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Prolaktin

Prolaktin, das luteotrope Hormon (LTH), wird im Vorderlappen der Hypophyse gebildet.

Prolaktin
Das Hormon Prolaktin kurbelt die Milchproduktion in der weiblichen Brust an.
Getty Images/Hemera

Funktionen von Prolaktin

Wichtigste Funktion des Prolaktins beim Menschen ist der Einfluss auf die Milchproduktion der weiblichen Brust. Etwa ab der achten Schwangerschaftswoche steigt die Konzentration von Prolaktin steil an. Sie wird bis zur Geburt und auch danach noch durch den Stillreiz auf einem anhaltend hohen Niveau gehalten.

Prolaktin hemmt die Produktion des Hormons Gonadoliberin (GnRH = Gonadotropin releasing hormone und somit auch von LH und FSH), wodurch bei stillenden Müttern meist der Menstruationszyklus nicht in Gang kommt. Nach Ende der Stillzeit kehrt die Prolaktinkonzentration auf ihren Normalwert zurück.

Ausschüttung von Prolaktin

Die Ausschüttung von Prolaktin erfolgt in einem Tag-Nacht-Rhythmus. Nachts steigt der Prolaktinwert an, frühmorgens sinkt er ab. Prolaktin wird aber auch in Stresssituationen vermehrt ausgeschüttet und führt dann (vorübergehend) zu Unfruchtbarkeit. Bei Blutuntersuchungen von Frauen mit Zyklusproblemen wurden häufig erhöhte Prolaktinspiegel festgestellt.

Erhöhter Prolaktinwert deutet auf verschiedene Störungen und Krankheiten hin

Ein erhöhter Prolaktinwert wird unter anderem festgestellt bei prolaktinproduzierenden Tumoren der Hypophyse (Prolaktinome), während der Stillphase, bei der Einnahme verschiedener Medikamente (insbesondere Psychopharmaka), bei neurogenen und psychiatrischen Störungen, Reizung von Thoraxnerven, z.B. bei Herpes zoster, Endometriose, akuten und chronischen physischen und psychischen Stresssituationen (Depressionen, Operationen, schmerzhafte Blutentnahme), in der Schwangerschaft, nach einem Orgasmus, nach intensiven Manipulationen der Brust, nach proteinreicher Nahrung, hohem Bierkonsum und anderem.

Bei Patientinnen mit nur vorübergehenden Erhöhungen des Basalspiegels kann ein Prolaktin-Stimulationstest (Metoclopramidtest oder TRH-Test) durchgeführt werden.

Die Blutentnahme sollte im stressfreien Zustand erfolgen.

Referenzwerte nach Labor Prof. Leidenberger, Hamburg:
2 - 25 ng/ml

Prolaktin und Stress

Prolaktin wird vermehrt bei seelischem, akutem Stress produziert. Auch körperlicher Stress wie etwa durch Operationen, aber auch bei starken körperlichen Anstrengungen kann zu einem Prolaktinüberschuss führen.

Man vermutet, dass ein Zusammenhang zwischen Prolaktin und der Regulierung des Immunsystems besteht. Stress wirkt sich erwiesenermaßen negativ auf das Immunsystem aus. Man kann annehmen, dass die vermehrte Produktion von Prolaktin dem negativen Einfluss von Stress entgegenwirken soll.

Prolaktin senken bei Prolaktinüberschuss

Um Prolaktin zu senken, sollte zunächst die Ursache für den Prolaktinüberschuss (Hyperprolaktinämie) gefunden werden. Neben den erwähnten Erkrankungen kann auch die Ernährungs- oder Lebensweise zu einem Prolaktinüberschuss führen. Auch Medikamente können einen Prolaktinüberschuss verursachen.

Häufig werden Dopamin-Agonisten als Medikamente gegen Prolaktinüberschuss eingesetzt. Welcher Dopamin-Agonist vom Arzt verschrieben wird, ist auch davon abhängig, ob ein Kinderwunsch besteht. Hat diese Therapie keinen Erfolg, kann bei Frauen ohne Kinderwunsch auch eine Hormontherapie mit Östrogenen und Gestagenen ausprobiert werden, um das Prolaktin zu senken.

Schwangeren Frauen werden keine Dopamin-Agonisten verschrieben, weil diese die Plazentaschranke passieren und damit in den kindlichen Blutkreislauf übergehen.

In der Naturheilkunde wird Mönchspfeffer zum Prolaktin senken angewendet.

Prolaktin erhöhen

Es kann auch vorkommen, dass das Prolaktin zu niedrig ist. Das ist etwa bei chronischem Stress der Fall. Während akuter Stress zu einer vermehrten Produktion von Prolaktin führt, senkt chronischer Stress den Prolaktinspiegel.

Um die Milchbildung anzuregen, kann man das Prolaktin ebenfalls erhöhen. Am effektivsten ist häufiges Stillen. Durch den Saugreflex des Kindes wird die Produktion von Prolaktin angekurbelt. Wer besonders in der Anfangszeit des Stillens auf eine regelmäßige Entleerung der Brust achtet, erhöht automatisch den Prolaktinspiegel, was sich wiederum positiv auf die Milchproduktion auswirkt. 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 31. August 2017
Durch: Karin Wunder
Quellen: Schubert, C.: Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie. Schattauer, Stuttgart 2011 von Wolff, M., Stute, P.: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Schattauer, Stuttgart 2013

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