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Montag, 20. November 2017
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Babyzeichensprache: Babys ohne Worte verstehen

Babyzeichensprache: Babys ohne Worte verstehen
Bei der Babyzeichensprache verständigen sich die Kinder mit Gebärden
(c) iStockphoto/YsaL

Hunger? Müde? Angst? Wenn Babys weinen, wissen Eltern nicht immer gleich die passende Antwort. Verstehen zu können, was das Kind mitteilen will, noch bevor es seine Bedürfnisse mit Worten ausdrücken kann – das wünschen sich viele. Die Babyzeichensprache soll es möglich machen und dem Rätselraten ein Ende setzen.

Was ist Babyzeichensprache?

Die Idee, hörenden Kindern eine Babyzeichensprache beizubringen, wurde in den 1980er Jahren in den USA und in England geboren. Die beiden amerikanischen Psychologinnen Linda Acredolo und Susan Goodwyn entwickelten die „Baby Signs“ (Babyhandzeichen) - also eine spezielle Zeichensprache für Babys. Mittlerweile gibt es hierzulande ebenfalls ein großes Angebot an Kursen, in denen Mütter und Väter die Babyzeichensprache erlernen. Sie ist hier auch als sogenannte "Zwergensprache" der Gründerin Vivian König geläufig.

Das Konzept dahinter: Mithilfe einer Form der Gebärdensprache sollen Eltern und Kinder miteinander kommunizieren können, ohne dass die Kleinen dafür Worte benutzen müssen. Denn Babys verstehen in ihren ersten Lebensmonaten schon viel, können aber noch nicht sprechen.

Es ist bekannt, dass Gesten in der menschlichen Kommunikation eine große Rolle spielen: 55 Prozent finden über Mimik, Gestik und Körpersprache statt, 38 Prozent über Tonfall und Art des Sprechens, sieben Prozent über die Worte selbst. Als Erwachsene verwenden wir Gesten intuitiv, um die Bedeutung unserer Worte zu verdeutlichen. Auch im Umgang mit dem Nachwuchs setzen wir die Gestik ganz selbstverständlich ein. Wenn ein Kind sich verabschieden soll, fordern wir es zum Beispiel zu einem typischen „Winke-Winke“ auf. Dieses natürliche Verhalten macht sich die Babyzeichensprache zunutze: Kinder lernen bestimmte Gebärden, um so ihre Bedürfnisse auszudrücken und sich mit den Eltern zu verständigen. Zum einen soll den Eltern dadurch der Alltag mit dem Baby erleichtert werden, zum anderen sollen sich die Kleinen angeblich besser verstanden fühlen, weniger frustriert sein und dadurch seltener quengeln.

Babyzeichensprache: Zeichen zur Kommunikation zwischen Eltern und Kind

Im Gegensatz zur Gebärdensprache für Gehörlose ist die Babyzeichensprache keine eigenständige Sprache - ihr fehlen die grammatikalischen Strukturen. Es handelt sich dabei lediglich um einzelne Zeichen, die ein gesprochenes Wort begleiten. Als Basis werden hierfür die Zeichen der Deutschen Gebärdensprache (DGS) benutzt. Einige sind allerdings vereinfacht worden, sodass sie der Koordinationsfähigkeit und Motorik der Babys entsprechen.

In der Babyzeichensprache werden Gebärden benutzt, die Eltern und Kindern in ihrem Alltag hilfreich sind. Dabei kann es sich um Gegenstände, Tätigkeiten oder Eigenschaften handeln. Eltern wird empfohlen, Zeichen zu verwenden, die den individuellen Interessen des Kindes und der persönlichen Situation entsprechen. Wichtig: Das gesprochene Wort wird durch die Zeichen nicht ersetzt. Eltern verwenden das Zeichen immer in Kombination mit der Sprache. Allmählich lernt das Kind, eine Verbindung zwischen der Bedeutung und dem Zeichen herzustellen und es selbst zu verwenden.

Achtung: Ist Ihr Kind gehörlos oder hörgeschädigt, sollten Sie die korrekte Gebärdensprache und nicht die Babyzeichensprache lernen.

Ab wann Babyzeichensprache?

Es gibt kein vorgeschriebenes Alter, um mit der Babyzeichensprache anzufangen. Wenn Ihr Kind Ihren Blickkontakt hält und feinmotorische Fähigkeiten besitzt, können Sie starten. Dies ist ungefähr zwischen dem sechsten und neunten Monat der Fall. Beachten Sie: Jedes Kind entwickelt sich ganz individuell nach seinem eigenen Zeitplan. Ob Ihr Kind soweit ist, erkennen Sie, wenn es zum Beispiel mit dem Finger auf Dinge zeigt oder etwas aufhebt und Sie dann fragend anschaut. Sie können auch schon früher mit der Babyzeichensprache beginnen, Ihr Nachwuchs wird aber erst später dazu in der Lage sein, Ihnen zu antworten.

Babyzeichensprache lernen

Damit Sie Ihrem Kind die Babyzeichensprache beibringen können, müssen Sie die Zeichen selbst beherrschen und diese ganz natürlich in Ihren Sprachgebrauch einfließen lassen. Um die Babyzeichensprache zu lernen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Workshops, Babyzeichensprache-Kurse oder -Bücher.

Babyzeichensprache-Kurse

Sie können gemeinsam mit Ihrem Kind einen Babyzeichensprache-Kurs besuchen. In einem solchen Kurs werden die Babyzeichen spielerisch geübt. Außerdem gibt es spezielle Workshops für Eltern, in denen Sie die Grundbegriffe erlernen und Tipps zum Üben für Zuhause bekommen.

Babyzeichensprache: Zeichen zum Üben

Hier ein paar Beispiele für Zeichen aus der Babyzeichensprache:

  • Babyzeichensprache für "Milch": Machen Sie auf Höhe der Brust eine Faust und strecken Sie den Daumen nach oben. Öffnen und schließen Sie die Faust, wie bei einer Melkbewegung.
  • Babyzeichensprache für "essen": Halten Sie alle Fingerspitzen einer Hand zusammen und führen Sie die Hand in dieser Position zwei Mal zum Mund.
  • Babyzeichensprache für "trinken": Formen Sie Ihre Hand zu einem C (wie ein Becher) und führen Sie diese wie beim Trinken zum Mund.
  • Babyzeichensprache für "Angst": Klopfen Sie mit der rechten Faust zwei Mal gegen die Brust – so als würden Sie einen Herzschlag nachmachen.

Tipps für Eltern: Babyzeichensprache beibringen

  • Geduld: Bei jedem Kind dauert es unterschiedlich lange, bis es die Babyzeichensprache selbst anwendet. Wer sich dazu entschließt, muss Geduld mitbringen. Laut Vivian König, Gründerin der „Zwergensprache-Kurse“ und Buch-Autorin dauert es im Durchschnitt vier bis sechs Wochen, bis das Baby sein erstes Zeichen beherrscht.
  • Üben: Benutzen Sie am Anfang nur ein Zeichen pro Satz und wiederholen Sie dieses Zeichen immer wieder in Verbindung mit dem Wort. Neben dem alltäglichen Sprachgebrauch können Lieder oder Spiele zum Üben dienen.
  • Kein Förderwahn: Sie sollten die Babyzeichensprache möglichst selbstverständlich und natürlich benutzen, damit es nicht erzieherisch wirkt. Die Babyzeichensprache ist außerdem kein Trainingsprogramm, bei dem Sie von Ihrem Kind eine Leistung einfordern sollten. Das A und O: Entspannt sein und Spaß haben.
  • Sprachentwicklung: Trotz Babyzeichensprache bleibt das gesprochene Wort das Zentrum Ihrer Kommunikation. Die Zeichen ersetzen weder das Sprechen, noch das Vorlesen oder Spielen. Wenn Ihr Kind das Sprechen beherrscht, gerät die Babyzeichensprache nach und nach in Vergessenheit, bis sie ganz aus seinem täglichen Gebrauch verschwindet.

Babyzeichensprache: Kritik

Untersuchungen zufolge wird vermutet, dass die Babyzeichensprache die sprachliche Entwicklung eines Kindes fördern und den Spracherwerb schneller vorantreiben kann. Experten sind sich hier allerdings uneinig, denn entsprechenden Studien fehlt bislang die empirische Aussagekraft. Ein eindeutiger Mehrwert der Babyzeichensprache kann demnach nicht nachgewiesen werden. Einen Vorteil sehen Experten darin, dass Eltern sich auf diese Weise sehr intensiv mit ihrem Kind beschäftigen.

Fakt ist, dass Kinder die Babyzeichensprache nicht benötigen, um das Sprechen zu lernen. Es besteht deshalb kein Zwang für Eltern, das Konzept mit ihrem eigenen Kind anzuwenden.

Babyzeichensprache-Buch: Welche Bücher eignen sich zum Üben?

Sie können die Babyzeichensprache mithilfe von Büchern erlernen und sie Ihrem Kind beibringen. Mehr Infos, Tipps und die Zeichen zum Üben finden Sie zum Beispiel in folgenden Babyzeichensprache-Büchern:

buch-tipps-babyzeichensprache.jpg

„Das große Buch der Babyzeichen: Mit Babys kommunizieren bevor sie sprechen können“ von Vivian König, Verlag Karin Kestner, ISBN: 978-3981070972, (27,90 Euro)

„Zauberhafte Babyhände – Wie ganzheitliche Kommunikation mit Babyzeichensprache gelingt“ von den Autoren Kelly und Andy Malottke. Verlag Malottke, ISBN: 978-3981643091 (23,90 Euro)

„babySignal: Mit den Händen sprechen. Spielerisch kommunizieren mit den Kleinsten“ von Autorin Wiebke Gericke, Kösel Verlag, ISBN: 978-3466345328 (16,50 Euro)

Autor:
Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2017
Quellen: Astolfi, S., Schutt, K., Weidenhausen, S.: Babys Zeichensprache. Gräfe und Unzer, München 2008; Butzkamm, J., Butzkamm, W.: Wie Kinder sprechen lernen: kindliche Entwicklung und die Sprachlichkeit des Menschen. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2008; König, V.: Das große Buch der Babyzeichen. Mit Babys kommunizieren bevor sie sprechen können. Verlag Karin Kestner oHG, Schauenburg 2015; Schutt, K.: Baby Fun: PEKiP, Massage, Spiele, Musik & Co. Das Beste aus allen Babykursen für zu Hause. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2007

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