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Verhütungspflaster (Hormonpflaster)

Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 15. Februar 2017

Das Verhütungspflaster oder Hormonpflaster ist eine hormonelle Verhütungsmethode. Es wird auf die Haut aufgeklebt und drei Wochen lang im Sieben-Tage-Rhythmus gewechselt.

Verhütungspflaster
Das Verhütungspflaster gilt bei richtiger Anwendung als sichere Verhütungsmethode - es wird aufgeklebt und gibt über die Haut Hormone ins Blut ab
© iStock.com/ IPGGutenbergUKLtd

Über die Haut gibt das Verhütungspflaster Hormone (Östrogen und Gestagene) direkt ins Blut ab. Die Hormone verhindern den Eisprung und wirken dadurch empfängnisverhütend.

Wirkung des Verhütungspflasters

Das Verhütungspflaster gehört zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Es enthält Östrogen und Gestagene. Die Hormone werden über das Pflaster direkt an die Haut abgegeben. Sie verhindern den Eisprung sowie die Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutter, sodass keine Schwangerschaft entstehen kann. Am Gebärmutterhals verdickt sich zusätzlich durch die Hormone die Schleimhaut, sodass keine Samenzellen hindurchkommen. Die Wirkung des Verhütungspflasters ist dabei ähnlich wie die bei der Antibabypille.

Hormonelle Verhütungsmethoden: Welche Möglichkeiten gibt es?

Verhütungspflaster: Anwendung

Die Anwendung des Verhütungspflasters ist denkbar einfach: Es wird auf die Haut geklebt und zwar am besten auf eine möglichst unbehaarte Stelle, damit es besser hält. Gut geeignete Stellen sind zum Beispiel Bauch oder Gesäß. Auch Oberarme oder andere, idealerweise gut zu bedeckende Stellen am Oberkörper (mit Ausnahme der Brust) eignen sich. Nach dem Aufkleben empfiehlt es sich, das Pflaster noch einmal gut anzudrücken und sicherzustellen, dass es richtig hält.

Wechselrhythmus von sieben Tagen

Das Verhütungspflaster wird bei der ersten Anwendung am ersten Tag des neuen Zyklus (erster Tag der Periode) aufgeklebt. Nach sieben Tagen muss ein neues Pflaster aufgeklebt werden. Sind weitere sieben Tage vergangen, wird wieder ein neues Pflaster aufgeklebt – also insgesamt drei Mal für je sieben Tage ein (neues) Verhütungspflaster: am 1., 8. und 15. Zyklustag. Ab dem 22. Zyklustag folgt eine siebentägige Pause, in der die Periode einsetzt.

Im Anschluss wird im normalen Klebe-Rhythmus weitergemacht: Genau sieben Tage nach dem 22. Zyklustag wird wieder das "erste" Verhütungspflaster aufgeklebt, sieben Tage darauf das zweite und sieben Tage darauf das dritte. Dann folgt wieder die siebentägige Pause. Der Pflasterwechsel erfolgt immer am gleichen Wochentag. Anfangs empfiehlt es sich, die Wechseltage in einen Kalender einzutragen, bis sich der Rhythmus eingespielt hat.

Für eine möglichst reizarme Anwendung des Verhütungspflasters empfiehlt es sich, die Klebestellen regelmäßig zu wechseln. So lässt sich Hautreizungen durch das Verhütungspflaster besser vorbeugen. Die Klebestellen befinden sich im Idealfall innerhalb eines Zyklus’ in der gleichen Körperregion.

Auch sollte die Haut an den Klebestellen trocken und fettfrei sein. Das Verhütungspflaster darf nicht auf verletzte, entzündete oder bereits gereizte Hautstellen aufgeklebt werden.

Ab wann wirkt das Verhütungspflaster?

Wird das Verhütungspflaster korrekt angewendet, wirkt es bereits ab dem ersten Tag der Anwendung. Für die Verhütungssicherheit entscheidend ist der regelmäßige Wechsel des Verhütungspflasters nach jeweils sieben Tagen. Im ersten Anwendungszyklus wird an den Zyklustagen 1, 8 und 15 jeweils ein neues Pflaster aufgeklebt. Wurde der Wechsel vergessen, kann er bis zu 24 Stunden später nachgeholt werden.

Die Wirkung des Verhütungspflasters bleibt auch während der siebentägigen Pause erhalten. Nach der siebentägigen Pause muss wird wieder ein Pflaster für jeweils sieben Tage aufgeklebt und der Sieben-Tage-Rhythmus fortgesetzt – und zwar unabhängig davon, ob eine Monatsblutung eingesetzt hat oder nicht. Wenn Sie das Ausbleiben der Periode verunsichert oder Sie eine Schwangerschaft für möglich halten (zum Beispiel, weil ein Pflaster nicht richtig gehalten hat), ist es empfehlenswert, umgehend einen Arzt aufzusuchen und eine mögliche Schwangerschaft abzuklären.

Sicherheit des Verhütungspflasters

Das Verhütungspflaster gehört mit einem Pearl-Index von 0,7 bis 0,88 zu den sehr sicheren hormonellen Verhütungsmethoden. Das bedeutet, dass statistisch gesehen von 100 sexuell aktiven Frauen, die das Verhütungspflaster anwenden, innerhalb eines Jahres 0,7 bis 0,88 schwanger werden. Voraussetzung für die Sicherheit beim Verhütungspflaster ist die korrekte Anwendung. Daher ist es ratsam, sich jeden Tag davon zu überzeugen, ob das Pflaster noch richtig sitzt.

Tipp: Nehmen Sie die Kontrolle des Verhütungspflasters in Ihre Morgenroutine auf und kontrollieren Sie seinen Sitz am besten immer zu einer ähnlichen Tageszeit. Ist es verrutscht, sitzt nicht mehr richtig oder ist sogar abgefallen, bleibt die empfängnisverhütende Wirkung des Verhütungspflasters noch etwa 24 Stunden bestehen. Danach kann seine Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden und es sollte zusätzlich mit einer nicht-hormonellen Methode verhütet werden (zum Beispiel mit Kondom).

Verhütungspflaster: Kosten

Je nach Präparat kostet eine Dreimonatspackung des Verhütungspflasters um die 40 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Lediglich für junge Frauen bis 18 beziehungsweise 20 Jahre werden die Kosten übernommen, das Maximalalter ist je nach Krankenkasse unterschiedlich. Das Verhütungspflaster ist verschreibungspflichtig.

Vor- und Nachteile des Verhütungspflasters

Ein großer Vorteil des Verhütungspflasters ist seine leichte Anwendung. Es muss einfach nur auf die Haut aufgeklebt werden und entfaltet dann seine Wirkung. Da der Wechsel des Verhütungspflasters erst nach sieben Tagen erfolgt, muss auch nicht jeden Tag an die Verhütung gedacht werden, wie das zum Beispiel bei der Antibabypille der Fall ist.

Ein weiterer Vorteil des Verhütungspflasters ist die Umgehung des Magen-Darm-Trakts, da die Hormone über die Haut aufgenommen werden und von dort direkt ins Blut gehen. Dieser Vorteil des Verhütungspflasters kommt vor allem Frauen zugute, die hormonell verhüten möchten, aber unter Erkrankungen leiden, die mit Erbrechen und/oder Durchfällen einhergehen, wie etwa die Darmerkrankung Colitis ulcerosa, aber auch bei Essstörungen wie der Ess-Brech-Sucht (Bulimie).

Die bekannten Nachteile hormoneller Verhütungsmittel bestehen auch beim Verhütungspflaster. So besteht aufgrund der Einnahme ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Ergebnisse einiger jüngeren Studien weisen daraufhin, dass das Thromboserisiko beim Verhütungspflaster im Vergleich zu anderen hormonellen Verhütungsmethoden sogar noch etwas höher ist.

Das Verhütungspflaster eignet sich daher nicht für Raucherinnen und nur bedingt für Frauen über 35 Jahre und stark übergewichtige Frauen. Auch darf bei einer Blutgerinnungsstörung das Verhütungspflaster nicht angewendet werden. Gab es in der Familie bereits Thrombosen oder andere Gefäßerkrankungen, ist vom Verhütungspflaster ebenfalls abzuraten.

Zu den Nachteilen des Verhütungspflasters gehört ebenfalls, dass sich die Sicherheit verringert, wenn Antibiotika eingenommen werden. Auch Medikamente gegen Epilepsie, aber auch das pflanzliche Mittel Johanniskraut können die Wirkung des Verhütungspflasters vermindern. Werden solche Medikamente kurzfristig eingenommen, sollte zusätzlich noch mit einer nicht-hormonellen Methode verhütet werden. Bei stark übergewichtigen Frauen kann die Wirkung außerdem verringert sein.

Das Verhütungspflaster schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Einen Schutz davor bieten ausschließlich Kondome.

Gegenanzeigen: Wann darf das Verhütungspflaster nicht angewendet werden?

  • Gegen eine Anwendung des Verhütungspflasters sprechen:
  • Aktuelle oder frühere Thrombosen oder Vorkommen von Thrombosen innerhalb der Familie
  • Diabetes mellitus
  • Lebererkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Brustkrebs
  • Blutungen oder Zwischenblutungen unbekannter Ursache

Nebenwirkungen des Verhütungspflasters

Vor allem zu Beginn der Einnahme des Verhütungspflasters können verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten Anfangsbeschwerden gehören unregelmäßige Blutungen sowie Schmier- oder Zwischenblutungen.  

Weitere Nebenwirkungen bei der Anwendung des Verhütungspflasters können sein:

  • Kopfschmerzen
  • Brustschmerzen, Spannungsgefühle in der Brust
  • Übelkeit
  • Veränderung der Libido
  • Gewichtszunahme
  • Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme)
  • Hautreizungen am Klebeort
Autor: Karin Wunder, Medizinautorin
Letzte Aktualisierung: 15. Februar 2017
Quellen
Beiträge im Forum "Kinderwunsch und Partnerschaft"
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