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Männliche Fruchtbarkeit

Spermiogramm: Ablauf, Kosten und Auswertung

Bei unerfülltem Kinderwunsch ist die Erstellung eines Spermiogramms eine einfache Untersuchung. Welche Werte werden bestimmt, was bedeuten sie für die Zeugungsfähigkeit? Wir haben die wichtigsten Antworten hier für Sie zusammengestellt.

Spermiogramm: Ablauf, Auswertung & Spermienqualität verbessern
Ein Spermiogramm gibt Aufschluss über die Qualität der Spermien bei unerfülltem Kinderwunsch
© GettyImages/Maskot

Das Sperma eines Mannes setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Das Ejakulat besteht nur zu etwa drei bis fünf Prozent aus Spermien. Den größten Anteil bildet mit etwa 60 bis 70 Prozent das Sekret aus den Bläschendrüsen, in dem unter anderem Fruktose und Eiweiße enthalten sind. Aus dem Sekret der Prostata bildet sich das Sperma zu etwa 30 Prozent. Nur ein kleiner Teil des Spermas besteht aus Sekreten der Nebenhoden.

In diesem Artikel lesen Sie:

Spermienqualität verbessern: Was bringen Vitamine und Co.?

Welche Werte werden bestimmt?

In einem Spermiogramm werden die Bestandteil und Eigenschaften des Spermas einzeln betrachtet und bewertet. Die Normwerte sind als Richtwerte für die "gesunden" Werte eines fruchtbaren Manns zu verstehen.

Die Ejakulatanalyse erfolgt anhand eines von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebenen Standards. Untersucht werden Eigenschaften wie Geruch, Aussehen, Farbe und pH-Wert, aber auch die Anzahl der Spermien im Ejakulat sowie deren Form und Beweglichkeit.

Hodengröße und Sperma-Menge haben kaum Einfluss auf die Fruchtbarkeit

Die Menge des Spermas hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Entscheidend ist die Anzahl der Spermien in der Flüssigkeit sowie ihre Form: Die Spermien sollten überwiegend normal geformt sein, pathologische (krankhafte) Formen sind für die Fortpflanzung unbrauchbar.

Auch die Größe der Hoden hat auf die Zeugungsfähigkeit normalerweise übrigens keinen Einfluss. Wenn die Hoden jedoch eine Größe kleiner als 16 ml Inhalt angenommen haben, dann leidet die Spermaqualität deutlich. Krampfadern an den Hoden jedoch können die Fruchtbarkeit beeinflussen, indem sie eine Überwärmung des Gewebes verursachen.

Wer zahlt die Kosten für ein Spermiogramm?

Bei bestehendem, längerfristig unerfülltem Kinderwunsch, der der Krankenkasse glaubhaft vermittelt werden kann, oder auch, wenn der*die behandelnde Gynäkolog*in ein Spermiogramm empfiehlt, werden die Kosten dafür in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Als Selbstzahlerleistung betragen die Kosten für ein Spermiogramm rund hundert Euro.

Gibt es Alternativen zur Spermauntersuchung?

Auch wenn der Gedanke an die Gewinnung einer Samenprobe in der ärztlichen Praxis bei manchen Männern zu Unbehagen führt: Zur Spermauntersuchung gibt es keine Alternativen.

Da bei einem unerfüllten Kinderwunsch die Ursachen für die ausbleibende Schwangerschaft auch bei der Frau liegen können, sollte sich auch die Partnerin ärztlich untersuchen lassen und das Paar sich gemeinsam über mögliche Gründe für die Kinderlosigkeit informieren.

Allerdings sind bei Frauen fast alle Untersuchungen nur mithilfe von Eingriffen möglich. Die Ejakulatanalyse hingegen ist eine einfache, schmerzfreie und nicht in der Körper eingreifende (nicht-invasive) Untersuchung.

Daher sollte da Spermiogramm die die erste Untersuchung bei unerfülltem Kinderwunsch sein. Je älter die Frau, desto früher sollten Sie über einen solchen Test nachdenken, weil mit steigendem Alter der Frau eine Empfängnis schwieriger wird (ab etwa 35 Jahren nimmt die Qualität der weiblichen Eizellen stark ab).

Wie läuft eine Spermauntersuchung ab?

Eine Spermauntersuchung wird nach mehreren Tagen der sexuellen Enthaltsamkeit durchgeführt, wobei eine Abstinenz von weniger als zwei und mehr als sieben Tagen die Qualität des Ejakulats verschlechtern kann. Die Spermaprobe wird durch Masturbation gewonnen und am besten sofort untersucht, um das Spermiogramm optimal auswerten zu können.

Da die Samenprobe möglichst rasch begutachtet werden sollte, ist es am besten, das Sperma direkt in einem Andrologielabor zu gewinnen und vor Ort auswerten zu lassen. Auch urologische Praxen sowie Kinderwunschzentren bieten die Untersuchung häufig an.

Wie wird das Ejakulat gewonnen?

Möglich ist dies in der ärztlichen Praxis, wo ein Raum zur Verfügung gestellt wird, in dem normalerweise auch anregendes Material zu finden ist. Einfacher finden manche Paare es zu Hause in der vertrauten Umgebung. Dort kann die Frau assistieren (was heutzutage aber in den meisten Praxen auch geht).

Wichtig für die Gewinnung einer Samenprobe zu Hause ist, dass das Sperma in ein steriles, sauberes Gefäß (etwa Urinbecher aus der Apotheke) abgegeben und dann so schnell wie möglich, optimalerweise innerhalb der nächsten Stunde, in die Praxis gebracht wird. Dabei muss eine Temperatur von mindestens 20 Grad Celsius gewährleistet sein. Am besten stecken Sie das Gefäß in die Hosentasche, damit es auf Körpertemperatur bleibt.

Sollte die Ejakulatgewinnung (aus seltenen psychischen oder religiösen Gründen) nur beim Geschlechtsverkehr möglich sein, verwenden Sie bitte ein spezielles, nicht spermizid beschichtetes Transportkondom (fragen Sie in Ihrer Praxis danach).

Reicht ein Spermiogramm aus?

Ergeben sich aus der Ejakulatanalyse Normwerte, ist ein einmaliges Spermiogramm ausreichend. Werden in der ersten Untersuchung des Spermas nicht die Referenzwerte erreicht, wie beispielsweise beim OAT-Syndrom, sollte nach zwei bis drei Monaten ein zweites Spermiogramm angefertigt werden.

Warum und wie lange soll man vor Abgabe keinen Samenerguss haben?

Je häufiger ein Samenerguss stattfindet, desto mehr Spermien werden "verbraucht", sodass sie eventuell nicht im gleichen Tempo wieder nachproduziert werden. Um also ein Maximum an gesunden Spermien im Samenerguss zu haben, empfiehlt die WHO vor der Probenabgabe zwei bis maximal sieben Tage Karenz.

Spermiogramm: Welche Normwerte gelten?

Laut Angaben der WHO sollte das Spermiogramm mindestens 15 Millionen Samenzellen pro Milliliter ergeben. Natürlich reichen auch weniger, schließlich wird am Ende nur eines gebraucht - aber dann dauert es bis zu einer Empfängnis womöglich wesentlich länger oder es kommt gar nicht dazu.

Wenn Sie das Ergebnis Ihres Spermiogramms bereits haben, können Sie die Ergebnisse hier mit den Referenzwerten der WHO vergleichen. Die Anzahl der beweglichen Spermien (Morphologie) wurde früher angegeben, aber seit 2010 nicht mehr. Dafür soll der Anteil der schnell und langsam vorwärts beweglichen Spermien bei mindestens 32 Prozent liegen.

Referenzwerte des Ejakulats nach WHO

Parameter Normwerte
Verflüssigungszeit 15 - 30 Min.
Farbe grau-opal
Geruch kastanienblütenartig
Volumen etwa 1,5 ml
pH-Wert etwa 7,2
Spermienkonzentration etwa 15 Mio. Spermien/ml
Spermienanzahl (gesamt) etwa 39 Mio. Spermien/Ejakulat
Beweglichkeit (progressive Motilität) etwa 32 % bewegliche Spermien
Aussehen Hier gelten in jedem Labor unterschiedliche Normwerte
Vitalität etwa 50 % vitale (lebende) Spermien
MAR-oder ITB-Test < 50 % bewegliche Spermien mit anhaftenden Erythrozyten
Normale Formen 4
Alpha-Glucosidase (neutral) etwa 20 mU/Ejakulat
Citrat etwa 52 µmol/Ejakulat
Saure Phosphatase etwa 200 µmol/Ejakulat
Fruktose etwa 13 µmol/Ejakulat
Zink etwa 2,4 µmol/Ejakulat

Min. = Minuten

ml = Milliliter

mU = Milliunits (Maßzahl für Enzymaktivitäten)

Mio. = Million

µmol = Mikromol

Welche Ergebnisse können bei der Beurteilung des Spermiogramms herauskommen?

Zur Beurteilung des Spermiogramms werden folgende Bennenungen verwendet:

Normozoospermie: normale Werte ohne Befund.

Asthenozoospermie: Die Samenzellen verfügen nur über eine eingeschränkte Beweglichkeit (< 32 % motile Spermatozoen).

Azoospermie: In der Spermaprobe können keine Samenzellen nachgewiesen werden.

Oligozoospermie: Die Spermienanzahl ist reduziert (< 15 Millionen Spermatozoen/ml).

Teratozoospermie: Der Anteil der normal geformten Spermatozoen ist vermindert (< 4 % normale Formen).

Oligo-Astheno-Teratozoospermie: Bezüglich Konzentration, Beweglichkeit (Motilität) und Form wurden Einschränkungen gefunden.

Kryptozoospermie: Es sind weniger als eine Millionen Spermien pro Milliliter gefunden worden und diese sind erst im Zentrifugat nachgewiesen worden.

Nekrozoospermie: Es wurden keinerlei beweglichen Spermien gefunden.

Parvisemie: Das Ejakulatvolumen ist zu gering (< 1,5 ml).

Pyospermie: Bei der Ejakulatanalyse wurde Eiter im Sperma nachgewiesen, also eine extrem erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten).

Aspermie: Es konnte kein Ejakulat gewonnen werden.

Was bedeuten die Abkürzungen PR, NP und IM bei der Beurteilung des Spermiogramms?

Die Beweglichkeit der Spermien ("Spermienmotilität") wird folgendermaßen eingeteilt:

  • progressive Beweglichkeit (PR; frühere Bezeichnung: A (rasch) und B (langsam progressive) Spermien)
  • nicht-progressive Beweglichkeit (NP; frühere Bezeichnung: C-Spermien)
  • Immotilität (IM, frühere Bezeichnung: D-Spermien - unbeweglich)

Was sind MAR und IBT?

Mit dem MAR-Test (Mixed Antiglobulin Reaction-Test) stellt man fest, ob im Ejakulat Autoantikörper gegen die Spermien vorhanden sind. Oft sind dann sogenannte Agglutinationen erkennbar: Dabei haften Spermien an Spermien. Wenn sich im Ejakulat Antikörper gegen die Spermien finden, werden die Spermien dadurch zerstört - es kommt zur Unfruchtbarkeit.

Was bedeuten Leukozyten im Sperma?

Leukozyten im Sperma können ebenso wie Rundzellen auf eine Entzündung der Samenleiter hinweisen. Durch die Spermauntersuchung kann auch eine Infektion der Samenwege diagnostiziert werden. Die Erreger werden im Rahmen weiterer Untersuchungen ermittelt und dann gezielt Medikamente dagegen ausgewählt.

Eine stark erhöhte Anzahl an Leukozyten kann ebenfalls auf verschiedene Infektionen hinweisen, etwa Gonorrhö oder eine Entzündung der Prostata oder Samenbläschen. Diese müssen mit dem passenden Antibiotikum behandelt werden.

Was bedeuten die Angaben zur Verflüssigung des Spermas?

Laut WHO soll sich das normale Sperma innerhalb von zehn bis 30 Minuten verflüssigen. Braucht es deutlich länger, so ist eine Befruchtungsfähigkeit in Frage gestellt, weil die Spermien nicht schnell genug ihrem Bestimmungsort zustreben können.

Spermienqualität verbessern

Ein allgemein ungesunder Lebensstil schadet auch der Spermienqualität und somit der Zeugungsfähigkeit. Es gibt keine Medikamente, um die Spermienqualität zu verbessern, allerdings werden eine Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln angeboten. Wir haben folgende Tipps, um die Spermienqualität zu verbessern:

  • gesunde, ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen sowie Zink und Folsäure (Zink wird zur Bildung von Testosteron benötigt; Folsäuremangel begünstigt Veränderung des Erbguts in den Spermien)
  • Selen: In einer Studie erhielten 690 laut Spermiogramm unfruchtbare Männer täglich 200 µg Selen und 400 I.E. Vitamin E über mindestens 14 Wochen. Bei 52,6 Prozent der Männer verbesserte sich die Spermienbeweglichkeit und/oder Spermienmorphologie.
  • Möglicherweise können auch Antioxidantien die Spermienqualität verbessern, wie mehrere Studien herausfanden, da freie Radikale die Spermienqualität erheblich beeinträchtigen.
  • Omega-3-Fettsäuren: Sie sind zum Beispiel in Walnüssen enthalten. Studien bescheinigen ihnen einen positiven Effekt auf die Spermienqualität.
  • Verzicht auf Genussgifte. Nicht rauchen und moderater Alkoholkonsum.
  • Keine zu engen Unterhosen tragen und keine Sitzheizung nutzen, um die Spermien nicht zu überhitzen, denn dabei nehmen sie Schaden.
  • Normalgewicht
  • Kein Leistungssport, aber regelmäßige Bewegung
  • Umweltgifte, wie Bisphenol A (BPA) (Weichmacher) meiden

Welche Therapien gibt es bei verminderter Samenqualität?

Um eine verringerte Spermaqualität eindeutig festzustellen, wird nach der ersten Untersuchung mit ungünstigen Ergebnissen eine zweite oder dritte Untersuchung angeschlossen, um das Ergebnis zu bestätigen. Ein Spermiogramm ist immer nur eine Momentaufnahme. Die Therapie richtet sich nach den Ursachen. Während eine Krampfader am Hoden (Varikozele) operativ entfernt werden kann, werden Infektionen der Samenwege mit Medikamenten behandelt.

Nicht selten bleiben die Ursachen für eine verringerte Samenqualität oder Zeugungsunfähigkeit aber unbekannt, sodass keine Schritte dagegen unternommen werden können. Bei einem bestehenden Kinderwunsch sollte abgeklärt werden, ob und mit welchen Methoden der Reproduktionsmedizin Chancen bestehen, eine Schwangerschaft der Partnerin herbeizuführen.

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