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Mittwoch, 26. Juli 2017
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Social Freezing: Eizellen einfrieren für den späteren Kinderwunsch?

Social Freezing: Eizellen einfrieren für den späteren Kinderwunsch?
Social Freezing: Beim Einfrieren werden die Eizellen mit -196° kaltem, flüssigem Stickstoff schockgefrostet
(c) dra_schwartz/iStockphoto

Das Verfahren des „Social Freezing“ ist ein bedeutender Schritt in der Reproduktionsmedizin. Darunter wird das Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund verstanden.

Ursprünglich wurde das Einfrieren von Eizellen genutzt, damit sich krebskranke Frauen trotz Chemotherapie nach abgeschlossener Behandlung den Kinderwunsch erfüllen können. Sollten die Zellen in den Eierstöcken durch die Krebstherapie geschädigt werden, haben sie so später die Chance eine künstliche Befruchtung mit ihren eingefrorenen Eizellen durchführen zu lassen.

Eizellen einfrieren: Gründe für Social Freezing

Mittlerweile lassen Frauen ihre Eizellen aus verschiedensten Gründen einfrieren: mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Fehlen des (richtigen) Lebenspartners, psychische oder physische Probleme. Wer den Kinderwunsch nach hinten verschieben möchte, muss mit dem Verlust der Fruchtbarkeit rechnen. Da Eizellen mit zunehmendem Alter an Qualität und Quantität verlieren, sinkt die Chance auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen. Mit diesem Wissen entscheiden sich Frauen bewusst dafür Ihre Eizellen einfrieren zu lassen.

Social Freezing: So funktioniert das Eizellen einfrieren

Zum Einfrieren von Eizellen gibt es zwei Kryo-Konservierungstechniken: das Slow-Freezing und die Vitrifikation. Während die Eizellen beim Slow-Freezing langsam eingefroren werden und sich diese Methode als weniger erfolgsversprechend erwies, liegt die Überlebensrate von reifen Eizellen nach dem Auftauen bei der Vitrifikation bei etwa 80 – 95 Prozent. Das Abkühlen erfolgt hier in rascher Geschwindigkeit, die Zellen werden von einem flüssigen in einen glasartig festen Aggregatszustand gebracht. Das Schockfrosten erfolgt mit einem -196° kalten, flüssigen Stickstoff. Bei dieser Temperatur wird der Zustand der Eizelle konserviert.

Ablauf der Vitrifikation beim Social Freezing

Mit Hormonen wird zuerst die Reifung der Eizellen im Eierstock angeregt. Die reifen Eizellen müssen dann bei einem Eingriff über die Vagina abgesaugt werden. Dieser Prozess wird auch bei der künstlichen Befruchtung angewandt. Doch statt Spermium und Eizelle nun zusammenzuführen, werden die Eizellen eingefroren und gelagert. Die Dauer der Lagerung spielt nach dem heutigen Kenntnisstand keine Rolle. Möchte die Frau schwanger werden und es klappt nicht (mehr), können die Eizellen aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Social Freezing: Risiken und Erfolgsaussichten

Wie hoch die Erfolgsaussichten des Social Freezing sind, hängt unter anderem vom Alter der Frau ab. Es empfiehlt sich, die Eizellen in jungen Jahren entnehmen zu lassen – am besten bis zu einem Alter von 35. Allerdings gilt selbst dann: Eine künstliche Befruchtung ist eine körperliche Belastung und es gibt keine Garantie auf ein Kind. Die Chance dabei schwanger zu werden, liegt bei etwa 25 Prozent.

Bei der Hormonbehandlung der Eierstöcke besteht das Risiko einer Überstimulation, die Beschwerden – wie die Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum – verursachen kann.

Es ist nicht komplett ausgeschlossen, dass minimale Veränderungen der Erbinformationen durch die künstlichen Bedingungen des Social Freezing entstehen. Wissenschaftliche Studien haben aber auch gezeigt, dass eingefrorene Eizellen keine Chromosomenanomalien haben. Durch die jungen Eizellen besteht ebenfalls ein geringeres Risiko an Chromosomenfehlverteilungen, wie zum Beispiel Down-Syndrom.

Nicht zu unterschätzen ist allerdings, dass mit fortschreitendem Alter der Mutter auch die Wahrscheinlichkeit von Schwangerschaftskomplikationen steigt. So kann es zum Beispiel zu Frühgeburten kommen.

Social Freezing: Kosten und Regelungen

Eizellen einzufrieren ist in Deutschland nach den geltenden Richtlinien und Gesetzen uneingeschränkt möglich. Social Freezing ist eine Selbstzahlerleistung. Die Kosten werden nicht übernommen oder erstattet. Um eine ausreichende Anzahl an Eizellen zu gewinnen, sind mehrere Stimulationszyklen nötig. Dies ist mit hohen Kosten verbunden. Insgesamt belaufen sich die Ausgaben auf rund 10.000 Euro für Hormonbehandlung, Entnahme der Eizellen, Lagerung und die spätere Befruchtung und Einpflanzung. Eine gründliche Abwägung von Kosten und Erfolgsaussichten ist bei einem solch teuren Verfahren unbedingt notwendig.

Wo wird Social Freezing durchgeführt?

Social freezing wird von einigen Gynäkologen, meist jedoch in Kinderwunschpraxen durchgeführt. Die Entnahme selbst erfolgt ambulant, die Frau kann nach dem Eingriff wieder nach Hause gehen und ihren Alltag bewältigen.

Diskussionsstoff "Social Freezing": Pro und Contra

Erst kürzlich entfachten die amerikanischen Unternehmen „Apple“ und „Facebook“ die Diskussion um das Social Freezing. Mit der Nachricht, sie würden ihre weiblichen Mitarbeiter beim Einfrieren von Eizellen finanziell unterstützen, gossen sie Öl ins Feuer. Frauen müssen sich tatsächlich die Frage stellen, wann der richtige Zeitpunkt für ein Baby ist und ob Kind und Karriere zusammenpassen. Weil die biologische Uhr tickt, geraten sie unter Zeitdruck. Die Möglichkeit Eizellen einfrieren zu lassen, schafft mehr Wahlfreiheiten. Inwieweit es moralisch vertretbar ist, dass der Arbeitgeber diese Möglichkeit eröffnet, bleibt umstritten. Aus medizinischer Sicht ist es sinnvoll, sich möglichst früh mit der Kinderfrage zu beschäftigen. Die biologische Uhr durch Social Freezing auszutricksen, bringt schließlich auch Nachteile mit sich. Da das Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Schwangerschaft eine erhebliche Rolle für die Gesundheit des Kindes spielt, sollten sich Frauen über Vor- und Nachteile vor der Entscheidung gut beraten lassen. „FertiProjekt“, das Netzwerk für fertilitäsprotektive Maßnahmen, hat sich daher dazu entschieden, bei Social Freezing einen Transfer ab dem 50. Lebensjahr nicht mehr zu empfehlen.

Kinderwunsch, Schwangerschaft und Baby: Unser Jahresrückblick 2014

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. April 2016
Quellen: Gnoth, C.: Perikonzeptionelle Frauenheilkunde: Fertilitätserhalt, Prävention und Management von Schwangerschaftsrisiken. Springer-Verlag, Heidelberg 2014; Griesinger, G., Ludwig, M.: Reproduktionsmedizin. Springer-Verlag, Heidelberg 2014; Online-Informationen des Deutschen Netzwerks für fertilitäsprotektive Maßnahmen „FertiProket“: www.fertiprotekt.de (Stand: 24.03.2012); Stute, P., von Wolff, M.: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: Das Praxisbuch. Schattauer Verlag, Stuttgart 2013

Beiträge im Forum "Erfahrungen bei der Reproduktionsmedizin"
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