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Vertrauliche Geburt: Anonyme Beratung & Begleitung für Schwangere in Not

Autor: Viola Booth
Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2017

Die vertrauliche Geburt ist eine Möglichkeit für Schwangere ihr Kind anonym zur Welt zu bringen. Schwangere Frauen bekommen vor, während und nach der Geburt eine Beratung und werden medizinisch begleitet – ohne dabei ihre persönlichen Daten bekannt geben zu müssen.

Vertrauliche Geburt: Anonyme Beratung & Begleitung für Schwangere in Not
Belastet die persönliche Konfliktsituation eine Frau so stark, dass sie ihre Schwangerschaft geheim halten will, ist die vertrauliche Geburt eine Hilfestellung
(c) iStockphoto/woraput

Vertrauliche Geburt als Hilfsangebot

Das Angebot der vertraulichen Geburt kann von Frauen wahrgenommen werden, die ihre Schwangerschaft geheim halten wollen oder müssen. Warum sich die Frau in einer solchen Konfliktsituation befindet, spielt bei der Beratung und Betreuung zur vertraulichen Geburt keine Rolle. Die Beratungsstellen richten sich nach der persönlichen Lebenssituation. Sie sollen die Frau dabei unterstützen, das Kind trotz Anonymitätswunsch nicht heimlich und ohne medizinische Hilfe zur Welt bringen zu müssen, es auszusetzen oder aus der Not heraus sogar zu töten. Die Daten der Frau werden nur einer Beraterin offengelegt, die der Schweigepflicht unterliegt. Alle anderen Einrichtungen, Behörden oder beteiligten Personen lernen die Schwangere lediglich unter einem Pseudonym kennen. Die persönlichen Daten werden versiegelt beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) hinterlegt.

Vertrauliche Geburt: Gesetz zum Schutz der Beteiligten

Am 1. Mai 2014 ist das „Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt“ in Kraft getreten. Dieses Gesetz soll die Interessen von Mutter, Kind und Beratungsstelle berücksichtigen. Der Mutter wird garantiert, dass sie ihre Identität nicht preisgeben muss und gleichzeitig wird das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Herkunft gewahrt. Denn: Mit der Vollendung des 16. Lebensjahrs kann das Kind erfahren, wer seine Mutter ist. Dazu bekommt es als einzige Person Einsicht in die hinterlegten Daten. Die Mutter kann die Zeit bis dahin nutzen und Hilfsangebote wahrnehmen, um ihre Konfliktlage zu lösen. Sollte sie sich auch nach Ablauf der Zeit nicht dazu bereit erklären, ihre Anonymität aufzugeben, entscheidet das Familiengericht, welche Interessen höher zu bewerten sind: Die der Mutter, weil die Bekanntgabe der Identität beispielsweise Folgen für ihre Gesundheit hat oder die des Kindes seine Herkunft zu erfahren. Während des Verfahrens bleibt die Mutter anonym. Durch das Gesetz zur vertraulichen Geburt sollen Beratungsstellen, Krankenhäuser, Hebammen und Jugendämter außerdem eine rechtssichere Handlungsgrundlage bekommen.

Vertraulichen Geburt: Ablauf

Der erste Schritt für eine schwangere Frau in einer Notsituation ist die Erstberatung. Hier kann sie sich anonym beraten lassen – das Gespräch unterliegt der Geheimhaltung. Entscheidet sich die Schwangere nach der Beratung dafür, ihr Kind nicht zu behalten und ihre Identität nicht zu verraten, wird sie über die Möglichkeit der vertraulichen Geburt informiert. Sie erfährt alles über ihre Rechte, die des Kindes und die rechtlichen Folgen einer bevorstehenden Adoption. Bei der vertraulichen Geburt wählt sie ein Pseudonym für sich selbst aus und bekommt die Möglichkeit einen Vornamen für das Kind zu bestimmen. Die Daten der Frau werden vertraulich aufgenommen und versiegelt hinterlegt. Anschließend vermittelt die Beratungsstelle die Frau an ein Krankenhaus oder eine Hebamme. Die Geburt wird medizinisch betreut. Das Standesamt erstellt mit dem Geburtsdatum, -ort und Pseudonym der Mutter eine Geburtsurkunde. Das Kind wird vom Jugendamt in Obhut genommen und bekommt einen Vormund. Auch wenn im Voraus keine Beratung stattgefunden und sich die Frau direkt zur Geburt in ein Krankenhaus begeben hat, kann sie den Wunsch nach der vertraulichen Geburt vor Ort noch äußern und es wird im Nachhinein eine Beratungsstelle informiert.

Kosten einer vertraulichen Geburt

Ob Beratung oder medizinische Betreuung – alle Kosten, die im Zusammenhang mit der vertraulichen Geburt entstehen, werden vom Bund übernommen. Für die Schwangere fallen keinerlei Kosten an. Auch wenn die Frau ihre Anonymität nach der Geburt aufgibt, entstehen ihr selbst dadurch keine Kosten. Der Bund kann das Geld in diesem Fall von der Krankenkasse zurückfordern.

Vertrauliche Geburt statt Babyklappe

Nach der vertraulichen Geburt wird die Mutter begleitet und beraten. Es wird ihr Sicherheit udn Betreuung bei der Geburt geboten. Ändert sich ihre Gefühlslage und sie möchte ihr Kind nun doch nicht mehr abgeben, hat sie die Chance ihre Identität bekannt zu geben und ihr Kind zu behalten. Bis zum Gerichtsbeschluss über die Annahme des Kindes durch Adoptiveltern hat die Mutter auch weiterhin noch die Möglichkeit, ihr Kind zu sich zurückzuholen. Dazu müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Sie muss ihre Anonymität aufgeben.
  • Ihre Mutterschaft muss feststehen.
  • Das Kindeswohl darf dadurch nicht beeinträchtigt werden.

Bei einer anonymen Geburt, der Abgabe des Kindes bei einer Babyklappe oder der anonymen Kindsabgabe werden die Daten der Mutter im Gegensatz zur vertraulichen Geburt nirgendwo hinterlegt. Das Kind hat keine Möglichkeit jemals zu erfahren, wer seine Mutter ist. Wird das Kind nach einer vertraulichen Geburt adoptiert, können die Adoptiveltern die Umstände der Geburt erfahren und das Kind darüber informieren.

Erreichbarkeit von Hilfestellen zur vertraulichen Geburt

Unter der Rufnummer 0800 – 4040020 ist das Hilfetelefon „Schwangere in Not – anonym und sicher“ rund um die Uhr erreichbar. Neben der anonymen, mehrsprachigen und kostenlosen Beratung per Telefon hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ihr Hilfsangebot zur vertraulichen Geburt noch erweitert: Auf der Website www.geburt-vertraulich.de können Schwangerschaftsberatungsstellen im Umkreis gesucht werden und eine Einzelberatung per E-Mail oder Chat mit einer geschulten Fachkraft erfolgen. Die Beraterinnen unterliegen der Schweigepflicht. Seinen richtigen Namen muss man selbstverständlich trotzdem nicht nennen.

Vertrauliche Geburt: Broschüre im Netz

"Die vertrauliche Geburt: Informationen über das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt" - die Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend informiert sie umfassend zu allen Fragestellungen rund um die vertrauliche Geburt.

Zahlen & Kritik an der anonymen Geburt

Im Jahr der Einführung der Möglichkeit der vertraulichen Geburt (Mai - Dezember 2014) nahmen bereits 95 Frauen das Angebot in Anspruch. Die vertrauliche Geburt war ursprünglich geplant, um die anonyme Geburt (seit 1999) und Babyklappe zu ersetzen. Doch diese existieren bisher weiter. Diese Optionen sind umstritten, da sie dem Kind sein gesetzlich vorgesehenes Recht auf seine Herkunft nicht ermöglichen. Andererseits sollen solche Angebote verhindern, dass Mütter aus Verzweiflung ihre Babys töten.

Kritiker sehen die anonyme Geburt als zu bürokratisch und zu kompliziert an. Eine Frau würde nicht kommen, wenn ihr nicht Anonymität zugesichert würde. Befürworter betonen jedoch die medizinische Sicherheit und die Einbettung in ein umfassendes Beratungsangebot.

Autor: Viola Booth
Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2017
Quellen
Beiträge im Forum "Geburtstermin Juli/August 2018"
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