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Neurodermitis (Atopische Dermatitis)

Autor: Dr. med. Ulrike Henning
Letzte Aktualisierung: 07. April 2017

Unter Neurodermitis versteht man eine chronische Entzündungsreaktion der Haut, die meist mit weiteren Erkrankungen zusammen auftritt. Sie tritt gehäuft im Kindesalter auf. Aber auch Erwachsene können die Krankheit bekommen.

Neurodermitis (Atopische Dermatitis)
Neurodermitis tritt häufig bereits bei Kindern auf
(c) iStock

Zu den Krankheiten, mit denen Neurodermitis häufig gemeinsam auftritt, gehören vor allem der Heuschnupfen (Pollinosis) und das Asthma bronchiale.

Die Bezeichnung Neurodermitis stammt aus dem Griechischen und bezeichnet eine Nervenentzündung, die sich an der Haut äußert. Der Begriff entstand dadurch, dass ursprünglich angenommen wurde, eine Nervenentzündung verursache die Neurodermitis. Heute gebräuchliche medizinisch korrekte Begriffe für die Neurodermitis sind atopische Dermatitis, atopisches Ekzem oder endogenes Ekzem.

Die Häufigkeit der Neurodermitis hat im Lauf der letzten Jahre zugenommen, entsprechend der Zunahme an allergischen Erkrankungen. Stadtkinder aus eher gehobenen sozialen Schichten scheinen häufiger betroffen zu sein. Nach Schätzungen des deutschen Neurodermitis-Bunds sind bis zu fünf Millionen Menschen in Deutschland von der Neurodermitis betroffen. Sie zählt damit zu den häufigsten Hauterkrankungen.

Was verursacht die Neurodermitis?

Bei der Neurodermitis reagiert der Körper mit starker Abwehr auf eigentlich harmlose Stoffe. Die Auslöser sind sehr vielfältig. Meist liegt eine genetische Veranlagung für die Erkrankung vor. Unterschiedliche Faktoren führen dazu, dass bei bestehender Veranlagung die Neurodermitis tatsächlich ausbricht. Dies können beispielsweise Umstellungen der Ernährung sein wie beim Übergang von der Muttermilch zu Kuhmilch beim Säugling. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Ursache der Neurodermitis sein, ebenso wie Umweltfaktoren, Stress oder starke psychische Belastung. Es kann im Einzelfall sehr schwierig und langwierig sein, die Ursache der Erkrankung aufzuspüren. In vielen Fällen kann die genaue Ursache nicht herausgefunden werden. Auch die Kombination mehrerer Auslöser ist häufig.

Wie äußert sich die Neurodermitis?

Das Hauptsymptom der Neurodermitis ist die trockene, juckende Haut. Einige Körperstellen sind besonders häufig betroffen wie beispielsweise die Beugeseiten der Arme und Beine. Die Haut ist zunächst trocken und gerötet, sie wird im weiteren Verlauf rissig, zeitweise durch Kratzen sogar blutig. Durch den Mangel an Feuchtigkeit und Fett sind auch die Schutzfunktion und die Temperaturregelung der Haut gestört. Hierdurch werden wiederum Entzündungen begünstigt.

Wie wird eine Neurodermitis festgestellt?

Eine gründliche Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) durch den Arzt ist der erste wichtige Schritt zur Diagnose der Neurodermitis. Es folgt die eingehende körperliche Untersuchung vor allem der Haut, aber auch der übrigen Organe, um auch typische Begleiterkrankungen wie beispielsweise das Asthma bronchiale erfassen zu können. An den Innenflächen der Hände können besonders tiefe Handlinien (Ichthyosis-Hände) auffallen, die typisch für die Neurodermitis sind. Weitere typische Zeichen sind eine doppelte Falte am Unterlid (Dennie-Morgan-Falte) und verstärkte Augenschatten.

Eine Blutuntersuchung oder Haut- und Allergietests können in einigen Fällen Aufschluss über mögliche Ursachen der Neurodermitis geben. Besonders aufschlussreich sind die Tests, wenn bestimmte Stoffe als Auslöser der Erkrankung vermutet werden. In diesen Fällen kann ganz gezielt untersucht werden.

Wie behandelt man die Neurodermitis?

Die Neurodermitis wird in erster Linie von außen mit Cremes, Salben oder Lotionen behandelt. Diese so genannten Externa enthalten beispielsweise Schieferöle oder Teer und werden als Schüttelmixturen angeboten. In vielen Fällen muss mit kortisonhaltigen Präparaten behandelt werden. Werden diese über einen begrenzten Zeitraum angewendet, sind sie relativ arm an Nebenwirkungen und sehr wirksam.

Eine innerliche Therapie mit Tabletten oder Infusionen ist selten notwendig. Es kommen in diesen Fällen Kortison oder antiallergische Mittel zur Anwendung.

Bei der Lichttherapie (Phototherapie) wird die Haut mit Licht bestimmter Wellenlängen bestrahlt, wodurch die Entzündungsreaktion gemildert wird. Die Phototherapie kann auch mit der Einnahme des Medikaments Psoralen vor der Bestrahlung kombiniert werden (PUVA-Therapie = Psoralen plus UVA-Licht). Hierdurch wird die Wirkung verstärkt.

Bei der Klimatherapie sollten sich die Betroffenen etwa vier bis sechs Wochen lang im so genannten Reizklima aufhalten, also am Meer oder im Hochgebirge. In diesen Gebieten ist die Luft arm an Allergenen, sodass sich die entzündete Haut erholen kann. Um den quälenden Juckreiz besser tolerieren zu können, kann es hilfreich sein, Entspannungstechniken zu erlernen. Hierzu zählt beispielsweise das autogene Training. In Einzelfällen kann auch eine Psychotherapie sinnvoll sein.

Wie ist der Verlauf der Neurodermitis?

Die Neurodermitis ist nicht vollständig heilbar. Sie verläuft häufig in Schüben - nach relativ ruhigen Phasen kann sich der Hautzustand sehr rasche verschlechtern. Auslöser können beispielsweise Stress, besondere Belastung oder Ernährungsumstellungen sein. Tritt die Erkrankung im Kindesalter auf, wird der Verlauf nach einigen Jahren häufig milder, die Schübe werden seltener und weniger intensiv.

Wie kann man einer Neurodermitis vorbeugen?

Es gibt Hinweise darauf, dass das Stillen von Säuglingen über die ersten sechs Lebensmonate der späteren Entwicklung von Neurodermitis vorbeugen kann.

Ist man bereits an Neurodermitis erkrankt, kann häufigen Schüben vorgebeugt werden. Die Haut sollte reichlich mit Feuchtigkeit und Fett versorgt werden. Beispielsweise können Ölbäder oder harnstollfhaltige Cremes angewendet werden. Hautkontakt mit reizenden Materialien wie Wolle sollten Neurodermitiker meiden. Insbesondere nachts kann es sinnvoll sein, Baumwoll-Handschuhe zu tragen, um Verletzungen der Haut durch Kratzen zu vermeiden. Vor allem bei Kindern werden solche Schutzmaßnahmen angewendet.

Bei Kindern ist auch der Schutz vor Krankheiten, welche die Haut in Mitleidenschaft ziehen, von großer Bedeutung. Die Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken ist für Kinder ab einem Jahr empfohlen und schützt die Betroffenen davor, dass sich der Juckreiz weiter verschlimmert.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Bundesverband Neurodermitis e.V.

Autor: Dr. med. Ulrike Henning
Letzte Aktualisierung: 07. April 2017
Quellen

Beiträge im Forum "Babyernährung"
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