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Lauflernhilfen: Gehfrei und Lauflernwagen sinnvoll für Babys?

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 27. November 2017

Eine Lauflernhilfe ist ein fahrbares Gestell, mit dem sich bereits Babys fortbewegen können. Es gibt zweierlei Arten von Lauflernhilfen: Lauflernwagen und so genannte Gehfreis.

Lauflernhilfen: Gehfrei und Lauflernwagen sinnvoll für Babys?
Wenn das Baby noch nicht frei gehen kann, sind solche Geräte nicht sinnvoll, sondern gefährlich
© iStock.com/Maria Roldan Pazos

Laut Untersuchungen der Stiftung Warentest wird etwa die Hälfte der Babys ab einem Alter von sechs Monaten in Gehfreis gesetzt, in denen sie sich halb sitzend und strampelnd fortbewegen können und dabei sogar Geschwindigkeiten von bis zu 10 km/h erreichen können. Die gut ausgestatteten Geräte, die zwar Lauflernhilfe heißen, behindern jedoch eher die motorische, altersentsprechende Entwicklung der Kinder.

Was ist ein Gehfrei?

In einem Gehfrei (manchmal auch Babywalker genannt) wird das Baby „hineingesetzt“ und durch einen Gurt an den Beinen gehalten. Da das Gerät rund um das Baby durch Rollen beweglich ist, kann sich das Baby leicht fortbewegen. Da die Babys in der Regel noch nicht die Fähigkeit zum Laufen haben, nimmt es im Gehfrei eine unphysiologische Haltung ein und berührt den Boden meist nur mit den Zehenspitzen.

Gehfrei
Ein typischer Gehfrei
(c) BAG

Gehfrei: Sinnvoll oder gefährlich?

Kleine Kinder, die in den Gehfrei gesetzt werden und eigentlich noch keine Fähigkeit besitzen zu stehen und zu laufen, bewegen sich darin relativ unkontrolliert. Dadurch können sie leicht gegen etwas fahren oder auch Treppen runterfallen. So können Unfälle entstehen, bei denen Kinder zum Teil schwere Kopfverletzungen erleiden. Nach Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte erleiden etwa 6.000 Kinder jährlich einen Unfall, der auf das Konto der Babywalker geht. Erwachsene unterschätzen auch oft, dass Kinder in den Gehfreis mehr Bewegungsspielraum als sonst haben und sich dadurch die Zahl der möglichen Gefahrenquellen erhöht. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V. stellen Lauflernhilfen für Babys und Kleinkinder eine der häufigsten Unfallursachen im elterlichen Heim dar, auch wenn es eine DIN-Norm für diese Geräte gibt. Da die Unfälle durch die mit dem Gehfrei entstehenden Umstände passieren, nützt diese allerdings in dieser Hinsicht auch nichts. In Kanada beispielsweise ist der Verkauf von Lauflernhilfen seit dem Jahr 2004 verboten.

Da Kinder, die in einen Gehfrei gesetzt werden, in ihrer motorischen Entwicklung meist noch nicht so weit sind, dass sie selber stehen und gehen können, ist auch der Körper noch nicht dazu in der Lage. Dadurch kann es zu einer Fehlbelastung der Wirbelsäule, Fußfehlstellungen, Muskelverkürzungen und sogar zu einer späteren Gangbildveränderung kommen. Gehfreis sind demnach für die physiologische Entwicklung des Kindes schlecht und alles andere als eine Lauflernhilfe, da es damit nur einseitige motorische Erfahrungen macht und stellen zudem eine erhöhte Unfallgefahr dar.

Lauflernwagen: Besser als Gehfrei?

Lauflernwagen sind kleine Wägelchen, ähnlich einem Rollator, an denen sich die Kinder festhalten und die sie vor sich herschieben können. Der Name Lauflernwagen vermittelt jedoch auch hierbei den Eindruck, dass diese Geräte bereits genutzt werden können, wenn das Kind noch nicht selbstständig laufen kann. Da die Haltung an einem solchen Lauflernwagen jedoch völlig anders als beim freien Gehen ist, ist es ein Trugschluss zu glauben, dass Kinder damit laufen lernen. Die Gleichgewichtsverlagerung ist unterschiedlich und letztendlich müssen Kinder dann zweimal das Laufen entdecken: Einmal mit und einmal ohne Lauflernwagen. Können Kinder bereits selbständig stehen und laufen, spricht nichts gegen die Nutzung der Lauflernwagen als Spielgeräte – außer dass vielleicht Möbel und Türrahmen Schrammen bekommen. Wenn Lauflernwagen so genutzt werden, sind sie sinnvoller als ein Gehfrei.

Besser ohne Geräte laufen lernen

Der Wunsch der Eltern, ihr Baby beim Laufen lernen zu unterstützen, ist verständlich, da die ersten Schritte immer etwas ganz besonderes sind. Sie sollten dabei jedoch auf unterstützende Geräte wie angebliche Lauflernhilfen verzichten und darauf setzen, dass es sich an festen Möbeln in der Wohnung hochziehen kann und so das Stehen und Laufen selber lernt, trainiert und immer weiter verfeinert – ganz ohne Lauflernhilfe wie Lauflernwagen oder Gehfrei. Auch Angebote, wie PEKiP-Kurse können dazu genutzt werden, die motorischen Fähigkeiten eines Kindes spielerisch zu fördern.

Autor: Miriam Funk, Medizinredakteurin
Letzte Aktualisierung: 27. November 2017
Quellen

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