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Donnerstag, 22. Februar 2018
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Gerinnungsstörungen und Kinderwunsch

Gerinnungsstörungen und Kinderwunsch sind bei einigen Frauen eng miteinander verknüpft: Gerinnungsstörungen können die Ursachen für verschiedene Probleme sein, die dazu führen, dass der Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Urachen für Gerinnungsstörungen sind häufig das Fehlen von Blutgerinnungsfaktoren sowie die Faktor-V-Leiden-Mutation.

Gerinnungsstörungen und Kinderwunsch
Bei Gerinnungsstörungen hilft neben Medikamenten auch Venengymnastik - es spricht trotz Gerinnungsstörungen nichts gegen Kinderwunsch und Schwangerschaft
iStock/skynesher

Gleichzeitig können Gerinnungsstörungen zu einer Reihe von Komplikationen während der Schwangerschaft und nach der Geburt führen.

Gerinnungsstörungen des Blutes äußern sich in einer zu schwachen oder zu starken Blutgerinnung. Eine zu starke Blutgerinnung wird Hyperkoagulabilität genannt. Sie kann zu Gefäßverschlüssen (Thrombosen) führen. Die Neigung zur Entwicklung von Thrombosen wird Thrombophilie genannt. Ist die Blutgerinnung zu schwach, spricht man von einer Blutungsneigung (Diathese). Im Zusammenhang mit Kinderwunsch und Schwangerschaft tritt wesentlich häufiger die Gerinnungsstörung mit Thromboseneigung auf.

In Deutschland kommt die Gerinnungsstörung Faktor-V-Leiden-Mutation relativ häufig vor. Es handelt sich dabei um eine angeborene und vererbbare Neigung zu Thrombosen. Frauen mit Faktor-V-Leiden-Mutation haben ein etwa acht Mal höheres Risiko, eine Thrombose zu entwickeln.

Das Wichtigste über Gerinnungsstörungen auf einen Blick

  • Ursachen von Gerinnungsstörungen sind meist angeboren, zum Beispiel die Faktor-V-Leiden-Mutation oder Hämophilie A und B (betrifft fast ausschließlich Männer).
  • Die seltene erworbene Gerinnungsstörung wird durch bestimmte Medikamente oder Erkrankungen verursacht. Oft ist die Ursache aber auch unklar.
  • Schwangere neigen eher zu Gerinnungsstörungen, was vor allem den hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft geschuldet ist.
  • Eine Gerinnungsstörung kann Ursache von Fehlgeburten sein.
  • Medikamente gegen Gerinnungsstörung sind als "Blutverdünner" bekannt. Der wohl bekannteste, Marcumar, ist für Schwangere nicht geeignet. Heparin ist eine gute Alternative.
  • Hilfsmittel wie Kompressionsstrümpfe, das klassische "Beine hochlegen" und Bewegungsübungen können bei Gerinnungsstörungen entlastend wirken.

Gerinnungsstörungen und Kinderwunsch: mögliche Probleme

In der Schwangerschaft kommt es etwas häufiger als sonst zu Thrombosen. Dies wird zum einen durch hormonelle Veränderungen verursacht, zum anderen leiden einige Frauen unter angeborener oder erworbener Thrombophilie und haben deshalb eher eine Neigung zu Thrombosen. In der Schwangerschaft kann das Probleme wie beispielsweise Fehlgeburten verursachen. Todesfälle durch Thrombosen in der Schwangerschaft sind zwar extrem selten, kamen aber vor. Für Frauen mit Kinderwunsch, die bekanntermaßen unter Thrombophilie leiden, empfiehlt sich daher die frühzeitige Absprache mit dem Arzt. Zur Ursachenforschung bei mehrfachen Fehlgeburten gehört auch immer die Untersuchung auf Gerinnungsstörungen.

Kam es aufgrund einer Gerinnungsstörung bereits zu einer Fehlgeburt, spricht – unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle und mit entsprechenden Medikamenten – nichts gegen eine erneute Schwangerschaft.

Medikamente gegen Gerinnungsstörungen bei Kinderwunsch

Frauen mit Kinderwunsch, die Medikamente gegen Gerinnungsstörungen einnehmen, sollten frühzeitig mit ihrem Arzt darüber sprechen. Nicht alle Medikamente eignen sich für die Einnahme während einer Schwangerschaft. Natürlich sollten keinesfalls eigenmächtig Medikamente abgesetzt oder die Dosierung geändert werden.

Der Blutverdünner Cumarin (in Deutschland ist das Medikament Marcumar das bekannteste unter den Cumarinen) sollte von Frauen mit Kinderwunsch nicht gegen ihre Gerinnungsstörung eingenommen werden. Cumarin erreicht über die Plazenta auch das Kind und kann es schädigen. Möglich sind unter Cumarinen zum Beispiel Fehlbildungen, Blutungen während der Schwangerschaft oder Fehlgeburten. Für die Stillzeit eignet sich die Einnahme von Cumarinen ebenfalls nicht, da der Wirkstoff über die Muttermilch in den Organismus des Babys gelangt.

Häufig verschreiben Ärzte Frauen mit Kinderwunsch niedermolekulares Heparin gegen ihre Gerinnungsstörungen, welches täglich gespritzt werden muss. Heparin kann die Plazentaschranke nicht überwinden. Das bedeutet, der Wirkstoff geht nicht vom mütterlichen Blutkreislauf in den des Babys über. Nebenwirkungen von Heparin in der Schwangerschaft können in seltenen Fällen Osteoporose und Blutungen sein. Unter Heparin kann es in der Schwangerschaft ebenfalls zur Heparin-indizierten Thrombozytopenie (HIT) kommen, eine Gerinnungsstörung verursacht durch Heparin, bei der Betroffene eine erhöhte Blutungsneigung haben. Deshalb werden die Blutwerte bei Frauen, die Heparin spritzen, regelmäßig untersucht.

Die Behandlung der Gerinnungsstörung mit den geeigneten Medikamenten sollte wenn möglich schon beginnen, sobald der Kinderwunsch feststeht – im Idealfall bereits drei Monate vor Beginn der Schwangerschaft.

In den Tagen nach der Geburt ist das Risiko einer Thrombose generell sehr erhöht. Mütter mit Gerinnungsstörung werden daher mindestens in den ersten sechs Wochen nach der Geburt mit entsprechenden Medikamenten behandelt. Heparin eignet sich auch in der Stillzeit.

Gerinnungsstörungen und Kinderwunsch: was man selbst tun kann

Bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft, aber auch generell empfehlen sich Vorbeugemaßnahmen, die Menschen mit Gerinnungsstörungen selbst durchführen können:

  • Während langer Autofahrten oder im Flieger sollten Kompressionsstrümpfe getragen werden und nach Absprache mit dem Arzt eine medikamentöse Prophylaxe erfolgen.
  • Langes Sitzen wenn möglich immer wieder durch Aufstehen und Herumgehen unterbrechen.
  • Bewegungsübungen während langer Sitzzeiten können Gerinnungsstörungen ebenfalls positiv beeinflussen.
  • Zwischendurch und vor allem abends kann das Hochlegen der Beine die Venen entlasten.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 16. November 2017
Quellen: de Gruyter: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014. de Gruyter, Berlin 2015 Flögel, F.D.: Heparin in der Schwangerschaft bei Frauen mit und ohne Abort-Anamnese. VVB Laufersweiler Verlag, Giessen 2010 http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2010/7861/pdf/FloegelFriederike_201009_27.pdf (Abruf: März 2015) Harder, U.: Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause. Hippokrates, Stuttgart 2011

Beiträge im Forum "Kinderwunsch: Ich will schwanger werden - wer noch?"
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