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Unverträglichkeit von Milchzucker

Laktoseintoleranz: Wenn der Darm gegen Milch rebelliert

Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 04. September 2019

Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen – durch diese typischen Symptome macht sich eine Laktoseintoleranz bemerkbar. Wie Sie mit einer entsprechenden Ernährung die Beschwerden der Unverträglichkeit von Milchzucker in den Griff bekommen.

Laktoseintoleranz: Wenn der Darm gegen Milch rebelliert
Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen keinen Milchzucker, der in Milch und Milchprodukten steckt
© iStock.com/AaronAmat

Was ist Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)?

Die Laktoseintoleranz zählt zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Im Gegensatz zu einer Nahrungsmittelallergie ist nicht das Immunsystem des Körpers beteiligt. Bei einer Laktoseintoleranz treten die Beschwerden auf, weil der Körper Milchzucker nicht richtig verdauen kann. In Deutschland sind etwa 15-20 Prozent der Bevölkerung von einer Unverträglichkeit der Laktose betroffen.

Milchzucker steckt von Natur aus in Milch und Milchprodukten wie Käse, Joghurt, Quark oder Sahne. Daneben wird Laktose häufig als Zusatzstoff verwendet, zum Beispiel in Grillsaucen, Schokolade, Tiefkühl-Gemüsezubereitungen, Cremesuppen, Backmischungen, Süßstofftabletten oder Medikamenten.

Artikelinhalte auf einen Blick:

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Die häufigsten Auslöser von Allergien

Symptome: Wie äußert sich Laktoseintoleranz?

Die Symptome einer Laktoseintoleranz sind vielfältig und unterscheiden sich individuell. Sie können kurz nach dem Verzehr oder erst Stunden später auftreten und bis zu 48 Stunden anhalten.

Typische Symptome einer Laktoseintoleranz sind:

  • Durchfall
  • krampfartige Magenschmerzen
  • heftige Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Vollegefühl

Auch Beschwerden, die nicht mit dem Darm zusammenhängen, können bei einer Laktoseintoleranz auftreten. Dazu gehören zum Beispiel:

Wie stark die Symptome der Laktoseintoleranz ausgeprägt sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Menge des verzehrten Milchzuckers
  • Restaktivität des Enzyms Laktase
  • Zusammensetzung der Darmflora
  • Zusammensetzung der Nahrung

Ursachen von Laktoseintoleranz – mangelnde Enzymaktivität ist schuld

Für die Verdauung von Milchzucker spielt das Enzym Laktase eine entscheidende Rolle. Es befindet sich in der Dünndarmschleimhaut und spaltet den mit der Nahrung aufgenommenen Milchzucker in seine Einzelbestandteile Glukose und Galaktose, damit sie vom Körper aufgenommen werden können. Bei einer fehlenden oder verminderten Aktivität des Enzyms gelangt die Laktose unverändert in den Dickdarm. Dort muss sie von den Darmbakterien abgebaut werden. Bei diesem Gärungsprozess entstehen Gase wie Methan, Wasserstoff oder Kohlendioxid, die für die typischen Beschwerden einer Laktoseintoleranz sorgen.

Formen der Laktoseintoleranz:

  • Primärer Laktasemangel (Hypolactäsie): Diese Form der Laktoseintoleranz tritt am häufigsten auf. Im Laufe des Lebens kommt es genetisch bedingt zu einer Abnahme der Enzymaktivität der Laktase. Wann genau das passiert, kann individuell ganz unterschiedlich sein: Der Verlust der Aktivität verläuft langsam und kann sich durchaus erst im Alter von 70 Jahren durch erste Beschwerden bemerkbar machen.

  • Sekundärer Laktasemangel: Bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts bringen eine verminderte Verträglichkeit von Laktose mit sich: Dazu zählen eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Wird die ursächliche Krankheit behandelt, bessert sich auch die Unverträglichkeit des Milchzuckers wieder.

  • Kongenitaler Laktasemangel (Alactasie): Hierbei handelt es sich um eine seltene Form der Laktoseintoleranz, die bereits beim Baby auftritt und angeboren ist. Da dem Säugling das Enzym Laktase bei der Geburt fehlt, zeigen sich die Symptome schon in den ersten Lebenswochen. Eine solche Laktoseintoleranz erfordert eine lebenslange, konsequent laktosefreie Spezialnahrung.

Diagnose: Test auf Laktoseintoleranz

Ob eine Laktoseintoleranz vorliegt, kann der Arzt mithilfe geeigneter Tests feststellen:

  • Atemtest (H-Laktose-Atemtest): Unter ärztlicher Aufsicht wird eine Lösung aus in Wasser aufgelöstem Milchzucker getrunken und anschließend nach 20, 40, 60, 80, 100 und 120 Minuten gemessen, ob sich die typischen Darmgase als Anzeichen für eine Laktoseintoleranz in der Atemluft befinden.

  • Blutzuckertest (Laktosetoleranztest): Es wird eine definierte Menge Milchzucker zugeführt, nach 60 und 120 Minuten gemessen, wie sich der Blutzuckerspiegel verändert. Bei einer Laktoseintoleranz kommt es zu keinem oder nur zu einem verminderten Anstieg des Blutzuckers.

  • Gentest: Da der Enzymmangel durch eine genetische Veränderung im Erbgut entsteht, kann ein Gentest per Wangenschleimabstrich oder Blutprobe ebenfalls Aufschluss über das Vorliegen einer Laktoseintoleranz geben. Da dieses Verfahren jedoch sehr aufwendig ist, wird es selten angewandt.

  • Probenentnahme bei Magenspiegelung: Eine Laktoseintoleranz kann auch durch die Entnahme von Gewebeproben während einer Magenspiegelung diagnostiziert werden.

Gesunde Ernährung: Tipps für eine gesündere Lebensweise

Therapie: Auslöser der Laktoseintoleranz vermeiden

Fehlt die Aktivität der Laktase bei einer primären Laktoseintoleranz oder ist sie eingeschränkt, kann sie nicht wiederhergestellt werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Betroffene nun komplett auf Milch und Milchprodukte verzichten müssen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält einen generellen Verzicht meist für unnötig. Nur in sehr seltenen Fällen oder bei einer angeborenen Laktoseintoleranz ist eine konsequente Vermeidung erforderlich, häufiger ist jedoch eine Restaktivität des Enzyms Laktase vorhanden, sodass individuell ermittelt werden kann, wie viel Laktose noch vertragen wird. Dazu ist eine Ernährungsumstellung bei Laktoseintoleranz die Therapie der Wahl. Sie erfolgt gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder einem Ernährungsberater und findet in drei Phasen statt.

Ernährungsumstellung bei Laktoseintoleranz:

  • Karenzphase: Über eine Dauer von zwei bis vier Wochen wird komplett auf Laktose verzichtet – es kommt zum Abklingen der Beschwerden.

  • Testphase: Nach und nach werden Milch und Milchprodukte wieder in den Speiseplan integriert und ihre Verträglichkeit dokumentiert. Die Laktose wird dazu in kleinen Portionen und statt isoliert gemeinsam mit anderen Mahlzeiten in die Ernährung eingebunden.

  • Langzeiternährung: Nachdem die individuelle Verträglichkeit von Lebensmitteln bestimmt wurde, geht die Testphase in eine Dauerernährung über, die ausgewogen ist und dennoch keine Beschwerden verursacht. Je nachdem, wie wenig Laktose vertragen wird, kann in bestimmten Fällen die zusätzliche Einnahme von Vitamin-D- oder Kalzium-Präparaten erforderlich sein.

Ernährung bei Laktoseintoleranz: Genießen ohne Milch – kein Problem!

Viele Betroffene quält die Frage: Was darf ich bei einer Laktoseintoleranz essen? Um die individuelle Verträglichkeit von Laktose zu ermitteln, ist es wichtig, den Laktosegehalt der verschiedenen Lebensmittel zu kennen. In der Europäischen Union müssen verpackte Produkte ausweisen, wie viel Laktose sie enthalten. Bei unverpackten Produkten muss der Verkäufer über die Inhaltsstoffe Auskunft geben können. Lebensmittel, die einen Laktosegehalt bis 0,1 Gramm pro 100 Gramm enthalten, gelten als laktosefrei. Gesäuerte Milchprodukte wie Kefir oder Buttermilch sind aufgrund ihrer enthaltenen Säure oft verträglicher.

Laktosegehalt von Milch und Milcherzeugnissen:

  Laktose in Gramm pro 100 Gramm Lebensmittel
Frischmilch, H-Milch 4,8-5,0 g
Milchmixgetränke 4,4-5,4 g
Joghurt 3,7-5,6 g
Kefir 3,5-6,0 g
Buttermilch 3,5-4,0 g
Milchpulver 38,0-51,5 g
Fertigdesserts (z.B. Pudding, Milchreis) 3,3-6,3 g
Eiscreme 5,1-6,9 g
Doppelrahmfrischkäse 3,4 -4,0 g
Speisequark 2,0-3,8 g
Hüttenkäse 2,6 g
Schmelzkäse 2,8-6,3 g
Butter 0,6-0,7 g
Butterschmalz
Hart-, Schnitt- und Weichkäse wie Appenzeller, Bergkäse, Brie, Butterkäse, Camembert, Edamer, Emmentaler, Gouda, Mozzarella, Parmesan, Schafskäse oder Tilsiter < 1,0 g

Geeignete Lebensmittel bei Laktoseintoleranz:

Milch und Milchprodukte enthalten wertvolle Inhaltsstoffe wie Kalzium, die der menschliche Körper zum Beispiel zum Aufbau und Erhalt der Knochenmasse benötigt. Doch es gibt viele Nahrungsmittel, die von Natur aus laktosefrei sind und Kalzium enthalten.

  • Gemüse (Brokkoli, Mangold, Grünkohl, Spinat oder Fenchel sind besonders kalziumreich)
  • Obst
  • Fleisch
  • Fisch
  • Eier
  • Kartoffeln
  • Reis
  • Nudeln
  • Mineralwasser mit einem Gehalt von über 150 Milligramm Kalzium pro Liter
  • Produkte zum Milchersatz wie Sojamilch, Mandel- Kokos-, Hafer- oder Reisdrink
  • laktosefreie Milch
  • mit Kalzium angereicherte Sojaprodukte

Einkaufshilfe: Der Zusatz "kann Spuren von Milch enthalten" ist für Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie gedacht, bei der schon kleinste Mengen Laktose allergische Reaktionen auslösen – bei einer Laktoseintoleranz können diese Lebensmittel verzehrt werden. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich trotzdem, denn für Milchzucker werden verschiedene Namen verwendet – Laktose, Lactose, Laktitol, Laktit, Molkepulver, Milchpulver, Kefirpulver oder Zuckerstoffe.

Laktoseintoleranz: Tabletten nur in Ausnahmefällen einnehmen

Wer zu Hause selbst kocht, kann den Gehalt an Laktose seiner Ernährung bestens im Blick behalten. Doch beim Essen außer Haus stehen Betroffene oft vor einer großen Herausforderung: Nicht immer lässt sich der Laktosegehalt der Speisen korrekt abschätzen. Für solche Fälle können Tabletten mit Laktase zum Einsatz kommen. Diese ersetzen jedoch nicht die Ernährungsumstellung und sollten erst nach der Diagnose Laktoseintoleranz durch einen Arzt eingenommen werden.

Bei diesen Tabletten handelt es sich um Enzympräparate, die das Enzym Laktase teilweise ersetzen und Milch auf diese Weise verdaulicher machen. Sie werden zum Beispiel in Form von Kautabletten gleichzeitig mit den laktosehaltigen Lebensmitteln eingenommen. Wie hoch die Dosierung ist, richtet sich nach der persönlichen Verträglichkeit des Milchzuckers. Zu kaufen gibt es die Tabletten in Drogerien oder Apotheken.

Verlauf und Komplikationen einer Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz ist es wichtig, durch Alternativen auf eine ausreichende Zufuhr an Kalzium zu achten. Ein dauerhafter Kalziummangel könnte langfristig das Risiko einer Osteoporose (Knochenschwund) begünstigen. Hierbei kommt es zu einem Abbau der Knochensubstanz, sodass die Knochendichte abnimmt und anfälliger für Brüche wird. Bei der Entstehung von Osteoporose spielen allerdings noch weitere Faktoren eine maßgebliche Rolle – zum Beispiel Lebensalter, hormonelle Umstellungen während der Wechseljahre oder genetische Vorbelastungen.

Laut "inform" besteht bei einer langfristig unbehandelten Laktoseintoleranz die Möglichkeit, dass schädliche Bakterien die nützlichen im Darm verdrängen und eine Antibiotikatherapie eingeleitet werden muss.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga e. V.) tritt in 60 Prozent der Fälle die Laktoseintoleranz gepaart mit einer Fruktoseintoleranz auf. Aus diesem Grund bleiben die Beschwerden dann trotz Verzicht auf Milchprodukte bestehen. Es kommt zu ähnlichen Beschwerden wie bei einer Laktoseintoleranz – Krämpfe, Blähungen, Durchfall. Bestehen beide Unverträglichkeiten parallel, verstärken sich die Symptome möglicherweise. Auch ein Reizdarm oder Reizmagen kann statt einer Laktoseintoleranz Ursache der Beschwerden sein. Symptome sollten daher stets ärztlich abgeklärt werden.

Vorbeugung: Lässt sich eine Laktoseintoleranz vermeiden?

Einer Laktoseintoleranz kann nicht vorgebeugt werden. Präventiv auf Milch und Milchprodukte zu verzichten, ist nicht sinnvoll und keinesfalls anzuraten. Laktosefrei oder -arm sollte sich nur ernähren, wer tatsächlich unter einer ärztlich diagnostizierten Laktoseintoleranz leidet. Auch Spezialprodukte, die keine Laktose enthalten, sind lediglich für Betroffene eine Erleichterung – ohne bestehende Laktoseintoleranz bieten sie in der Ernährung keinen Mehrwert.

Zöliakie: Ernährung bei Glutenunverträglichkeit
Autor: Viola Lex, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 04. September 2019
ICD-Codes für diese Krankheit: E73.0 | E73.1 | E73.8 | E73.9
Quellen

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