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Wie wird das Warten auf ein Kind erträglicher?

Hallo zusammen,

ich bin 26 Jahre alt (bald schon 27) und wünsche mir seit knapp 3 Jahren schmerzlich ein Kind. Ich weiß gar nicht genau wodurch das so stark ausgelöst wurde, dieses starke Verlangen war auf einmal einfach da. Auf einmal sah ich Mütter mit ihren kleinen Babys mit ganz anderen Augen und schmolz förmlich dahin, wenn ich Männer sah, die ein kleines Baby auf dem Arm hielten und damit spielten. Selbst TV-Werbungen für Pampers oder Hipp Babynahrung gingen mir plötzlich extrem nahe. Als hätte ich einen neue Wahrnehmung entwickelt, sah ich plötzlich überall Schwangere oder Mütter mit Babys und Kleinkindern. Ich sprach viel mit meinen Freundinnen über meinen extremen Kinderwunsch und die meisten konnten ihn damals noch gar nicht so stark nachempfinden. Mir fehlte leider zu der Zeit ein Partner mit dem ich mir eine Familie hätte aufbauen können und ich hatte das Gefühl, dass meine Kinderplanung noch sehr lange auf sich warten lassen würde. Während meine ganzen Freundinnen schon seit Jahren in einer guten und festen Beziehung steckten, suchte ich immer noch den Mann fürs Leben an meiner Seite. Vor knapp 2 Jahren traf ich ihn dann endlich (jetzt 29 Jahre alt - bald 30) und wir sind bis heute immer noch glücklich zusammen und können uns auch sehr gut eine gemeinsame Zukunft vorstellen. Wir haben ziemlich ähnlich Vorstellungen von einer gut laufenden Beziehung und die gleichen Zukunftsvorstellungen, was Hochzeit, Anzahl der Kinder, Wohnort und Haus betrifft. Seit der Beziehung mit meinem Freund ist der Kinderwunsch jedoch ins Unermessliche gestiegen. Dazu kommt, dass ich, als ich mit meinem Freund ein halbes Jahr zusammen war, die Diagnose Gebärmutterhalskrebs im Frühstadium bekommen habe. Ich wurde ziemlich schnell operiert und bis nach der OP wusste ich nicht, ob ich danach noch in der Lage sein würde Kinder zu bekommen. Gott sei Dank sagte mir die Ärtzin nach der OP, dass ich weiterhin in der Lage sein würde Kinder zu bekommen, jedoch mein Risiko eine Fehlgeburt oder Frühgeburt zu erleiden deutlich höher wäre. Mir ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen, jedoch wurde mein Wunsch dadurch noch stärker und ich hatte plötzlich das Gefühl gar nicht mehr warten zu können. Auch die Angst, dass dieser Krebs zurück kommen würde und eine Schwangerschaft dann womöglich gar nicht mehr gehen könnte, machte mich wahnsinnig. Mir wurde gesagt, dass ich der Gebärmutter ruhig ein Jahr zum verheilen geben sollte, bevor ich anfangen sollte es zu versuchen. Ich sagte mir selber, dass ich sofort nach diesem Jahr loslegen würde egal was dann sei. Doch nach diesem Jahr steckte ich immer noch mitten in meinem Studium (welches mich viel Nerven gekostet hatte) und ich wollte das Studium nicht durch eine Schwangerschaft gefährden. Obwohl ich nichts lieber gehabt hätte als ein Kind, war mir innerlich klar, dass ich erst einmal eine Basis schaffen musste, um darauf mit einem Kind aufbauen zu können. Also studierte ich weiter, denn nächstes Jahr im März wäre ich endlich mit meinem Studium fertig. Immer wieder versuchte ich mir zu sagen, dass es nur noch ein Jahr sei und ich das schaffen kann durchzuhalten. Aber dann wurden meine drei besten Freundinnen in diesem Jahr schwanger. Eine nach der anderen. Alle drei hatten erst mitte bis Ende letzten Jahres einen Kinderwunsch entwickelt und alle drei bekamen vor mir ein Kind. Bitte nicht falsch verstehen, ich gönne es allen dreien und alle drei werden wundervoll Mütter werden! Aber für mich war es zeitgleich wie ein Schlag ins Gesicht. Ich sah sofort die Nachricht:" Du bist die letzte bei der immer noch nichts passiert." Der Gedanke daran, meine besten Freundinnen durch ihre Schwangerschaften zu begleiten macht mich total fertig. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen mit ihnen Babyklamotten shoppen zu gehen oder mir ständig neue Updates anzuhören. Es interessiert mich schon irgendwo, aber innerlich würde es mich total runterziehen. Wenn ich mit meinem Studium fertig bin, liegen meine Freundinnen alle schon in den Wehen oder halten ein Kind in der Hand. Ich würde dann erst noch einen Job suchen und finden müssen und dann müsste das mit der Schwangerschaft auch erstmal klappen. Komischerweise habe ich auch noch das Gefühl, dass das bei mir nicht so schnell funktionieren wird. Jedes Mal wenn eine Freundin mir mitteilte, dass sie nun schwanger sei, brach ich am selben Abend noch nervlich total zusammen. Mein Freund nimmt das mittlerweile auch total mit, dass ich ständig so fertig bin, meint aber auch, dass wir definitiv noch warten sollten, bis ich mein Studium abgeschlossen und einen Job gefunden habe. Er selber möchte zwar auch Kinder, jedoch ist bei ihm der Kinderwunsch nicht in diesem Maße wie bei mir ausgeprägt. Auch in seinem Freundeskreis werden immer mehr schwanger und ich muss jedes mal lächeln und meine Glückwünsche aussprechen. So langsam habe ich das Gefühl in einem Kreis aus Schwangeren gefangen zu sein und weiß nicht, wie ich zu diesem Thema etwas Abstand gewinnen kann, um besser mit der derzeitigen Situation klar zu kommen. Es ist zwar "nur noch ein Jahr" aber für mich fühlt es sich mittlerweile wie eine halbe Ewigkeit an. Ich habe ständig Gedanken wie:" Gott hoffentlich funktioniert es dann auch mit dem Schwangerwerden", "Was ist wenn der Krebs vorher noch zurück kommt und es dann nicht mehr geht?" "Wie soll ich dieses Jahr mit 3 schwangeren Freundinnen an meiner Seite überstehen?" "Schon wieder ein Jahr warten, und nächstes Jahr kommt bestimmt wieder was dazwischen", "Was ist wenn meine Beziehung durch den ganzen Stress vorher noch zu Bruch geht?" etc. Manchmal wünsche ich mir sogar, gar keinen Kinderwunsch zu verspüren, damit mich das alles nicht so runterzieht. Ich weiß, dass ich hier vielleicht einen Extremfall darstelle, selbst meine Mutter meinte zu mir, dass sie niemals so einen großen und extremen Kinderwunsch empfunden hatte wie ich es tue.

 

Es tut mir leid, dass dieser Text so enorm lang geworden ist. Ich hoffe einige von euch haben sich vielleicht doch die Zeit genommen ihn zu lesen und haben vielleicht ähnliches durchgemacht und ein paar gute Tipps für mich auf Lager, wie ich mit dieser quälenden Situation besser umgehen kann. Ich weiß natürlich, dass es noch viel schlimmere Situationen gibt als meine hier (Unfruchtbarkeit, der Partner will gar kein Kind, der Partner für ein Kind fehlt komplett, etc.) und die Frauen die es geschafft haben damit umzugehen verdienen meinen größten Respekt!

 

Vielen lieben Dank schonmal!

 

Eure Saskia

Bisherige Antworten

Re: Wie wird das Warten auf ein Kind erträglicher?

Hallo

 

Ich habe mir mal Die Zeit genommen deinen Text zu lesen..ich kann nachempfinden wie du dich fühlst und vielleicht hilft meine Geschichte...

 

Ich habe über 12 Jahre einen Kinderwunsches gehabt..vor 10 Jahren lernte ich meinen (jetzigen Mann)kennen...wir haben 8 Jahre nicht verhütet und ich dachte langsam och drehe durch..all meine Freundinnen wurden schwanger gewollt und ungewollt,manche von ihnen hatten nicht mal eine Beziehung.. ich war einerseits mega sauer und traurig aber andererseits sollte man es ihnen gönnen,es ist wirklich ein Wunder und man sollte sich für sie freuen...naja ging bei mir nicht..ich habe mich von ihnen abgewandt..nach einer op 2015 hat 3 Jahre gedauert..2018 kam meine Tochter auf die welt(das größte glück),2019 die Hochzeit,9 Jahre bez...und was soll ich sagen wir sind überglücklich und konnte uns in der Zeit super gut kennen lernen und mit dem Kind klappt es auch super,wir machen beide alles zusammen...und bei meinen Freundinnen?hach ja,ein paar sind  single,manche geschieden und 2 wieder neu verheiratet und alle sind Jahrgang 1989-1992...ich mein es ist natürlich nicht alles schlimm aber ich persönlich finde es schöner wenn man eine Beziehung richtig gut aufbaut und sich gut genug kennt bevor ein Kind zusammen bekommt,den das wird manchmal nicht einfach und es wäre doch nicht schön wenn man sich dann trennt,eine Garantie gibt es natürlich dafür auch nicht.aber du sagst selber du willst für das Kind was aufbauen eine sichere Umgebung,dann tut das auch erst und lern dich und deine Partner besser kennen,ein kind kommt von selber

Re: Wie wird das Warten auf ein Kind erträglicher?

Ups sry war noch nicht fertig,melde mich später noch mal,tochter ist motzig:-D

Re: Wie wird das Warten auf ein Kind erträglicher?

Hi Saskia,

dass man sich sehnlichst ein Baby wünscht und dass man ab diesem Zeitpunkt überall nur Schwangere sieht, das können sicher super viele Frauen hier nachvollziehen. Du bist nicht alleine!

Dass Du Krebs hattest ist schrecklich, dass Du ihn überwunden hast und dass es keine Auswirkungen (aktuell) auf Deinen Kinderwunsch hat, ist wahnsinnig toll. Du kannst sehr dankbar sein (bist Du ja auch, wie man heraus liest).

Letztendlich musst Du für Dich entscheiden, wie Du Dein Leben gestalten willst. Wenn Du lange studiert hast (oder erst spät damit begonnen hast?) und dann halt erst mit 27 damit fertig bist, ist es logisch, dass sich einige Dinge nach hinten verschieben. Der erste Job, das erste "richtige" Gehalt… 
Es ist eigentlich nie der richtige Zeitpunkt für ein Kind (beruflich gesehen), finde ich zumindest. Aber es gibt, glaube ich, schon an sich etwas bessere und etwas schlechtere Zeitpunkte. Allerdings weiß man nie, was das Leben für einen bereit hält, nicht wahr? Pläne helfen nicht immer.

Was ist DIR denn wichtiger?
Nur als Beispiel: Wenn Du JETZT schwanger wirst, kannst Du Dein Studium eventuell nicht abschließen (oder nur unter sehr großer Mühe und weiterem Zeitaufwand). Das muss man einkalkulieren, finde ich persönlich. Wenn das für Dich aber OK ist, dann ist es auch OK. Wenn es für Dein Freund auch OK ist, dass Du u.U. keinen Abschluss von der Uni/FH hast, dann ist es doch auch OK.
Weißt Du, wie ich meine? Man lebt nur einmal. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Aber man muss Entscheidungen treffen und mit den Konsequenzen daraus dann leben (können).

Alles Gute :ROSE:

Re: Wie wird das Warten auf ein Kind erträglicher?

Hallo Saskia,

erstmal musst du das natürlich komplett selbst entscheiden. Ich möchte dir mal schreiben, wie es bei mir war:

Ich habe auch studiert, meinen Mann mit 21 kennengelernt (da war ich im zweiten Semester) und direkt ein halbes Jahr später geheiratet. Hat einfach gepasst und ich hab da nie lang gefackelt;-). Wir haben uns gedacht, wenn es nix wird, lassen wir uns scheiden, fertig. Passt aber heute noch, wir hatten dieses Jahr unseren 12ten Hochzeitstag und er ist immer noch meine große Liebe;-).

Ab da hatte ich auch plötzlich den gleichen Kinderwunsch, wie du ihn beschreibst. Ich habe unter anderem vertieft Sport studiert und gewusst, dass ich die ganzen Praxisexamen mit Kind nie packe, aber als die rum waren, haben wir im Studium einfach mal probiert, schwanger zu werden (dachte, sowas dauert ja eh, man wird normalerweise nicht ad hoc schwanger). Tja, ich bin sofort schwanger geworden. Ich musste meine mündlichen Prüfungen alle vorverlegen und hatte dann 6 Mündliche in 2 Wochen, da war ich dann bereits eine Woche vor ET. Ich habe also das erste Kind im ersten Staatsexamen bekommen. War rückblickend gar kein Problem (hatte aber auch keine problematische Schwangerschaft, das muss man schon dazu sagen. Sonst wäre das alles nicht gegangen...), hab danach 3 Jahre Elternzeit genommen und nur nebenbei gearbeitet. Das zweite Kind kam dann mitten im zweiten Staatsexamen (ich dachte, warum nicht? Hat ja beim letzten Mal auch geklappt...). Auch das war halb so wild, lernen mit Kind empfand ich nicht als schlimm. Und nein, wir haben keine Omas oder Opas, die die Kids nehmen können. Die wohnen alle zu weit weg. Ich hab gelernt, wenn das Kind im Bett war, bzw. beim ersten Kind hatte ich eben eine Kugel beim Lernen. 

So bin ich an die Sache rangegangen. Bei unserem ersten Kind standen wir wirtschaftlich übrigens nicht Bombe da. Mein Mann war gerade mit der Ausbildung fertig, ich mit dem ersten Staatsexamen. Mittlerweile ist das alles komplett anders, aber ich denke nicht, dass unsere erste Tochter irgendetwas vermisst hat. Ein Baby braucht nämlich erstmal nicht viel. In erster Linie viel Liebe und Zeit. Und bis die Ansprüche größer werden, kann man sich durchaus auch mit Kind etwas aufbauen. Ist zumindest meine Meinung und ich würde alles genauso wieder machen. Jetzt bin ich 34, das 3te Kind ist unterwegs und dann ist die Familienplanung abgeschlossen (und meine Große ist schon fast 10, was einfach klasse ist:-)). Dem Job waren die Kids nie im Weg und unser Haus haben wir gekauft, als unsere Tochter 4 Jahre alt war.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich hätte mich von all den Überlegungen, die gegen ein Kind sprechen, weil es dadurch komplizierter werden könnte usw., nicht davon abbringen lassen, ein Baby zu bekommen. Dafür war der Wunsch einfach zu groß und diese zugegebener Maßen naive Herangehensweise hat mir geholfen, mein Glück zu finden:-).

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, natürlich Gesundheit und viel Erfolg bei deinen Prüfungen!

Alles Liebe

Anna

 

 

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