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Symptome und Schutz

Herpes beim Baby: Wie gefährlich ist das Virus für die Kleinsten?

Rund 90 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind mit Herpes-simplex-Viren infiziert. Für die meisten von ihnen ist das ein rein kosmetisches Problem. Steckt sich jedoch ein Neugeborenes mit Herpes an, kann dies lebensgefährlich werden. Hier erfährst du, welche Folgen eine Herpes-Infektion für dein Baby haben kann und wie du es vor einer Ansteckung schützen kannst.

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© GettyImages/F.J. Jimenez

Kurzübersicht: Herpes beim Baby

Was passiert, wenn ein Baby Herpes bekommt? Bei Neugeborenen kann eine Herpesinfektion in manchen Fällen schwere Folgen wie eine Gehirnhautentzündung oder Blutvergiftung haben.

Wie bemerke ich eine Herpesinfektion beim Baby? Die typischen Herpesbläschen auf der Haut und Schleimhaut treten bei Babys nicht immer auf. Stattdessen können Trinkverweigerung, Teilnahmslosigkeit, erhöhte Temperatur und Krampfanfälle Warnzeichen sein.

Wie kann ich einer Herpesinfektion beim Baby vorbeugen? Wer an akutem Lippenherpes leidet, sollte sein Baby nicht küssen und vorsichtshalber einen Mundschutz tragen. Auch die Hände sollten vor dem Kontakt mit dem Kind desinfiziert werden. Schwangere mit Genitalherpes sollten sich an ihre gynäkologische Praxis wenden, damit bei der Geburt Vorkehrungen getroffen werden.

Fachleute unterscheiden zwei verschiedene Typen des Herpes-simplex-Virus (HSV):

  • HSV Typ 1 verursacht hauptsächlich Lippenherpes (Herpes labialis).
  • HSV Typ 2 betrifft vor allem den Intimbereich (Herpes genitalis).

Theoretisch kann ein HSV Typ 1 jedoch auch einen Genitalherpes auslösen und umgekehrt. Während das Herpes-simplex-Virus vom Typ 1 vor allem in der Zeit kurz nach der Geburt etwa über Küssen durch die Angehörigen auf das Neugeborene übertragen wird, stellt Typ 2 vor und während der Geburt eine Gefahr für das Baby dar. Da das Immunsystem von Neugeborenen noch nicht ausgereift ist, können Herpesviren bei einem Baby großen Schaden anrichten.

Inhalt dieses Artikels:

Ausschlag bei Babys und Kindern: Was steckt dahinter?

Was ist Herpes?

Verbreitet ist vor allem das Herpes-simplex-Virus Typ 1. Etwa neun von zehn Erwachsenen in Deutschland sind damit infiziert – und bleiben es auch, denn eine Infektion besteht ein Leben lang. Die Erstinfektion bleibt häufig beschwerdefrei. Die Viren im Körper bleiben inaktiv, solange sie vom Immunsystem in Schach gehalten werden.

Erst, wenn die Immunabwehr aufgrund von Infektionskrankheiten, psychischen Belastungen, Medikamenten oder hormoneller Umstellung wie in der Schwangerschaft geschwächt ist, vermehren sich die Viren und führen zu Symptomen wie

  • Spannungsgefühlen und Kribbeln sowie
  • Bläschen an den Lippen oder anderen Körperstellen.

Bei 20 bis 30 Prozent der Virusträger*innen treten nie Krankheitszeichen auf.

Herpes-simplex-Virus 2: Genitalherpes

Etwa zehn bis 15 von 100 Personen tragen Viren des Typs HSV 2 in sich. Mögliche Symptome eines akuten Genitalherpes sind:

  • schmerzhaft entzündete Haut im Intimbereich
  • kleine Bläschen, die einreißen, nässen und verkrusten können
  • Jucken und Brennen der Haut im Genitalbereich
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Fieber

Allerdings bemerken 90 von 100 Menschen mit dem Virus keine oder kaum Symptome. Die Infektion selbst kann bereits Monate oder Jahre zurückliegen, wenn die Krankheit erstmals ausbricht. Es kann nach Abheilen der Symptome immer wieder zu Ausbrüchen kommen, die dann aber häufig milder verlaufen.

Herpes: Übertragung auf das Baby

  • In etwa 85 Prozent der Fälle erfolgt die Übertragung der Herpesviren auf das Baby während der Geburt.
  • In zehn Prozent der Fälle stecken sich Babys nach der Geburt mit einem Lippenherpes an.
  • Nur fünf Prozent der infizierten Babys stecken sich schon vor der Geburt über das Fruchtwasser oder die Plazenta an.

Infektion des Babys mit Lippenherpes

Beim Lippenherpes besteht eine Gefahr für das Baby vor allem dann, wenn bei einem Elternteil akut Bläschen am Mund auftreten. Platzen diese auf, ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. Küsst also eine Mutter oder ein Vater mit Lippenherpes das Baby, kann sich das Kind dabei infizieren. Auch eine Schmierinfektion über die Hände ist möglich. Besteht kein akuter Schub, ist die Gefahr einer Ansteckung sehr gering.

Infiziert sich eine Schwangere neu mit Herpes, kann sich das Baby in sehr seltenen Fällen auch über den Mutterkuchen anstecken.

Ansteckung des Babys mit Genitalherpes

Babys können sich während der Geburt beim Durchtritt durch die Geburtswege bei der Mutter mit Genitalherpes anstecken, wenn diese primär infiziert ist und noch keine Antikörper gebildet hat. Primär infiziert bedeutet, dass die Mutter zum ersten Mal einen Krankheitsausbruch durch das Virus erlebt.

In seltenen Fällen steigt das Virus in der Schwangerschaft in die Gebärmutter auf und infiziert das Baby nach dem Blasensprung bereits im Mutterleib. Kommt es bei der Geburt zur Infektion des Neugeborenen, erkrankt dieses in 30 Prozent der Fälle, wenn es nicht sofort mit einem antiviralen Medikament behandelt wird. Auch beim Genitalherpes ist theoretisch eine Ansteckung über den Mutterkuchen möglich, wenn sich die Mutter in der Schwangerschaft infiziert.

Wie gefährlich sind Herpesviren für mein Baby?

Für Menschen mit einer ausgeprägten Immunschwäche ist die Herpes-Infektion eine Gefahr. Dazu gehören auch Neugeborene und Säuglinge. Wenn das Immunsystem nicht Herr über das Virus wird, kann sich die Infektion auf verschiedene Organe ausbreiten und teils irreparable bis lebensbedrohliche Schäden verursachen.

Wie gefährlich eine Herpesinfektion für ein Baby ist, hängt vor allem vom Alter des Säuglings und der Verlaufsform ab. Auch, wie lange die Mutter bereits infiziert ist, spielt eine gewisse Rolle: Hat sie die Herpesinfektion bereits länger, bekommt das Baby von ihr einen gewissen Nestschutz mit. Eine hundertprozentige Sicherheit bietet dieser allerdings nicht.

Infiziert sie sich allerdings erstmals gegen Ende der Schwangerschaft, hat sie noch keine Antikörper gebildet, die auf das Kind übergehen können. Im schlimmsten Fall führt eine Infektion beim Neugeborenen zu einer Gehirnhautentzündung oder Blutvergiftung und dann möglicherweise zum Tod.

Herpes beim Baby: Diese Symptome sind typisch

Die Herpessymptome beim Baby beginnen in der Regel etwa eine Woche nach der Infektion. Nicht immer treten bei der Erkrankung die typischen Herpesbläschen auf. Fachleute unterscheiden drei verschiedene Verlaufsformen, die etwa gleich häufig auftreten und unterschiedliche Symptome und Gefahren mit sich bringen.

1. Befall von Haut, Schleimhaut und Augen

Bei der ersten Verlaufsform sind vor allem Haut, Schleimhäute und Augen betroffen. Es bilden sich Bläschen auf den betroffenen Stellen, außerdem kann sich eine Bindehautentzündung entwickeln. Aufgrund von schmerzhaften Bläschen auf der Mundschleimhaut ist es möglich, dass der Säugling die Nahrungsaufnahme verweigert.

Die größte Gefahr bei dieser Verlaufsform besteht darin, dass die Sehfähigkeit dauerhaft beeinträchtigt wird und das Baby im schlimmsten Fall erblindet.

2. Befall des zentralen Nervensystems: gefährliche Herpes-Enzephalitis

Bei der zweiten Verlaufsform befällt das Virus das zentrale Nervensystem. Eine Gehirnhautentzündung ist die Folge. Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen. Alarmsignale sind:

  • Teilnahmslosigkeit
  • Nahrungsverweigerung
  • Krampfanfälle
  • Fieber
  • manchmal Herpesbläschen auf der Haut

Die Sterblichkeitsrate liegt bei 50 bis 80 Prozent. Bei den überlebenden Kindern sind bleibende neurologische Schäden möglich.

3. Befall der Organe: systemische Herpes-Infektion

Befällt das Herpesvirus zentrale Organe wie Herz, Lunge und Leber, ist eine Blutvergiftung die Folge. Der Säugling kann im schlimmsten Fall an Multiorganversagen sterben.

Warnzeichen sind:

  • hohes Fieber oder bei Frühgeborenen auch Unterkühlung
  • erschwerte Atmung
  • Krampfanfälle
  • verlangsamte Bewegungen
  • Nahrungsverweigerung
  • Erbrechen und/oder Durchfall

Wie lange ist Herpes gefährlich für Babys?

Besonders gefährdet sind Frühgeborene und Neugeborene in den ersten drei Lebensmonaten. Etwa ab dem vierten Lebensmonat nimmt die Gefahr durch eine Herpesinfektion ab. Dann ist eine Ansteckung zwar möglich, die Folgen sind jedoch in aller Regel nicht mehr so gravierend.

Im Laufe der ersten beiden Lebensjahre sind rund 80 Prozent der Kinder bereits mit dem Herpesvirus in Kontakt gekommen. Das Immunsystem ist in diesem Alter besser gegen das Virus gerüstet. Während einige Kleinkinder bei einer Infektion keine Symptome entwickeln, können andere im Alter von einem bis drei Jahren die sogenannte „Mundfäule“ bekommen. Diese Kinder entwickeln hohes Fieber und schmerzhafte Bläschen auf der Mund- und Rachenschleimhaut. Sie verweigern daher oft das Essen. Nach etwa fünf bis sieben Tagen heilt die Erkrankung aus. Ältere Kinder entwickeln schließlich ähnliche Symptome wie Erwachsene.

Herpes beim Baby: Wie kann ich einer Ansteckung vorbeugen?

Ist ein genitaler Herpes bei der Mutter bekannt, sollte sie dies unbedingt der*dem behandelnden Frauenärztin*Frauenarzt mitteilen. Unter Umständen ist eine antivirale Behandlung nötig. Bei einem akuten Ausbruch ist wahrscheinlich die Geburt per Kaiserschnitt sinnvoll.

Es ist wichtig, dass Menschen mit einer akuten Herpes-Infektion den Kontakt zu Neugeborenen meiden.

Leidet die Mutter, der Vater oder eine andere enge Bezugsperson akut an Lippenherpes, sollte sie*er

  • einen Mundschutz tragen,
  • die Hände vor jedem Kontakt mit dem Baby desinfizieren und
  • das Baby in dieser Zeit nicht küssen.

Stillen darf die Mutter ihr Kind jedoch weiterhin, sofern die Brustwarzen nicht betroffen sind. Ist die akute Erkrankung ausgeheilt, ist wieder ein normaler Kontakt zwischen Eltern und Kind möglich.

Was tun, wenn das Baby Herpes hat?

Hatte ein Neugeborenes Kontakt zu einer Person mit akuten Herpessymptomen, sollten die Eltern ihr Kind in den nächsten Wochen aufmerksam beobachten. Bei Krankheitsanzeichen wie Teilnahmslosigkeit, erhöhter Temperatur oder Trinkschwäche solltest du sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Beim Verdacht auf eine Herpesinfektion ist meist eine Aufnahme auf der Intensivstation nötig, dort bekommt das Kind antivirale Medikamente. Im Zweifel sollten Eltern gerade bei Neugeborenen immer ärztlichen Rat einholen.

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