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Polymorphe Lichtdermatose

Sonnenallergie – Spaßverderber im Urlaub

Autor: Maxi Christina Gohlke / Christian Fiala
Letzte Aktualisierung: 13. Juni 2018

Juckende, rötliche Hautflecken und Hitzepickel im Badeurlaub? Viele Kinder und Erwachsene bekommen von ungewohnt starker Sonneneinstrahlung eine Sonnenallergie. Welche Behandlung Ihnen oder Ihrem Kind jetzt hilft und was Sie vorbeugend tun können, damit Ihnen die Sonnenallergie den Urlaub nicht verdirbt.

Sonnencreme
Kinder und Erwachsene, die zu Sonnenallergie oder Mallorca-Akne neigen, sollten möglichst fettfreie Sonnencreme verwenden.
iStock/OJO Images

Die Sonnenallergie gehört zu den häufigsten Hautreaktionen überhaupt. Etwa 20 Prozent aller Menschen in Mitteleuropa leiden darunter. Besonders betroffen sind Mädchen und junge Frauen, Personen mit hellem Hauttyp, die nicht an die Sonne gewöhnt sind, und kleine Kinder. Sie bekommen bei plötzlicher Sonneneinstrahlung rötlich-entzündliche Hautstellen und juckenden Hautausschlag, und zwar genau dort, wo die UV-Strahlung die Haut am stärksten trifft: im Gesicht, am Dekolleté, an den Armen oder den Oberschenkeln. Mediziner sprechen dann von einer polymorphen Lichtdermatose (PLD). Sonnenentwöhnte Haut reagiert meist noch empfindlicher, daher ist das Auftreten in den frühen Sommermonaten oder im Urlaub oft stärker und verbessert sich langsam mit der Gewöhnung an die Sonne.

Eine Sonnenallergie ist zwar unangenehm, aber im Normalfall nicht wirklich gefährlich. Sobald man UV-Strahlung meidet, verschwindet der juckende Ausschlag meist innerhalb weniger Tage. Schade nur, dass der Urlaub dann vielleicht schon wieder vorbei ist. Deshalb ist es sinnvoll, die Haut von Kindern und anderen sonnenempfindlichen Personen schon vorher auf die Sonneneinstrahlung vorzubereiten.

In diesem Artikel lesen Sie:

Sonnenschutz für Baby und Kind

Wie kommt es zur Sonnenallergie?

Das Thema stellt Dermatologen noch vor viele Rätsel. Die genaue Ursache für Sonnenallergie, Mallorca-Akne und andere Lichtdermatosen ist noch nicht endgültig geklärt. Sicher ist aber, dass es sich nicht um eine Allergie "auf die Sonne" im eigentlichen Sinn handelt, sondern vielmehr um eine durch verschiedene Faktoren begünstigte Überempfindlichkeit.

Normalerweise schützt sich unsere Haut durch den Hautfarbstoff Melanin vor zu viel UV-Strahlung und damit vor möglichen Hautschäden. Diese Pigmentierung sorgt dafür, dass wir braun werden. Sie ist auch der Grund dafür, dass dunkle Hauttypen mehr Sonne vertragen als helle. Kinder haben generell noch weniger Pigmente, genau wie Erwachsene mit blassem, zu Rötungen neigendem Teint. Deshalb gelingt es ihrer Haut nicht, sich ausreichend zu schützen und daher reagieren sie auf starke Sonneneinstrahlung mit teilweise heftigen Entzündungszeichen.

Typische Symptome der Sonnenallergie: Rötung, Juckreiz, Pickel

Unter Einwirkung von starker UV-Strahlung reagiert die Haut deutlich sichtbar mit Rötungen, Schwellungen, Pusteln oder Pickelchen. Häufig kommt ein starker Juckreiz an den betroffenen Stellen hinzu. Die Hautveränderungen treten meist einige Stunden bis wenige Tage nach der Sonnenexposition auf, meist an den Hautstellen, auf die die Sonne direkt scheint, und verschwinden im Normalfall auch ohne Behandlung nach ein paar Tagen Sonnenkarenz wieder.

Die häufigsten Symptome einer Sonnenallergie auf einen Blick:

  • fleckige Hautrötungen (Erytheme)
  • rötliche Schwellungen
  • Bläschen (Papeln), Knötchen oder Blasen
  • Juckreiz und Brennen der Haut

Man unterscheidet verschiedene Typen:

  • den papulösen Typ mit kleinen, flächig verteilten Knötchen
  • den Plaques-Typ mit größerfleckigen Hautrötungen, der besonders häufig bei Kindern auftritt und
  • den vesikulobullösen Typ mit nesselartigen Quaddeln.

Sofern die Sonnenallergie erneut auftritt, äußert sie sich meist mit den gleichen Symptomen und an denselben Hautstellen.

Sonderformen der Lichtdermatose

Neben der typischen Sonnenallergie gibt es noch verschiedene andere Formen von UV-Licht-bedingten Dermatosen. Die häufigste ist die Mallorca-Akne.

Mallorca-Akne – ausgelöst durch Fett und Sonne

Eine Mallorca-Akne entsteht, wenn das UV-Licht der Sonne mit fetthaltigen Substanzen reagiert. Sie kann durch fetthaltige Inhaltsstoffe in Pflegeprodukten oder in der Sonnencreme ebenso ausgelöst werden wie durch das körpereigene Hautfett, den Talg. Besonders betroffen sind junge Mädchen mit überschießender Fettproduktion während der Pubertät, der sogenannte seborrhoische Hauttyp mit zu Akne neigender Haut. Eine Mallorca-Akne äußert sich mit ähnlichen Symptomen wie eine Sonnenallergie, insbesondere mit akneartigen Knötchen im Dekolleté. Hilfreich ist, neben dem Meiden der Sonne, ein Verzicht auf fetthaltige Sonnencreme.

Häufig bei Kindern: Wiesengräserdermatitis

Eine phototoxische Hautreaktion auf Gräser, auch Wiesengräserdermatitis genannt, tritt vor allem bei Kindern nach dem Spielen im Garten oder auf Wiesen bei gleichzeitiger starker UV-Strahlung im Sommer auf. Dabei werden bestimmte Stoffe durch das Sonnenlicht chemisch verändert und können dann zu einer starken, sonnenbrandähnlichen Hautreaktion führen. In erster Linie sind bestimmte Pflanzen (Reisenbärenklau, Schierling, Petersilie, Sellerie) der Auslöser, manchmal auch Klee. Symptome sind juckende, nesselsuchtartige Brandblasen an den Kontaktstellen einige Stunden nach dem Spielen im Gras. Manchmal kann man auch Striemen erkennen, die die Gräser auf der Haut hinterlassen haben.

Medikamente als Auslöser einer Lichtdermatose

Eine phototoxische Lichtdermatose kann auch durch manche Medikamente in Verbindung mit Sonneneinstrahlung ausgelöst werden. In erster Linie sind hier bestimmte Antibiotika zu nennen, die dann vorübergehend zu einer Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht führen. Sobald die Behandlung mit dem Medikament beendet ist, verschwindet auch die Hautreaktion. Bis dahin sollte die Sonne gemieden werden.

Gefährlich, aber zum Glück sehr selten: Lichturtikaria

Bei einer Lichturtikaria reagieren Betroffene auf Sonnenlicht sofort mit sehr starken Hautreaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock. Die Lichturtikaria ist glücklicherweise extrem selten, gehört aber in jedem Fall in die Hände eines erfahrenen Dermatologen.

Therapie: Was hilft bei Sonnenallergie?

Eine typische Sonnenallergie kann man sowohl bei Erwachsenen wie auch bei Kindern gut selber behandeln. Im akuten Fall sind die folgenden Erste Hilfe-Maßnahmen empfehlenswert:

  • Raus aus der Sonne: Erste und wichtigste Maßnahme bei Sonnenallergie ist immer, Sonneneinstrahlung in den nächsten Tagen zu meiden und betroffene Hautstellen abzudecken.

  • Kühlen: Bewährte Sofortmaßnahme bei Sonnenallergie ist die Kühlung der betroffenen Hautstellen mit feuchten Baumwolltüchern oder auch einer kalten Dusche. Aber bitte keine Eis direkt auf die Haut geben, sonst drohen Gewebeschäden.

  • Juckreiz stillen: Juckreizstillende Cremes oder Gels, eventuell mit einem leichten Hydrocortison-Anteil, kühlen die Haut, wirken beruhigend und helfen gegen den Juckreiz. Man bekommt sie rezeptfrei in der Apotheke.

Starke Sonnenallergie bei Kindern – lieber zum Arzt

Sonnenallergie kann im akuten Stadium lediglich symptomatisch behandelt werden. Bei starken Beschwerden sollte man den Arzt aufsuchen, auch wenn kleine Kinder stark unter Sonnenallergie leiden. Häufig werden bei entsprechendem Befund kortisonhaltige Präparate verabreicht, die die entzündliche Haut meist schnell wieder beruhigen.

Die besten Hausmittel bei Sonnenallergie

  • Quarkauflagen oder Quarkwickel sind ein bewährtes Hausmittel bei Sonnenallergie und helfen auch gegen Sonnenbrand.

  • Aloe-vera-Gel kühlt und beruhigt die gestresste Haut.

  • Homöpathie bei Sonnenallergie: Es kommen die homoöpathischen Mittel Natrium chloratum, Rhus toxicodendron oder Staphisagria zur Anwendung.

  • Bei Mallorca-Akne sind Pulsatilla und Natrium chloratum das Mittel der Wahl.

Wie kann man Sonnenallergie vorbeugen?

Damit Sie und Ihre Lieben den Sommer und den Badeurlaub unbeschwert genießen können, sollten Sie bereits vorbeugend Maßnahmen ergreifen, um die Sonnenallergie zu verhindern oder zumindest abzumildern. Wichtig ist bei sonnenempfindlichen Personen und bei kleinen Kindern sowieso ein geeigneter Sonnenschutz.

Welche Sonnencreme bei Sonnenallergie?

Bei Sonnenallergie ist es sinnvoll, in hochwertige Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor und Breitbandfilter zu investieren, selbst wenn diese etwas teurer sind. Fettfreie Sonnencremes wie Lotions oder Gels helfen, Mallorca-Akne wie auch sonnenallergische Hautreaktionen zu vermeiden. Bei Kindern unter drei Jahren sollten Sie zusätzlich auf einen physikalischen Sonnenfilter achten, da ihre Leber chemische Stoffe, die über die Haut in den Körper gelangen, noch nicht abbauen kann. Am besten lassen Sie sich in einer Apotheke beraten.

Starke Sonneneinstrahlung meiden

Die effektivste Vorbeugung ist, starke direkte Sonneneinstrahlung weitgehend zu verhindern. Empfindliche Personen und Kinder sollten die Mittagssonne möglichst meiden. Die Haut kann durch leichte langärmelige Kleidung geschützt werden. Sonnenhut dabei nicht vergessen!

Haut langsam an die Sonne gewöhnen

Vor einem geplanten Urlaub oder generell im Frühjahr sollte man die Haut langsam und vorsichtig wieder an die Sonne gewöhnen. Am besten beginnt man mit kurzer Sonneneinstrahlung und entsprechendem Schutz in den Vormittags-und Abendstunden. Die Sonnenbäder kann man dann langsam ausdehnen.

Haut mit Schüssler Salzen vorbereiten

Eine Kur mit Schüssler Salzen kann die Haut schon ein paar Wochen vor einem geplanten Urlaub auf Sonneneinstrahlung vorbereiten. Nehmen Sie eine Kombination aus den folgenden Salzen ein, dreimal täglich drei Tabletten von jedem Salz:

  • Schüssler Salz Nr. 3 Ferrum phosphoricum stärkt das Immunsystem.
  • Schüssler Salz Nr. 6 Kalium sulfuricum repariert Hautschäden.
  • Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum reguliert den Flüssigkeitshaushalt.
  • Schüssler Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum wirkt entzündungshemmend.

Beginnen Sie drei Wochen vor dem Urlaub und nehmen Sie die Salze auch währenddessen weiter.

Phototherapie kann bei extremen Fällen helfen

Bei wirklich extremer Lichtdermatose gibt es die Möglichkeit, in den sonnenarmen Monaten mit regelmäßiger, niedrig dosierter UVA-Bestrahlung dem Entwöhnungsprozess entgegengewirkt werden, der die Haut über den Winter wieder empfindlicher macht. Man bezeichnet diese Prophylaxe als "Psoralene mit UV-A" oder kurz PUVA. Allerdings sollte so eine Lichtprophylaxe immer unter fachärztlicher Aufsicht und niemals eigenmächtig im Solarium durchgeführt werden, um Hautschäden durch UV-Strahlung zu vermeiden.

Häufig hilft abwarten

Bei vielen kleinen und großen Sonnenallergie-Patienten ist die Zeit der beste Helfer. Im Laufe der Jahre wird die Haut immer unempfindlicher und reagiert nicht mehr so stark auf die Sonne. Bei den meisten Betroffenen verschwinden sowohl Sonnenallergie wie auch Mallorca-Akne irgendwann ganz von alleine.

Sonnenstich: Was tun?
Autor: Maxi Christina Gohlke / Christian Fiala
Letzte Aktualisierung: 13. Juni 2018
Quellen
Beiträge im Forum "Babyernährung"
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