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Donnerstag, 23. Oktober 2014

Hirnhautentzündung (Meningitis)

Hirnhautentzündung (Meningitis)
Von der Hirnhautentzündung sind häufig Babys und Kinder betroffen
(c) BananaStock

Hirnhautentzündung (Meningitis) ist eine Entzündung der Hirnhäute und der Häute des Rückenmarks (Meningen). Die Erkrankung kann akut oder chronisch verlaufen. Bei der akuten Hirnhautentzündung handelt es sich um eine ernsthafte Erkrankung, die sich innerhalb kurzer Zeit entwickeln kann. Schwere Folgeschäden oder ein tödliches Ende der Erkrankung sind nicht ausgeschlossen.

Sowohl Viren als auch Bakterien und Pilze können eine Hirnhautentzündung auslösen. Meist erkranken Kinder oder Jugendliche. Eine Hirnhautentzündung kann jedoch auch Erwachsene betreffen. In Deutschland treten jedes Jahr etwa 5.000 bis 10.000 Meningitis-Erkrankungen auf. Eine Hirnhautentzündung, die durch Meningokokken ausgelöst wurde, ist meldepflichtig.

Die Hirnhäute umgeben Gehirn und Rückenmark in drei Schichten. Die innere Schicht (weiche Hirnhaut) ist dünn und liegt direkt an Gehirn und Rückenmark an. Bei der mittleren Schicht handelt es sich um die feine Spinnwebhaut. Zwischen ihr und der weichen Hirnhaut zirkuliert die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit. Die äußerste Schicht ist die harte Hirnhaut, die direkt am Schädel liegt.

Ursachen einer Hirnhautentzündung: Bakterien, Viren, Pilze, Vorerkrankungen

Eine Hirnhautentzündung kann von Bakterien, Pilzen und Viren oder durch eine bestehende Vorerkrankung ohne Infektion ausgelöst werden.

Zu den häufigsten bakteriellen Erregern zählen Hämophilus Hib, Pneumokokken, Meningokokken, Streptokokken und Listerien. In der warmen Jahreszeit kann mit einem Zeckenbiss die Frühsommermeningo-Enzephalitis (FSME) durch Viren übertragen werden. Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann der Pilz Cryptococcus Auslöser einer Hirnhautentzündung sein. Nichtinfektiöse Ursachen für eine Hirnhautentzündung können beispielsweise ein Hirntumor, Multiple Sklerose, Leukämie oder bestimmte Arzneimittel sein.

Eine Ansteckung geschieht meist über eine Tröpfcheninfektion, bei der die Erreger durch die Luft gehustet, geniest oder beim Küssen weiter gegeben werden. Bakterien siedeln sich in den feuchten Sekreten der Nasenschleimhaut und im Rachen an. Bei einigen Menschen sind sie hier bereits vorhanden, ohne dass sie zu einer Erkrankung führen. Das Blut kann die Erreger von hier aus bis zu den Hirnhäuten und dem Gehirn (Meningo-Enzephalitis) transportieren. Auch bei einer bereits bestehenden Erkrankung, wie beispielsweise einer Mittelohrentzündung, einer chronischen Ohren- oder Naseninfektion, nach Windpocken, Masern oder Röteln kann sich später eine Hirnhautentzündung entwickeln. Außerdem kann sich die Hirnhaut nach einem Unfall mit Schädelbruch oder nach einer Rückenmarksoperation entzünden.

Innerhalb der ersten drei Lebensjahre ist das Risiko für Kinder besonders hoch, an einer bakteriellen Hirnhautentzündung zu erkranken.

Symptome einer Hirnhautentzündung

Bei einer Hirnhautentzündung beträgt die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Krankheitsanzeichen etwa drei bis zehn Tage. Bei einer akuten bakteriellen Hirnhautentzündung können sich die Symptome innerhalb weniger Stunden entwickeln. Typische Symptome sind:

  • Kopf- und Nackenschmerzen
  • Nackensteifheit, wobei der Kopf nicht zum angewinkelten Knie bewegt werden kann
  • Fieber,
  • Reizüberempfindlichkeit (Lichtscheu)
  • Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verwirrtheit und Bewusstseinstrübungen
  • Benommenheit bis hin zu Koma
  • Hautausschlag mit roten oder violetten Flecken
  • Schwellung des Gehirngewebes mit Druckgefühl im Kopf

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann sich die Erkrankung durch weniger deutliche Anzeichen bemerkbar machen. Bei ihnen ist der Nacken auch nicht unbedingt steif. Mögliche Symptome einer bakteriellen Hirnhautentzündung bei ihnen sind:

  • Bauchschmerzen
  • Nahrungsverweigerung
  • Empfindliche Reaktionen auf Berührungen
  • Krampfanfälle
  • Schläfrigkeit, Schlaffheit
  • Schrilles Geschrei

Wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind eine Hirnhautentzündung haben könnte oder wenn das Kind Fieber ohne erkennbare Ursache hat, sollten sie umgehend einen Arzt aufsuchen, damit dieser sofort mit der Behandlung beginnen kann. Erwachsene sollten sich ebenso rasch in ärztliche Behandlung begeben, wenn die genannten Symptome und vor allem Nackensteifheit bei ihnen auftritt. Eine Hirnhautentzündung ist ein medizinischer Notfall.

Die Symptome einer chronischen Hirnhautentzündung und die einer Virusinfektion sind denen einer akuten Erkrankung ähnlich. Allerdings sind die Beschwerden weniger stark ausgeprägt und treten bei einer chronischen Hirnhautentzündung nicht plötzlich, sondern über Wochen hinweg auf.

Diagnose einer Hirnhautentzündung

Bei der Untersuchung achtet der Arzt auf die Anzeichen einer Hirnhautentzündung. Neben den oben genannten Symptomen sind dies auch die Zeichen nach Brudzinski und Kernig:

  • Der Betroffene beugt Hüfte und Knie an, wenn sein Kopf in Richtung Brust gedrückt wird (Brudzinski-Zeichen)
  • Wenn der Betroffene das Bein anhebt, kann der Arzt es nicht strecken (Kernig-Zeichen)

Wenn aufgrund der Symptome des Betroffenen ein Verdacht auf eine Hirnhautentzündung besteht, führt der Arzt eine so genannte Lumbalpunktion durch, um den Erreger der Erkrankung festzustellen. Dabei wird Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entnommen und untersucht. Wenn die Hirnhautentzündung nicht von Bakterien ausgelöst wurde, können Blut- und Urinuntersuchungen sowie Abstriche aus Hals, Nase oder von eitrigen Hautinfektionen Hinweise auf Pilze oder Viren geben.

Therapie einer Hirnhautentzündung

Die Therapie einer Hirnhautentzündung richtet sich nach der allgemeinen Verfassung des Betroffenen und nach der Art der Erreger. Erscheint der Betroffene schwach und krank beim Arzt, kann dieser sofort mit einer Antibiotikabehandlung beginnen, ohne den Erreger zu kennen. Sobald der Erreger feststeht, kann die Behandlung angepasst und möglicherweise auch ein besser wirksames Antibiotikum eingesetzt werden. Bei Krampfanfällen werden zusätzlich krampflösende Mittel verabreicht. Der Wasserverlust durch Erbrechen, Fieber und Schwitzen wird ebenfalls ausgeglichen.

Bei Verdacht auf eine Infektion, mit Meningokokken wird der Betroffene sofort ins Krankenhaus eingewiesen. Dort gelten spezielle Hygienevorschriften, die dafür sorgen sollen, dass sich die Erkrankung nicht weiter ausbreiten soll.

Babys und kleine Kinder werden bei einer Infektion mit Meningokokken intensivmedizinisch betreut und erhalten ebenfalls Antibiotika. Bei ihnen kann auch Kortison gegeben werden, was die Entzündungsreaktion und den Druck im Kopf vermindert.

Als Teil der Therapie bei einer Infektion mit Meningokokken werden auch enge Kontaktpersonen des Betroffenen vorbeugend mit Medikamenten behandelt. Sie werden über frühe Symptome der Hirnhautentzündung informiert, damit sie sich sofort in ärztliche Behandlung geben können, sobald sie Frühsymptome an sich entdecken. Neben dem Partner oder den Eltern des Betroffenen, können dies auch enge (Spiel-)Freunde, Banknachbarn in der Schule oder andere Kontaktpersonen in Internaten, Schulen, Wohnheimen oder Kindergärten sein.

Chronische Hirnhautentzündungen ohne Infektionen als Ursache werden mit Kortison behandelt. Gegen Pilze kommen Pilzmittel zum Einsatz. Eine Virus-Hirnhautentzündung verheilt meist ohne Medikamente.

Verlauf einer Hirnhautentzündung

In schweren Fällen kann eine durch Bakterien verursachte Hirnhautentzündung bleibende Schäden beim Betroffenen hinterlassen. Dazu zählen unter anderem Schädigungen des Gehörs bis hin zur Taubheit, Bewegungs- und Entwicklungsstörungen, Lernschwierigkeiten sowie Hirnödeme und -abszesse. Die Entzündung kann sich von den Hirnhäuten auf das Gehirn ausweiten. Dann handelt es sich um eine Meningoenzephalitis.

Hirnhautentzündungen, die durch Meningokokken ausgelöst wurden, verlaufen in ungefähr drei von 100 Fällen tödlich.  Daher ist es unbedingt notwendig, so schnell wie möglich einen Arzt aufzusuchen und mit der Antibiotika-Behandlung zu beginnen, wenn der Verdacht auf eine Meningokokken-Meningitis besteht.

Hirnhautentzündungen, die durch Viren ausgelöst wurden, nehmen in der Regel keinen sehr schweren Verlauf.

Vorbeugen einer Hirnhautentzündung

Gegen einige Erreger der Hirnhautentzündung gibt es einen Impfstoff. Die Impfung wird von der von der Ständigen Impfkomission des Robert Koch-Instituts für alle Kinder und folgende Personengruppen empfohlen:

  • Menschen mit einem schwachen Immunsystem
  • Menschen, die in Gebiete reisen, in denen die Infektion häufig vorkommt
  • Laborpersonal

Autor: Jessica Schmid
Letzte Aktualisierung: 31. März 2014
Durch: Miriam Funk
Quellen: Beers, M.H. (Hrsg.).: MSD Manual. Handbuch Gesundheit. Wilhelm Goldmann, München 2005 Gerd Herold (Hrsg.): Innere Medizin. Herold-Verlag, Köln 2005 Online-Informationen des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte e.V.: http://www.kinderaerzte-im-netz.de (Stand: Juni 2009) Online-Informationen des Nationales Referenzzentrum für Meningokokken am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg: http://www.meningococcus/uni-wuerzburg.de (Stand: Juni 2009) Online-Informationen des Robert Koch-Instituts, Berlin: http://www.rki.de (Stand: November 2007)

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