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Schambeinschmerzen

Schambeinentzündung: Symptome entwickeln sich schleichend

Die Schambeinentzündung gehört zu den häufigsten Ursachen chronischer Leistenschmerzen im Spitzensport. Besonders häufig betroffen sind Männer, aber auch immer mehr Frauen leiden unter dieser nichtinfektiösen Entzündung der Schambeinfuge.

Leistenschmerzen Frau
© GettyImages/SimpleImages

Artikelinhalte auf einen Blick:

Wie entsteht eine Schambeinentzündung?

Die medizinisch auch Osteitis pubis oder Pubalgia genannte Erkrankung gehört zu den häufigsten Ursachen chronischer Leistenschmerzen im Spitzensport, vor allem beim Fußball oder auch beim Sprintsport. Sie entsteht an den beiden Schambeinen sowie an der Schambeinfuge (Symphyse), welche die beiden Beckenhälften im vorderen Teil des Beckens verbindet.

Auch durch Schwangerschaft oder durch akute Verletzungen kann es zu einer Schambeinentzündung kommen. Beide Varianten sind aber recht selten. Dauerhaftes Sitzen dagegen scheint als Ursache von Schambeinschmerzen immer häufiger aufzutreten.

Im vorderen Becken sind viele Bänder und Muskeln befestigt, die dort ansetzen oder von dort ausgehen, etwa der Rectus abdominis (gerader Bauchmuskel) oder die Adduktoren (innere Oberschenkelmuskulatur). Die Verbindungsstellen dieser Muskeln am Schambein sind recht dünn, gerade im Leistungssport aber oft starken Kräften ausgesetzt. Werden sie durch abrupte Bewegungen und hohe Belastungen bei schnellem Richtungs- oder Tempowechsel dauerhaft zu sehr beansprucht, können Mikroverletzungen entstehen.

Eine Schambeinentzündung ist also streng genommen eher eine Reizung, die durch permanente Überbeanspruchung entsteht. In der Folge kommt es zu immer stärker werdenden Schmerzen.

Schambeinentzündung: Welche Anzeichen sind typisch?

Hauptsymptom der Schambeinentzündung sind Schmerzen. Im Gegensatz zu akuten Sportverletzungen entwickeln sich diese jedoch schleichend. Das ist besonders tückisch, denn die Sporttreibenden trainieren trotz der Mikrotraumata weiter.

Meist entwickelt sich zunächst ein zunehmender und anhaltender Schmerz in der Leistengegend. Da kein Zusammenhang mit einer akuten Verletzungssituation zu sehen ist, wird dieses Symptom oft zunächst konservativ mit Schmerzmitteln behandelt und weiter trainiert, die Schmerzen nehmen jedoch zu. Auch manueller Druck auf das Schambein kann Schmerzen hervorrufen.

Schmerz als typisches Symptom der Schambeinentzündung kann auch in anderen Bereichen rund um das Schambein auftreten:

  • am Ansatz der Adduktorenmuskulatur
  • am Ansatz der unteren geraden Bauchmuskulatur
  • in der Dammregion
  • im Hodensack

Druckschmerzen am Schambein, beidseitig an den Schambeinästen, können als Symptom einer Schambeinentzündung ebenfalls auftreten.

Häufig treten die Schmerzen bei schnellen Hüftbeugungen aus einer Strecksituation heraus auf, wie sie etwa beim Kicken, beim Hürdenlauf oder auch beim Sprinten oft ausgeführt wird. Auch Übungen zur Stärkung insbesondere der geraden Bauchmuskulatur, bei denen die Adduktoren stark gedehnt werden oder bei Bewegungen aus einer sitzenden in eine stehende Position (Aufstehen) können Schmerzen auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium kann selbst das Gehen, Treppensteigen oder Liegen auf der betroffenen Seite schmerzhaft sein. Auch die Hüftbeweglichkeit kann eingeschränkt sein.

Diagnostik: Habe ich eine Schambeinentzündung?

Tatsächlich erfolgt die Diagnose Osteitis pubis insbesondere bei Sporttreibenden oft verhältnismäßig spät, da die Symptome auch auf zahlreiche andere Verletzungen der Leistengegend zutreffen. Die*der behandelnde Ärztin*Arzt hat dann oft einen konkreten Verdacht und leitet die entsprechende Diagnostik ein.

Eine Reihe manueller bzw. sportärztlicher Untersuchungen kann hier schon auf eine Schambeinentzündung hinweisen:

  • Symphysen-Drucktest: Druck mit den Fingern auf die Schambeinäste löst Schmerzen aus
  • Adduktoren-Drucktest: Druck mit den Fingern gegen die Adduktoren ist schmerzhaft
  • Adduktoren-Test: Ein Ball wird mit den Knien zusammengepresst, was Schmerzen zur Folge hat

Ein Ultraschall der Leistengegend kann erfolgen, um andere Erkrankungen der Leiste auszuschließen. Halten die Beschwerden schon länger an, kann auch eine Röntgenuntersuchung Aufschluss geben, da eine unbehandelte chronische Schambeinentzündung mit einer Verbreiterung und fortschreitenden Veränderung der Schambeinfuge (Symphyse) einhergeht.

Das Diagnoseinstrument der Wahl bei Verdacht auf Schambeinentzündung ist jedoch die Magnetresonanztomografie (MRT). Sie hat den Vorteil, dass sie strahlungsfrei ist und sich die Osteitis pubis sicher nachweisen lässt.

Daneben kann die Skelettszintigrafie, eine nuklearmedizinische Untersuchung der Knochen, Aufschluss über Veränderungen im Becken geben.

So wird die Schambeinentzündung behandelt

Die Behandlung einer Schambeinentzündung kann langwierig sein und mehrere Monate andauern. Gerade eifrige Sporttreibende wollen das sicher nicht gern hören, aber die wichtigste Maßnahme gegen Schambeinentzündung ist zunächst die Ruhigstellung der betroffenen Region.

NSAR, nicht steroidale Antirheumatika, können ebenfalls zum Einsatz kommen. NSAR wie ASS, Ibuprofen oder Diclofenac lindern die Schmerzen, wirken aber auch entzündungshemmend. Die Einnahme oder Injektion von Kortison soll gegen die Entzündung wirken.

Physiotherapie ist ein ganz entscheidender Baustein im Therapieplan. Spezielle Übungen insbesondere zum Ausgleich von Dysbalancen im Becken sowie das Dehnen und Strecken der Adduktorenmuskulatur werden in der Physiotherapie erlernt. Die Übungen sollten unbedingt auch zu Hause durchgeführt werden.

Daneben empfehlen manche Fachleute weitere physikalische Anwendungen wie etwa:

  • Kältetherapie (Kryotherapie)
  • Kinesiotapes
  • Stoßwellentherapie (ESWT)
  • Reizstromtherapie (TENS)

Die konservative Behandlung der Schambeinentzündung ist vielversprechend: Durchschnittlich nach drei Monaten können Betroffene wieder Sport treiben und die Wahrscheinlichkeit, dass die Osteitis pubis noch einmal auftritt, ist gering.

OP als letztes Mittel

In den allermeisten Fällen lässt sich die Schambeinentzündung konservativ behandeln. Tritt jedoch keine Besserung ein, kann die operative Behandlung Linderung verschaffen. Meist wird eine Kürettage durchgeführt: Dabei wird untergegangenes Gewebe der Schambeinfuge (Symphyse) abgeschabt. Die Operation betrifft etwa fünf bis zehn Prozent aller Fälle. Operativ werden vor allem Sportler*innen behandelt.

Schambeinschmerzen in der Schwangerschaft behandeln

Auch in der Schwangerschaft ist das Schambein großen Belastungen ausgesetzt. Die hormonellen Veränderungen bedingen zudem noch eine Lockerung von Bändern, Muskeln und Beckenboden; die Bauchmuskeln werden dehnbarer und den mütterlichen Knochen wird Kalzium und Phosphor für den erhöhten Bedarf des Babys entzogen. Es kommt schneller zur Lockerung der Schambeinfuge, zudem kann das Schambein gereizt werden.

Hier hilft in erster Linie: schonen, schonen und noch mal schonen. Bitte hebe keine schweren Lasten (sollte in der Schwangerschaft ohnehin vermieden werden). Ein Beckengurt oder Symphysengurt kann für Entlastung des gereizten Schambeins sorgen. Er wird straff direkt unterhalb des Babybauchs getragen.

Im Liegen auf dem Sofa oder im Bett ist die Seitenlage für dich ideal. Zur Entlastung kannst du dir ein dickes Kissen oder ein Stillkissen zwischen die Knie klemmen. Erfahre hier mehr über die optimalen Schlafpositionen in der Schwangerschaft.

Schambeinentzündung: Übungen zur Vorbeugung und Schmerzlinderung

Spezielle Übungen sind sowohl im Laufe der Therapie als auch nach erfolgreicher Behandlung und bei Schmerzfreiheit empfehlenswert. Auch eine Anpassung der sportlichen Technik oder das Tragen von Einlagen können dabei helfen, Dysbalancen im Becken zu vermeiden.

Insbesondere Übungen zur Kräftigung der Muskulatur im Rumpf- und Hüftbereich haben sich als vorteilhaft erwiesen. Auch Dehnübungen sollten weitergeführt werden, um die Mobilität im Becken zu erhalten und einer erneuten Schambeineintzündung vorzubeugen.

Übungen bei Schambeinentzündung
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