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Minipille

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 18. März 2016

Die Minipille ist ein hormonelles Verhütungsmittel. Sie kommt ohne das Hormon Östrogen aus. Für einen zuverlässigen Schutz muss sie täglich etwa zur gleichen Uhrzeit eingekommen werden.

Minipille
Die Minipille hat weniger Nebenwirkungen als herkömmliche Antibabypillen und ist damit für Frauen geeignet, die östrogenhaltige Verhütungsmittel nicht vertragen
iStock/shironosov

Im Gegensatz zu den meisten anderen Antibabypillen enthält die Minipille lediglich Gestagen in einer sehr niedrigen Dosierung.

Sie hat daher viel weniger Nebenwirkungen als die höher dosierten Kombinationspräparate mit Östrogen und Gestagen.

Die Minipille wird häufig von Frauen eingenommen, die noch stillen oder östrogenhaltige Verhütungsmittel nicht vertragen. Allerdings ist die Sicherheit auch etwas niedriger als bei der normalen Antibabypille. Sie hängt vor allem von der täglich konsequenten Einnahme zur gleichen Uhrzeit ab.

Wirkung der Minipille

Die klassische Minipille enthält als Wirkstoff das Gestagen Levonorgestrel in einer sehr geringen Dosierung. Im Gegensatz zu östrogenhaltigen Antibabypillen wird bei der Minipille der Eisprung (Ovulation) nicht unterdrückt. Das Gestagen Levonorgestrel wirkt empfängnisverhütend, weil es den Schleimpropfen im Gebärmutterhals festigt, sodass keine Spermien hindurchkommen. Zudem verhindert es den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Sollte es doch zu einem Durchkommen von Spermien und zu einer Befruchtung kommen, kann sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutterwand einnisten.

Eine neue Version der Minipille mit dem Gestagen Desogestrel sorgt zusätzlich für eine Unterdrückung des Eisprungs. Das Einnahmefenster von zwölf Stunden ist bei ihr außerdem so hoch wie das bei der östrogenhaltigen Pille. Diese als „östrogenfreie Antibabypille“ angebotene Antibabypille ist damit noch sicherer als die klassische Minipille, ihr Hormongehalt ist allerdings auch höher.

Nebenwirkungen der Minipille

Die Minipille hat im Vergleich zu anderen Antibabypillen relativ wenige Nebenwirkungen. Etwas häufiger kommt es zu Zwischenblutungen. Manchmal bleibt die Monatsblutung aus oder kommt sehr spät. Trotz Zwischenblutungen oder Ausbleiben der Monatsblutung sollte die Minipille trotzdem weiter eingenommen werden. Solche Zyklusstörungen sind zu Beginn der Einnahme noch häufig und geben sich meist in den kommenden Monaten.

Auch Stimmungsschwankungen, unreine Haut, Kopfschmerzen und Spannungsgefühl in den Brüsten können als Nebenwirkungen der Minipille auftreten.

Anwendung der Minipille

Wer die Minipille zum ersten Mal einnimmt, beginnt mit der Anwendung am ersten Tag der Menstruationsblutung (gleichzeitig auch erster Zyklustag). Die schwangerschaftsverhütende Wirksamkeit beginnt mit dem ersten Einnahmetag. Startet man die erste Einnahme nicht direkt am ersten Zyklustag sondern ein bis vier Tage später, sollte in den ersten sieben Tagen der Einnahme zusätzlich mit einem Kondom oder anderen Mitteln verhütet werden. Hat man auch dieses Zeitfenster verpasst, so empfiehlt es sich, mit der Einnahme der Minipille im nächsten Zyklus – dafür aber pünktlich – zu beginnen.

Angewendet wird die Minipille über 28 bis 35 Tage (je nach Präparat) und im Anschluss erfolgt keine Menstruations-Pause. Nachdem die Packung aufgebraucht ist, wird direkt mit der nächsten wieder von vorne begonnen. Findet eine Unterbrechung der Einnahme statt, ist die empfängnisverhütende Wirkung nicht mehr gesichert.

Sicherheit der Minipille

Um die Sicherheit der Minipille zu gewährleisten, ist es unbedingt erforderlich, sie fortlaufend und jeden Tag zur gleichen Uhrzeit (im 24-Stunden-Rhythmus) einzunehmen. Eine verspätete Einnahme von maximal drei Stunden ist möglich. Weicht die Einnahmezeit um mehr als drei Stunden ab, gilt die Minipille bereits als nicht mehr sicher. Dieses 3-Stunden-Zeitfenster sollte daher für eine sichere Anwendung der Minipille unbedingt eingehalten werden.

Laut Pearl-Index ist die Sicherheit der Minipille im Vergleich zur östrogenhaltigen Antibabypille etwas geringer. Bei perfekter Anwendung der Minipille (tägliche Einnahme immer exakt zur gleichen Uhrzeit) geht man von einem Pearl-Index von 1,2 aus, während der Pearl-Index realistisch etwa bei 3 liegt. Das bedeutet: Drei von 100 sexuell aktiven Frauen werden innerhalb eines Jahres trotz Minipille schwanger. Zum Vergleich: Der Pearl-Index der östrogenhaltigen Antibabypille liegt bei 0,1 bis 1.

Im Vergleich zu anderen Verhütungsmethoden ist die Minipille aber noch relativ sicher.

Minipille vergessen – was nun?

Hat man die Einnahme der Minipille vergessen, kann man diese bis zu drei Stunden nach dem regulären Einnahmezeitpunkt nachholen. Nimmt man die Minipille also normalerweise morgens um 8 Uhr und vergisst das, sollte die Einnahme bis spätestens um 11 Uhr vormittags erfolgen.

Schafft man das nicht, sollte man die Minipille trotzdem sobald wie möglich einnehmen und am nächsten Tag wieder im normalen Rhythmus weitermachen. Die verhütende Wirkung ist allerdings für etwa sieben Tage nicht mehr gewährleistet. In diesem Zeitraum sollte also zusätzlich verhütet werden, beispielsweise mit einem Kondom.

Ist es kurz vor der vergessenen Einnahme zum Geschlechtsverkehr gekommen, ist eine Schwangerschaft tatsächlich möglich, wenn man gerade seine fruchtbaren Tage hat. Denn die Minipille unterdrückt den Eisprung nicht. Spermien können im weiblichen Körper bis zu vier Tage überleben. Wenn man also die Minipille vergessen hat, sollte man das beachten.

Für wen eignet sich die Minipille?

Die Minipille eignet sich für Frauen, welche die östrogenhaltige Antibabypille nicht einnehmen können oder sie nicht vertragen. Medizinische Gründe sind zum Beispiel starkes Übergewicht, Thrombophilie, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Stillenden Frauen wird ebenfalls die Einnahe der Minipille empfohlen, wenn eine hormonelle Verhütung in der Stillzeit gewünscht ist. Zwar lassen sich auch Gestagene in der Muttermilch nachweisen, die hormonelle Belastung für das Baby ist allerdings nicht so hoch wie bei anderen Pillen und die Milchmenge wird nicht verringert.

Grundsätzlich gilt: Wer einen eingespielten, regelmäßigen Tagesablauf hat, ist mit der Minipille gut beraten. Nicht empfehlenswert ist sie für Frauen, die viel reisen und dabei eventuell Zeitverschiebungen beachten müssen oder für Schichtarbeiterinnen. Da die Zuverlässigkeit der Verhütung durch die Minipille ganz entscheidend von der täglichen Einnahme zur gleichen Uhrzeit abhängt, ist sie gut geeignet für eher disziplinierte Verwenderinnen, die mit der Einhaltung eines täglichen Termins keine Probleme haben.

Kosten der Minipille

Je nach Präparat und Wirkstoff liegen die Kosten für eine Dreimonats-Packung der Minipille bei etwa 30 Euro (Minipille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel) oder 20 bis 37 Euro (Minipille mit dem Wirkstoff Desogestrel).

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 18. März 2016
Quellen
Beiträge im Forum "Kinderwunsch und Partnerschaft"
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