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Mittwoch, 12. Dezember 2018
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Wie finde ich den richtigen Kindersitz?

Autor: Karin Wunder / Christian Fiala
Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2018

Ein Kind benötigt während des Wachstums drei unterschiedliche Kindersitze. Je nach Größe, vom Baby bis zum Schulkind, bietet der Markt weit über 200 Modelle. Aber Vorsicht: Selbst die teuersten Modelle bieten nicht immer guten Schutz oder sind mit giftigen Substanzen belastet.

Kindersitz-Test 2018: 23 neue Modelle getestet

Im Mai 2018 erschien der neueste Kindersitz-Test von ADAC und Stiftung Warentest mit 23 neuen Modellen für Kinder von 0 bis 12 Jahren. Neu dabei war diesmal ein Modell mit integriertem Airbag: Beim Front-Crash des getesteten Maxi-Cosi Axissfix Air (Testurteil: "gut") funktionierte das gut, im Seitencrashtest etwas schlechter. Stiftung Warentest verwies darauf, dass das ältere und deutlich günstigere Schwestermodell Axissfix Plus ohne Airbag beim Test im vergangenen Jahr ähnlich sicher abschnitt.

Insgesamt schnitten von den 23 neu getesteten Modellen 17 mit "gut" ab. Untersucht wurde auf Sicherheit, Bedienung, Ergonomie und Schadstoffgehalt. Zwei der Sitze fielen tatsächlich wegen kritischer Schadstoffe durch. Ein weiteres Modell, der Concord Ultimax i-Size, fiel beim Sicherheitstest durch: Beim Frontalaufprall riss die Gurthalterung aus der Rückenlehne, sodass die Testpuppe weit nach vorne geschleudert wurde.

Der aktuelle Kindersitz-Test von Stiftung Warentest und ADAC kann hier gegen eine Gebühr von 5 Euro abgerufen werden. In der Datenbank der Stiftung Warentest befinden sich aktuell 442 getestete Kindersitze aus den letzten Jahren. Der Abruf ist in der Gebühr enthalten.

Kindersitz-Test 2017

Im Oktober 2017 haben ADAC und Stiftung Warentest ebenfalls gemeinsam Kindersitze für Autos getestet. Insgesamt wurden im vergangenen Herbst Babyschalen und Kindersitze für Kinder von 0 bis circa 12 Jahre getestet. Von den 16 Modellen haben immerhin zwölf die Note "gut" erhalten und zwei die Note "befriedigend".

Zwei Kindersitze fielen beim Test mit "mangelhaft" wegen Sicherheitsmängeln durch. Es sind dies der Kindersitz JANÉ Grand, bei dem sich beim Aufpralltest die Isofix-Halterung lockerte. Auch der RECARO Optia fiel beim Test durch, beim Aufprall löste sich die Schale von der Basis. ADAC und Stiftung Warentest hatten diese beiden Ergebnisse bereits im Juli veröffentlicht. Recaro hat das "mangelhafte" Modell zwischenzeitlich vom Markt genommen und bietet einen kostenfreien Umtausch gegen andere Modelle an. Jané dagegen bietet lediglich eine kostenlose Reparatur des Modells an.

Autokindersitze Test 2018: Gefahr im Crashtest & Schadstoffe in den Polstern

Wie suche ich den richtigen Kindersitz aus?

Durch das große Angebot von Kindersitzen empfiehlt es sich, möglichst zu Hause schon eine Vorauswahl zu treffen. Im Internet sind die jeweils aktuellsten Testberichte veröffentlicht. Es gibt viele unterschiedliche Kriterien, die zu beachten sind. Welches Befestigungssystem beispielsweise ausgewählt wird, richtet sich auch danach, ob das Familienauto schon ein vorinstalliertes Befestigungssystem, wie zum Beispiel Isofix hat, oder ob der Kindersitz mit dem Sicherheitsgurt des Fahrzeugs befestigt wird. Für Babys gibt es auch sogenannte Reboarder. In diesen ist das Kind rückwartsgeneigt, also mit dem Gesicht in Richtung Fahrzeugheck. Derzeit arbeitet die EU an einer Verpflichtung zur Benutzung dieser Reboarder für Babys.

Kindersitz mit Isofix: Ja oder nein?

Isofix ist ein Befestigungssystem, an dem der Kindersitz besonders sicher im Auto verankert werden kann. Hierfür wird allerdings eine bereits im Fahrzeug vorinstallierte Halterung benötigt. Bevor Sie einen Kindersitz mit Isofix kaufen, sollten Sie überprüfen, ob Ihr Auto über diese Halterung verfügt. In Europa gehört Isovix bei allen neu zugelassenen Wagen ab dem Jahr 2006 zur Standardausstattung.

Der Isofix besteht aus zwei fest im Auto nach ISO 13216 verankerten Halterungen, auf die der Kindersitz mit Isofix einfach aufgesteckt wird. Dadurch soll eine falsche Installation des Kindersitzes praktisch unmöglich werden. Zusätzlich wird der Kindersitz dann noch mit einer weiteren Halterung, entweder einem Stützfuß oder einem Top Tether (oberer Haltegurt) im Wagen befestigt. Neufahrzeuge ab 2013 sind standardgemäß mit einem Top Tether ausgestattet.

Ein Nachteil von Isofix ist die teilweise mangelnde Flexibilität im Fahrzeug, denn der Kindersitz lässt sich meist nur auf den Außenplätzen und nicht auf dem Mittelsitz befestigen. So können maximal zwei Kindersitze auf der Rückbank befestigt werden. Der Kindersitz kann außerdem in (älteren) Fahrzeugen ohne Isofix nicht verwendet werden.

Reboarder Kindersitz

Reboarder Kindersitze zeigen entgegen die Fahrtrichtung. In Deutschland ist diese Sitzrichtung bei Verwendung von Kindersitzen mit dem neuen i-Size-Prüfsiegel sogar bis zu einem Alter von 15 Monaten vorgeschrieben. Doch viele Babys erreichen dieses Gewicht schon im ersten Lebensjahr. Viele Studien weisen darauf hin, dass es trotzdem sicherer ist, sie etwa bis zum vierten Lebensjahr rückwärtsgerichtet im Auto sitzen zu lassen.

Sicherer ist das Fahren im Reboarder Kindersitz allemal, denn im Falle eines Frontalunfalls wird das Gewicht des Aufpralls viel gleichmäßiger über den Körper des Kindes verteilt und liegt nicht allein auf dem Kopf. Dieser wird bei einem Frontalunfall ruckartig nach vorne geschleudert, während der Körper im Kindersitz festgehalten wird. Gleichzeitig ist der Kopf eines Babys oder Kleinkindes im Verhältnis zum restlichen Körper überproportional groß und schwer, die haltende Nacken- und Schulternmuskulatur dagegen noch nicht vollständig entwickelt. Bei einem Frontcrash im Reboarder beziehungsweise rückwärts ausgerichteten Kindersitz wird der Kopf in den Kindersitz gepresst und damit nicht diesem enormen Schleudergewicht ausgesetzt.

Kindersitz gebraucht kaufen?

Wenn Sie einen Kindersitz gebraucht kaufen möchten, empfiehlt sich das nur, wenn Sie die Herkunftsgeschichte genau kennen, also ihn von Freunden oder Verwandten übernehmen, denen Sie vertrauen. Ob ein Kindersitz wirklich unfallfrei ist, sieht man von außen nämlich oft nicht. Äußerliche Unversehrtheit täuscht: Selbst feinste Risse im Material machen den Kindersitz unbrauchbar und weniger sicher.

Achten Sie beim Kauf eines gebrauchten Kindersitzes außerdem darauf, dass er mindestens das Prüfsiegel ECE R 44 mit den Prüf­nummern 03 oder 04 oder das neueste i-Size-Prüfsiegel hat. Kindersitze ohne diese Prüfsiegel dürfen nicht mehr verwendet werden.

Prüfsiegel

Seit September 2017 werden Kindersitze nur noch nach UN ECE Reg. 129 "i-Size" zugelassen. Der wesentliche Unterschied zum alten, ebenfalls orangefarbenen Prüfsiegel ECE R 44 mit der Prüf­nummer 03 oder 04: Der Kindersitz ist nun nicht mehr nach Alter, sondern nach Größe und Gewicht kategorisiert. Zudem müssen die Kindersitze einen Seitenaufpralltest bestehen, um das Prüfsiegel zu erhalten.

Für alle Kindersitze mit der neuen i-Size-Norm gilt außerdem: Kindersitze müssen bis zu ihrem 15. Lebensmonat gegen die Fahrtrichtung im Auto installiert sein. Die neue Norm ECE R 129 ist international und gilt mittlerweile in 60 Staaten weltweit.

Sicherheit ist beim Kindersitz besonders wichtig

Nach Ansicht von Experten sind bei der Kindersitzmontage nicht nur der Sitz und die Halterung sondern auch der Mensch ein wichtiger Faktor. Wird ein Kindersitz nicht genau nach Anleitung montiert, kann dies beim Unfall hohe Risiken für das Kind zur Folge haben. Der Sicherheitsgurt sollte nicht zu locker sein. Ein montierter Kindersitz sollte nicht mehr wackeln oder rutschen können. Bei den Crash-Tests werden unterschiedliche Aufprallmechanismen simuliert. Bei allen verschiedenen Tests sollte ein guter Kindersitz in jeder Situation genügend Sicherheit bieten.

Warum sind giftige Schadstoffe im Kindersitz?

Einige synthetische Materialien oder Farbstoffe in Kindersitzen enthalten Stoffe, die für Menschen als gesundheitsschädlich oder krebserregend gelten. Nicht nur hier, auch in Spielsachen, Kleidungsstücken, Werkzeugen und anderem können Schadstoffe in einzelnen Komponenten enthalten sein. Hierzu zählen beispielsweise PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Flammschutzmittel und sogenannte Weichmacher. Im letzten Test hat sogar ein Kindersitz für mehrere hundert Euro ein „mangelhaft“ erhalten, weil er zu schadstoffbelastet war.

Den Kindersitz unbedingt im eigenen Auto ausprobieren

Beim Kauf eines Kindersitzes sollte das Auto möglichst mitgenommen werden, damit zur Auswahl stehende Modelle gleich vor Ort ausprobiert werden können. Hier können auch Vergleiche bezüglich des Gewichts oder des Handlings der einzelnen Modelle angestellt werden.

Autor: Karin Wunder / Christian Fiala
Letzte Aktualisierung: 22. Mai 2018
Quellen

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