausgehen, sind die häufigste Ursache für eine Vulvitis. Meist werden die Erreger dabei durch den kontaminierten Ausfluss zur Vulva weitergeleitet.

  • Hefepilze wie Candida albicans (Auslöser einer Scheidenpilzinfektion)
  • Geißeltierchen wie Trichomonaden (führen zu einer Scheidenentzündung)
  • Parasiten wie Madenwürmer aus dem Darm (Oxyuren), Krätzmilben oder Filzläuse
  • hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren, bei denen es zu Östrogenmangelerscheinungen kommt
  • Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder chronisch-entzündlicher Hautausschlag (seborrhoische Dermatitis)
  • Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus
  • Abwehrschwächen bei HIV oder Krebserkrankungen
  • Harnwegsinfektionen

Als weitere Vulvitis-Ursachen werden häufig eine vernachlässigte oder übertriebene Hygiene, starkes Schwitzen oder Verletzungen genannt, die zum Beispiel bei der Rasur oder durch Kratzen entstehen und es den Bakterien leicht machen, sich auszubreiten.

Symptome: Juckreiz und brennende Schmerzen im Intimbereich

Obwohl die Vulvitis verschiedene Ursachen hat, treten bei allen Krankheitsbildern in etwa die gleichen Symptome auf.

  • Juckreiz
  • brennende Schmerzen
  • Nässen
  • Berührungsschmerz
  • Wundgefühl
  • Wärmebildung
  • lokale Schwellungen
  • Rötungen
  • verstärkter genitaler Ausfluss (Fluor genitalis)
  • gestörte Blasenentleerung (Schmerzen beim Wasserlassen)
  • sexuelle Funktionsstörung (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr)
  • ggf. Auftreten von geschwollen Lymphknoten im Leistenbereich

Ist ein Herpes genitalis für die Vulvitis verantwortlich, entstehen darüber hinaus in der Regel kleine Bläschen mit einer Größe von zwei bis drei Millimetern und einem klaren Inhalt. Liegt eine HPV-Infektion vor, bilden sich sogenannte Feigwarzen (Condylomata acuminata) – dabei handelte es sich um eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten.

Diagnose der Vulvitis

Bei der Diagnose einer Vulvitis spielt die Anamnese eine große Rolle. Hierzu stellt der Arzt Fragen über die Krankheitsgeschichte, Symptome und mögliche Ursachen. Auf diese Weise findet er heraus, ob eine Infektion, eine allergische Reaktion oder eine Allgemeinerkrankung als Auslöser für die Vulvitis infrage kommt. Anschließend führt er eine körperliche Untersuchung durch und betrachtet dabei die Erscheinung der äußeren Geschlechtsorgane. Durch einen Abstrich kann eine Probe des Ausflusses entnommen und unter dem Mikroskop auf Erreger untersucht werden. Anhand molekularbiologischer Nachweisverfahren wird festgestellt, ob es sich um eine Infektion mit Bakterien oder Viren handelt.

Weiterführend kann der Arzt eine Gebärmutterhalsspiegelung (Kolposkopie) durchführen, um nach fehlerhaften Vulvaveränderungen zu suchen.

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Therapie der Vulvitis: Behandlung ist abhängig von der Ursache

Welche Behandlung bei einer Vulvitis angestrebt wird, richtet sich nach der vorliegenden Krankheitsursache. Um Vulvitis-Erreger abzuwehren und die Entzündung zu behandeln, können lokale Maßnahmen zum Einsatz kommen – dazu gehören Sitzbäder, Salben, Cremes oder Zäpfchen. Welches Präparat eingesetzt wird, ist abhängig von der Art des Erregers: Eine bakterielle Infektion muss mit Antibiotika behandelt werden, bei einer Pilzinfektion kommen Antimykotika zum Einsatz und die Therapie von Würmern erfolgt durch die Gabe von Antihelminthika. Juckreizstillende Salben dienen dazu, das äußerst belastende Symptom zu lindern.

Liegt eine allergische Reaktion zum Beispiel auf Seifen vor, wird der Allergieauslöser ab sofort gemieden, um die Vulvitis zu heilen. Bei einer primären, akuten Vulvitis klingen die Beschwerden dann häufig bereits ab. Darüber hinaus schlagen lokale Maßnahmen in der Regel gut an. Wirkt die Behandlung nicht, wird weiteren Ursachen auf den Grund gegangen.

Wichtig: Steckt eine sexuell übertragbare Krankheit als Ursache hinter den Vulvitis-Beschwerden muss der Partner möglicherweise mitbehandelt werden.

Verlauf und Komplikationen der Vulvitis

Unter dem Begriff der primären Vulvitis werden noch weitere Krankheitsbilder gefasst. Beim Lipschütz (Ulcus vulvae acutum) handelt es sich um ein sehr seltenes Begleitsymptom, das bei einer schweren Allgemein- oder Viruserkrankung auftreten kann. Das Geschwür bildet sich am Scheideneingang oder an den kleinen Schamlippen und geht mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl einher. Bei der Bartholinitis ist der Ausführungsgang der Bartholindrüsen entzündet, sodass die Schwellung den Gang verschließt und sich darin Eiter bildet. Begleitet wird dies von starken Schmerzen.

Sind Herpes-Viren als Ursache für die Vulvitis verantwortlich, müssen weitere Maßnahmen zur Behandlung in Betracht gezogen werden. Denn: Auch wenn die Symptome der Vulvitis gelindert werden, verbleiben die Viren lebenslang im Körper. Bei einer Entbindung besteht daher das Risiko einer Ansteckung für das Neugeborene. Aus diesem Grund wird zuvor eine Therapie eingeleitet und bei akuten Symptomen nur unter bestimmten Umständen auch ein Kaiserschnitt empfohlen.

Vorbeugung: Wie kann eine Vulvitis vermieden werden?

Hygiene: Zur Vorbeugung einer Vulvitis ist eine regelmäßige Intimhygiene bedeutsam. Hier gilt jedoch das Motto: Bitte nicht übertreiben! Das Waschen mit einer pH-neutralen Waschlotion ist empfehlenswert. Besonders wichtig beim Toilettengang: Nach dem Stuhlgang sollte das Toilettenpapier stets von vorne nach hinten verwendet werden. Das heißt, es wird in Richtung des Afters und nicht in Richtung der Scheide abgewischt. So wird verhindert, dass Darmbakterien in die Scheide eindringen und dort Infektionen auslösen. Zu den allgemein einzuhaltenden Hygienemaßnahmen gehört es auch, im Schwimmbad oder in der Sauna stets frische Handtücher zu verwenden und diese nicht mit anderen Badegästen zu teilen. Im eigenen Haushalt sollten Handtücher und Waschlappen ebenfalls nicht geteilt und regelmäßig ausgetauscht und gewaschen werden.

Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten: Da sexuell übertragbare Krankheiten wie Chlamydien ebenfalls zu einer Vulvitis führen können, sollte beim Geschlechtsverkehr – vor allem bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern – auf eine geeignete Verhütungsmaßnahme geachtet werden. Nur Kondome oder Femidome (Kondom für die Frau) bieten Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Jedoch gilt in Bezug auf die Papillomviren: Kondome bedeckten nicht den gesamten Schambereich, sodass es trotzdem zu einer Infektion mit HP-Viren kommen kann. Kondome schützen laut Berufsverband der Frauenärzte e.V. in diesem speziellen Fall zu 50 Prozent vor einer Ansteckung. Trotzdem sind sie zur Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten unbedingt empfehlenswert.

HPV-Impfung: Um eine Infektion mit HP-Viren zu verhindern, wird allen Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren eine HPV-Impfung empfohlen – im besten Fall findet diese noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr statt. Bei Frauen soll die Impfung vor allem zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs dienen, bei beiden Geschlechtern ist sie allerdings ebenfalls nützlich, um der Entstehung von Feigwarzen vorzubeugen.

Alarmzeichen in der Schwangerschaft: Bei diesen Symptomen zum Arzt
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 21. August 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: N76.2 | N76.3
Quellen
Beiträge im Forum "Frauengesundheit"
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