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Bonding beim Baby: Eltern-Kind-Bindung nach der Geburt

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2019

Forscher gehen davon aus, dass gerade die ersten Augenblicke nach der Geburt für die Entwicklung einer intensiven Eltern-Kind-Bindung prägend sind. Als „Bonding“ wird der Prozess bezeichnet, bei dem dieses einzigartige, emotionale Band entsteht.

Bonding beim Baby: Eltern-Kind-Bindung nach der Geburt stärken
Ein möglichst früher Hautkontakt fördert das Bonding in den ersten Lebensminuten
© iStock.com/IvanJekic

Was ist Bonding?

„Bonding“ ist ein Begriff, der die Verbindung zwischen Eltern und Baby auf emotionaler Ebene beschreibt. Für das Baby ist die Geburt ein einschneidendes Erlebnis, das es verarbeiten und von dessen Stress es sich erholen muss. Sobald das Kind auf die Welt kommt, sehnt es sich nach Wärme und Geborgenheit. Beim Bonding werden diese Bedürfnisse in der sensiblen Phase der ersten Kontaktaufnahme erfüllt.

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Bedeutung von Bonding für Eltern und Kind

So früh wie möglich soll das Baby ein Gefühl der Sicherheit bekommen und dadurch ein Urvertrauen zu den Eltern entwickeln. Dem Neugeborenen Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu schenken, stellt die Weichen für das Miteinander der nächsten Lebensjahre.

Bonding-Technik: So entsteht das erste Band

Eine intensive Verbindung wird vor allem durch Körperkontakt geschaffen – durch Streicheln, Halten und Wiegen. Eltern wird deshalb empfohlen, das Baby nach der Entbindung auf die nackte Brust zu legen und es dort dem vertrauten Herzschlag lauschen zu lassen. Auch Kommunikation ist für das Bonding sehr wichtig: Mütter und Väter sollten mit dem Baby sprechen, denn die Stimmen sind dem Kind bereits aus dem Mutterleib bekannt. Das Erfüllen von anderen Bedürfnissen kann ebenfalls eine Rolle spielen – so zum Beispiel das erste Stillen im Kreißsaal. Der unmittelbare Haut-zu-Haut-Kontakt nach der Geburt fördert die Fähigkeit, dass das Neugeborene selbstständig die Brustwarze findet und so den Zeitpunkt des Stillbeginns bestimmt (diese Fähigkeit wird als "Breast Crawl: Wenn das Baby selbst die Brust sucht" bezeichnet).

Viele Kliniken schaffen in der ersten Lebensstunde spezielle Bedingungen für Ruhe und Intimität, um frisch gebackenen Familien ein ungestörtes Bonding zu ermöglichen. Eltern sollten die intensiven Momente mit ihrem Kind genießen: Sie sind wunderschön und einmalig – schließlich ist nun eine neue Familie geboren!

Einige Frauen berichten übrigens davon, dass das sogenannte „Rooming-in“ im Anschluss der Geburt beim Bonding eine Hilfe war. Hierbei werden Mutter und Kind (möglicherweise auch mit Vater im Familienzimmer) in einem gemeinsamen Klinikzimmer untergebracht. Die Mutter kümmert sich 24 Stunden lang um ihr Kind und wird von Hebammen und Krankenschwestern dabei unterstützt – je nach Krankenhaus weichen die Konzepte voneinander ab. Ob „Rooming-in“ in Anspruch genommen wird, sollte nach der individuellen Situation entschieden werden. Denn für Mütter könnte es auch entlastend sein, wenn das Baby Zeit im Säuglingszimmer verbringt.

Bonding-Tuch oder -Top für den Haut-zu-Haut-Kontakt

Eltern können sogenannte Bonding-Tücher oder -Tops erwerben. Ein solches Bauchband wird von der Mutter übergezogen, das Baby darin eingepackt und davon sicher festgehalten. Bonding-Tücher sind nicht zwingend notwendig, können gegebenenfalls aber nützlich sein. Besteht der Wunsch, sollten werdende Mütter vor dem Kauf mit der Klinik besprechen, ob das Tuch verwendet werden darf oder es sogar vom Krankenhaus selbst ausgehändigt wird.

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Bonding nach Kaiserschnitt

Frauen, die von der Bedeutung des Bondings gehört haben und per Kaiserschnitt entbinden, sorgen sich häufig. Sie haben Angst davor, dass sie in den wichtigen Momenten nicht für ihr Kind da sein können. Es besteht allerdings kein Anlass für Schuldgefühle: Ist die Mutter nach der Geburt nicht dazu in der Lage, mit dem Kind erste Bande zu knüpfen, können auch andere Personen – allen voran der Vater – dem Kind Zuneigung geben. Sobald die Mutter wieder wohlauf ist, kommt das Kind zu ihr. Dies gilt natürlich nicht nur für den Kaiserschnitt, sondern auch wenn während der Geburt Komplikationen auftreten und die Mutter medizinisch versorgt werden muss.

Bonding beim Baby durch den Vater

Wenn Väter das Bonding nach der Geburt übernehmen, legen sie sich das Neugeborene auf die nackte Brust. Durch Körperkontakt und Kommunikation findet das Bonding statt. Das Baby kann den Vater bereits jetzt von anderen Personen unterscheiden: Seine Stimme hat es im Mutterleib gehört und erkennt diese nun tatsächlich wieder. Väter können sich mit dem Kind auch ganz nah an den Kopf der Mutter heransetzen, um so die ersten gemeinsamen Momente zu dritt zu genießen.

Fehlendes Bonding: Lässt sich Bonding nachholen?

Zwar heißt es, besonders die ersten Momente nach der Geburt seien prägend – Bonding findet deshalb aber nicht ausschließlich in dieser Zeit statt. Im Gegenteil: Bonding hat schon im Mutterleib begonnen. Längst ist während der Schwangerschaft eine Verbindung zwischen Mutter und Kind entstanden. In der weiteren Entwicklung des Neugeborenen hört das Bonding nicht auf: Trösten, Kuscheln, Füttern, mit dem Kind sprechen, es umsorgen und behüten. All das baut auch später eine intensive Eltern-Kind-Beziehung auf, bei der das Baby Sicherheit erfährt und in ein glückliches, mit Liebe erfülltes Leben startet. Bonding ist eben kein isoliertes Erlebnis, sondern ein andauernder Prozess.

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Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2019
Quellen

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