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Laktoseintoleranz

Laktoseintoleranz
Menschen mit Laktoseintoleranz vertragen keine Milch und Milchprodukte - für sie gibt es Alternativen
(c) iStockphoto/vadimguzhva

Unter Laktoseintoleranz versteht man die Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktose). Der gesunde Mensch nimmt Milchzucker mit Milch oder Milchprodukten auf und baut diesen mithilfe der Laktase ab. Bei dieser handelt es sich um ein Enzym, das im Dünndarm vorkommt.

Die Laktase spaltet den Milchzucker in Galaktose und Glukose (Traubenzucker). Diese Zuckerarten werden anschließend über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen.

Menschen mit einer Laktoseintoleranz bilden keine oder zu wenig Laktase, sodass der Milchzucker gar nicht oder nur verzögert abgebaut wird.

Schätzungen zufolge leidet nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung an mehr oder weniger ausgeprägtem Laktase-Mangel. In Deutschland weisen etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen eine Laktoseintoleranz auf, während in Ländern in Schwarzafrika bis zu 90 Prozent der Menschen betroffen sind.

Wie kommt es zur Laktoseintoleranz?

Die Ursache der Laktoseintoleranz ist der Mangel am Enzym Laktase. Hierdurch sind die Aufspaltung des Milchzuckers und die anschließende Aufnahme in die Blutbahn nicht möglich. Der Milchzucker verbleibt im Darm und wird dort von Bakterien zu Milchsäure und Gasen umgewandelt.

Bei der angeborenen (primären) Form des Laktase-Mangels ist der Körper durch einen genetischen Defekt nicht in der Lage, Laktase zu bilden. Die erworbene (sekundäre) Form der Laktoseintoleranz ist durch andere Krankheiten bedingt. Beispielsweise können chronische Darmkrankheiten wie Morbus Crohn oder Zöliakie die Darmschleimhaut so schädigen, dass nicht mehr ausreichend Laktase gebildet wird.

Wie äußert sich die Laktoseintoleranz?

Durch den Verbleib des Milchzuckers im Darm und die daraus folgende vermehrte Bildung von Gasen kommt es zu den typischen Beschwerden der Laktoseintoleranz: Unmittelbar nach dem Genuss von Milch oder Milchprodukten wie Joghurt, Butter oder Sahne kommt es zu Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Je nach Menge der aufgenommenen Milch und Schweregrad des Laktase-Mangels sind die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt.

Die angeborene Form der Laktoseintoleranz kann sich sofort in den ersten Lebenstagen des Säuglings bemerkbar machen. Auch die Muttermilch kann in diesen Fällen nicht verarbeitet werden. Es drohen Austrocknung und schwere Hirnschäden, wenn die Diagnose und entsprechende Behandlung zu spät eingeleitet werden. In weniger schweren Fällen entwickeln sich die Symptome allmählich in den ersten Lebenstagen oder -wochen.

Wie wird die Laktoseintoleranz diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf eine Laktoseintoleranz, können unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt werden.

Beim Selbsttest sollte der Betroffene mindestens zwei Wochen lang vollständig auf Milch und Milchprodukte verzichten und so herausfinden, ob sich die Beschwerden bessern. Umgekehrt kann auf nüchternen Magen ein Glas Milch getrunken werden. Treten kurz danach Beschwerden wie beispielsweise Durchfall auf, wird die Diagnose Laktoseintoleranz wahrscheinlich. Allerdings ist sie durch diese unspezifischen Tests nicht sicher zu stellen.

Soll der Verdacht auf eine Laktoseintoleranz bestätigt werden, können beim Hausarzt oder beim Gastroenterologen ein Laktose-Toleranztest und ein so genannter H2-Atemtest durchgeführt werden. Häufig führt der Arzt beide Tests zusammen durch. Hierbei müssen innerhalb von fünf Minuten 50 Gramm gelösten Milchzucker auf nüchternen Magen getrunken werden.

Es erfolgen Blutabnahmen für die Bestimmung des Zuckergehalts im Blut vor Aufnahme des Milchzuckers, nach einer und nach zwei Stunden. Steigt der Gehalt nicht oder nur gering an, spricht dies dafür, dass der Milchzucker im Darm nicht verarbeitet werden konnte und dass eine Laktoseintoleranz vorliegt.

Bei Vorliegen einer Laktoseintoleranz wird der Milchzucker im Darm in Milchsäure und Gase wie Wasserstoff (H2) umgewandelt. Der Wasserstoff wird über die Darmschleimhaut in die Blutbahn aufgenommen und über die Lunge abgeatmet. Übersteigt das ausgeatmete H2 einen bestimmten Wert, kann dies gemessen werden. Dies ist beweisend für eine Milchzucker-Unverträglichkeit.

Beim Gentest auf Laktoseintoleranz kann mithilfe einer Probe der Mundschleimhaut oder einer kleinen Menge Blut untersucht werden, ob ein genetischer Defekt der Laktase vorliegt, also des Enzyms, das für den Abbau des Milchzuckers zuständig ist.

Während der Gentest nur in seltenen Fällen durchgeführt wird, werden die Kosten für den Laktose-Toleranztest und den H2-Atemtest von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn der Verdacht auf eine Laktoseintoleranz besteht.

Wie wird die Laktoseintoleranz behandelt?

Die Laktoseintoleranz ist nicht heilbar. Die beste Behandlung besteht darin, Milch und Milchprodukte zu meiden. Auch bei Lebensmitteln wie beispielsweise Fleisch- und Wurstwaren sollte darauf geachtet werden, dass sie Laktose enthalten können, ebenso wie viele Medikamente.

Das Enzym Laktase kann in Tablettenform vor milchhaltigen Mahlzeiten eingenommen werden. Diese Tabletten sind rezeptfrei in Apotheken und in Drogeriemärkten erhältlich. Die Dosierung des Medikaments ist individuell sehr unterschiedlich und muss von jedem Betroffenen im Laufe der Behandlung herausgefunden werden.

Wie verläuft die Laktoseintoleranz?

Die Laktoseintoleranz ist eine nicht heilbare Erkrankung. Ist die Diagnose einmal gestellt und leben die Betroffenen entsprechend, ist die Prognose jedoch sehr gut. Lediglich die angeborene Form der Laktoseintoleranz kann lebensbedrohlich sein, wenn sie nicht sehr schnell diagnostiziert wird. Die erkrankten Säuglinge sind schon durch kleinste Mengen an Milchzucker gefährdet.

Die übrigen Betroffenen können ein normales Leben führen. Zahlreiche Produkte beispielsweise aus Soja können die Milch ersetzen. Auf ausreichende Zufuhr insbesondere von Kalzium aus anderen Lebensmitteln sollte besonders geachtet werden.

Wie kann man vorbeugen?

Vorbeugende Maßnahmen gegen Laktoseintoleranz sind nicht bekannt.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 15. April 2014
Quellen: Gesenhues, S., Ziesché, R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2003 Mader, F.H., Weißgerber H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Berlin 2003 Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Bauchschmerzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 068/004 (Stand: April 2002) Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004

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