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Sonntag, 11. Dezember 2016
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In-Vitro-Fertilisation (IVF)

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Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) kann vielen Paaren zum gewünschten Kind verhelfen
(c) iStockphoto

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Reagenzglasbefruchtung gilt als das bekannteste Verfahren in der Reproduktionsmedizin. Bei der In-vitro-Fertilisation werden der Frau befruchtungsfähige Eizellen von der Scheide aus abgesaugt und vom Mann durch Masturbation Sperma gewonnen. Anschließend werden Ei- und Samenzellen in einem Glasschälchen (In-vitro-Fertilisation = Befruchtung im Glas) zusammengebracht.

Wenn die Eizellen dort befruchtet werden, sich teilen und normal weiter entwickeln, werden bis zu drei befruchtete Eizellen etwa 24 bis 48 Stunden später wieder in die Gebärmutter der Frau eingesetzt (Embryonentransfer).

Voraussetzungen für eine In-vitro-Fertilisation

Damit eine In-vitro-Fertilisation durchgeführt werden kann, muss die Frau mindestens einen gesunden Eierstock, eine gesunde Gebärmutter und nach Möglichkeit auch regelmäßige Monatszyklen mit Eisprung haben. Die Qualität der männlichen Spermien sollte gut und die Spermien beweglich sein.

Vorbereitung auf die In-vitro-Fertilisation

Vor Beginn einer Kinderwunschbehandlung finden mit dem behandelnden Arzt Gespräche statt, in denen die einzelnen Behandlungsschritte besprochen und geplant werden. Bevor die eigentliche Therapie beginnen kann, müssen für die Krankenkasse Antragsformulare ausgefüllt und eingereicht werden. Es folgen mehrere Termine zur Ultraschall-Untersuchung und Blutentnahme, in denen die Voraussetzungen für eine Hormonstimulation geprüft werden.

Ablauf einer In-vitro-Fertilisation

Bevor bei einer In-vitro-Fertilisation Ei- und Samenzellen im Glasschälchen zusammengebracht werden, ist eine Vorbehandlung erforderlich.

Gewinnung von Eizellen und Samenzellen

Zunächst wird bei der Frau die Produktion von Eizellen mittels Hormongabe angeregt (ovarielle Stimulation). Die Medikamente werden in Tablettenform verabreicht oder ins Gewebe eingespritzt. Es sollen durch die Stimulation möglichst viele Eizellen produziert werden, da so die Chance besteht, gleich mehrere Eizellen zu befruchten und anschließend bis zu drei Embryonen in die Gebärmuter zu übertragen. Der Verlauf dieser Behandlung wird an mehreren Tagen mittels Ultraschall-Untersuchung kontrolliert.

Wenn sich bei einer Ulraschall-Untersuchung zeigt, dass die Eibläschen eine ausreichende Größe von etwa 18 Millimetern erreicht haben, wird durch die Gabe des Hormons hCG der Eisprung künstlich ausgelöst. Etwa 36 Stunden später entnimmt der Arzt die befruchtungsfähigen Eizellen. Dazu kann die Frau eine kurze Narkose erhalten. Diese ist aber nicht zwingend erforderlich. Der Arzt sticht mit einer feinen Nadel über die Scheide in den Eierstock ein, entnimmt die Eizellen und gibt sie an das Labor weiter. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und wird mittels Ultraschall überwacht. Nach einer Ruhephase kann die Frau am gleichen Tag wieder nach Hause gehen.

Parallel zur Eizellentnahme wird auch das Sperma des Mannes benötigt und durch Masturbation gewonnen. Bis zu vier Tage vorher sollte der Mann zu diesem Zweck sexuell enthaltsam bleiben. Bei der In-vitro-Fertilisation wird in der Regel das Sperma des Partners und nicht das eines Spenders verwendet.

Befruchtung der Eizellen

Im Labor wird jeweils eine Eizelle mit einer Vielzahl von Spermien in einem Glasbehältnis zusammen gebracht. Das Gefäß enthält eine Nährlösung, welche die weitere Entwicklung der Eizellen fördert. Die Befruchtung der Eizellen muss jeweils ohne instrumentelle Unterstützung durch jeweils ein Spermium erfolgen. Nach wenigen Tagen haben sich aus den Ei- und Samenzellen durch Zellteilung winzige Embryonen entwickelt, die der Arzt in die Gebärmutter übertragen kann.

Embryonentransfer in die Gebärmutter

Auch wenn sich im Reagenzglas mehrere Embryonen entwickeln, überträgt der Arzt vor dem Hintergrund gesetzlicher Regelungen höchstens drei von ihnen in die Gebärmutter. Der Transfer der Embryonen kann ohne Narkose durchgeführt werden. Die Frau nimmt hierzu auf dem gynäkologischen Untersuchungsstuhl Platz. Die Embryonen, die in die Gebärmuter gesetzt werden sollen, werden in einen Transfer-Katheter aufgezogen und vom Arzt unter Ultraschall-Kontrolle zunächst in die Scheide und bis zur Gebärmuter eingeführt. Nachdem der Arzt die Embryonen an ihrem Bestimmungsort abgesetzt hat, entfernt er den Katheter wieder. Die Frau verbleibt noch einige Zeit im Ruheraum, bevor sie nach Hause gehen kann.

In den folgenden zwei bis drei Tagen sollte sich die Frau schonen, Stress und Geschlechtsverkehr vermeiden und auch keine schweren körperlichen Arbeiten durchführen. Diese Vorsichtsmaßnahmen sollen das Einnisten eines Embryos in die Gebärmutterschleimhaut erleichtern. Es kann allerdings auch passieren, dass sich zwei oder alle drei Embryonen nach dem Transfer einnisten. Dann kommt es zu einer Mehrlingsschwangerschaft.

Überzählige Spermazellen und Eizellen können für eine erneute Behandlung aufbewahrt und tiefgefroren (kryokonserviert) werden. Gleiches gilt für Eizellen im Vorkernstadium, die noch nicht als Embryonen gelten.

Unterstützung der Gelbkörperphase (Lutealphase)

In der zweiten Zyklushälfte wird nach dem Transfer der Embryonen die Gelbkörperphase zwei Wochen lang durch Gabe des Gelbkörperhormons (Progesteron) unterstützt. Das Hormon kann entweder in Form von Injektionen in den Muskel, in Form von Gels oder Kapseln, die in die Scheide eingeführt oder auch in Tablettenform verabreicht werden. Nach Ablauf von 14 Tagen gibt ein Schwangerschaftstest Auskunft darüber, ob die In-vitro-Fertilisation erfolgreich verlaufen ist oder wiederholt werden muss.

Wann ist eine In-vitro-Fertilisation sinnvoll?

Paare können die In-vitro-Fertilisation anwenden, wenn

  • die Frau einen verschlossenen oder fehlenden Eileiter hat,
  • bei der Frau eine Endometriose diagnostiziert wurde,
  • bei dem Ehepaar die Ursache der Kinderlosigkeit unbekannt ist oder
  • die Zeugungsfähigkeit des Mannes vermindert ist.

Mögliche Komplikationen und Risiken einer In-vitro-Fertilisation

Durch die Hormontherapie kann es bei Frauen zum Überstimulationssyndrom kommen. Dieses äußert sich beispielsweise durch Unterbauchschmerzen, einen erhöhten Östrogenspiegel oder eine Vergrößerung der Eierstöcke.

Wird beim Embryonentransfer der Katheter zu weit eingeführt, hat dies möglicherweise eine Eileiterschwangerschaft zur Folge. Daneben birgt eine In-vitro-Fertilisation auch immer das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft, da sich mehrere Embryonen in die Gebärmutterschleimhaut einnisten und weiter entwickeln können.

Erfolgsrate einer In-vitro-Fertilisation

Bei einem gesunden Paar beträgt die Chance auf eine Schwangerschaft innerhalb eines Zyklus etwa 20 bis 25 Prozent. Die Chancen, durch eine In-vitro-Fertilisation nach Embryonenübertragung schwanger zu werden, liegen bei etwa 28 Prozent. Nach der vierten Behandlung sind etwa 70 Prozent der Frauen schwanger. Dennoch: Die Behandlung garantiert keinen Erfolg. Zudem sind die Ergebnisse deutlich von individuellen Gegebenheiten wie Alter oder Körpergewicht der Frau abhängig. Bei Frauen über 40 liegt die Erfolgsrate deutlich niedriger.

Alternativen zur In-vitro-Fertilisation

Es kann sein, dass die Qualität des Spermas nicht ausreicht und die Spermien zu unbeweglich für eine eigenständige Befruchtung der Eizellen im Glas sind. Dann kann eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion probiert werden. Dabei müssen die Spermien nicht eigenständig die Eizellen befruchten, sondern werden mit einer Mikropipette direkt in das Innere der Eizelle eingebracht. Falls Sperma des Partners nicht auf natürliche Weise gewonnen werden kann oder falls im Ejakulat nur wenige Spermien zu finden sind, können Spermazellen im Labor aus Hodengewebe oder den Nebenhoden gewonnen werden.

Falls das Sperma des eigenen Partners nicht verwendet werden kann, kann das Paar alternativ auch eine Insemination mit Spendersamen durchführen. Hierbei wird das Sperma eines Spenders zur Befruchtung der weiblichen Eizelle verwendet. In diesem Fall sind die Mutter und der Spender die genetischen Eltern des Kindes. Der Partner der Frau gilt als sozialer Vater.

Wer übernimmt die Kosten für eine In-vitro-Fertilisation?

Für Maßnahmen der Fortpflanzungsmedizin erstatten die gesetzlichen Krankenkassen nach Antragstellung bis zu 50 Prozent der Kosten für Medikamente und die Behandlung. Die Kostenübernahme ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Beispielsweise muss das Paar verheiratet sein, beide Partner dürfen nicht jünger als 25, der Mann nicht älter als 50 und die Frau nicht älter als 40 Jahre alt sein. Private Kassen übernehmen die Kosten in der Regel komplett. Da die Krankenkassen normalerweise die Kosten einer Kryokonservierung nicht übernehmen, sollte vor der Therapie mit den behandelnden Ärzten abgeklärt werden, inwiefern das Einfrieren von Zellen für die Behandlung notwendig ist.

Auch unverheiratete Paare können eine In-vitro-Fertilisation durchführen lassen. Hierzu müssen sie allerdings unter anderem in einer stabilen Beziehung leben und keiner von ihnen darf mit einem anderen Partner verheiratet sein. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei Unverheirateten nicht die Kosten für die Behandlung.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. Juli 2016
Quellen: Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln: www.schwanger-info.de. (Stand: Oktober 2008) Keck, Dr. med. Ch.: Neue Wege bei unerfülltem Kinderwunsch. Trias, Stuttgart 2008 Breckwoldt, M. et al. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2008 Sautter, Dr. med. T.: Wirksame Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch. Thieme, Stuttgart 2000

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