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Verstopfung: Was tun bei trägem Darm?

Autor: Viola Lex, Medizinautorin | Dagmar Schüller, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 06. November 2019

Verstopfung ist vor allem unter Frauen ein weit verbreitetes Leiden – doch nur die wenigsten sprechen offen über dieses Tabuthema. Schluss damit: Wir klären über die häufigsten Ursachen und zahlreichen Hilfen auf! #GesundOhneTabus

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Schluss mit qualvollem, erfolglosem Pressen auf der Toilette, denn bei Verstopfung gibt es wirksame Hilfe!
© istock.com/PeopleImages, 9monate

Artikelinhalte auf einen Blick:

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über Verstopfung

Als Folge unausgewogener, ballaststoffarmer Ernährung und in der Schwangerschaft kann es zur Verstopfung (Obstipation) kommen. Welche Symptome ein träger Darm hat und was gegen Verstopfung hilft.

Verstopfung (Obstipation): Wie oft sollte man am Tag Stuhlgang haben?

Die wenigsten sprechen gerne offen über das tabuisierte Thema Verdauung. Die Unsicherheiten sind dementsprechend groß. Viele Menschen sind im Zweifel, ob sie oft genug ihr Geschäft verrichten. Höchste Zeit, sich ohne Scham mit dem Tabu Verstopfung auseinanderzusetzen. Wer nicht jeden Tag Stuhlgang hat, bei dem stimmt etwas nicht? Keineswegs. Es ist nicht erforderlich, dass der Darm täglich entleert wird. Negative Auswirkungen auf die Gesundheit sind dadurch nicht zu befürchten. Ob dreimal am Tag oder dreimal in der Woche – einen Normwert gibt es nicht, denn die Verdauung ist von Mensch zu Mensch verschieden. Von einer Verstopfung ist erst die Rede, wenn Sie weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang haben oder wenn trotz regelmäßigem Toilettengang immer nur wenig und harter Stuhl unter großem Pressen entleert wird.

Verstopfung: Zehn SOS-Hausmittel für die Verdauung

Symptome: Wie zeigt sich eine Verstopfung?

Neben der Häufigkeit des Stuhlgangs spielen bei Verstopfung weitere Beschwerden eine Rolle. Da der Nahrungsbrei nicht oder nur geringfügig ausgeschieden wird, bleibt er länger im Darm und wird in der Folge hart – das kann Schmerzen und weitere Symptome hervorrufen:

  • Darmentleerungen seltener als dreimal pro Woche
  • harter Stuhl
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • starkes Pressen
  • Gefühl von unvollständiger Darmentleerung nach Stuhlgang
  • Blähungen und krampfartige Bauchschmerzen zwischen den Darmentleerungen

Ursachen von akuter Verstopfung

Nur selten stecken hinter einer Verstopfung ernsthafte Erkrankungen. Weitaus häufiger kommt es vor, dass der Darm auf äußere Faktoren reagiert – allen voran auf Ernährung, Stress oder ein hohes Flüssigkeitsdefizit. Ein Mangel an Ballaststoffen, Wasser und körperlicher Aktivität kann dazu führen, dass der Darm den Stuhl langsamer transportiert. Der Darm ist auch ein Gewohnheitstier: Umstellungen im Tagesrhythmus können ihn aus dem Takt bringen. Gemeinsam haben diese Ursachen, dass sie als äußere Faktoren meist lediglich Auslöser für eine vorübergehende Verstopfung sind.

Mögliche Ursachen für eine vorübergehende Verstopfung:

  • unausgewogene, ballaststoffarme Ernährung
  • veränderte Essgewohnheiten, zum Beispiel im Urlaub
  • Änderungen im Tagesrhythmus
  • Stress
  • Unterdrückung des Stuhlgangs
  • Immobilität, zum Beispiel bei Krankenhausaufenthalt
  • Dehydration/Flüssigkeitsmangel

Chronische Verstopfung – mehr als eine Befindlichkeitsstörung

Zu unterscheiden ist eine gelegentliche Verstopfung von einer chronischen Verstopfung. Dabei handelt es sich um einen Dauerzustand oder um Symptome, die immer wiederkehren. Von einer chronischen Verstopfung sind laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland betroffen – Frauen doppelt so häufig wie Männer. Nach Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. ist Verstopfung weltweit eines der häufigsten Probleme bei Kindern. Von einer chronischen Verstopfung ist bei Kindern dann die Rede, wenn die Beschwerden bis zu einem Alter von vier Jahren wenigstens einen Monat, bei älteren Kindern mindestens zwei Monate lang, angehalten haben. Bei Erwachsenen spricht man ab drei Monaten von einer chronischen Verstopfung. Die Wahrscheinlichkeit, eine chronische Verstopfung zu bekommen, nimmt mit steigendem Lebensalter zu.

Mögliche Ursachen für eine chronische Verstopfung:

  • Immobilität/starker Bewegungsmangel
  • wiederholtes Unterdrücken des Stuhlgangs (vor allem bei Kindern häufig, etwa durch das Meiden fremder Toiletten)
  • Stress
  • Krankheiten wie Diabetes mellitus, Reizdarm oder Schilddrüsenerkrankungen
  • Instabilität des Beckenbodens oder Funktionsstörungen der Beckenbodenmuskulatur
  • Medikamente wie Eisenpräparate, Psychopharmaka oder entwässernde Arzneimittel
  • Schwangerschaft

In den meisten Fällen ist die Ursache für eine chronische Verstopfung allerdings unbekannt.

Verstopfung in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Gerade werdende Mütter leiden neben anderen Schwangerschaftbeschwerden häufig unter Verstopfung. Im zweiten und dritten Trimester sind etwa ein Drittel der Schwangeren so stark betroffen, dass sie sich in ihrer Lebensqualität sehr eingeschränkt fühlen. Die Ursache liegt dann häufig in hormonellen und physiologischen Veränderungen, die mit einer Schwangerschaft einhergehen.

Der erhöhte Progesteronspiegel im Blut beeinflusst die glatte Darmmuskulatur: Das Hormon sorgt dafür, dass sich die Muskulatur entspannt. Die Nahrung braucht dann auf ihrem Weg durch den Darm länger. Das ist zwar einerseits sinnvoll, damit der Körper in der Phase der Schwangerschaft länger Zeit hat, Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei aufzunehmen. Andererseits kann die erhöhte Transitzeit, also die Zeit, die aufgenommene Nahrung im Verdauungstrakt verweilt, auch zu Verstopfung führen.

Vor allem im späteren Verlauf der Schwangerschaft drücken auch die größer werdende Gebärmutter und das Kind auf den Darm, was die Darmentleerung zusätzlich erschwert und bei vielen Schwangeren Verstopfungen hervorruft.

Auch Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere, etwa oral verabreichte Eisenpräparate, können eine Verstopfung begünstigen. Einige Frauen sind während der Schwangerschaft und in der ersten Zeit mit Baby außerdem verstärkt von Ängsten und Depressionen betroffen, was den Darm zusätzlich träge machen kann. Mangelnde Bewegung und eine Änderung des Speiseplans sind weitere mögliche Ursachen für Verstopfung während der Schwangerschaft und Stillzeit.

In den ersten Wochen nach der Geburt arbeitet der Darm weiterhin träger als normal. Bis die ursprüngliche Frequenz der Darmentleerung erreicht ist, kann es einige Wochen dauern. Grund dafür sind wie auch in der Schwangerschaft die Hormone. Außerdem unterdrücken einige Frauen die Darmentleerung aus Angst vor Schmerzen. Vor allem dann, wenn sie mittels Kaiserschnitt entbunden haben oder unter Hämorrhoiden leiden, die gehäuft während der Schwangerschaft entstehen.

Diagnose: Die Ursachen einer Verstopfung identifizieren

Bei einem Verdacht auf Verstopfung führt der Arzt eine Anamnese durch und befragt nach der Krankheitsgeschichte:

  • Wie lange dauern die Beschwerden an?
  • Wie oft haben Sie Stuhlgang?
  • Wie ist die Beschaffenheit des Stuhls?
  • Wie läuft die Entleerung ab?
  • Wie ernähren Sie sich?
  • Wie viel Sport treiben Sie?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Bestehen bei Ihnen Begleiterkrankungen?

Damit der Arzt eine Diagnose stellen kann, kommen verschiedene Untersuchungen infrage:

  • körperliche Untersuchungen wie die Inspektion der Analregion
  • Blutabnahme – zum Beispiel zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone
  • Darmspiegelung bei neu aufgetretenen oder veränderten Beschwerden
  • Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen
  • Spezialuntersuchungen wie die Druckmessung im Enddarm bei bestimmten Symptomen

Liegen neben einer Verstopfung weitere Symptome wie starke krampfartige Bauchschmerzen und ein aufgetriebener Bauch vor, könnten die Beschwerden auf einen Darmverschluss hinweisen. In diesem Fall sowie wenn die Beschwerden plötzlich auftreten und über mehrere Tage andauern, sollte ein Arzt die Ursache abklären. Auch, wenn die plötzlich einsetzende Verstopfung im Wechsel mit Durchfall, zusammen mit Blut im Stuhl, Fieber oder unfreiwilligem Stuhlabgang einhergeht, kann der Experte mittels Stuhlprobe, Blutuntersuchung, Ultraschalluntersuchung und Enddarmspiegelung Rückschlüsse auf eine möglicherweise vorliegende Erkrankung ziehen.

Wann wird es gefährlich? Darmspiegelung rettet Leben

Eine Verstopfung, die im Wechsel mit Durchfall auftritt, Blut im Stuhl oder bleistiftdünner Stuhlgang können auf verschiedene Grunderkrankungen, etwa Darmkrebs, hindeuten. Dies ist eine ziemlich heimtückische Erkrankung, denn Beschwerden machen sich meist erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkbar. Die Früherkennung spielt daher eine besonders wichtige Rolle.

Viele Menschen scheuen sich vor einer Darmspiegelung. Zu Unrecht: Die Untersuchung findet unter Narkose statt und ist innerhalb von 20 Minuten durchgeführt. Möglicherweise vorliegende Shleimhautvorwölbungen – sogenannte Polypen – aus denen sich bösartige Tumoren entwickeln können, werden dabei entdeckt und gleich entfernt.

Verstopfung bei Kindern: Die besten Hausmittel

Therapie: Darmfreundlicher Lebensstil und Medikamente bei Verstopfung

Die Behandlung einer Verstopfung richtet sich nach der Ursache. Liegt eine Grunderkrankung vor, muss diese entsprechend therapiert werden. Hat der Arzt krankheitsbedingte Ursachen für die Verstopfung ausgeschlossen, können Sie selbst viel tun, um Ihre Verdauung in Schwung zu bringen. Für rasche Linderung kann Ihnen der Apotheker ein Abführmittel empfehlen. Auch für Schwangere gibt es entsprechende Präparate.

Was hilft bei Verstopfung? Tipps für eine gute Verdauung

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt einen Verzehr von 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag. Das erreichen aber die wenigsten: Eine nationale Verzehrsstudie ergab, dass 75 Prozent der Frauen und 68 Prozent der Männer weniger Ballaststoffe essen – Frauen 23 Gramm und Männer 25 Gramm. Dabei sind Ballaststoffe nicht nur hilfreich, um unsere Verdauung auf Trab zu halten: Sie machen auch lange satt, senken das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und koronare Herzkrankheiten. Am besten essen Sie täglich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, um Ihren Bedarf zu decken. Wenn Sie bisher nur wenig Ballaststoffe gegessen haben, sollten Sie die Menge schrittweise erhöhen.
  • Ballaststoffpräparate: Ob Flohsamenschalen, Weizenkleie oder Leinsamen – schlägt die Ernährungsumstellung nach ein paar Wochen noch nicht an, können diese pflanzlichen Helfer die Verdauung anregen. Auch bei einer hormonell bedingten Verstopfung in der Schwangerschaft werden die Mittel häufig empfohlen. Wichtig: Zu solchen Quellmitteln immer ausreichend trinken.
  • Probiotika: Sauermilchprodukte wie Buttermilch, Joghurt oder Kefir enthalten Milchsäurebakterien, die ein wichtiger Bestandteil unserer Darmflora sind. Integrieren Sie solche Produkte daher täglich in Ihre Ernährung.
  • Ausreichend Flüssigkeit: Mindestens 1,5 Liter Wasser sollten Sie der DGE zufolge über den Tag verteilt trinken. Leiden Sie unter Blähungen, ziehen Sie stilles Wasser der kohlensäurehaltigen Variante vor. Auch Ballaststoffe können ihre Wirkung nur dann voll entfalten, wenn Sie genügend Flüssigkeit trinken.
  • Medikamente bei Verstopfung: Abführmittel (Laxanzien) sind Verdauungs-Booster, die eine schnelle Wirkung erzielen. In der Selbstmedikation eignen sie sich, um die Stuhlentleerung anzutreiben. Die Deutschen Fachgesellschaften empfehlen den Einsatz der gut verträglichen Wirkstoffe Natriumpicosulfat und Bisacodyl. Auch bei längerer Einnahme sind keine Gewöhnungseffekte oder Elektrolytverluste zu erwarten. Die Wirkstoffe können nach ärztlicher Rücksprache auch in der Stillzeit eingenommen werden. Sie gehen nicht in die Muttermilch über.
  • Stressreduktion: In stressigen Phasen leiden Sie eher unter Verstopfung? Kein Wunder: Stress hemmt die Tätigkeit des Darms. Nehmen Sie sich deshalb regelmäßig Zeit für Entspannung und lernen Sie Techniken wie Yoga oder Autogenes Training, um Stress zu reduzieren.

Verlauf und Komplikationen bei Verstopfung

Tun Sie Ihrem Darm stets etwas Gutes, damit keine unschönen Folgen wie Hämorrhoiden oder Analfissuren aufgrund von hartem Stuhl, der nur unter großem Druck herausgepresst werden kann, entstehen. Bei Hämorrhoiden handelt es sich um Gefäße, die ringförmig in der Enddarmschleimhaut oberhalb des Schließmuskels verlaufen. Erhöht sich der Druck auf die Gefäße beim Pressen während des Toilettengangs, vergrößern sie sich und es kommt zu Beschwerden wie Juckreiz, Brennen oder Schmerzen. Analfissuren sind Risse in der Analschleimhaut, die ebenfalls durch heftiges Pressen und harten Stuhl verursacht werden.

Die besten Tipps bei Hämorrhoiden in der Schwangerschaft
Autor: Viola Lex, Medizinautorin | Dagmar Schüller, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 06. November 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: K59.0-
Quellen
Beiträge im Forum "Frauengesundheit"
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