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RS-Virus - Auslöser von Atemwegserkrankungen bei Baby und Kleinkind

RS-Virus - Auslöser von Atemwegserkrankungen bei Baby und Kleinkind
Das RS-Virus verursacht vor allem bei Baby und Kleinkind Atemwegserkrankungen - häufig treten dabei auch Abgeschlagenheit und Fieber auf
iStock/Aynur_sib

Das RS-Virus (Respiratorisches Synzytial-Virus, RSV) verursacht Atemwegsinfektionen, von denen vor allem Babys und Kleinkinder betroffen sind. Man geht davon aus, dass nahezu alle Kinder bis zu ihrem zweiten Lebensjahr eine RSV-Infektion durchgemacht haben.

Das RS-Virus (RSV) kommt auf der ganzen Welt vor und ist einer der häufigsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Babys und Kleinkindern. Auch Erwachsene können sich mit RSV infizieren. In unseren Breitengraden liegt die Haupterkrankungszeit in den Wintermonaten bis ins Frühjahr hinein, etwa von November bis April. Im Januar und Februar treten die meisten Erkrankungen auf, ähnlich der Grippe (Influenza). Vereinzelte Infektionen in den Sommermonaten gibt es aber auch.

Die Bedeutung von RSV als Verursacher von Atemwegsinfektionen ist nicht unerheblich: Man geht davon aus, dass nahezu alle Babys und Kleinkinder bis zu ihrem zweiten Lebensjahr mindestens ein Mal am RS-Virus erkrankt sind. Eine einmal durchgemachte Infektion gewährt keinen Schutz vor RSV – man kann immer wieder daran erkranken, sogar innerhalb einer "Saison".

Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion

Das RS-Virus wird per Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Nasensekret) übertragen. Auch eine Schmierinfektion ist möglich, zum Beispiel über gemeinsam benutzte Gegenstände, Spielzeug, Türklinken, Wasserhähne. Auf Händen kann das RS-Virus bis zu 20 Minuten infektiös bleiben, auf Gegenständen bis zu mehrere Stunden. Eine besonders gute Hygiene und ausreichendes Lüften ist während der Erkrankungszeit also wichtig, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

Eine RSV-Infektion kann ohne Beschwerden verlaufen und damit nicht bemerkt werden. Das ist häufig bei Erwachsenen der Fall. Auch, wenn keine Symptome auftreten, sind infizierte Personen während dieser Zeit trotzdem unwissend ansteckend, was einer der Gründe für die relativ weite Verbreitung des RS-Virus sein dürfte.

Wie lange ist das RS-Virus ansteckend?

Nach der Ansteckung mit dem RSV dauert es zwischen zwei und acht Tagen, bis die Erkrankung ausbricht (Inkubationszeit) und sich Symptome zeigen. Bereits ab etwa einem Tag nach der Ansteckung kann das RS-Virus jedoch weiter verbreitet werden, etwa über Speichel. In der Regel beträgt die Dauer der Ansteckungsfähigkeit drei bis acht Tage. Frühgeborene, Neugeborene oder Personen mit einem nicht intakten Immunsystem können das RS-Virus noch weit darüber hinaus ausscheiden – bis zu mehrere Monate lang.

Symptome des RS-Virus

Die Symptome des RSV gleichen denen einer Erkältung oder Atemwegserkrankung. Auftreten können:

Hat sich der Körper zum ersten Mal mit dem RS-Virus infiziert, zeigen sich die genannten Symptome deutlich. Es geht meist mit Schnupfen, Halskratzen und Husten ohne Auswurf los, eventuell mit Fieber. Nach ein bis drei Tagen können auch die unteren Atemwege (Bronchien) betroffen sein, der Husten wird stärker und es zeigt sich Auswurf. Bei ansonsten gesunden Erwachsenen sind die Symptome der RSV-Infektion meist mild bis beschwerdefrei.

Frühchen und Kinder mit Vorerkrankungen der Atemwege sowie generell Personen mit Vorerkrankungen des Herzens oder der Lunge oder einem schwächeren Immunsystem haben ein gewisses Risiko, einen schweren Verlauf zu entwickeln. Dazu gehören vor allem Empfänger von Organtransplantaten. Bei ihnen kann sich aufgrund des medikamentös unterdrückten Immunsystems durch das RS-Virus eine schwere Lungenentzündung entwickeln.

Bei Personen mit Vorerkrankungen des Herzens oder der Atemwege (zum Beispiel Asthma) kommt es durch das RS-Virus häufig zu einer Verschlechterung dieser Vorerkrankung.

Diagnose

Um ein RS-Virus sicher diagnostizieren zu können, ist ein Abstrich des Erregers aus dem Nasenrachensekret notwendig. Dieser wird dann im Labor untersucht.

Behandlung des RS-Virus

Normalerweise klingen RSV-Infektionen innerhalb weniger Tage von allein wieder ab, sodass die Behandlung in der Linderung der Symptome besteht. Eine Therapie mit dem Virustatikum Ribavirin wird heute eigentlich nicht mehr empfohlen, weil die Wirksamkeit in Studien nicht ausreichend belegt werden konnte. Auch Kortison – früher genau wie Ribavirin per Inhalation verabreicht – wird nicht mehr gegeben. Manche Ärzte verordnen das entzündungshemmende Kortison zur Linderung der akuten Symptome. Die systemische Anwendung von Kortison bei RSV kommt aber nicht mehr so häufig zur Anwendung.

Antibiotika sind gegen das RS-Virus unwirksam, da sie nur gegen Bakterien helfen. Eine Superinfektion, also eine zusätzliche Infektion mit Bakterien, kommt beim RS-Virus eher selten vor.

Behandlung des RS-Virus bei Baby und Kind

Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit sich der Schleim besser lösen kann. Wenn Sie stillen, versuchen Sie, Ihr Baby weiterhin regelmäßig zu stillen. Ihr Arzt wird Ihrem Kind eventuell ein Nasenspray verschreiben. Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich der Zustand Ihres Babys verschlechtert, zögern Sie nicht, wieder den Arzt aufzusuchen. Manchmal ist bei Babys und Kindern auch eine Atemunterstützung in Form von Sauerstoff oder Beatmung notwendig. Das gilt besonders für Frühchen und Kinder mit einer Vorerkrankung oder geschwächten Immunabwehr.

RS-Virus: Langzeitfolgen

Üblicherweise verläuft eine Infektion mit dem RS-Virus bei ansonsten gesunden Menschen ohne Folgeschäden: Die akuten Beschwerden geben sich nach spätestens ein bis zwei Wochen wieder. Das Gewebe in den Bronchien hat sich innerhalb von vier bis acht Wochen nach dem Beginn der Erkrankung wieder vollständig erholt. Bei schweren Verläufen kann die Regenerationszeit entsprechend länger dauern.

Vorbeugen: Hygiene ist wichtig

Neugeborene Babys haben unter Umständen in ihren ersten vier bis sechs Lebenswochen einen gewissen "Nestschutz" über plazentar übertragene Antikörper. Diesen Schutz haben Frühchen in der Regel nicht, weil sie ungenügend mit den mütterlichen Antikörpern versorgt wurden. Deshalb verlaufen die Erkrankungen Frühgeborener eher schwer als die Reifgeborener.

Um einer Ansteckung mit dem RS-Virus vorzubeugen, sollte auf einen hygienischen Umgang – besonders in der RSV-Saison in den Wintermonaten – geachtet werden:

  • regelmäßiges Händewaschen
  • regelmäßiges Reinigen von Türgriffen, Spielzeug, etc.
  • häufiges Lüften

Gibt es eine Impfung gegen das RS-Virus?

Bislang gibt es keine Impfung gegen das RS-Virus. Für besonders gefährdete Babys und Kleinkinder (Frühgeburten, chronische Lungenerkrankungen, Herzfehler, Immundefekte, bestimmte Chromosomenstörungen) steht eine sogenannte passive Immunisierung bereit: Dabei erfolgt eine Impfung mit speziellen Antikörpern (Palivizumab), die für das RS-Virus lebenswichtiges Protein bekämpfen. Konkret bindet Palivizumab ein Protein, welches das Virus benötigt, um in Zellen eindringen zu können. Es wird eine Immunisierung während der RSV-Saison zwischen November und April empfohlen. Die Impfung erfolgt während dieser Zeit monatlich und ist nach der zweiten Dosis wirksam.

In den Zulassungsstudien für den Impfstoff hat sich gezeigt, dass die Schwere und Dauer der Erkrankung bei den geimpften Kindern im Vergleich zu ungeimpften Kindern geringer war, die Infektion selbst wird aber nicht verhindert.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 30. August 2017
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektologie, Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie: Leitlinie zur Prophylaxe von schweren Erkrankungen durch Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Risikokindern. AWMF-Leitlinie-Nr. 048-012 (Stand: Oktober 2012); Robert Koch Institut: Respiratorische Synzytial-Virus-Infektionen (RSV). www.rki.de (Stand: Januar 2015)

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