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Freitag, 24. November 2017
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Insemination (Samenübertragung - IUI)

Insemination
Insemination kann bei medizinischen Indikationen zum Wunschkind verhelfen
Getty Images/iStockphoto

Die Insemination oder Samenübertragung ist die am häufigsten angewandte Methode der künstlichen Befruchtung. Dabei wird das männliche Sperma instrumentell in den Genitaltrakt der Frau eingebracht.

Es handelt sich bei der Insemination um eine Methode der assistierten Reproduktion (künstliche Befruchtung), die - beispielsweise im Gegensatz zur In-vitro-Fertilisation - im Körper der Frau stattfindet. Bei der Samenübertragung wird das männliche Sperma instrumentell direkt in den Genitaltrakt der Frau eingebracht. Die Behandlung wird von einem Arzt durchgeführt und ist gänzlich vom Geschlechtsverkehr entkoppelt.

Formen: IUI, ITI, ICI und Kappeninsemination

Wird zur Insemination das Sperma des eigenen Partners verwendet, handelt es sich um eine homologe Insemination. Findet das Sperma eines Spenders Verwendung, spricht man von einer heterologen (donogenen) Insemination oder auch einer Fremdbefruchtung. Während bei der homologen Insemination die sozialen Eltern auch die leiblichen Eltern sind, sind bei der heterologen Insemination die Mutter und der Samenspender die genetischen Eltern. Der Partner der Frau gilt in diesem Fall als sozialer Vater.

Samenübertragungen werden relativ häufig durchgeführt und gelten als die gängigste Methode der künstlichen Befruchtung. Es werden verschiedene Formen der Insemination unterschieden - abhängig davon, an welchem Ort die Spermien im Körper der Frau deponiert werden.

  • Intrauterine Insemination (IUI): Die Spermien werden bei dieser Technik mit einem flexiblen Katheter direkt in die Gebärmutter eingespritzt. Der IUI wird meist mit einer Hormonbehandlung kombiniert.
  • Intratubare Insemination (ITI): Damit die Spermien einen kürzeren Weg zur Eizelle zurücklegen müssen, werden sie direkt in die Eileiter eingespritzt. Die ITI gilt als Alternative zur IUI, wenn nur eine geringe Anzahl Spermien vorhanden ist.
  • Kappeninsemination: Mit einer speziellen Kappe werden bei dieser Methode die Spermien direkt vor dem Muttermund platziert. Diese Methode wird nur noch selten angewendet.
  • Intrazervikale Insemination (ICI): Hierbei wird das Sperma direkt in den Gebärmutterhals eingespritzt (Zervix = Gebärmutterhals). Auch diese Methode wird nur noch selten angewendet.

Welche Methode der Insemination durchgeführt wird, entscheidet der behandelnde Arzt auf Basis der individuellen Gegebenheiten.

Vorbereitung der Insemination

Eine Insemination erfolgt nach einem Behandlungsplan. Zu Beginn werden die Eierstöcke stimuliert und so ein Eisprung ausgelöst. Danach folgt die eigentliche Übertragung des Samens. Welche Schritte durchgeführt werden, hängt von den persönlichen Voraussetzungen ab.

Es ist zwar möglich, eine Insemination im natürlichen Zyklus einer Frau durchzuführen, doch hat sich dies in vielen Fällen als nicht erfolgreich erwiesen. Daher wird empfohlen, eine Insemination stets mit einer Stimulationsbehandlung zu kombinieren. Zu diesem Zweck wird die Reifung der Follikel mit Clomifen oder FSH (Follikelstimulierendes Hormon) stimuliert. Sobald ein Follikel einen Durchmesser von etwa 17 bis 20 Millimeter erreicht hat, kann der natürliche Eisprung abgewartet oder aber durch Gabe des Hormons hCG (Humanes Choriongonadotropin) künstlich ausgelöst werden.

Damit nur die besten Samenzellen in die Gebärmutter gelangen, wird das Sperma vor der Insemination aufbereitet und die weniger beweglichen von den gut beweglichen Spermien getrennt. Zusätzlich durchlaufen die Spermien oft einen künstlichen Reifungsprozess. Das aufbereitete Sperma muss relativ bald nach der Gabe des hCG-Hormons bereitgehalten werden, da der Eisprung bereits etwa 35 Stunden später einsetzt.

Wenn zur Insemination das Sperma eines Spenders verwendet werden soll, steht vor der Behandlung natürlich die Wahl des geeigneten Spendersamens aus einer Samenbank. Dort wird das Sperma in flüssigem Stickstoff bis zu seiner Verwendung gelagert und tiefgefroren (Kryokonservierung).

Ablauf einer Insemination

Die Insemination ist eine schmerzfreie Behandlung und vergleichbar mit einer gynäkologischen Untersuchung. Sie wird auf einem Untersuchungsstuhl durchgeführt. Der Partner kann bei der Insemination anwesend sein.

Zum Zeitpunkt des Eisprungs werden die aufbereiteten Spermien in einen Katheter aufgezogen. Der weiche, biegsame Plastikschlauch wird anschließend in die Scheide der Frau eingeführt und an den Ort weiter geschoben, an dem die Spermien verbleiben sollen. Dort werden die Samenzellen langsam eingespritzt. Danach wird der Katheter wieder entfernt. Da sich die Spermien gut verteilen sollen, verbleibt die Frau noch einige Zeit liegend auf dem Untersuchungsstuhl.

Bei der Kappeninsemination wird kein Katheter eingeführt, sondern der Samen mittels einer Kappe direkt vor den Muttermund gebracht. Die Kappe verhindert, dass die Flüssigkeit abfließt. Nach etwa ein bis zwei Stunden kann die Frau die Kappe selbstständig wieder entfernen.

Da die Insemination in der Zyklusmitte durchgeführt wird, kann ein Schwangerschaftstest 14 Tage später Aufschluss über den Erfolg der Behandlung geben. Alternativ kann die Regelblutung abgewartet werden.

Erfolgschancen der Insemination

Eine Insemination führt im Regelfall nicht sofort zu einer Schwangerschaft. Oft sind hierfür mehrere Versuche notwendig. Nach einem Jahr werden etwa 80 Prozent der Frauen nach einer Insemination schwanger - bis zu 60 Prozent davon bereits innerhalb der ersten drei Behandlungszyklen. Stellt sich auch nach mehreren Behandlungen kein Erfolg ein, muss man davon ausgehen, dass diese Methode für das Paar keine Aussicht auf Erfolg bietet.

Anwendungsgebiete der Insemination

Eine Insemination kann unter bestimmten Voraussetzungen versucht werden:

  • Wenn zu wenig Spermien produziert werden, sie nicht beweglich genug sind oder viele missgebildete Spermien vorhanden sind.
  • Wenn der Mann keinen Geschlechtsverkehr durchführen kann.
  • Wenn eine Störung im Bereich der Gebärmutter vorliegt.

Kosten und rechtliche Aspekte einer Insemination

Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung sind in Deutschland Bestandteil der Leistungen der Krankenversicherungen. Die gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung, bei der der Grund für die Kinderlosigkeit festgestellt wird.

Bei einer Insemination mit hormoneller Stimulation übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Hälfte der Kosten für bis zu drei ärztliche Behandlungen und die Medikamente. Bei einer Insemination ohne hormonelle Stimulation werden die Hälfte von bis zu acht Behandlungen und die Medikamente getragen.

Die Kostenübernahme ist generell an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Beispielsweise muss das Paar verheiratet sein, beide Partner dürfen nicht jünger als 25, der Mann nicht älter als 50 und die Frau nicht älter als 40 Jahre alt sein. Daneben muss für die Frau ein gültiger Röteln-Schutz vorliegen und beide Partner müssen HIV-negativ sein. Wird der Samen eines Spenders bei dieser Behandlung eingesetzt, so muss das Paar die Kosten hierfür in der Regel selbst tragen. Genaue Einzelheiten sollten mit der Krankenkasse abgeklärt werden.

Auch unverheirateten Paaren ist es generell möglich, Techniken der assistierten Reproduktion durchführen zu lassen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten bei Unverheirateten in der Regel nicht, es gibt jedoch Ausnahmen.

Kinder, die durch die donogene Insemination gezeugt wurden, haben nach Vollendung des 18. Lebensjahres das Recht darauf zu erfahren, von wem sie abstammen. Daher kann in Deutschland die Anonymität eines Samenspenders nicht gewahrt werden.

Komplikationen und Risiken

Wenn durch die Stimulationsbehandlung mehr als drei Eizellen heranreifen, ist das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht. Daher sollte in diesem Fall keine Insemination durchgeführt werden.

Bei der Verwendung von Spendersamen kann es zur Übertragung von Infektionen kommen. Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Spender Erbkrankheiten auf das Kind überträgt.

Neben den körperlichen Belastungen, die eine Hormonbehandlung mit sich bringt, kann die Therapie auch eine starke psychische Belastung des Paares zur Folge haben. Das gilt vor allem dann, wenn die Behandlung über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt wird und ein großer Teil des Lebens nach Untersuchungs- oder Kontrollterminen beim Arzt ausgerichtet werden muss.

Auch kann die Verwendung von Spendersamen bei einer Insemination zu Konflikten in der Partnerschaft führen. Deshalb wird die heterologe Insemination stets nur bei sehr stabilen Partnerschaften empfohlen.

Alternativen zur Insemination

Alternativen zur Insemination ergeben sich aus den körperlichen Voraussetzungen des Paares mit Kinderwunsch. Falls der Misserfolg einer Insemination beispielsweise im Verschluss eines Eileiters begründet liegt, kann eine In-vitro-Fertilisation oder Intraycytoplasmatische Spermieninjektion ausprobiert werden. ancen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Juni 2017
Quellen: Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln: www.schwanger-info.de. (Stand: Oktober 2008); Diedrich, K. et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007; Sautter, Dr. med. T.: Wirksame Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch. Thieme, Stuttgart 2000; Keck, Dr. med. Ch.: Neue Wege bei unerfülltem Kinderwunsch. Trias, Stuttgart 2008; Online Informationen des PAN Institut für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Köln: http://www.fertilitycenter-koeln.de/ (Stand: Oktober 2008)

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