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Refertilisation bei der Frau

Refertilisation bei der Frau
Die Refertilisation bei der Frau wird meist durchgeführt, um bei Kinderwunsch eine Sterilisation wieder rückgängig zu machen
iStock/Ridofranz

Als Refertilisation bei der Frau wird ein Operationsverfahren zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit bei Frauen bezeichnet. Es erfolgt meist nach einer Sterilisation bei wieder aufgekommenem Kinderwunsch.

Auch Gebärmuttererkrankungen oder Entzündungen der Eileiter können eine Refertilisation bei der Frau (Tubenligatur) nötig machen. Das Ziel der Operation ist die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Eileiter. Ein bis zwei Prozent der sterilisierten Frauen unterzieht sich in Deutschland später wieder einer Refertilisations-OP.

Warum wird eine Refertilisation bei der Frau durchgeführt?

Der Hauptgrund für die Refertilisation bei der Frau ist ein erneuter Kinderwunsch, zum Beispiel in einer neuen Partnerschaft. Auch wenn die frühere Entscheidung für eine Sterilisation in dem Moment die richtige war - Lebensumstände ändern sich. Manchmal wird eine Refertilisation aber auch nötig, weil die Eileiter aufgrund früherer Erkrankungen oder Entzündungen nicht mehr durchgängig sind, aber ein Kinderwunsch besteht.

Eine Refertilisation bei der Frau ist um Vergleich zur Refertilisation beim Mann wesentlich aufwändiger, weil dafür eine Operation unter Vollnarkose nötig ist. Man muss nach dem Eingriff mindestens eine Nacht, häufig zwei oder drei, im Krankenhaus oder der Kinderwunschklinik verbringen. Aufgrund der Vollnarkose sind mit dem Eingriff auch größere Risiken verbunden.

Voraussetzungen für eine Refertilisation bei der Frau

Grundsätzlich sollte nichts gegen eine Vollnarkose sprechen. Auch die verbliebene Länge der Eileiter (Tubenlänge) ist nicht ganz unwichtig. So sollten insgesamt - also beide Enden zusammengenommen - mindestens vier Zentimeter vorhanden sein. Die Erfolgschancen einer Refertilisation bei der Frau verringern sich, wenn an den Enden zuviel Narbengewebe vorhanden ist. Das kann aber leider erst während der Operation festgestellt werden.

Ablauf der Refertilisations-Operation

Die Refertilisations-Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Der Eingriff erfolgt entweder über einen Schnitt in der Bauchdecke oder minimalinvasiv durch den Bauchnabel. Neben dem Operationsbesteck wird auch ein Laparoskop zur Vergrößerung eingeführt. Nun werden die beiden getrennten und verödeten Enden des Eileiters mikrochirurgisch wieder zusammengenäht, indem man die vernarbten Teile abschneidet und die verbliebenen Eileiterteile wieder zusammengenäht. Das Zusammennähen des Gewebes erfolgt Schicht für Schicht. Noch während der Operation wird die Durchlässigkeit der Eileiter geprüft.

Aufgrund der Vollnarkose gehören Herz-Kreislauf-Probleme zu den Risiken und Komplikationen einer Refertilisations-Operation bei der Frau. Auch Blutgerinnungsstörungen (Thrombose) sind möglich. Wundheilungsstörungen, Entzündungen im Bauchraum (Bauchfellentzündung) oder an der Wunde und Nachblutungen können ebenfalls vorkommen. In manchen Fällen vernarbt das Gewebe nach der Operation, sodass die Eileiter nicht richtig durchlässig sind.

Refertilisation bei der Frau: Wie sind die Aussichten auf Erfolg?

Wenn die Refertilisation bei der Frau von einem erfahrenen Chirurgen korrekt durchgeführt wird, sind die Aussichten auf Erfolg günstig. Dazu kommen aber noch weitere Faktoren, welche die Erfolgschancen einer Refertilisation beeinflussen. Erfolg steht in diesem Zusammenhang nicht nur allein für eine geglückte Operation, sondern dafür, dass die Frau danach tatsächlich wieder schwanger wird.

Wie bei einer Frau ohne vorherige Sterilisation sinkt im Allgemeinen die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft mit zunehmendem Alter. Das bedeutet nicht automatisch, dass ältere Frauen Probleme haben, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Es sinkt aber die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit. Das zeigt auch eine australische Studie aus dem Jahr 2015, wonach lediglich 26 Prozent der über 40-jährigen Frauen in den ersten fünf Jahren nach einer operativen Tubenrekonstruktion tatsächlich schwanger wurden. Bei den 20- bis 39-Jährigen waren es dagegen 52 Prozent.

Experten sind sich uneins darüber, ob die Aussichten auf Erfolg einer Refertilisation bei der Frau sinken, je länger die Durchtrennung der Eileiter zurückliegt. Studien weisen darauf hin, dass die Chancen sinken könnten. In der genannten australischen Studie brachten Frauen, bei denen die Sterilisation weniger als acht Jahre zurücklag, häufiger Kinder zu Welt als solche, mit länger als acht Jahre zurückliegender Tubenresektion. (52 Prozent versus rund 45 Prozent). Andererseits zeigte eine kleine Studie an der Universitätsklinik Magdeburg aus dem Jahr 2013 keine Unterschiede auf.

Es empfiehlt sich, vor einer Entscheidung für die Operation die Hormonwerte, der Frau bestimmen sowie ein Spermiogramm vom Partner anfertigen zu lassen, um zu schauen, ob ein Kinderwunsch auf natürlichem Wege überhaupt erfüllt werden kann.

Refertilisation bei der Frau und Eileiterschwangerschaft

Nach einer Refertilisation ist die Wahrscheinlichkeit einer Eileiterschwangerschaft erhöht. Eileiterschwangerschaften entstehen, wenn sich eine befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter, sondern außerhalb, in aller Regel direkt im Eileiter, einnistet. Verursacht wird das durch Verschlüsse oder Vernarbungen am Eileiter, die unter anderem nach einer Sterilisation/Refertilisation entstehen können.

Refertilisation bei der Frau: Wie hoch sind die Kosten?

Je nach Methode und Operatur liegen die Kosten für eine Refertilisation bei der Frau bei 2.000 bis 5.000 Euro. Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen, wenn die Refertilisation aufgrund einer vorherigen Sterilisation durchgeführt wird, die Operation muss also privat bezahlt werden. In den Kosten sind neben Beratung, Untersuchungen, Anästhesie und Operation auch die Nachsorge und der Krankenhausaufenthalt eingerechnet. Sollte ein längerer Krankenhausaufenthalt nötig werden, erhöhen sich die Kosten für die Refertilisation bei der Frau entsprechend. Es empfiehlt sich, mit der behandelnden Klinik einen "Paketpreis" zu vereinbaren.

Alternativen zur Refertilisation bei der Frau

Auch wenn eine Refertilisation bei der Frau nicht möglich ist oder erfolglos blieb, kann sie weiterhin Kinder bekommen. Lediglich die Befruchtung ist dann auf natürlichem Wege nicht mehr möglich. Eine gute Alternative zur Operation ist daher die In-Vitro-Fertilisation (IVF), eine Methode der künstlichen Befruchtung. Bei der In-Vitro-Fertilisation, auch Reagenzglasbefruchtung genannt, werden Eizellen aus dem Eierstock entnommen und im Reagenzglas mit dem Sperma des Mannes zusammengebracht. Bis zu drei befruchtete Eizellen werden nach 24 bis 48 Stunden in die Gebärmutter eingesetzt. Durch die IVF wird also der Weg über die Eileiter umgangen. Die Schwangerschaft verläuft dann wie jede andere Schwangerschaft auch. Die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingsschwangerschaften ist allerdings erhöht. Die Erfolgschancen einer Embryonenübertragung liegen bei 28 Prozent.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. Juli 2017
Quellen: Benkwitz, E.: Prognosefaktoren für den Erfolg einer mikrochirurgischen Refertilisierung der Eileiter. Dissertation, Magdeburg 2013; Malacova, E., u.a.: Live delivery outcome after tubal sterilization reversal: a population-based study. Fertility and Sterility Volume 104, Issue 4, Pages 921–926 Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA): www.familienplanung.de (Stand: Oktober 2010)

Beiträge im Forum "Kinderwunsch: Ich will schwanger werden - wer noch?"
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