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Künstliche Befruchtung - Kosten, Ablauf und Erfolgschancen

Künstliche Befruchtung - Kosten, Ablauf und Erfolgschancen
Vielen Paaren bleibt nur die künstliche Befruchtung, um Eltern zu werden. Welche Kosten sie tragen müssen, ist je nach Krankenkasse sehr unterschiedlich
(c) iStockphoto

Künstliche Befruchtung kann kinderlosen Paaren zu einem Baby verhelfen, wenn der Kinderwunsch nicht auf natürliche Weise erfüllt werden kann. Bei der künstlichen Befruchtung bringt der Arzt Samen und Ei innerhalb oder außerhalb des weiblichen Körpers zusammen.

Da die Medizin bei der künstlichen Befruchtung in den Zeugungsakt eingreift und der Vorgang von der natürlichen Sexualität eines Paares entkoppelt ist, wird die Zeugung als "künstlich" bezeichnet. Wie bei der Befruchtung (Konzeption) durch Geschlechtsverkehr verschmelzen auch bei der künstlichen Befruchtung Ei- und Samenzelle miteinander. Lediglich der Weg dorthin unterscheidet sich. Die Kosten einer künstlichen Befruchtung liegen je nach Methode und Anbieter in Deutschland bei mindestens 2.000 Euro pro Versuch. Da nicht jeder Versuch auch zu einer Schwangerschaft führt, müssen Paare mit deutlich höheren Kosten rechnen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei verheirateten Paaren unter bestimmten Voraussetzungen anteilig die Kosten einer künstlichen Befruchtung für bis zu drei Versuche.

Allgemeines zur künstlichen Befruchtung

In Deutschland sind zwischen 15 und 20 Prozent aller Paare ungewollt kinderlos. Der Anteil an Paaren, die durch künstliche Befruchtung schwanger werden wollen, ist weiter gestiegen: Wurden im Jahr 2006 in Deutschland noch knapp 60.000 künstliche Befruchtungen vorgenommen, waren es 2013 schon über 80.000. Eine der wesentlichen Ursachen für diese Zunahme ist das Alter der Paare mit Kinderwunsch. So liegt das Durchschnittsalter von erstgebärenden Frauen mittlerweile bei knapp 30 Jahren. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fruchtbarkeit stark ab. Aufgrund dieses "Zeitdrucks" entscheiden sich wiederum viele Paare frühzeitig, dem Kinderwunsch mithilfe der künstlichen Befruchtung zu erfüllen.

Methoden der assistierten Reproduktion

Ob und welche der Methoden der assistierten Reproduktion einem Paar zu einem Wunschkind verhelfen kann, klärt der behandelnde Arzt (ggf. in einem Kinderwunschzentrum) auf Basis der individuellen Voraussetzungen ab. Die Behandlung selbst begrenzt sich nicht auf einen einzigen Termin. Es sind mehrere Untersuchungen und Behandlungsschritte notwendig, die bei einem Misserfolg oft mehrere Male wiederholt werden müssen. Daher kann sich eine Behandlung über mehrere Monate hinziehen.

Zu den Methoden der assistierten Reproduktion zählen:

  • Insemination (Samenübertragung)
  • In-vitro-Fertilisation (IVF)
  • Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
  • Intratubarer Gametentransfer (GIFT)

Keine der Techniken garantiert das Eintreten einer Schwangerschaft. Paare, die sich zu einer künstlichen Befruchtung entscheiden, sollten daher ein hohes Maß an Ausdauer, Geduld und psychischer Stärke mitbringen.

Erfolgschancen bei künstlicher Befruchtung

Die Erfolgschancen bei künstlicher Befruchtung sind unterschiedlich. Sie hängen von der jeweiligen Methode und ganz persönlichen Faktoren wie Alter des Paares, Qualität von Eizelle sowie Samenzellen und weiteren Faktoren ab. Oft sind mehrere Behandlungen notwendig, bis eine Schwangerschaft einsetzt. Pro Zyklus liegen die Erfolgsaussichten etwa bei IVF und ICSI durchschnittlich bei 15 bis 25 Prozent.

Besonders das Alter der Mutter spielt hinsichtlich der Erfolgsaussichten der Kinderwunschbehandlung eine Rolle: Statistisch gesehen liegen die Chancen einer 32-Jährigen, per IVF schwanger zu werden, bei  knapp 43 Prozent. Eine 42-jährige Frau hat eine etwa 18-prozentige Chance auf Erfolg der IVF.

Bei allen Statistiken und allem Wissen um die Erfolgsraten der künstlichen Befruchtung: Es handelt sich immer nur um Durchschnittswerte. Jede Kinderwunschbehandlung ist individuell und es ist daher ratsam, sie positiv und hoffnungsvoll anzugehen.

 

Komplikationen und Risiken der künstlichen Befruchtung

Die Methoden der künstlichen Befruchtung bergen unterschiedliche Risiken und Komplikationen. So kann es beispielsweise durch die Hormonstimulation bei einigen Verfahren zu Mehrlingsschwangerschaften kommen. Daneben greift die Stimulation mit Hormonen auch stark in den Körper der Frau ein. Operative Eingriffe können zu Infektionen oder Verletzungen an Blase, Darm oder Blutgefäßen führen. Wird Sperma direkt aus den Hoden entnommen, besteht auch hier eine Verletzungsgefahr für den Mann.

Neben den körperlichen Beschwerden, kann die Therapie auch eine starke psychische Belastung des Paares zur Folge haben. Das gilt vor allem dann, wenn die Behandlung über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird und ein großer Teil des Lebens nach Untersuchungs- oder Kontrollterminen beim Arzt ausgerichtet werden muss. Ärzte können in diesem Fall eine psychologische Begleitung empfehlen.

Gesetzliche Regelungen zur Durchführung einer künstlichen Befruchtung

Die medizinischen Einzelheiten und Voraussetzungen zur Durchführung einer künstlichen Befruchtung werden in einer entsprechenden Richtlinie des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen geregelt. Demnach sind in Deutschland Leihmutterschaft, die Verwendung fremder Eizellen (Eizellspende), die Verwendung von Samenzellen Verstorbener sowie die Geschlechtsauswahl bei Samenzellen gesetzlich verboten. Lediglich zum Ausschluss von geschlechtsspezifischen Erbkrankheiten darf eine Geschlechtsauwahl unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden. Auch die Präimplantationsdiagnostik ist nach dem Embryonenschutzgesetz lediglich eingeschränkt - zum Beispiel bei schweren Gendefekten oder Erbkrankheiten - sowie nach Zustimmung einer Ethikkommission möglich.

Das Einfrieren von Keimzellen (Kryokonservierung) ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Unter dem Begriff "Social Freezing" versteht man das Einfrieren von Eizellen ohne medizinischen Grund.

Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung

Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung sind in Deutschland Bestandteil der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, tragen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Hälfte der Kosten für die ärztlich empfohlenen Methoden der künstlichen Befruchtung. Allerdings auch nicht unbegrenzt viele Behandlungszyklen. Grundvoraussetzung für eine Kostenbeteiligung ist, dass die Kinderwunschbehandlung eine Aussicht auf Erfolg hat.

Welche Kosten die privaten Krankenversicherungen übernehmen, ist individuell geregelt. Es sollte vor der Kinderwunschbehandlung mit der Krankenkasse Kontakt aufgenommen werden.

Unverheiratete Paare müssen sich darauf einstellen, dass sie die Kosten für eine künstliche Befruchtung selbst übernehmen müssen. Genaue Informationen zum Einzelfall kann die jeweilige Krankenkasse geben.

Vorraussetzungen für Kostenübernahme der Kassen

Während die gesetzlichen Krankenkassen früher die Kosten für bis zu vier künstliche Befruchtungen übernahmen, gibt es seit 2004 nur noch 50 Prozent Zuschuss von der Kasse – und das auch nur für die ersten drei Versuche der künstlichen Befruchtung. Außerdem müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Kasse überhaupt für die künstliche Befruchtung zahlt: Das Paar muss verheiratet, der Mann zwischen 25 und 50 und die Frau zwischen 25 und 40 Jahre alt sein. Dies schreibt der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung vor.

Die Kosten einer künstlichen Befruchtung bewegen sich in den meisten Fällen im Bereich von mindestens 2.000 Euro pro Versuch, da jedoch nicht jeder Versuch zum gewünschten Erfolg, also einer Schwangerschaft führt, kostet das Schwanger werden oft deutlich mehr. Paare, die sich dafür entscheiden, müssen also mit hohen Kosten als Eigenanteil rechnen.

Findet die Kinderwunschbehandlung aufgrund einer vorherigen Sterilisation statt, besteht kein Anspruch Kostenübernahme, es sei denn, die Sterilisation erfolgte aus medizinisch notwendigem Grund.

Satzungsleistungen lassen den Kassen Spielraum

Krankenkassen haben die Möglichkeit, Angebote in ihre Satzungsleistungen aufzunehmen, die über das hinausgehen, was der verbindliche GKV-Leistungskatalog vorsieht. Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz, das seit 1. Januar 2012 gilt, erweitert diese Möglichkeiten. Leider haben bereits auch schon einige Krankenkassen ihre erweiterten Leistungen wieder zurückgenommen.

Deshalb bieten einige Krankenkassen ihren Versicherten mit unerfülltem Kinderwunsch höhere Zuschüsse. Die Art der Leistungen sind jedoch sehr unterschiedlich. So übernimmt beispielsweise die AOK Baden-Württemberg seit Juli 2013 statt der vorgeschriebenen 50 Prozent sogar 75 Prozent für die ersten drei Versuche. Auch gibt es bei dieser Krankenkasse keine Altersbeschränkung bis 40 mehr für die Frau und gleichgeschlechtliche weibliche Lebenspartnerschaften können hier sogar unter bestimmten Umständen bezuschusst werden.

Wenige Kassen übernehmen drei Versuche komplett

Ganz ohne Eigenanteil zur künstlichen Befruchtung ist es für Paare, die bei der AOK oder der BKK B. Braun versichert sind: Diese Kassen übernehmen die Kosten für die ersten drei Versuche zu 100 Prozent, wenn beide Partner dort versichert sind.

Im Zweifel bei der Krankenkasse nachfragen, welche Kosten übernommen werden

Einen Überblick zu den über das Übliche hinausgehenden Leistungen der Krankenkassen bei künstlicher Befruchtung sehen Sie in der Tabelle. Leider haben einige Krankenkassen, die mit der Übernahme von 100 Prozent der Kosten bei künstlicher Befruchtung geworben haben, inzwischen diese Kostenübernahme wieder zurückgenommen. Wenn Sie eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen wollen, lohnt es sich, einen Blick in die Satzungsleistungen Ihrer Krankenkasse zu werfen und am besten direkt dort nachzufragen, um den aktuellen Stand zu erfahren.

Diese Kassen übernehmen mehr Kosten bei künstlicher Befruchtung als sie müssen:

(Stand 18. Dezember 2015, kein Anspruch auf Vollständigkeit)

Kasse zusätzliche Satzungsleistung Bundesland
AOK Rheinland/Hamburg 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche, wenn beide Eheleute dort versichert sind NRW/Hamburg
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche Rheinland-Pfalz, Saarland
AOK Baden-Württemberg 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche, auch für gleichgeschlechtliche weibliche Paare (wenn beide unfruchtbar sind), keine Altersgrenze. Voraussetzung: Beide Partner müssen bei der AOK BaWü versichert sein Baden-Württemberg
AOK Bayern Übernahme von 50 Prozent der Kosten auch beim 4. Versuch, wenn beide Partner dort versichert sind Bayern
AOK Hessen 100 Prozent Erstattung der ersten drei Versuche, wenn beide Ehepartner bei der AOK Hessen versichert sind und Ei- und Samenzellen der Ehepartner verwendet werden Hessen
Atlas BKK Ahlmann 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, NRW-Rheinland
BKK Akzo Nobel Bayern obere Altersgrenze Frau auf 45 Jahre erweitert; weitere Zuschüsse bis zu 1.000 Euro Bayern
BKK EWE jeweils bis zu 1.000 Euro Zuschuss bei den ersten drei Versuchen geschlossene BKK, nur für Betriebsangehörige
BKK exklusiv jeder versicherte Ehegatte erhält weitere Zuschüsse von bis zu 250 Euro für bei ihm erfolgten Behandlungsversuchen, bei bis zu drei Versuchen. Niedersachsen, Mecklenburg Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen
BKK VBU 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche, wenn beide Eheleute dort versichert sind bundesweit
BKK Verbund plus je 200 Euro zusätzlicher Zuschuss für die ersten drei Versuche, wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein
BKK Wirtschaft & Finanzen einmalig 500 bzw. 1.000 Euro (wenn beide Ehepartner versichert sind) zusätzlicher Zuschuss zum genehmigten Behandlungsplan bundesweit
DAK 100 Prozent Erstattung der ersten drei Versuche, wenn beide Ehepartner dort versichert sind bundesweit
Hanseatische Krankenkasse (HEK) je 200 Euro zusätzlicher Zuschuss für die ersten drei Versuche, wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind bundesweit
IKK classic bis zu 500 Euro zusätzlicher Zuschuss pro Versuch, wenn beide Partner dort versichert sind; 250 €, wenn nur einer dort versichert ist bundesweit
IKK Südwest für ab 1. Januar 2017 genehmigte Versuche: 100 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche, wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland
TK 250 Euro Zuschuss für die ersten drei Versuche,  wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind bundesweit
WMF BKK 100 Prozent, wenn beide Ehepartner dort versichert sind bundesweit

 

Sie kennen eine weitere Krankenkasse, die mehr als die gesetzlichen Leistungen bei künstlicher Befruchtung zahlt? Schicken Sie uns eine Mail an redaktion@9monate.de. Danke!

Weitere finanzielle Unterstützung der Kinderwunschbehandlung

Sowohl der Bund als auch die Länder bieten unter bestimmten Voraussetzungen eine zusätzliche finanzielle Unterstützung der künstlichen Befruchtung an. Weitere Informationen darüber gibt es zum Beispiel auf dem Informationsportal zu Kinderwunsch des Bundesfamilienministeriums: https://www.informationsportal-kinderwunsch.de/startseite/.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. März 2017
Quellen: Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Stand: 2013); Online-Informationen des Deutschen IVF-Registers: http://www.deutsches-ivf-register.de (Stand: 2014); Presse-Informationen der Krankenkassen von Wolff, M., Stute, P.: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Schattauer, Stuttgart 2013

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