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Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Autor: Dr. med. Ulrike Henning, Medizinautorin / Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. September 2018

Unter der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) versteht man eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) und des Gehirns (Enzephalitis), die gehäuft im Frühsommer auftritt. Die Erreger der FSME werden durch Zecken übertragen, daher tritt die Krankheit vor allem dort auf, wo viele infizierte Zecken vorkommen.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Der FSME kann besonders in Risikogebieten durch eine Schutzimpfung vorgebeugt werden
(c) iStockphoto/Jovanmandic

In Deutschland sind dies vor allem Waldgebiete in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen und dem südöstlichen Thüringen. Auch vereinzelte Landkreise in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen sind betroffen. Außerdem tritt die FSME in Süd- und Osteuropa, Russland und Asien auf. Jedes Jahr wird die "FSME-Landkarte" aktualisiert, auf der verzeichnet ist, wie viele FSME-Fälle in den verschiedenen Gebieten Deutschlands aufgetreten sind. Aktuell sind das 156 Landkreise (Stand: 2018).

Die Häufigkeit der FSME ist zunehmend, das Verbreitungsgebiet der infizierten Zecken dehnt sich aus. Dennoch ist das Infektionsrisiko insgesamt immer noch als vergleichsweise gering einzuschätzen. Die Wahrscheinlichkeit, in einem FSME-Risikogebiet in Deutschland nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken, liegt schätzungsweise zwischen 0,1 und 5 Prozent, abhängig vom Grad der Durchseuchung der Zecken mit dem FSME-Virus. Im Jahr 2017 wurden deutschlandweit 485 FSME-Erkrankungen registriert. Die Zahl der Erkrankungen ist damit noch einmal gestiegen (2016 wurden bundesweit 348 Fälle registriert).

65 Prozent der an FSME Erkrankten sind männlich. Bei den jüngeren Erkrankten zeigten sich allerdings 2017 erstmals prozentual mehr weibliche als männliche Betroffene. Oft erkranken auch Kinder zwischen fünf und 14 Jahren an FSME und Erwachsene zwischen 40 und 70 Jahren.

FSME-Risikogebiete: Wo liegen die betroffenen Landkreise?

Als FSME-Risikogebiete werden diejenigen Landkreise bezeichnet, in denen statistisch gesehen in den vergangenen Jahren mehr Erkrankungen an FSME auftreten als anderswo. In diesen Regionen ist das Risiko einer Infektion also höher als in anderen. Das bedeutet allerdings nicht, dass man sich nicht auch in anderen Regionen infizieren kann.

  • 88 Kreise in Bayern

  • 43 Kreise in Baden-Württemberg

  • 10 Kreise in Thüringen

  • 9 Kreise in Hessen

  • 4 Kreise in Sachsen

  • 1 Kreis in Rheiland-Pfalz

  • 1 Kreis im Saarland

Eine Übersicht aller Landkreise, in denen seit 2002 die Frühsommer-Meningoenzephalitis aufgetreten ist, können Sie hier beim Robert Koch-Institut nach Bundesländern sortiert abrufen.

Wie kann man sich vor FSME schützen?

Gegen FSME steht eine Schutzimpfung zur Verfügung. Nachdem die Erkrankung häufig einen schwerwiegenden Verlauf nimmt und bei etwa einem Drittel der Fälle zu dauerhaften neurologischen Schäden führt, wird die Impfung von der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Institutes (STIKO) empfohlen. Impfen lassen sollten sich alle Kinder und Erwachsenen, die in den genannten Risikogebieten wohnen oder sich öfter dort aufhalten.

Wie wird FSME verursacht?

Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis wird durch das FSME-Virus verursacht, das durch Schutzmaßnahmen der Gattung Ixodes ricinus auf den Menschen übertragen wird. Erfolgt der Stich einer Zecke, kann über ihren Speichel der Erreger in das menschliche Blut gelangen, sodass etwa 30 Prozent der Gestochenen in der Folge an FSME erkranken. Je nach geographischem Gebiet ist eine unterschiedliche Anzahl der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert, dementsprechend ist das Erkrankungsrisiko sehr unterschiedlich.

Wie äußert sich eine FSME-Erkrankung?

Vom Stich der Zecke bis zum Auftreten der ersten Symptome vergehen etwa sieben bis 14 Tage (Inkubationszeit). Typischerweise verläuft eine FSME-Erkrankung in zwei Phasen, wobei die erste durch unspezifische Symptome gekennzeichnet ist, die zweite dagegen durch Symptome des Zentralen Nervensystems.

Die erste Phase der FSME-Erkrankung ähnelt einer Grippe - es kommt zu unspezifischen Beschwerden wie Fieber und Kopfschmerzen. Auch Atemwegsbeschwerden, Übelkeit und Durchfall können auftreten. Häufig erfolgt nach der ersten Erkrankungsphase zunächst eine Besserung, die etwa eine Woche anhält.

Wie verläuft eine FSME-Erkrankung?

In etwa siebzig Prozent der Fälle kommt es zum typischen Krankheitsverlauf mit einer zweiten Phase. Diese ist geprägt durch die charakteristischen Symptome des erkrankten Zentralen Nervensystems (ZNS). Es kommt zu schweren Krankheitserscheinungen mit hohem Fieber, starkem Erbrechen, Übelkeit und Muskelschmerzen. Bei etwa der Hälfte der Erkrankten entwickelt sich eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) oder eine Kombination von beidem. Auch eine Entzündung des Rückenmarks (Myelitis) ist möglich.

Es kann zu Bewusstseinsstörungen, Koordinationsstörungen sowie Lähmungen an den Gliedmaßen und im Gesicht kommen. Bei der Rückenmarksentzündung zeigen sich ebenfalls Lähmungen der Arme und Beine, Schluck- und Sprechstörungen, Lähmungen der Gesichts- und Halsmuskulatur sowie Atemlähmungen.

Wie wird FSME diagnostiziert?

Eine FSME Erkrankung zu erkennen, ist vor allem im Anfangsstadium oft sehr schwierig. Die Diagnose wird vor allem anhand der Symptome und einem ausführlichen Patientengespräch zur Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) gestellt. Vor allem der Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet sollte dabei erwähnt werden. In vielen Fällen kann sich der Betroffene nicht an den Zeckenstich erinnern, weshalb man sich Zeckenbisse genau notieren sollte.

Durch eine Blutentnahme können Antikörper gegen das FSME-Virus nachgewiesen werden. In der ersten Krankheitsphase sind die Antikörper oftmals noch nicht nachweisbar, steigen jedoch zu Beginn der zweiten Phase rasch an.

Auch in der Nervenflüssigkeit (Liquor), die aus dem Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule entnommen werden kann, ist der Nachweis von FSME-Antikörpern möglich. Nur selten kommt eine Magnetresonanztherapie (MRT) des Gehirns und der Hirnhäute zum Einsatz.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine spezifische Therapie für die FSME gibt es nicht; die unterstützenden Maßnahmen richten sich nach den auftretenden Symptomen. Bei schweren Verläufen ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Bei Auftreten von ZNS-Komplikationen ist häufig eine aufwändige Rehabilitation notwendig.

Unterschiedlicher Verlauf bei Kindern und Erwachsenen

Kinder erkranken zwar häufiger an der Form der isolierten Hirnhautentzündung (Meningitis) als Erwachsene, sie heilt bei ihnen aber meist ohne Folgen aus. Insgesamt wird bei Erwachsenen deutlich häufiger ein schwerwiegender Krankheitsverlauf beobachtet als bei Kindern (Erwachsene 50 Prozent, Kinder 25 Prozent). Während bei erkrankten Kindern bleibende Schäden nur in Einzelfällen beschrieben werden, kommt es bei Erwachsenen in 30 bis 40 Prozent zu länger anhaltenden oder sogar dauerhaften Komplikationen. Häufig sind mehrere Monate andauernde Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, verminderte Stresstoleranz, Sprech- und Gleichgewichtsstörungen. Auch Lähmungen können als Folge der FSME bestehen bleiben. In einem Prozent der Fälle verläuft die FSME-Erkrankung tödlich.

Kann man einer FSME-Erkrankung vorbeugen?

Der FSME-Erkrankung kann durch eine Schutzimpfung vorgebeugt werden. Die Grundimpfung besteht aus drei Impfungen und ist für Kinder und Erwachsene verfügbar.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die FSME-Impfung für alle Personen, die in FSME-Risikogebieten Zecken ausgesetzt sind sowie Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (beispielsweise Forstarbeiter). Erfolgt ein Aufenthalt innerhalb eines FSME-Risikogebiets innerhalb von Deutschland, werden die Kosten der Impfung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der komplette Impfschutz besteht nach drei Impfungen. Später sind Auffrischungsimpfungen im Abstand von drei bis fünf Jahren erforderlich.

Wichtig zu wissen: Die Impfung schützt nicht gegen die relative häufige Borreliose, die ebenfalls von Zecken übertragen wird und gleichermaßen zur Hirnhautentzündung führen kann.

Wie kann man sich vor Zeckenstichen schützen?

Zum Teil können Zeckenstiche durch Schutzmaßnahmen wie das Tragen von heller, geschlossener Kleidung, das Vermeiden von Unterholz und hohen Gräsern und Verbleiben auf festen Wegen verhindert werden. Zeckensprays schützen nur über einige Stunden und sollten regelmäßig erneuert werden. Nach einem Aufenthalt in Wald oder Wiesen sollte man den Körper gründlich auf die kleinen, braunen, etwa Stecknadelkopf großen Tiere absuchen. Ist es tatsächlich zu einem Zeckenstich gekommen, sollte die Zecke so schnell wie möglich vollständig und schonend mit einer spitzen Pinzette entfernt werden.

Autor: Dr. med. Ulrike Henning, Medizinautorin / Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 11. September 2018
Quellen

Beiträge im Forum "Babyernährung"
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