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ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion, Mikroinjektion)

ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion, Mikroinjektion)
Ist das Wunschkind erst da, spielt es keine Rolle, ob es per ICSI oder natürlich gezeugt wurde
(c) Getty Images/BananaStock RF

Die Methoden der künstlichen Befruchtung können kinderlosen Paaren zu einem Baby verhelfen, wenn der Kinderwunsch nicht auf natürliche Weise erfüllt werden kann. Bei der künstlichen Befruchtung bringt der Arzt Samen und Ei innerhalb oder außerhalb des weiblichen Körpers zusammen.

Da die Medizin hier in den Zeugungsakt eingreift und der Vorgang von der natürlichen Sexualität eines Paares entkoppelt ist, wird die Zeugung von vielen Menschen als künstlich empfunden. Aber es kann vielen Paaren zum Wunschkind verhelfen, bei denen es sonst auf natürlichem wege nicht klappen würde.

Die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ist ein häufig angewendetes Verfahren in der Reproduktionsmedizin. Es kann Männern mit geringer Spermienqualität zu genetisch eigenem Nachwuchs verhelfen. Zu diesem Zweck werden Samenzellen durch Masturbation oder aus den Hoden oder Nebenhoden gewonnen und ein einzelnes Spermium unter dem Mikroskop in das Zytoplasma einer Eizelle eingespritzt. Nachdem die Zellteilung stattgefunden hat, werden die Embryonen in die Gebärmutterhöhle der Frau übertragen. Die Befruchtung der Eizelle ist gänzlich vom natürlichen Geschlechtsakt des Paares entkoppelt. Die Behandlung wird von Ärzten und im Labor durchgeführt.

Vorbereitung auf die Spermienübertragung

Bevor Ei- und Samenzelle außerhalb des Körpers der Frau zusammengebracht werden, ist bei der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion eine Vorbehandlung erforderlich.

Gewinnung von Eizellen

Zunächst wird bei der Frau die Produktion von Eizellen mittels Hormongabe angeregt (ovarielle Stimulation). Es sollen möglichst viele Eizellen produziert werden, da so die Chance besteht, gleich mehrere Eizellen zu befruchten und bis zu drei Embryonen in die Gebärmuter zu übertragen.

Wenn sich bei einer Ulraschall-Untersuchung zeigt, dass die Eibläschen eine ausreichende Größe erreicht haben, wird durch die Gabe des Hormons hCG der Eisprung ausgelöst und die Eizellen im Rahmen einer Punktion, häufig unter kurzer Narkose, entnommen.

Gewinnung von Spermien (TESE und MESA)

Spermien des Mannes können für die Intracytoplasmatische Spermieninjektion entweder durch Masturbation oder durch eine Operation gewonnen werden. Eine Operation wird dann durchgeführt, wenn beispielsweise durch den Verschluss eines Samenleiters keine Spermien in das Ejakulat gelangen. Im Labor können aus dem Gewebe der Hoden manchmal Samenzellen gewonnen werden (TESE, Testikuläre Spermienextraktion). Es besteht auch die Möglichkeit, Samenzellen direkt aus den Nebenhoden zu entnehmen (MESA, Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration). In beiden Fällen reicht normalerweise ein Eingriff aus. Das Sperma kann sogleich danach für die ICSI-Behandlung eingesetzt oder tiefgefroren (Kryokonservierung) und zu einem späteren Zeitpunkt verwendet werden - beispielsweise falls die ICSI wiederholt werden soll.

Ablauf: Spermieninjektion, Embryonentransfer und Lutealphase

Nachdem sowohl Ei- als auch Samenzellen gewonnen wurden, werden sie im Labor zusammengebracht. Dabei wird mit einer Mikropipette eine gut bewegliche Samenzelle aufgenommen und direkt in das Innere einer Eizelle eingespritzt. Nach wenigen Tagen hat sich aus jeder befruchteten Eizelle ein mehrzelliger Embryo entwickelt.

Embryonentransfer in die Gebärmutter

Der Transfer der Embryonen kann ohne Narkose durchgeführt werden. Die Frau nimmt hierzu auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl Platz. Die Embryonen, die in die Gebärmuter gesetzt werden sollen, werden in einen Transfer-Katheter aufgezogen und vom Arzt unter Ultraschall-Kontrolle zunächst in die Scheide und bis zur Gebärmuter eingeführt. Nachdem der Arzt die Embryonen an ihrem Bestimmungsort abgesetzt hat, wird der Katheter wieder entfernt. Die Frau verbleibt noch einige Zeit im Ruheraum, bevor sie nach Hause gehen kann.

In den folgenden zwei bis drei Tagen sollte sich die Frau schonen, Stress und Geschlechtsverkehr vermeiden und auch keine schweren körperlichen Arbeiten durchführen. Diese Vorsichtsmaßnahmen sollen das Einnisten der Embryonen in die Gebärmutterschleimhaut erleichtern.

Unterstützung der Gelbkörperphase (Lutealphase)

In der zweiten Zyklushälfte wird nach dem Transfer der Embryonen die Gelbkörperphase zwei Wochen lang durch Gabe des Gelbkörperhormons (Progesteron) unterstützt. Das Hormon kann entweder in Form von Injektionen in den Muskel, das Einführen von Gels oder Kapseln in die Scheide oder auch in Tablettenform verabreicht werden. Nach Ablauf von 14 Tagen gibt ein Schwangerschaftstest Auskunft darüber, ob die Intracytoplasmatische Spermieninjektion erfolgreich verlaufen ist oder wiederholt werden muss.

Für die Behandlung der Frau ergeben sich aus der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion keine Unterschiede zur In-vitro-Fertilisation (IVF).

Wann wird die ICSI-Methode angewendet?

Wenn ein Paar auf natürlichem Wege keinen Nachwuchs zeugen kann, wird die Intracytoplasmatische Spermieninjektion hauptsächlich bei Infertilität des Mannes angewendet: Vor allem, wenn es nicht gelingt, aus dem Ejakulat Samenzellen zu gewinnen oder wenn die Spermien zu langsam oder nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind. Daneben wird die ICSI auch durchgeführt, wenn die Samenzellen bei einer vorangehenden In-vitro-Fertilisation die Eizelle im Laborglas nicht befruchten konnten. Daher geht der ICSI häufig eine erfolglose In-vitro-Fertilisation voraus.

Mögliche Komplikationen und Risiken der ICSI-Behandlung

Durch die Hormontherapie kann es bei Frauen zum Überstimulationssyndrom kommen. Dieses äußert sich beispielsweise durch Unterbauchschmerzen, einen erhöhten Östrogenspiegel und eine Vergrößerung der Eierstöcke.

Da bei jeder Intracytoplasmatischen Spermieninjektion mehrere Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt werden, ist das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften erhöht. Um dieses Risiko möglichst gering zu halten, dürfen bei jeder Behandlung höchstens drei Embryonen eingesetzt werden.

Erfolgschancen einer Intracytoplasmatische Spermieninjektion

Die Intracytoplasmatische Spermieninjektion kann auch Paaren zu einem Kind verhelfen, denen die IVF-Behandlung keine Chance auf Nachwuchs bietet. Denn bei der ICSI-Behandlung wird ein Spermium direkt in die Eizelle injiziert und diese somit befruchtet. Bei der IVF-Behandlung hingegen, werden Ei- und Samenzelle in einem Glasgefäß zusammengebracht. Die Befruchtung muss hierbei ohne manuelle Unterstützung allein durch die Samenzelle erfolgen.

Die Erfolgschance einer Intracytoplasmatischen Spermieninjektion ist ähnlich wie bei der In-vitro-Fertilisation. Pro Embryotransfer kommt es bei etwa 28 Prozent der behandelten Frauen zu einer Schwangerschaft. Die Erfolgsaussichten steigen mit der Anzahl der Versuche, dennoch gibt es keine Garantie auf den Eintritt einer Schwangerschaft.

Alternativen zur Intracytoplasmatischen Spermieninjektion

Die Intracytoplasmatische Spermieninjektion ist die letzte Möglichkeit, ein genetisch eigenes Kind zu bekommen, wenn der männliche Partner unfruchtbar oder die Qualität des Samens schlecht ist. Schlägt auch die ICSI-Behandlung nicht an, kann das Paar die Adoption eines Kindes in Betracht ziehen. Alternativ ist ebenso eine donogene Insemination denkbar. Hierbei wird das Sperma eines Spenders zur Befruchtung der weiblichen Eizelle verwendet. In diesem Fall sind die Mutter und der Spender die genetischen Eltern des Kindes. Der Partner der Frau gilt als sozialer Vater.

Wer übernimmt die Kosten für eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion?

Für Maßnahmen der Fortpflanzungsmedizin erstatten die gesetzlichen Krankenkassen nach Antragstellung bis zu 50 Prozent der Kosten für Medikamente und die Behandlung. Die Kostenübernahme ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Beispielsweise muss das Paar verheiratet sein, beide Partner dürfen nicht jünger als 25, der Mann nicht älter als 50 und die Frau nicht älter als 40 Jahre alt sein. Private Kassen übernehmen die Kosten in der Regel komplett. Da die Krankenkassen normalerweise die Kosten einer Kryokonservierung nicht übernehmen, sollte vor der Therapie mit den behandelnden Ärzten abgeklärt werden, inwiefern das Einfrieren von Zellen für die Behandlung notwendig ist.

 

 

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Letzte Aktualisierung: 21. September 2016
Quellen: Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln: www.schwanger-info.de. (Stand: Oktober 2008) Diedrich, K. et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007 Federspiel, K.: Kinderlos - was tun? S. Hirzel, Wien 2000 Sautter, Dr. med. T.: Wirksame Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch. Thieme, Stuttgart 2000 Keck, Dr. med. Ch.: Neue Wege bei unerfülltem Kinderwunsch. Trias, Stuttgart 2008

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