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Was tun bei Mangel?

Testosteron: Das wichtigste männliche Hormon

Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Doch auch im weiblichen Körper spielt das Hormon eine wichtige Rolle.

Testosteron: Das wichtigste männliche Hormon
© GettyImages/shapecharge

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Testosteron ist für Männer wichtig

Testosteron wird häufig als "Männerhormon" bezeichnet, sorgt es doch bei ihnen für die Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale. Es lässt die Samenzellen reifen, stimuliert die Talgdrüsen der Haut, fördert Haarausfall, regt die Absonderung von Pheromonen an, reguliert die Libido und wirkt knochen- und muskelaufbauend (anabol).

Bei Männern wird Testosteron zum größten Teil in den Hoden gebildet, ein kleiner Teil des Hormons entsteht aber auch in der Nebennierenrinde. Die Ausschüttung von Testosteron wird bei Männern unter anderem durch das luteinisierende Hormon (LH) reguliert. Neben seiner Funktion als Sexualhormon spielt Testosteron auch eine Rolle im Muskel- und Fettstoffwechsel.

Bereits im Mutterleib zeigt sich die Wirkung von Testosteron: Beim männlichen Fötus sorgt Testosteron für die Ausbildung der inneren und äußeren Genitalien. Mit Beginn der Pubertät sorgt vor allem das Testosteron für die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale beim Jungen und eine Vermehrung der Muskelmasse. Gleichzeitig bewirkt Testosteron ein schnelleres Skelettwachstum, es kommt zu Wachstumsschüben.

Testosteron bei Frauen

Bei Frauen wirkt Testosteron in erster Linie als Steuerelement für andere Stoffwechselvorgänge und wird zu anderen Sexualhormonen weiterverarbeitet. Eine Überversorgung mit Testosteron kann bei Frauen eine "vermännlichende" Wirkung mit starker, eher dem männlichen Schema entsprechender Körperbehaarung (Hirsutismus), tiefer Stimme und Klitoriswachstum haben. Erwachsene Frauen berichten manchmal auch über eine stärkere Libido.

Im weiblichen Körper wird Testosteron in den Eierstöcken und in geringen Mengen von der Nebenniere produziert oder auch über Umwandlung von Östrogen (das ebenfalls in den Eierstöcken erzeugt wird) in Testosteron. Die wichtigsten Sexualhormone der Frau sind jedoch die Östrogene.

Sowohl für Männer als auch für Frauen gilt: Testosteron hat eine positive Wirkung auf das Selbstbewusstsein. Studien haben gezeigt, dass ein hoher Testosteronspiegel mit einem hohen Selbstbewusstsein einhergeht. In Tierversuchen zeigten die Tiere mit höheren Testosteronwerten eine erhöhte Dominanz und teilweise auch erhöhte Aggression.

Das sagt der Testosteronspiegel aus

In den männlichen Hoden werden täglich zwischen fünf und zehn Milligramm Testosteron produziert. Ab der Geburt bis zum Beginn der Pubertät ist der Testosteronspiegel bei Jungen sehr niedrig und steigt dann – stimuliert durch die Ausschüttung weiterer Sexualhormone – stark an.

Ob der Testosteronspiegel ausgeglichen ist oder gar ein dauerhafter Testosteronmangel (oder ein Zuviel) vorliegt, lässt sich durch eine Blutuntersuchung herausfinden. Dabei gilt zu beachten: Der Gehalt an Testosteron schwankt im Laufe des Tages mit einem Maximum am Morgen und Vormittag.

Welche Werte sind normal?

Die Testosteronkonzentration wird im Blut gemessen. Hier kommt es in erster Linie an Plasmaproteine gebunden vor. Nur ein sehr geringer Teil (1,5 bis drei Prozent) befindet sich frei und aktiv im Blut. Entsprechend werden auch die Blutwerte eingeteilt.

Männer haben haben eine deutlich höhere Testosteronkonzentration im Blut als Frauen. Gleichzeitig sinken die durchschnittlichen Testosteronwerte sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit dem Alter. Als Grenzalter gilt jeweils ein Alter von etwa 50 Jahren.

Die Referenzbereiche sind von Labor zu Labor und abhängig von den jeweiligen Methoden unterschiedlich. Hier genannte Referenzwerte können deshalb allenfalls der Orientierung dienen.

Durchschnittliche Referenzwerte für erwachsene Männer:

  • Gesamt-Testosteron: 9 bis 34,7 nmol/l (2,6 bis 10 ng/ml)
  • freies Testosteron: 295 bis 971 pmol/l (85 bis 280 pg/ml)

Durchschnittliche Referenzwerte für Frauen im gebärfähigen Alter:

  • Gesamt-Testosteron: 0,35 bis 3 nmol/l (0,1 bis 0,86 ng/ml)
  • freies Testosteron: 10,4 bis 45 pmol/l (3 bis 13 pg/ml)

Auch bei Frauen sinkt der Testosteronspiegel natürlicherweise mit zunehmendem Alter etwas, vor allem mit Beginn der Wechseljahre.

Testosteronmangel

Testosteronmangel kann sowohl organische Ursachen haben als auch im Lebensstil begründet sein. Bestimmte Arzneimittel führen ebenfalls zu hormonellen Störungen.

Da das Hormon bei Frauen vor allem in den Eierstöcken und Nebennieren gebildet wird, kann eine Unterfunktion dieser Organe bei ihnen zu einem niedrigen Testosteronspiegel führen. Das gilt auch für hormonelle Verhütungsmittel.

Bei Männern tritt ein Testosteronmangel mit einer Unterfunktion der Keimdrüsen (Hypogonadismus) auf und kann sich durch unterentwickelte Geschlechtsorgane und/oder Unfruchtbarkeit äußern.

Einige Ursachen von Testosteronmangel beim Mann sind angeboren. Dazu gehört das Klinefelter-Syndrom, bei dem ein zusätzliches X-Chromosom vorhanden ist (Chromosomenanomalie). Dadurch wird unter anderem Testosteron nicht oder nicht in ausreichender Menge gebildet. Lageanomalien des Hodens (Kryptochismus) oder Störungen der Androgenbiosynthese können ebenfalls Testosteronmangel verursachen.

Daneben gibt es auch erworbene Ursachen von Testosteronmangel beim Mann:

  • zellwachstumshemmende Medikamente, wie sie zum Beispiel im Rahmen einer Krebstherapie eingesetzt werden (Zytostatika)
  • Hodenverletzungen
  • Hodentumoren
  • Schädigungen der Hoden durch Mumps oder Hodenentzündungen
  • starke altersbedingte Abnahme des Testosteronspiegels
  • Medikamentenmissbrauch (zum Beispiel durch Doping)

Vom Geschlecht unabhängig sinken die Blutwerte für Testosteron als Folge von starker Unterernährung, im Rahmen langer Fastenkuren, bei Magersucht sowie durch den Missbrauch bestimmter Drogen. Auch häufiger Alkoholkonsum geht mit niedrigen Testosteronwerten einher.

Chronischer Stress kann ebenfalls die Ursache für Testosteronmangel sein: Testosteron wird unter anderem in der Nebenniere produziert. Auf Stress reagiert diese besonders empfindlich und schüttet vermehrt Cortisol aus, einen natürlichen Gegenspieler von Testosteron.

Testosteronmangel beheben

Testosteronmangel wird mit einer Hormonersatztherapie behandelt, je nach Ursache und Ausprägung kommen Testosteron oder auch GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) infrage. Möglich sind Gels oder Pflaster zum Auftragen auf die Haut oder auch Injektionen. Die Injektionen halten je nach Stärke und persönlicher Konstitution einige Wochen bis Monate an.

Nachteil solcher Injektionen ist der deutliche Anstieg des Testosteronspiegels unmittelbar nach ihrem Setzen und der Abfall vor einer erneuten Injektion. Das kann unter anderem zu starken Stimmungsschwankungen führen.

Bei leichtem Testosteronmangel können auch Tabletten oder Kapseln in der Behandlung zum Einsatz kommen. Nachteil ist die schlechtere Verwertbarkeit, da das Testosteron zu einem großen Teil bereits in der Leber abgebaut wird, bevor es im Magen-Darm-Trakt vom Körper aufgenommen werden kann.

Testosteron steigern: Was beeinflusst die Hormonproduktion?

Schwankende Hormonwerte, selbst im Verlauf des Tages, sind völlig normal. Der Lebensstil hat einen entscheidenden Einfluss auf das hormonelle Gleichgewicht im Körper. Frauen und Männer können einiges selbst tun, um das Testosteron ganz natürlich zu steigern.

  • Übergewicht reduzieren: Im Fettgewebe wird nicht einfach nur zu viel zugeführte Energie gespeichert, es beeinflusst auch die Produktion der Hormone. Je mehr Bauchfett, desto höher ist der Östrogenspiegel. Die Folge: mehr Östrogene, weniger Testosteron – auch beim Mann.
  • Sport treiben: Körperliche Bewegung und Sport haben nachweislich einen positiven Einfluss auf die Hormonproduktion. Wer sein Testosteron steigern möchte, sollte Krafttraining mit relativ hohen Gewichten oder anstrengendes Training wie das Intervall-Training betreiben. Beides hat einen größeren Einfluss auf die Bildung von Testosteron als leichter Ausdauersport.
  • Chronischen Stress und psychische Belastung vermeiden: Stress wirkt sich negativ aus und kann unter anderem Testosteronmangel verursachen. Es empfiehlt sich daher, auf genügend Ausgleich zu achten und sich auch körperlich zu betätigen. Durch Sport wird nämlich das als "Stresshormon" bekannte Cortisol vermindert. Die Ausschüttung von Cortisol wiederum hemmt die Produktion von Testosteron.
  • Gesunde Fettsäuren essen: Um genügend Hormone zu produzieren, benötigt der Körper Fett. Bauen Sie deshalb genügend gesunde Fette in Ihre Ernährung ein. Vor allem Omega-3-Fettsäuren sind empfehlenswert.
  • Vitamin-D-Spiegel erhöhen: Studien weisen darauf hin, dass Vitamin D und Testosteron miteinander in Beziehung stehen. So kann ein niedriger Testosteronspiegel auch auf einen Vitamin-D-Mangel hinweisen. Da in unseren Breitengraden die ausreichende Versorgung mit Vitamin D nicht so einfach und in den Wintermonaten quasi unmöglich ist, kann (nach ärztlicher Absprache) ein Vitamin-D-Präparat sinnvoll sein.
  • Phytoandrogene: Phytoandrogene sind pflanzliche Bestandteile, die im Körper eine hormonähnliche Wirkung wie Androgene (männliche Geschlechtshormonen) entfalten. Das Pendant zu Phytoandrogenen sind Phytoöstrogene, die eine den weiblichen Hormonen ähnliche Wirkung haben. Zur Steigerung des Testosteronspiegels wird in der Naturheilkunde der Verzehr von Ginseng empfohlen. Auch Brennnesselwurzel und Hafer gelten als Phytoandrogene.

Bei Kinderwunsch und zum Muskelaufbau: Testosteron nicht einfach so einnehmen!

Liegt ein echter Testosteronmangel mit negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit vor, kann Testosteron in der richtigen, ärztlich abgestimmten Dosierung die Spermienproduktion in Gang bringen.

Viele Männer – und immer mehr Frauen – nutzen Testosteron und Testosteronabkömmlinge (anabole androgene Steroide) auch, um dem Muskelaufbau auf die Sprünge zu helfen. Neben zahlreichen weiteren Nebenwirkungen haben Anabolika jedoch auch negative Auswirkungen auf die Libido bis hin zu Erektionsstörungen.

Die längerfristige hohe Einnahme kann sogar zu einer deutlich reduzierten Spermienbildung führen, dem Kinderwunsch also ganz aktiv im Wege stehen. Da wundert es nicht, dass Testosteron sogar als Verhütungsmittel für den Mann diskutiert wird. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, Hormone und Stoffwechsel auf ihrer Webseite mit.

Frauen müssen demnach bei der unkontrollierten Einnahme von Testosteron oder Anabolika mit einer sogenannten Vermännlichung (Bartwuchs, fettige Haut und Akne, schrumpfende Brüste, Haarausfall) sowie Zyklusstörungen wie dem Ausbleiben der Menstruation und/oder des Eisprungs rechnen.

Nehmen Sie deshalb bitte Testosteron (wie generell alle Hormone) ausschließlich nach ärztlicher Verordnung und nur bei echter medizinischer Indikation ein.

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