Medikamente in der Schwangerschaft
Wenn eine schwangere Frau Medikamente einnimmt, ist der Fötus immer unfreiwilliger Empfänger des verabreichten Arzneimittels.
Beispiel Contergan
Die Thalidomid-(Contergan-)Katastrophe Anfang der 1960er Jahre, bei der nach Einnahme eines für die Mutter harmlosen Schlafmittels über 8.000 schwere kindliche Missbildungen aufgetreten waren, machte weltweit darauf aufmerksam, wie verletzlich das Kind im Mutterleib ist.
Nummer Sicher
Auf Nummer Sicher geht, wer während der Schwangerschaft auf alle Arzneimittel verzichtet. Besonders anfällig ist der Fötus zu Beginn der Schwangerschaft, wenn die Organe entstehen. Prinzipiell sollten Schwangere während der gesamten Schwangerschaft bei jeder Medikamenteneinnahme die Ärztin befragen. Auch bei so harmlos erscheinenden Präparaten wie Aspirin kann es in bestimmten Abschnitten der Schwangerschaft zu Problemen kommen. Die Einnahme von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft sollte daher in jedem Fall nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Was Sie selbst tun können
Was tun, wenn Sie der Kopf- oder gar Migräneschmerz plagt, Sie Verdauungsprobleme oder eine verstopfte Nase haben? Zunächst versuchen Sie es mit natürlichen Mitteln: Bei Kopfweh hilft Entspannung, spazieren gehen oder sich hinlegen, bei Verdauungsproblemen hilft oftmals eine Ernährungsumstellung und gegen eine verstopfte Nase können Sie eine Salzwasserlösung in die Nase tropfen. Wenn das nicht hilft und Sie sehr geplagt sind, müssen Sie zur Not ein Medikament einnehmen - am besten immer in Absprache mit Ihrer Ärztin!
Was tun bei chronischer Erkrankung?
Chronisch erkrankte Frauen, die z.B. wegen Diabetes, Bluthochdruck oder Anfallsleiden regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten schon rechtzeitig vor einer Schwangerschaft mit ihrer Ärztin besprechen, welche Medikamente für die Dauer der Schwangerschaft geeignet sind.
Eine Beratungsstelle der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen zu helfen, die in Unkenntnis einer bestehenden Schwangerschaft Medikamente eingenommen haben. Gemeinsam mit den Frauen wird das Risiko einer Fruchtschädigung abgeschätzt und überlegt, welche Formen der intensiven Schwangerschaftsüberwachung in Betracht kommen (Alpha-Fetoprotein-Bestimmung, Ultraschalluntersuchung, Amniozentese). Insbesondere geht man hier auf das Problem ein, dass in manchen Fällen unwiderrufliche Entscheidungen getroffen werden, deren klinisches Resultat nicht zu korrigieren ist wie z.B. ein Schwangerschaftsabbruch.
Zum anderen will die Beratungsstelle Frauen mit chronischen Erkrankungen (z.B. Anfallsleiden, Stoffwechselerkrankungen) vor Eintritt einer Schwangerschaft optimal medikamentös beraten, damit der Beginn der Schwangerschaft in ein symptomarmes Krankheitsintervall fällt. Die Beantwortung der Anfragen erfolgt unmittelbar per Telefon. Die Beratungsstelle in Jena gehört zum Europäischen Netzwerk des Teratologischen Informationsservice (ENTIS).
Die Adresse lautet: Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena, 07740 Jena, Bachstrasse 18, Telefon: 03641/933074. Und das ist die dazugehörige Internetadresse: http://www2.uni-jena.de/ufk/Geburtshilfe/start.htm
Antibiotika in der Schwangerschaft
Antibiotika werden bei Infektionen in der Schwangerschaft ebenso verabreicht wie bei der nichtschwangeren Frau. Die Wirksamkeit und Toxizität (Giftigkeit) ist unverändert.
Entscheidend in der Schwangerschaft ist die Giftigkeit für den Fötus und die Tatsache, dass gelegentlich eine höhere Dosierung als Folge des vergrößerten Blutvolumens und der gesteigerten Nierendurchblutung notwendig ist. Beides führt eventuell dazu, dass der Medikamentenspiegel unter den therapeutisch notwendigen absinkt.
| Acyclovir | Potentiell teratogen oder zytotoxisch |
| Aminoglykoside | Eine längere Streptomycingabe zur Behandlung der Tuberkulose schlägt auf Seiten der Mutter auf das Gehör. Streptomycin sollte deshalb nicht gegeben werden, außer Isoniazid. Ethambutol oder Rifampicin sind nicht empfohlen. |
| Amphotericin B | Bedenklich wegen Nebenwirkungen |
| Ampicillin | Weitgehend unbedenklich |
| Azidothymidin | Potentiell teratogen oder zytotoxisch |
| Cephalosporine | Cephalosporine der ersten und zweiten Generation (Cephalothin, Cefazolin Cefoxitin) sind sicher und haben keine erhöhte fetale Toxizität. Über die neueren Kephalosporine (Moxalactam, Cefotaxim, Cefoperazon etc.) gibt es noch wenig ausreichende Informationen. |
| Chlorampehenicol | Die Unfähigkeit der Neugeborenenleber, Chlorampehenicol zu verarbeiten, kann bis zu einem Zusammenbruch des Herz-Kreislaufsystems des Fötus führen. |
| Clavulansäure | Sicherheit nicht erwiesen |
| Clindamycin | Bedenklich wegen Nebenwirkungen. Da sich dieses Medikament im Knochen anreichern kann, sollte nach der Entbindung das Knochenwachstum des Babys überwacht werden. |
| Erythromycin | Es besteht keine erhöhte mütterliche und fetale Toxizität. |
| Ethambutol | Schädigende Wirkung auf die Mutter und den Fötus ist bis jetzt nicht bekannt. Die Erfahrungen mit diesem Medikament sind allerdings noch gering. |
| Fluconazol | Bedenklich wegen Nebenwirkungen |
| Flucytosin | Potentiell teratogen oder zytotoxisch |
| Ganciclovir | Potentiell teratogen oder zytotoxisch |
| Griseofulvin | Potentiell teratogen oder zytotoxisch |
| Gyrasehemmer | Potentiell teratogen oder zytotoxisch |
| Imipenem | Sicherheit nicht erwiesen |
| Isoniazid | Isoniazid kann bei Behandlung der aktiven Tuberkulose angewendet werden. Eine Chemoprophylaxe ist zu vermeiden. |
| Itraconazol | Bedenklich wegen Nebenwirkungen |
| Ketoconazol | Bedenklich wegen Nebenwirkungen |
| neue Makrolide | Sicherheit nicht erwiesen |
| Nitrofurantoin | Potentiell teratogen oder zytotoxisch |
| Nitroimidazol | Potentiell teratogen oder zytotoxisch |
| Penizilline | Penizilline können während der gesamten Schwangerschaft gegeben werden. Es besteht keine erhöhte mütterliche und fetale Toxizität. |
| Pyrimethamin | Pyrimethamin hat im ersten Trimenon und in geringerem Ausmaß auch im zweiten Trimenon eine schädigende Wirkung auf den Fötus. |
| Rifampicin | Potentiell teratogen oder zytotoxisch. Zwar ist eine schädigende Wirkung auf die Mutter und den Fötus bis jetzt nicht bekannt, die Erfahrungen mit diesem Medikament sind allerdings noch gering. Es sind allerdings fetale Gliedmaßendeformationen mit unsicherer Beziehung zu Rifampicin aufgetreten. |
| Sulbactam | Sicherheit nicht erwiesen |
| Sulfonamide | Für den Fötus sind Sulfonamide in der vorgeburtlichen Phase gefährlich. Die Leber des Neugeborenen ist nicht in der Lage, die Sulfonamide zu verarbeiten. |
| Tazobactam | Sicherheit nicht erwiesen |
| Tetrazykline | Als Injektion gegebene Tetrazykline können im dritten Trimenon der Schwangerschaft eine mütterliche Hepatitis auslösen. Tetrazykline verursachen eine Verfärbung und Verformung der Zähne beim Fötus. |
| Trimethoprim-Sulfamethoxazol | Durch die Folsäure-antagonisiernde Wirkung kann eine Anämie verstärkt werden. |
| Vancomycin | Sicherheit nicht erwiesen |
| Letzte Woche vor dem Termin zusätzlich bedenklich: |
| Sulfonamide |
| Co-Trimoxazol |
| Nitrofurantoin |
Weitere Informationen über Medikamente und Schmerzmittel in der Schwangerschaft erhalten Sie bei Embryotox. Unter der Infonummer 030/30308-111 können Sie sich persönlich informieren.

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