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Sonntag, 19. November 2017
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Testosteron

Testosteron
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon
iStock/m-imagephotography

Testosteron ist ein Sexualhormon (Androgen), das in erster Linie für die Ausbildung männlicher Geschlechtsorgane und -merkmale sowie die Reifung von Samenzellen verantwortlich ist.

Bei Männern wird Testosteron zum größten Teil in den Hoden gebildet, ein kleiner Teil des Hormons entsteht aber auch in der Nebennierenrinde. Auch bei Frauen wird Testosteron in geringen Mengen von der Nebenniere und von den Eierstöcken ausgeschüttet, die wichtigsten Sexualhormone der Frau sind jedoch die Östrogene. Die Ausschüttung von Testosteron wird bei Männern unter anderem durch das luteinisierende Hormon (LH) reguliert. Neben seiner Funktion als Sexualhormon spielt Testosteron auch eine Rolle im Muskel- und Fettstoffwechsel.

Wirkung von Testosteron

Testosteron sorgt bei Männern für die Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, lässt die Samenzellen reifen, stimuliert die Talgdrüsen der Haut, fördert Haarausfall, regt die Absonderung von Pheromonen an, reguliert die Libido und wirkt muskelaufbauend (anabol).

Bereits im Mutterleib zeigt sich die Wirkung von Testosteron: Beim männlichen Fötus sorgt Testosteron für die Ausbildung der inneren und äußeren Genitalien. Mit Beginn der Pubertät sorgt vor allem das Testosteron für die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale beim Jungen und eine Vermehrung der Muskelmasse. Gleichzeitig bewirkt Testosteron ein schnelleres Skelettwachstum, es kommt zu Wachstumsschüben.

Bei Frauen wirkt Testosteron in erster Linie als Steuerelement für andere Stoffwechselvorgänge und wird zu anderen Sexualhormonen weiterverarbeitet. Eine Überversorgung mit Testosteron kann bei Frauen eine "vermännlichende" Wirkung mit starker, eher männlicher Körperbehaarung (Hirsutismus), tiefer Stimme und Klitoriswachstum haben. Erwachsene Frauen berichten manchmal auch über eine stärkere Libido.

Sowohl für Männer als auch für Frauen gilt: Tesosteron hat eine positive Wirkung auf das Selbstbewusstsein. Studien haben gezeigt, dass ein hoher Testosteronspiegel mit einem hohen Selbstbewusstsein einhergeht.

Testosteronspiegel

Bei geschlechtsreifen Männern gelten  Blutwerte von 3,5-8,6 Mikrogramm pro Liter als normal. Misst man die Konzentration im Speichel, spricht man bei einem Testosteronspiegel von über 80 pg pro Milliliter von einem Normalwert. Junge Männer können bis zu über 200 pg pro Milliliter haben.

In den männlichen Hoden werden täglich zwischen fünf und zehn Milligramm Testosteron produziert. Ab der Geburt bis zum Beginn der Pubertät ist der Testosteronspiegel bei Jungen sehr niedrig und steigt dann - stimuliert durch die Ausschüttung weiterer Sexualhormone - stark an.

Bei Frauen liegt die durchschnittliche Konzentration mit etwa 0,6 Mikrogramm pro Liter deutlich niedriger. Wird der Testosteronspiegel im Speichel gemessen, sollten die Werte bei Frauen zwischen 30 und 45 pg pro Milliliter liegen. Auch bei Frauen sinkt der Testosteronspiegel natürlicherweise mit zunehmendem Alter etwas, vor allem mit Beginn der Wechseljahre.

Ob der Testosteronspiegel ausgeglichen ist oder gar ein Testosteronmangel (oder ein Zuviel) vorliegt, lässt sich durch einen Testosteron-Test herausfinden. Er wird beim Facharzt (zum Beispiel Endokrinologe oder Urologe) durchgeführt und beinhaltet zunächst Fragen nach dem allgemeinen Empfinden. Der Testosteronspiegel wird außerdem im Blut und/oder im Speichel bestimmt. Da das Testosteron im Laufe des Tages schwankt, sind ggf. mehrere Testosteron-Tests nötig.

Testosteronmangel

Ein Testoteronmangel kann viele Ursachen haben. Im weiblichen Körper wird Testosteron in den Eierstöcken produziert oder auch über Umwandlung von Östrogen (das ebenfalls in den Eierstöcken erzeugt wird) in Testosteron. Störungen in den Eierstöcken können bei Frauen also einen Testosteronmangel verursachen.

Besteht bei Frauen eine krankhafte Unterfunktion der Eierstöcke (Hypogonadismus), äußert sich das unter anderem in einem niedrigen Testosteronspiegel. Dadurch kommt es zu einem verspäteten Einsetzen der Pubertät oder zum Ausbleiben der Periode. Menschen, die unter Hypogonadismus leiden, sind in der Regel unfruchtbar - sowohl Frauen als auch Männer.

Bei Frauen können weiterhin hormonelle Verhütungsmittel zu einem Testosteronmangel führen. Vom Geschlecht unabhängig sinken die Blutwerte für Testosteron zum Beispiel in Folge von starker Unterernährung oder Magersucht sowie durch den Missbrauch bestimmter Drogen. Auch chronischer Stress kann die Ursache von Testosteronmangel sein, da Testosteron unter anderem in der Nebenniere produziert wird, die auf Stress besonders empfindlich reagiert und vermehrt Cortisol ausschüttet, einen natürlichen Gegenspieler von Testosteron.

Ursachen von Testosteronmangel beim Mann

Ein zu niedriger Testosteronspiegel tritt auch bei Männern mit einer Unterfunktion der Keimdrüsen (Hypogonadismus) auf und kann sich durch unterentwickelte Geschlechtsorgane und/oder Unfruchtbarkeit äußern.

Einige Ursachen von Testosteronmangel beim Mann sind angeboren. Dazu gehört das Klinefelter-Syndrom, bei dem unter anderem Testosteron nicht oder nicht in ausreichender Menge gebildet wird. Lageanomalien des Hodens (Kryptochismus), Chromosomenanomalien oder Störungen der Androgenbiosynthese können ebenfalls einen Testosteronmangel beim Mann verursachen.

Daneben gibt es auch erworbene Ursachen von Testosteronmangel beim Mann:

  • Zellwachstumshemmende Medikamente, wie sie zum Beispiel im Rahmen einer Krebstherapie eingesetzt werden (Zyostatika)
  • Hodenverletzungen
  • Hodentumoren
  • Schädigungen der Hoden durch Mumps oder Hodenentzündungen
  • starke altersbedingte Abnahme des Testosteronspiegels
  • Medikamentenmissbrauch (zum Beispiel durch Doping)

Behandlung von Testosteronmangel

Testosteronmangel wird mit einer Hormonersatztherapie behandelt. Dosis und Art der Gabe wird vom Facharzt festgelegt. Möglich sind Gels oder Pflaster zum Auftragen auf die Haut oder auch Injektionen. Die Injektionen halten je nach Stärke und persönlicher Konstitution einige Wochen bis Monate an (es gibt auch langfristige Infektionen). Der Nachteil solcher Infektionen ist der stark ansteigende Anstieg des Testosteronspiegels unmittelbar nach ihrem Setzen und der Abfall vor einer erneuten Infektion. Das kann unter anderem zu starken Stimmungsschwankungen führen. Bei leichtem Testosteronmangel können auch Tabletten oder Kapseln in der Behandlung zum Einsatz kommen. Nachteil ist die schlechtere Verwertbarkeit, da das Testosteron zu einem großen Teil bereits in der Leber abgebaut wird, bevor es im Magen-Darm-Trakt vom Körper aufgenommen werden kann.

Testosteron-Kur? Kann man Testosteron natürlich steigern?

Der Lebensstil hat einen entscheidenden Einfluss auf das hormonelle Gleichgewicht im Körper. Vor allem chronischer Stress wirkt sich negativ aus und kann unter anderem einen Testosteronmangel verursachen. Es empfiehlt sich daher, auf genügend Ausgleich zu achten und sich auch körperlich zu betätigen, da Bewegung und Sport nachweislich einen positiven Einfluss auf die Hormonproduktion haben. Durch Sport wird außerdem das als "Stresshormon" bekannte Cortisol vermindert. Die Ausschüttung von Cortisol vermindert die Testosteronproduktion. Wer seinen Testosteronspiegel also auf natürliche Weise steigern möchte, sollte zunächst Stress reduzieren und Bewegung erhöhen.

Krafttraining mit relativ hohen Gewichten und anstrengendes Training (etwa beim Intervall-Training) soll dabei einen größeren Einfluss auf die Bildung von Testosteron haben als leichter Ausdauersport.

Testosteron und Ernährung: Phytoandrogene gegen Testosteronmangel

Phytoandrogene sind pflanzliche Bestandteile, die im Körper eine hormonähnliche Wirkung zu Androgenen (männlichen Geschlechtshormonen) entfalten. Das Pendant zu Phytoandrogenen sind Phytoöstrogene, die eine den weiblichen Hormonen ähnliche Wirkung haben. Zur Steigerung des Testosteronspiegels wird in der Naturheilkunde der Verzehr von Ginseng empfohlen. Auch Brennesselwurzel und Hafer gelten als Phytoandrogene. Fette, allen voran Oliven- und Kokosöl sind ebenfalls empfehlenswert.

Studien weisen darauf hin, dass Vitamin D und Testosteron miteinander in Beziehung stehen. So kann ein niedriger Testosteronspiegel auch auf einen Vitamin-D-Mangel hinweisen. Da in unseren Breitengraden die ausreichende Versorgung mit Vitamin D nicht so einfach und in den Wintermonaten quasi unmöglich ist, empfiehlt sich die Einnahme eines Vitamin-D-Präparats, idealerweise in Absprache mit dem Arzt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Mai 2017
Quellen: F.A. Brockhaus Gesundheit (Hrsg.): Der Brockhaus Gesundheit. F.A. Brockhaus Gesundheit, Leipzig 2006; Krankheitslehre iCare. Thieme, Stuttgart 2015; Lüllmann, H., Mohr, K., Hein, L.: Pharmakologie und Toxologie. Thieme, Stuttgart 2010; Online-Informationen der medweb24 GmbH: http://www.laborlexikon.de (Stand: Oktober 2009); Spinas, G.A., Fischli, S.: Endokrinologie und Stoffwechsel. Thieme, Stuttgart 2011

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