Ein Angebot von Lifeline
Freitag, 24. Oktober 2014

Befruchtung (Konzeption)

Befruchtung (Konzeption)
Damit es zur Befruchtung kommt, müssen viele Faktoren stimmen
(c) iStock

Befruchtung (Konzeption) ist der Moment, in dem die Samenzelle in die Eizelle eindringt und mit ihr verschmilzt. Ab diesem Augenblick beginnt die Zellteilung: Bei jeder Teilung verdoppelt sich die Anzahl der Zellen in der befruchteten Eizelle.

Etwa zwei Tage nach der Befruchtung wandert die befruchtete Eizelle den restlichen Weg des Eileiters hinab in die Gebärmutter, wo sie die Einnistung stattfindet.

Damit es überhaupt zur Befruchtung kommen kann, sind einige Voraussetzungen nötig, die alle gemeinsam dazu führen, dass Samen- und Eizelle zusammenkommen können.

Voraussetzung für die Befruchtung: eine befruchtungsfähige Eizelle

Bei jeder Frau reifen in der ersten Zyklushälfte in den Eierstöcken Eibläschen (Follikel) heran. Ein, gelegentlich auch mehrere, Eibläschen entwickeln sich bis etwa zu Mitte des Zyklus zum sprungbereiten Leitfollikel. In der Mitte des Zyklus - durchschnittlich 14 Tage nach dem ersten Tag der letzten Regelblutung - findet der Eisprung (Ovulation) statt: Eine Eizelle tritt aus dem Leitfollikel aus und in den Eileiter hinein. In den folgenden zwölf bis 24 Stunden nach dem Eisprung wandert die Eizelle im Eileiter in Richtung Gebärmutter. Während dieser "Wanderung" kann sie durch eine Samenzelle befruchtet werden.

Wie lange überleben Spermien?

Wie lange Spermien aus dem Ejakulat überleben, hängt vor allen Dingen von der Umgebung ab. In der idealen Umgebung der Gebärmutter zur fruchtbaren Zeit können Spermien drei bis fünf Tage überleben - manchmal sogar noch länger, bis zu sieben Tage. An der Luft sterben Spermien schnell ab. Ist Sperma nicht mehr von Flüssigkeit umgeben, beispielsweise an der Hand getrocknet, kann damit keine Befruchtung mehr stattfinden.

Wie gelangen die Samenzellen zur befruchtungsfähigen Eizelle?

Die Spermien oder Samenzellen werden in den Hoden des Mannes gebildet. Beim Orgasmus vermischen sich diese Spermien mit einem Sekret aus der Prostata. Diese Mischung nennt man Ejakulat. Je nach Zustand befinden sich darin durchschnittlich 150 Millionen Spermien. Das Ejakulat während des Geschlechtsverkehrs beim Orgasmus des Mannes aus dem Penis in die Scheide der Frau. Von dort "schwimmen" die Spermien in Richtung Gebärmutter und Eileiter.

Das "Wettrennen" der Spermien bis zur Befruchtung

Die Milieus von Gebärmutter und Gebärmutterschleimhaut sorgen dafür, dass die Spermien im Körper der Frau beweglich bleiben und möglichst lange überleben. In der Zeit um den Eisprung herum ist der ansonsten durch zähen Schleim verschlossene Gebärmutterhals durchgängig, sodass die Spermien ihn passieren können.

Nach Durchquerung des Gebärmutterhalses gelangen die Spermien in die Gebärmutter und in den Eileiter. Dort befindet sich bis zu 24 Stunden nach dem Eisprung die Eizelle. Im Eileiter bewegen sich die Spermien durch Flimmerhärchen hindurch bis zur Eizelle.

Den mühsamen Weg bis zur Eizelle überstehen nicht alle Spermien. Viele gehen bereits vorher zugrunde. Diejenigen, die an der Eizelle angekommen sind, versuchen, sich durch deren Hülle zu bohren.

Die eigentliche Befruchtung

Diejenigen Samenzellen, die sich durch die Hülle bohren konnten, befinden sich nun in einem Zwischenraum, der mit Flüssigkeit gefüllt ist. Schafft es ein Spermium, ins Zellplasma des Zellkerns vorzudringen, findet die Befruchtung statt: Sowohl Eizelle als auch Samenzelle haben alle Erbinformationen gespeichert, die für die Entstehung eines Menschen nötig sind. Beide verschmelzen bei der Befruchtung miteinander. Wesentliche Merkmale des entstehenden Menschen (Geschlecht, Haarfarbe, Blutgruppe usw.) sind also ab diesem Zeitpunkt bereits festgelegt.

Nach der Befruchtung: die Wanderung in die Gebärmutter

Verschmelzen Eizelle und Samenzelle miteinander, verändert sich die chemische Zusammensetzung der Eizelle sofort, um das Eindringen weiterer Spermien zu verhindern. Alle Spermien, die es nicht geschafft haben, sterben bald darauf ab. Im Inneren der Eizelle befindet sich - nach der Verschmelzung mit der Samenzelle - nun wieder eine Zelle, die sich nach einiger Zeit alle paar Stunden teilt.

Die befruchtete Eizelle befindet sich währenddessen immer noch im Eileiter. Erst einige Tage später setzt sie ihre Wanderung in die Gebärmutter fort. Der letzte Abschnitt ist dabei der gefährlichste, da er besonders eng ist. Nicht alle befruchteten Eizellen schaffen es hier hindurch: Einige bleiben an den Wänden hängen und es entwickelt sich eine Eileiterschwangerschaft.

In der Gebärmutter

Hat die befruchtete Eizelle die Wanderung durch den Eileiter schadlos überstanden, kommt sie in der Gebärmutter (Uterus) an. Hier teilen sich einige Zellen in der Hülle nochmals ab. Aus diesen Zellen entsteht der Mutterkuchen (Plazenta), der sich mit dem Organismus der Frau verbindet und den Embryo mit allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt.

Die restlichen Zellen befreien sich aus der Eihülle und docken im oberen Teil der Gebärmutter in der Schleimhaut an. Ist diese Phase der Einnistung, die Implantation, abgeschlossen, werden Hormone ausgesendet, die die notwendigen körperlichen Veränderungen hervorrufen, damit sich der Embryo in der Gebärmutter der Frau entwickeln kann. Wird das Hormon HCG (Humanes Choriongonadotropin) im Blut der Frau nachgewiesen, besteht sicher eine Schwangerschaft.

Mehrlingsschwangerschaften

Gelegentlich kommt es vor, dass zwei Eizellen gleichzeitig in den Eierstöcken heranreifen. Diese beiden Eizellen "springen" auch zur gleichen Zeit: Nach dem Eisprung wandern also zwei befruchtungsfähige Eizellen in die Eierstöcke. Werden beide befruchtet, kommt es zu einer Mehrlingsschwangerschaft mit zweieiigen Zwillingen. Im Grunde handelt es sich um parallel stattfindende Befruchtungen mit jeweils einer Eizelle und einer Samenzelle, sodass sich die zweieiigen Zwillinge wie normale Geschwister ähneln oder nicht ähneln.

Teilt sich die Eizelle nach der Befruchtung in zwei Zellkerne, entstehen daraus eineiige Zwillinge. Diese sind - je nach Zeitpunkt der Zellteilung - über die gleiche oder jeweils einen eigenen Mutterkuchen (Plazenta) mit der Mutter verbunden. Eineiige Zwillinge sehen fast identisch aus und haben immer dasselbe Geschlecht.

Mehrlingsschwangerschaften mit drei oder mehr Embryonen sind meistens eine Kombination aus ein- und zweieiigen Zwillingen oder aus drei einzelnen Eizellen, die jeweils durch eine eigene Samenzelle befruchtet werden. Besonders nach einer künstlichen Befruchtung kommt es häufig zu Mehrlingen.

Natürliche Familienplanung (NFP)

Auch wenn streng genommen die Eizelle nur etwa einen Tag nach dem Eisprung befruchtet werden kann, so bedeutet das nicht, dass es zur Verhütung ausreicht, in dieser Zeit auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Spermien sind im günstigen Klima von Gebärmutterhals und Gebärmutter bis zu fünf Tage lebensfähig, möglicherweise länger. Geschlechtsverkehr eine Woche vor dem Eisprung kann also trotzdem zu einer Schwangerschaft führen.

Umgekehrt ist die Kenntnis um den Zeitpunkt des Eisprungs günstig, wenn Kinderwunsch besteht. Empfohlen wird dann der Geschlechtsverkehr in den Tagen vor und direkt während des Eisprungs.

Autor: Karin Wunder
Letzte Aktualisierung: 02. Oktober 2014
Durch: Miriam Funk
Quellen: Diedrich, K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007; König, U.: Wir wollen ein Baby. Von Mönchspfeffer bis In-vitro. Reinbek, Hamburg 2007; Nilsson, L., Hamberger, L.: Ein Kind entsteht. Goldmann, München 2003

Drucken Als E-Mail versenden
Beiträge im Forum "Kinderwunsch: Ich will schwanger werden - wer noch?"
Neuste Artikel in dieser Rubrik
Hormone im Blut - Hormonwerte
Zyklus & Fortpflanzung

Anhand der Hormonwerte im Blut lässt sich eine Schwangerschaft nachweisen. Sie geben aber auch Hinweise auf mögliche Ursachen, wenn sich trotz Kinderwunsch keine Schwangerschaft einstellen will. Mehr...

Einnistung
Zyklus & Fortpflanzung

Einnistung (Implantation) ist der Moment, in dem sich eine befruchtete Eizelle (Zygote) in der Wand der Gebärmutter einnistet. Die Einnistung ist nach der Befruchtung eine der wesentlichen Voraussetzungen für... Mehr...

Welches Spermium setzt sich durch?
Zyklus & Fortpflanzung

Von mehreren Millionen Spermien, die im weiblichen Körper ihre Reise beginnen, erreichen weniger als einhundert die Nähe der Eizelle und kommen damit für eine Befruchtung in Frage. Seit Jahrzehnten versuchen... Mehr...

Weitere interessante Themen
  • KeimzellenKeimzellen

    Keimzellen (Gameten) bezeichnen die Geschlechtszellen von Mann und Frau, also Spermien und Eizellen. Reife Keimzellen besitzen im Gegensatz zu anderen Körperzellen einen einfachen... Mehr...

  • Thyroxin (T4)Thyroxin (T4)

    Das Hormon T4 (Thyroxin) wird ausschließlich in der Schilddrüse gebildet und ausgeschüttet. Mehr...

Zum Seitenanfang